Antwort wurde gestrichen

Das Interview-Portal Planet Interview hat mit Tom Junkersdorf, Chefredakteur der Bravo, ein telefonisches Interview geführt. Nach der Autorisierung blieb allerdings nicht mehr viel übrig, weil Herr Junkersdorf, wie [Planet Interview schreibt], komplette Antworten zurückgezogen hat, etwa 70 Prozent des gesamten Gesprächs. Darunter wirklich spannende Fragen, etwa ob 1,99 Euro für einen Klingelton angesichts eines Bravo-Heft-Preises von 1,30 Euro nicht unangemessen sei oder ob Herr Junkersdorf selbst schonmal einen Klingelton heruntergeladen habe.

Was man alles nicht weiß weiß man nur deshalb, weil Interviewer Jakob Buhre in der veröffentlichten Fassung des Interviews die Fragen einfach hat stehen lassen – und dazu “Antwort wurde gestrichen” geschrieben hat. Liest sich zwar etwas eintönig, aber gut.

Mich hat es daran erinnert, wie ein bundesweit aktiver Gewerkschaftsfunktionär einmal ein Interview mit der “Märkischen Allgemeinen” geführt hat, seine Pressestelle aber bei der Autorisierung meinte, sie müsse lieber einen neuen Text schreiben – und vom Original nix mehr übrig gelassen hat. Wir haben das damals einfach weggeschmissen, aber so eine Aktion wie von Planet Interview, die hat deutlich mehr Charme.

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Krisensymptome

Wie schlecht geht es dieser Gesellschaft eigentlich? Ziemlich schlecht, wenn man die Zeichen richtig deutet. So entschuldigte sich gerade ein mir gut bekannter Pressesprecher für eine verzögerte Mail damit, dass er erschöpfend damit beschäftigt gewesen sei, 15 “Journalisten” am Stück abzuwimmeln, die sich unbedingt kurzfristig für eine Abendversanstaltung mit einem – leidlich, wie ich finde – prominenten Redner akkreditieren wollen. Manche von diesen “Kollegen” konnten nicht mal sagen, für welche Redaktion sie Gedenken zu schreiben. Mal ehrlich, für ein gutes Buffet sollte man doch wenigstens so eine kleine Legende wie aus einem drittklassigen Agentenfilm auf Lager haben.

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We speak German

Die Internationale Funkausstellung in Berlin steht bevor. Und das ist natürlich auch ein Thema für eine Regionalzeitung wie die Märkische Allgemeine, schließlich wollen wir unseren Lesern ja sagen, was es dort zu sehen gibt – und, weil guter Service, auch wo. Dafür hat die Messe Berlin einen Hallenplan ins Internet gestellt:

Da erfährt man dann genau, wo auf der Ifa der “SNC Satellite Network Cable”-Bereich ist, wo “Broadband” oder “Mobile Entertainment” ihren Platz haben und wo sich gegebenenfalls mehr über “Digital Imaging & Digital Music” erfahren lässt.

Kann ja nur eine kleine Panne sein, haben wir uns gedacht – und freundlich bei der Ifa-Pressestelle angefragt, ob wir vielleicht den Hallenplan auf deutsch bekommen könnten. Die Antwort kam prompt, an der Mail hing auch gleich eine Grafik der Hallen an. Leider aber dieselbe, die auch im Internet abrufbar ist. Dazu der Hinweis, dass es den Hallenplan “nur zweisprachig” gebe.

Zweisprachig? Der Pressesprecher war ganz baff als ich ihn anrief und freundlich fragte, wo denn die zweite Sprache geblieben sei, ich könne nur Englisch sehen. Und das könnten viele unserer Leser leider schlecht verstehen. Klar könnten wir das auch selbst übersetzen (wobei: Utilization von Music & Images? Grusel…), aber eigentlich könnte doch die Messe doch selbst ein paar Begriffe auf Deutsch einstreuen. Die Antwort: Die Bereiche hießen nunmal so – und schließlich sei die Ifa eine Weltmesse, da spreche man nunmal Englisch.

Ein Gerücht ist aber, dass die Ifa nächstes Jahr Ceu heißen soll – Consumer Electronics Unlimited. So heißt die hübsche Internationale Funkausstellung dieses Jahr aber schon in der Unterzeile.

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Die vielen Gesichter…

…des Andreas Streim. Oder so ähnlich. Google ist ja immer für eine Überraschung gut, hin und wieder schaut man ja auch mal nach, was die Suchmaschine schlechthin beim eigenen Namen auswirft. Und zum ersten Mal habe ich jetzt geschaut, was da eigentlich bei der Bildersuche rauskommt:

Also ich muss zugeben, ein bisschen überrascht war ich ja schon…

Hmmm, also, tja, so wirklich… Hoffentlich ist Google bei Suchanfragen, bei denen man sich selbst nicht wirklich auskennt, besser. Aber zumindest wäre das eine Erklärung, warum es manchmal bei Bild.de zu so seltsamen Verwechslungen kommt.

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Nur nicht provozieren lassen

In der “taz” von diesem Wochenende – mein Abo läuft ja noch bis zum 4. September – schreibt Rudolf Walther, seines Zeichens nach eigenen Angaben Journalist in Frankfurt am Main, über “die Barbarei des Luftkriegs” und das neue geflügelte Wort vom “asymmetrischen Krieg”. Durchaus ein paar kluge Gedanken, aber dann bricht es aus ihm heraus:

Das Kidnapping von israelischen Soldaten und der nicht zu rechtfertigende Beschuss israelischer Siedlungen und Städte war kein Krieg, sondern eine Provokation in erpresserischer Absicht. Wie schon 1982 nahm aber die israelische Militärdemokratie auch jetzt den Anlass zum Vorwand – damals die Ermordung eines Diplomaten – für einen Krieg gegen Zivilisten, medial drapiert als “Selbstverteidigung”. Dabei bediente sie sich hauptsächlich der Zombie-Strategie des Luftkriegs.

Aha. Die Raketen auf israelische Städte und Siedlungen, waren eine “Provokation” mit “erpresserischer Absicht”. Eine ziemliche Provokation, bei der Menschen verletzt und getötet worden sind. So gesehen waren die Anschläge in London in der Gedankenwelt des Rudolf Walther wohl auch nur ein “deutlicher Fingerzeig”, die von Madrid ein “kleiner Wink mit dem Zaunpfahl” und der 11. September ein “Schuss vor den Bug”. Alles nix, worüber sich ein Journalist so ernstlich aufregen sollte, geschweige denn eine Regierung.

Und wenn irgendwelche Leute Raketen auf einen anderen Staat abschießen, dann muss man diese “Provokation” wohl am besten einfach übersehen, so wie man nörgelnde Kinder halt auch vielleicht mal gar nicht wahrnimmt, damit sie ihr Ziel, Aufmerksamkeit zu bekommen, nicht erreichen. Das klingt von weit weg, aus Frankfurt am Main, ja total logisch – muss Rudolf Walther beim nächsten Mal nur den Opfern und deren Familien erklären, dass sie diese “Provokation” halt zu ertragen haben, und dass der Versuch, diese Raketenstellungen zu zerstören, auf keinen Fall “Selbstverteidigung” sind. Aus der Sicht der einstmals linken “tageszeitung” in Berlin und ihrer Autoren.

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Sigmar Gabriel und die Prostitution

Wären die Vorschläge schlauer Politiker zum Internet bereits umgesetzt, dann wäre das nicht passiert. Dann hätte niemand ein Foto von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in das Wiki mein Parteibuch hochladen und mit dem Text “Ich will auch zu den Nutten, Herr Hartz”” versehen können. Weil solche Unverschämtheiten (mit denen, by the way, Magazine wie die “Titanic” viel Geld verdienen, die nennen es Satire) dann natürlich von den Internetüberwachern unterbunden worden wären, bevor sie passiert wären. Klar, oder?

Weil das aber nicht so ist, lässt Sigmar Gabriel – denn man wohl dann auch nur noch still und leise ungestraft für eine Pfeife halten darf, nicht nur als Umweltminister – eine Anwaltskanzlei an den Betreiber der Seite “Mein Parteibuch” schreiben und bei einem Streitwert von 20.000 Euro fordern, Bild und Text zu löschen.

Abgesehen davon, dass Sigmar Gabriel offenbar nicht genug zu tun hat, sondern im Internet surft und seltsame Websites anschaut, um sich dann über Texte wie “Ich will auch zu den Nutten, Herr Hartz” zu ärgern, fragt man sich schon, wie da ein Streitwert von 20.000 Euro bei rauskommen soll. Nur weil man Sigmar Gabriel mit Nutten in Verbindung bringt? Mein Gott, was würden dann Sätze kosten, wie… Okay, das aufzuschreiben kann ich mir wohl nicht leisten.

Aber warum soll Sigmar Gabriel auch irgendwie besser sein als seine Parteifreundin Ulla Schmidt?

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Die Größten in der Mark

Achtung, Achtung! Hier folgt jetzt ein kleiner Werbeblock:

Top 100 Unternehmen

Die Bahn ist Brandenburgs größter Arbeitgeber – mit 8455 Beschäftigten im Land. Darauf folgen Vattenfall und Metro. Und noch 99 weitere Firmen, die wir heute in der Märkischen Allgemeinen veröffentlicht haben. Und, natürlich, gibt’s die Liste auch online, allerdings kostet die aktuelle Geld – die der vergangenen zwei Jahre gibt’s aber umsonst. Und mit diesem Schnäppchen-Angebot soll’s auch genug der (Eigen)werbung sein.

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Hammwa nich, gibbet nich, geht nich

Ich hatte mich ja an T-Mobile gewandt, weil deren Super-Feature “Speedmanager” bei jeder GPRS-Internetverbindung nachfragt, ob ich denn den Datenstrom optimieren möchte – und das leider manche Programme auf meinem tollen Treo so stört, dass sie dann nicht mehr funktionieren. Der erste Versuch der Kontaktaufnahme ging ja bekanntlich schief, auf meine zweite Mail hin bekam ich heute einen Anruf.

Herr Ziegler sagte mir, das geht leider nicht anders – der ungefähre Verlauf des Gesprächs aus der Erinnerung beschrieben:

Ich: Das ist aber dann ein doofes Feature, weil es ja zum Beispiel auf meinem Treo Programme stört, die dann nicht funktionieren.

Er: Das geht aber nicht anders.

Ich: Hmmm, das heißt also, wenn ich das abstellen will, muss ich den Provider wechseln?

Er: Ja, hmmm, aber das geht nicht anders. Das kommt vom Netzwerk. [Häh? Naja, muss ich ja nicht verstehen, bin ja nur Kunde.]

Ich: Ja, das ist dann aber schade, irgendwie…

Er: Das geht leider nicht anders.

Somit weiß ich: Es geht bei T-Mobile nicht anders. Und ob ein Feature beim Kunden ankommt oder nicht, ist auch egal. Es geht halt nicht anders. Wer sich jetzt den Telekom-Aktienkurs anschaut – stetig abwärts, es geht halt nicht anders – hat vermutlich eine Ahnung, woran es liegt.

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