Ver-Sicher-t

Als die Debatte um die Einführung der Lkw-Maut so richtig brummte, da gab’s natürlich auch eine Menge bedenken. Wenn da so überall auf der Autobahn Fotoapparate und Kameras rumstehen würden, ja, dann wäre doch bald kein Bürger mehr sicher. Mit Privatsphäre wäre es dann Pustekuchen. Das haben die Politiker dann auch eingesehen – oder so getan als ob – und ganz ausdrücklich ins Mautgesetz reingeschrieben:

Diese Daten dürfen ausschließlich für die Zwecke dieses Gesetzes verarbeitet und genutzt werden. Eine Übermittlung, Nutzung oder Beschlagnahme dieser Daten nach anderen Rechtsvorschriften ist unzulässig.

Tja, das ist so ein paar kurze Jährchen später Schnee von gestern. Denn Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) möchte nun das Gesetz novellieren damit dann:

vor dem Hintergrund spektakulärer Kriminalfälle die Millionen Mautdaten, die detaillierten Aufschluss über Fahrtrouten und -zeiten von Lkw-Fahrern geben, künftig zur Aufklärung von schweren Stafttaten und zur Gefahrenabwehr eingesetzt werden können.

Aber natürlich nur für total schwere Straftaten und ganz besonders schlimme Verbrechen. Wird bestimmt auch so ins Gesetz geschrieben. Mindestens mal für ein zwei Jahre (siehe oben). Und dann? Die Nachrichtenagentur DPA beschreibt heute schon, was dann kommen kann, am Beispiel London:

Der Stadtbezirk Westminster hat die Aufstellung von 20 Kameras beschlossen, die in der Umgebung von Piccadilly, Oxford Circus und West End die Straßen überwachen. Wer beim Falschparken ins Visier der Objektive gerät, bekommt als Beweismittel ein Standbild und gleich dazu den Strafzettel zugeschickt. Und das kann teuer werden: Wer gleich zahlt, ist mit 40 Pfund (knapp 60 Euro) dabei. Wer sich länger Zeit lässt, muss das Doppelte überweisen.

Bei Einsatz der Lkw-Maut-Technik auf Autobahnen für die Polizei gibt’s dann künftig keine Radarkontrollen mehr. Die Geschwindigkeit wird automatisch von den Maut-Brücken gemessen. Der Abstand zum Vorherfahrenden (Drängler!) natürlich auch. Ob jemand telefoniert oder anderweitig abgelenkt ist – ebenso. Natürlich wird das Bild abgeglichen, ob ein gültiger Führerschein vorliegt. Und wenn das Birnchen vom Scheinwerfer ausgebrannt ist, gibt’s den Bußgeldbescheid mit entsprechendem Hinweis bald postwendend.

Da fragt sich jetzt nur, von welcher Firma Schäuble dann demnächst einen Job angeboten bekommt.

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Das Jobwunder

Endlich, nachdem die alte rot-grüne und die neue schwarz-rote Bundesregierung alles in ihrer Macht stehende getan haben, ist es fast da, das Jobwunder. Ein paar klitzekleine Millionen sind noch ohne Arbeit, aber es werden täglich weniger.

Unser Nicht-Mehr-Arbeitsloser des Tages:

Ex-Bundesinnennminister Otto Schily von den Spezialdemokraten

Nach dem Ex-Kanzler, der eine Pipeline hat bauen lassen, die er nun künftig selbst mit verwalten soll, kommt nun Otto, der die innere Sicherheit aufgerüstet hat – und wird Aufsichtsrat in einer Sicherheitsfirma. Genauer: Er wird berufen, in den Aufsichtsrat der Firma Biometric Systems AG. Das Unternehmen, so berichten die Nachrichtenagenturen, “entwickelt und vertreibt auf der Iris-Erkennung basierende Software, wie sie unter anderem bei der biometrischen Grenzkontrolle am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen verwendet wird”.

Na, das ist doch mal eine schöne Aufgabe – und schön, wenn auch noch Leute über 50 in diesem Land einen neuen Job finden können, der sie fordert – naja, wie soll man sagen, nachdem sie selbst ein bisschen “gefördert” haben. Denn, so schreibt die Nachrichtenagentur AFP:

Während der Amtszeit des heute 74-jährigen Schilys wurde in Deutschland der Reisepass mit biometrischen Merkmalen eingeführt.

Schau schau, wer verkauft da was?

“Eine Hand wäschst die andere” schreibt keiner. Wird wohl einen Grund haben.

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Kindergartenpartei

In Berlin tobt ja, wie bereits kürzlich beschrieben, der Wahlkampf. Die SPD hat wie die anderen Parteien viele schöne große Plakatwände aufgestellt, deren Motive von vielen teuren Werbestrategen entworfen worden sind. Eines soll zeigen, wie toll innovativ die Berliner (dank der regierenden SPD, natürlich) sind. Es sieht so aus:

Eigentlich doch nicht schlecht, oder?

Dumm nur, dass heute die Nachrichtenagentur DDP getickert hat, dass dieses Zeug, was wir da sehen, mitnichten so richtig was mit Innovation zu tun hat:

Tatsächlich handelt es sich bei der Konstruktion um einen bei vielen Kindern beliebten Bausatz. Der erste Baukasten der Marke Fischertechnik ist bereits vor 40 Jahren auf den Markt gekommen. (…) Auf dem Foto sei ein Modell aus dem Baukasten “3 D Industry Robots” zu sehen, sagte Beate Rzadtki, Sprecherin der Fischerwerke Artur Fischer, am Mittwoch der Nachrichtenagentur ddp.

Und mit Berlin ist damit ja wohl auch Essig, die Firma kommt aus Baden-Württemberg.

Aber, mal ehrlich, was soll man von Spezialdemokrat/inn/en halten, denen zum Thema “Gastfreundlichkeit” für Berlin ausgerechnet ein in seine Lektüre vertiefter Taxifahrer einfällt, den nun wirklich gar nie- und nimmer niemand ansprechen möchte, weil’s dann ‘ne ordentliche Berliner Schnauze setzt.

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