Post von Ulla

Hollidro, das Bundesgesundheitsministerium hat tatsächlich auf meine Mail, mit der ich einen Link auf ihre Seite anmelde geantwortet. Der Inhalt der Mail erweckt allerdings nicht wirklich den Eindruck, als ob die schreibende Dame auch nur ungefähr eine Ahnung davon hat, was ein Link ist und was in den “Verlinkungsregeln” ihres Ministeriums verlangt wird:

Sehr geehrter Herr Streim,

vielen Dank für Ihre Anfrage per Mail. Mit Erstaunen haben wir die Kritik an den Verlinkungsregeln des BMG zur Kenntnis genommen.

Solche oder ähnliche Nutzungsbedingungen sind durchaus üblich (siehe zum Beispitel T-Online, Financial Time Deutschland, BMAS, Fraunhofer Institut, FIFA, Sparkasse etc.).

Absicht des BMG ist es nicht, zu zensieren, sondern zu vermeiden, dass die Seiten in missverständlichem Zusammenhang verlinkt werden. Es besteht keine Erlaubnispflicht, da die Erlaubnis schon gegeben ist. Diese Erlaubnis kann lediglich widerrufen werden, wenn z.B. der Link als Inline-Link ohne URL oder innerhalb von Frames gesetzt wird, sodass beim durchschnittlich oberflächlichen Lesen die Herkunft des Werkes nicht erkennbar ist oder darauf nicht aufmerksam gemacht wird; in diesem Fal läge eine Verletzung des § 13 UrhG vor. Bei einer Verletzung des UrhG können rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Mit freundlichen Grüßen
Referat Öffentlichkeitsarbeit

Ich meine, man weiß ja, wenn die Fifa was so macht, dann muss es ja rechtmäßig und vernünftig sein, oder war da was?

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Journalismus von unten…

…von Bürgerinnen und Bürgern, selbst gemacht, ohne die bösen Gatekeeper aus den Redaktionsstuben, die ja eh nur gekauft sind und versteckte Botschaften der Mächtigen in die Printprodukte einbasteln, das sind ja für viele solche Projekte wie die Reader’s Edition der Netzeitung.

ReaderseditionNett, dass jetzt etwa Medienrauschen darauf hinweist, dass dort gerade ein lupenreiner PR-Text erschienen ist, die Moderatoren das in einem Nebensatz sagen – und alle zufrieden sind. Ich fand ja schon vorher vieles an dem Projekt seltsam, aber das hätte ich dann doch nicht erwartet.

Wenn der einzige Unterschied ist, dass man PR, die sich leicht selbst online stellen lässt, besser findet als PR, die sich irgendwie ihren Platz im bezahlten Journalismus erkämpft, dann ist das aber doch arg wenig.

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15 Sekunden bis zum Einschlag

Die Journalistin Judy Lash Balint schreibt in ihrem Blog “Jerusalem Diaries” über eine Reise nach Sderot, das unter regelmäßigen Raketenbeschuss aus dem Gaza-Steifen liegt in einer Reportage:

According to IDF statistics, more than 600 Kassams have been launched against Israel from the Gaza Strip since last September. Several have targeted the Ashkelon industrial area, but it’s Sderot, barely 3 miles away from Beit Hanoun, that has borne the brunt of the onslaught.

Last weekend alone, seventy of the crude arrowhead missiles were launched toward Israel. Four Israelis were wounded and a few buildings were damaged. Every time there’s an incoming Kassam, a warning siren sounds. It’s called ‘Red Dawn’ and provides all of 15 seconds for people to dive next to a wall or under the bed. To say that the citizens of Sderot are on edge would be a severe understatement.

In deutschen Medien liest sich das etwas abstrakter. Aber dafür gibt es da auch ein pasendes Zitat eines Hamas-Sprechers:

“Wir haben beschlossen, Sderot zur Geisterstadt zu machen”, erklärte ein Hamas-Sprecher, der sich Abu Ubeideh nannte.

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Siegestaumel

Nach dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die Fußballmacht Polen jubelt’s von der Straße herein, Feuerwerk illuminiert den Himmel. Ja sind wir denn schon wieder Weltmeister?

Neugieriger Blick aus dem Fenster, wer da so grölt. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, urinieren drei in Schwarz-Rot-Gold gehüllte Jungmänner kollektiv an den Zaun. Der eine: “Geil, jetzt fühl’ ich mich in meiner Fahne wieder wohl.” Der andere: “Gibt’s hier irgendwo ‘n polnisches Geschäft, können wir die Scheibe einschmeißen und ‘ihr Loser’ dranschreiben.” Lachen. Der Dritte: “Ooooooliver Nööööööööwilllllll.” Abgang.

Die Grenze zwischen Patriotismus, Nationalismus & Idiotie lässt sich manchmal ganz leicht in Promille ausdrücken.

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Kassam kills

In deutschen Medien finden sich ja häufig Berichte über die Folgen von Angriffen der israelischen Armee auf die Palästinensergebiete. Dass auch der umgekehrte Fall – etwa die 70 Kassam-Raketen, die in den vergangenen Tagen auf Sderot abgeschossen wurden – Folgen haben, liest man selten(er), dass Eltern zum Beispiel ihre Kinder nicht mehr in die Schule lassen.

Da ist der Ärger und die Enttäuschung verständlich wenn dann noch die Weltöffentlichkeit Israel die Schuld für Tote gibt, bevor die Umstände aufgeklärt sind.

Nachtrag 14.6.2006, 20.06 Uhr:
Ganz so eindeutig scheint die Erklärung der Israelis zu den Toten am Strand von Gaza doch nicht zu sein.

Nachtag, 17.6.2006, 23.11 Uhr:
Inzwischen werden weitere Zweifel an der israelischen Version laut.

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Tri, tra, ullala

Das Bundesgesundheitsministerium ist ganz offensichtlich mit der Gesundheitsreform nicht wirklich ausgelastet. Anders zu erklären ist es jedenfalls nicht, dass das Haus von Ministerin Ulla Schmidt (SPD) so genannte “Verlinkungsregeln” aufgestellt hat. Die besagen im Wortlaut:

Wir freuen uns, dass Sie auf unsere Seite einen Link setzen wollen. Diese Erlaubnis ist jederzeit widerrufbar und gilt nur, wenn Sie die nachfolgenden Regeln einhalten:

Der Hyperlink kann auf die Startseite www.bmg.bund.de oder auf eine einzelne Webseitedes BMG gesetzt werden. Der Vertragspartner ist verpflichtet die jeweilige Seite vollständig neu zu laden, ohne dass die Zielseite in einen Rahmen gesetzt wird.

Der Vertragspartner teilt dem BMG innerhalb von 24 Stunden nach Setzen des Links durch eine E-Mail an die Adresse info@bmg.bund.de das Setzen des Links bzw. die Freischaltung der betreffenden Seite mit.

Diese Information muss den Pfad enthalten, von dem aus auf die betreffende Seite zugegriffen werden kann.

Die Nutzung des Logos des BMG bedarf einer gesonderten Genehmigung.

Und wer sich nicht daran hält, wie die Grüne Jugend, dem drohen Ulla Schmidts Angestellte nicht etwa mit dem Entzug der Krankenkassenkarte oder einer verdoppelten Praxisgebühr, sondern mit einem Gerichtsverfahren. Continue reading

Online ist schneller…

Schneller? Ach was, pfeilschnell. Bitschnell. Dafür gibt’s das ja. Print, das ist doch für die Sachen, die einmal geschrieben werden und an denen sich dann nie wieder was ändern kann. Oder so ähnlich.

Ende Mail gab’s ja in Berlin diesen wirklich interessanten Kongress des DJV BesserOnline, über den hier schon ein bisschen was zu lesen war. Und, hey, welche Überraschung, noch heute findet sich auf der Seite kein Satz, wie gut es war. Kein Schnappschuss einer der zahlreichen Digitalkameras. Geschweige denn eine erste Auswertung eines Workshops oder irgendwelche Power-Point-Folien der Vortragenden. Nein, da steht:

Unter dem Motto “Fast Food oder Vollwertkost?” findet am 26. und 27. Mai nach dem großen Erfolg im Vorjahr (siehe Dokumentation) die zweite “Besser Online”-Tagung statt. Am 26. Mai wird es die seltene Gelegenheit zu Besuchen in Berliner Online-Redaktionen geben (begrenztes Platzangebot). (…)

Etc. pp.

Online ist eben – schneller.

Nachtrag, 23. Juni: Nun ist die Dokumentation des Workshops online unter www.besser-online.info.

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