A Matter Of Emotions

Es ist erstaunlich, wie es das Interesse für ein Land, für eine Region, verändert, wenn man einmal dort war. Seit wir im Herbst 2005 in Israel waren, lese ich die Dinge, die über den Nahostkonflikt gedruckt werden, aufmerksamer, blättere nicht so schnell weiter wie bei Berichten über andere Krisenherde. Die Aufmerksamkeit, die man verteilen kann, ist nun mal begrenzt.

Die vergangenen Tage haben das Land, in dem wir vor einem Jahr Urlaub gemacht haben, und das für uns Außenstehende auf dem Weg zu einem Frieden schien, wieder in eine Krisenregion verwandelt. Die Schlagzeilen, die bei der Jerusalempost oder Haaretz zu lesen sind, klingen nach Kriegsberichterstattung. Wenn man die Bilder von den aufgezogenen Panzern sieht, von den Bombeneinschlägen in Gaza, den Soldaten, dann liegt es nahe, hier, in der Ferne, zu fragen: Ist das die richtige Reaktion? Ist das nicht überzogen? Trifft diese Militäraktion nicht viel zu viele falsche? Die letzte Frage ist sicher einfach mit Ja zu beantworten, die zweite ist schon schwieriger – und die erste fast unmöglich zu beantworten. Es ist in diesem jahrzehntelangen Konflikt so viel passiert, dass jeder, der sich für eine Seite entschieden hat, gute Argumente finden wird, warum seine Position die richtige ist. Die einzig richtige.

Das liest sich dann im virtuellen Netz der Blogs so, dass bei Jewlicious jemand kommentiert:

Idea: lets see if the “push them into the ocean” things works, we will do it in the name of helping Hammas and Iran. Sort of a cross cultural scientific exchange. Create a line of tanks and just start moving west, I suppose Ashkelon is a good port of entry. We can have gun boats out there directing them to swim towards egypt.

Und bei Sabbah’s heißt es:

Israeli Terrorist Kidnap 8 Palestinian Minister and 20 PM. So now we are even… Oh wait, the Israeli Kidnaps are nothing but occupier settlers and terrorist solider, whereas the Palestinians Kidnaps are democratically elected parliament members and ministers!

So, wie es zwischen den Autoren dieser Zeilen in absehbarer Zeit wohl keine Verständigung geben kann, so wenig scheint eine Lösung des grundsätzlichen Konflikts möglich zu sein. Hass, so viel Hass, für den es sicher jeweils (gute oder weniger gute) Gründe gibt, der sich rationalen Diskursen entzieht. Continue reading

Zu Gast bei Freunden Reloaded

Die katholische Nachrichtenagentur KNA meldet gerade, dass es in Stralsund am 13. Juli einen zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntag geben soll – weil an diesem Tag US-Präsident George W. Bush in der Stadt ist. Und, hey, in dessen Land der unbegrenzten Möglichkeiten there is no “ladenschluss”. So wollen die Stadtväter dem mächtigsten Mann der Welt die Chance bieten, nach den sicher beschwerlichen und langwierigen Gesprächen noch ein bisschen shoppen zu gehen. Das ist das neue deutsche Motto: zu Gast bei Freunden. Continue reading

Ökonomielehrbuch

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt findet, mehr als 250 Krankenkassen in Deutschland – das braucht kein Mensch. Deshalb sollen die Kleinen verschwinden und mit den großen fusionieren. Die simple Argumentation: So viel Wettbewerb ist teuer, verwirrt den Verbraucher und nützt ihm nix. Oder so ähnlich.

Macht das Schule, drohen uns schwere Zeiten. Aber hoffentlich sagt niemand Ulla, dass es in Deutschland mehr als 1000 Brauereien gibt.

Eskalation

Einer der entführten Israelis ist tot. Und laut Nachrichtenagenturen geben die Palästinenser an, nun chemische Waffen gegen Israel einzusetzen:

Die palästinensischen El-Aksa-Brigaden haben nach eigenen Angaben eine Rakete mit einem chemischen Sprengkopf auf Israel aufgefeuert. Das Geschoss auf die südisraelische Stadt Sderot sei die Antwort auf die israelische Offensive im Gazastreifen und die Festnahme zahlreicher Minister der Hamas-Regierung.

heißt es übereinstimmend in Mitteilungen. Die israelische Armee wolle das nicht bestätigen.