186 > 197

Spiegel Online meldet gerade über den Parteitag der WASG:

Der Antrag des Bundesvorstandes, die Vereinigung der WASG mit der Linkspartei weiter voranzutreiben, fand eine deutliche Mehrheit. 186 Delegierte votierten für ihn, 197 stimmten dagegen. Bis Herbst 2006 soll der Bundesvorstand auf Basis der gemeinsamen Programmdiskussion beider Parteien konkrete Vorschläge für die Parteibildung vorlegen. Ziel sei ein “Zusammenschluss auf gleicher Augenhöhe”, heißt es in dem Antrag.

Jetzt traut man der WASG ja eigentlich so ziemlich alles zu, aber dass sie sogar die einfachen Regeln der Arithmetik über den Haufen geworfen haben? Oder kann nur jemand bei Spiegel Online nicht rechnen? (Dann wird’s bestimmt bald korrigiert ;-) .)

Alte Geschichte(n)

Die freie Wirtschaft
von KURT TUCHOLSKY (1930)

Ihr sollt die verfluchten Tarife abbauen.
Ihr sollt auf Euren Direktor vertrauen.
Ihr sollt die Schlichtungsausschüsse verlassen.
Ihr sollt alles Weitere dem Chef überlassen.
Kein Betriebsrat quatsche uns mehr herein.
Wir wollen freie Wirtschaftler sein!

Wir diktieren die Preise und die Verträge -
kein Schutzgesetz sei uns im Wege.

Ihr braucht keine Heime für Eure Lungen,
keine Renten und keine Versicherungen.
Ihr solltet Euch allesamt was schämen,
von dem armen Staat noch Geld zu nehmen!
Ihr sollt nicht mehr zusammenstehen -
wollt Ihr wohl auseinandergehen!

Ihr sagt: Die Wirtschaft müsse bestehen.
Eine schöne Wirtschaft! Für wen? Für wen?

Das laufende Band, das sich weiterschiebt,
liefert Waren für Kunden, die es nicht gibt.
Ihr habt durch Entlassung und Lohnabzug sacht
Eure eigene Kundschaft kaputtgemacht.
Denn Deutschland besteht -
Millionäre sind selten -
aus Arbeitern und aus Angestellten!

Diesen Text von Kurt Tucholsky hat die “taz” dankenswerterweise in ihrer Osterausgabe veröffentlicht und darunter noch die Sätze gesetzt:

KURT TUCHOLSKY wurde 1890 in Berlin geboren und nahm sich 1935 das Leben. 1931 schrieb der Schriftsteller: “Daß der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muß, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist.”

Armes Deutschland (I)

Am Samstag in der Zeitung gelesen: 58 Prozent der Deutschen glauben einer Umfrage zufolge, es gebe zu viele Ausländer in Deutschland. Wahrscheinlich die selben 58 Prozent, die bei der nächsten Umfrage jammern, dass das Land entvölkert wird und bald niemand mehr da ist, der “unsere” Renten bezahlt.

Armes Deutschland (II)

Samstag, 9.45 Uhr, Lufthansa-Flug 270 von Berlin-Tegel nach Köln. Das Einchecken verzögert sich um eine halbe Stunde, als endlich alle an Bord sind, sagt der Pilot den Grund durch: Der Flughafen Tegel habe an diesem Samstag leider nicht genügend Busfahrer gehabt. Das IT-Profis rar sind, das war ja bekannt. Aber Busfahrer? Vielleicht ist die Lage doch schlimmer, als geglaubt.