Die 93. Minute

Gestern Abend, Café Schönbrunn im Volkspark Friedrichshain. Public Viewing heißt das heute wohl. Auf der Großleinwand flimmert England gegen Schweden. Die Nachspielzeit wird angezeigt: 3 Minuten. Er, offenbar England-Fan, hadert mit dem Schiedsrichter: “Was soll denn das? Warum denn drei Minuten? Der Sepp Herberger hat gesagt, ein Spiel dauert 90 Minuten. Kein Spiel dauert mehr 90 Minuten.” Sie: “Herberger is ja auch schon lange nicht mehr.”

Frauen verstehen eben doch mehr vom Fußball. Aber der Ball, der bleibt weiter rund. Vorerst zumindest.

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Für Freiheit, gegen Zensur

Das ist doch mal eine einfach Entscheidung. Amnesty internation hat die Kampagne “Irrepressible” gestartet:

Irrepressible bedeutet demnach

Adj. 1) Impossible to repress or control.

Das Ziel, das Internet als Ort für Meinungs- und Gedankenfreiheit zu erhalten.

The Internet is a new frontier in the struggle for human rights. Governments – with the help of some of the biggest IT companies in the world – are cracking down on freedom of expression.

Und dagegen kann man ja nun wirklich nichts haben. Alles weitere steht hier

“Israel ist sehr reich”

Bei PartisanTimes gibt es eine Übersicht über Reaktionen auf die Spieler Ghanas, die mit der israelischen Fahne ihren Sieg gefeiert haben. Die waren nicht überall freundlich, so heißt es in arabischen Medien etwa:

“Everything can be bought by money, Israel is very rich”

“Of course this is the Israeli lobby”

“Please God, strike the hand that raised this flag with paralysis.”

Und auch der Fußballverband von Ghana hat sich für seine Spieler entschuldigt.

Na gut, dann drücke ich beim nächsten Spiel nicht dem Verband, sondern nur den Spielern die Daumen.

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11. September 2006

Es gibt die Idee, am 11. September 2006, dem 5. Jahrestag der Terroranschläge auf das World-Trade-Center in New York, den 2996 Opfern durch 2996 Blogger zu gedenken. Ein interessantes Projekt – da werde ich versuchen mitzumachen.

Am 11. September 2001 waren wir in Cuba. Als wir in einem kleinen Laden Wasser kauften, sagte uns der Verkäufer, ein Flugzeug sei ins Weiße Haus in Washington gestürzt. Ein anderer widersprach, es sei ein Hochhaus gewesen. Irgendwie ziemlich surreal, und wir wollten das nicht so ganz glauben. Zurück im Hotel liefen die Bilder in “CNN en espanol”; der Kommentar war für uns nicht zu verstehen, aber es war auch so ziemlich eindeutig. Am Abend dann der Versuch, vom Hotel aus ein wenig im Internet zu surfen. In den Tagen darauf bekamen wir recht wenig mit, wie sich die Welt verändert hat, vor allem, welche Sicherheit/Unsicherheits-Debatte in Deutschland geführt wurde. Im Nachhinein war das nicht das Schlechteste.

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Deutschland ist Weltmeister

Achtung, Achtung! Wo bleibt das Feuerwerk? Das Hupkonzert? Das Gejohle draußen, “es gibt nuuuuur ein Oliiiiiwweeer Nöööööwilll” etc. pp. Wo bleibt die taumelnde Begeisterung der Teutonen.

Schließlich sind wir längst Fußballweltmeister. Auch wenn nicht Poldi & Schweini, sondern Bits & Bytes den Robocup geholt haben, den wir uns noch dazu wegen der etwas komplizierten Regeln mit ein paar anderen Nationen teilen müssen – das ist doch allemal mehr ein Grund zu Jubeln als dieses Menschengekicke.

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Fifa bankrott

Zumindest wäre es wohl so, wenn die Fußball-WM-Organisatoren sich den Regeln des Marktes stellen müssten, schreibt das “ad hoc”-Weblog des Handelsblattes. Demnach haben nur 3,66 Prozent der WM-Karten-Inhaber die Karten bekommen, die sie haben wollen (bzw. wenn man die rausrechnet, die ohnehin keine wollten, etwa 10 Prozent). Eine Quote, die die Blogschreiber zu folgendem Gedankenexperiment veranlasst:

Man stelle sich das mal in einem Mediamarkt vor: “Ja, eine Digicam wollen Sie! Gut dann hinterlassen Sie mal hier Personalausweisnummer, Name und Anschrift. Wir verlosen nächste Woche ein Kontingent von 100 Olympus und wir teilen Ihnen danach mit, welches Modell sie bekommen k?nnen, wenn Ihre Nummer gezogen wurde. Aber bitte bringen Sie zur Abholung Bargeld mit und kommen Sie persönlich.”

Was würden wir in so einer Situation sagen: “Ich bin doch nicht blöd.”

Aber, hey, so ist’s doch eigentlich immer (ok, außerhalb des Mediamarktes): Drei Viertel der Deutschen kreuzen bei der Wahl so an, dass sie keine Mehrwertsteuererhöhung um zwei Prozentpunkte (“Merkel-Steuer”) bekommen – und am Ende steht eine Erhöhung gleich auf 19 Prozent. Dagegen ist das mit der Fifa doch ganz ok.

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Konversere de tysk?

Globalisierung ist was Tolles. Da kann man sich in einem deutschen Elektronikmarkt eine wirklich hübsche, kleine Digitalkamera eines japanischen Elektronikkonzerns kaufen, deren Karton allein auf Englisch und Französisch beschriftet ist – und bei der das Handbuch, das aus Kostengründen ohnehin ausschließlich elektronisch auf CD beiliegt, nur in den Weltsprachen “Norsk, Dansk, Finsk” abgefasst ist.

Immerhin, die Kamera selbst “spricht” auch deutsch, wenn man will.

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