Eine Ohrfeige für Schily

Wer ab Herbst einen neuen Reisepass haben will, bekommt den nur noch gegen Fingerabdrücke – und dann mit einem teuren Chip, auf dem das Gesicht des Inhaber ist.

Ein Fehler, finden die Datenschutzbeauftragten der Länder:

Die Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder ist der Auffassung, dass mit der Ausgabe von elektronisch lesbaren biometrischen Ausweisdokumenten erst begonnen werden kann, wenn die technische Reife, der Datenschutz und die technische und organisatorische Sicherheit der vorgesehenen Verfahren gewährleistet sind. Diese Voraussetzungen sind bisher jedoch noch nicht in ausreichendem Maße gegeben.

Klingt irgendwie nach: Die Pässe machen wir sicherer, den Datenschutz durchlöchern wir. Also nix Neues von Rot-Grün seit 1998.

Berufskrankheit

Den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen. Da macht man sich den Rücken kaputt und natürlich die Augen. So weit die Theorie. Die Realität ist laut Spiegel-Online noch viel schlimmer:

Exzessives E-Mailen verblöde den Menschen demnach mehr als exzessives Haschisch-Rauchen (verbunden mit einem IQ-Abfall im Bereich von vier Prozent). Auch die Symptome seien durchaus ähnlich.

Gleich mal schnell nachschauen: Allein heute habe ich knapp 140 Emails gelöscht (natürlich vorher kurz reingeschaut), knapp 60 an Kollegen weitergeleitet und rund zehn selbst als wichtig behalten. Und ich fühle mich schon ganz, ganz leicht…

Citizen Journalism Reloaded

Die Idee mag ja gut sein – aber vielleicht nicht 100% praxistauglich. Die Los Angeles Times hat ihr Wiki-Editorial, bei dem alle Leser am Leitartikel mitschreiben konnten, wieder aufgegeben

after some users sabotaged the site with foul language and pornographic images. The newspaper launched the experimental “wikitorial” Friday and killed it early Sunday after an unknown user or users posted explicit photos.

Citizen Journalism

In seinem Blog weist “Der Spindoktor” auf einen interessanten Artikel zum Thema “Citizen Journalism” hin:

It’s one of the hottest buzzwords in the news business these days. Many news executives are probably thinking about implementing some sort of citizen-journalism initiative; a small but growing number have already done so.

Ob diese Form des “Bürger-Journalismus” (und wenn ja, welche?) die Zukunft ist?

Aus- oder abgewogen

Die “taz” schreibt heute auf ihrer Medienseite über das Buch “Buried by The Times” von Laurel Jeff, in dem der sich mit der Rolle der New York Times im Zweiten Weltkrieg und ihrer Berichterstattung über den Holocaust auseinandersetzt.

Interessantes Fazit, das sich jeder Journalist zumindest hin und wieder mal durch den Kopf gehen lassen sollte:

Ausgewogener Journalismus, das zeigt die Untersuchung Leffs, ist aber nicht immer auch guter Journalismus.

Pixelmania

Is’ doch ganz einfach: Eine Digitalkamera ist immer besser, je mehr Pixel sie hat. Sagt doch jeder Werbeprospekt. “8 Megapixel für nur 199 Euro” oder so: Mehr Pixel für weniger Geld.

Fuji hat jetzt einen netten Werbespot ins Netz gestellt, der mit diesen Vorurteilen aufräumt. Wie heißt’s darin so schön.

Mehr Pixel bedeuten nicht unbedingt ein besseres Bild. Das zu glauben ist so wie anzunehmen, ein Buch wäre besser, wenn es mehr Worte enthält.

Eine Knuddel-SMS

Nein, ausnahmsweise mal nicht “US-Wisenschaftler haben herausgefunden…”, sondern US-Designer haben entwickelt. Und zwar: Ein Shirt, dass seinen Träger oder seine Trägerin knuddelt, wenn es vom Patner oder der Partnerin per SMS dazu aufgefordert wird.

Touching the sensors on your shirt and whispering the name of the person you want to hug activates the sensors, your mobile receives the data (hug pressure, skin temperature, heartbeat rate, time you are hugging for, and the name of the person you want to hug) and delivers it to the other person. If the other person or the sender doesn’t have the shirt she can just send an SMS text message, and it will be transformed into a hug!

Aber wo liegt der technische Fortschritt, knuddeln können wir uns doch auch so? Ach ja, hier:

If you don’t need a hug you can switch it off.

Der bessere Lafontaine

Während Oskar Lafontaine als neuer Spitzenkandidat der WASGPDS in Chemnitz vor dem Karl-Marx-Denkmal von “Fremdarbeitern” schwadroniert, die deutschen Landsleuten mit Billiglöhnen die Jobs klauen und sich später – gegenüber BILD, wem sonst – auch noch verteidigt, statt sich zu entschuldigen:

Zu BILD sagte er: „„Den Begriff hatte ich ohne jede diskriminierende Absicht verwandt. Mit den nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges aus besetzen Gebieten nach Deutschland deportierten beziehungsweise in der deutschen Wirtschaft eingesetzten Arbeitern nicht deutscher Staatsangehörigkeit verbinde ich den Begriff Zwangsarbeiter. Ich benutze das Wort fremd niemals, um jemanden zurückzusetzen oder auszugrenzen.“

gibt Norbert Blüm der “taz” ein Interview, in dem er sagt:

Vom Mindestlohn hält Ihre Partei aber wenig. Vorfahrt für Arbeit klingt eher wie Vorfahrt für jede Art von Arbeit.

Blum: Diesen Slogan muss die CDU erklären. Es könnte ja auch Kinderarbeit gemeint sein – die ist ebenfalls billig. Es wird vergessen, dass Arbeit auch etwas mit Sinn zu tun haben muss.

Könnte ein seltsamer Wahlkampf werden.