Die zwei Seiten einer Medaille

Gerade berichtet “Spiegel Online”, dass mehrere israelische Jets “Scheinangriffe” auf Beirut geflogen hätten. In dem Artikel heißt es:

Die Uno-Friedenstruppe für den Südlibanon und die libanesische Regierung werfen Israel vor, mit solchen Flügen die Uno-Resolution zum Waffenstillstand zu verletzen.

Das ist ja mal wieder unerhört, von diesen Israelis, muss man da denken.

Wenn man allerdings den aktuellen Newsletter der israelischen Botschaft in Deutschland liest, dann klingt das schon ganz anders:

Kriegsvorbereitungen: Die libanesische Regierung teilte der UNO mit, dass der Schmuggel von Kampfmitteln aus Syrien in den Libanon auch in den vergangenen Wochen andauerte.

Dies berichtete heute Nacht (Dienstag, 31.10.06) der UNO-Sonderbeauftragte für den Nahen Osten, Terje Roed-Larsen. All dies geschehe trotz der UNO-Sicherheitsrats-Resolution 1701, die unter anderem ein Waffen-Embargo beinhaltet.

Larsen sagte, dass die libanesischen Vertreter öffentlich und auch in Gesprächen mit der UNO erklärt hätten, dass Kampfmittel über die Grenze in den Libanon geschmuggelt werden. Die offizielle Position der syrischen Regierung besagt, dass der Schmuggel von Kampfmittel über die Grenze wahrscheinlich sei, es sich jedoch um eine durchbrochene, schwer kontrollierbare Grenze handle. Larsen betonte, dass die UNO keinerlei Informationen über die Menge oder die Art der Waffen sowie deren Herkunft habe.

Der UNO-Sondergesandte lobte die Anstrengungen der libanesischen Regierung zur Unterbindung des Waffenschmuggels an die Hisbollah im Süden des Libanon. „Ich denke, dass die libanesische Regierung alles unternimmt, um den Schmuggel von Kampfmitteln entlang der Grenze zu verhindern. Ob diese Bemühungen ausreichend sind? Das wird die Zeit zeigen.“

Auch der amerikanische UN-Botschafter John Bolton zeigte sich besorgt darüber, dass Syrien und der Iran versuchen, die Stabilität des Libanon dadurch zu erschüttern, dass das Waffenembargo der UNO untergraben wird. Er betonte, dass die Verpflichtung Syriens, das Embargo umzusetzen, besonders wichtig sei, da Syrien außer Israel das einzige Land sei, das eine gemeinsame Grenze mit dem Libanon habe. Er rief den syrischen Präsidenten Bashar Assad auf, die UNO-Resolution umzusetzen, wozu er sich gegenüber UNO-Generalsekretär Kofi Annan verpflichtet hatte.

Naja, diese Informationen müssen bei “Spiegel Online”, aus Versehen, vermutlich, wohl in die “Ablage P” gerutscht sein. Kann ja mal passieren.

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Hindu-Aufstand?


Hindu-Aufstand?
Die islamische Welt ist schnell mal beleidigt, das wissen die Israelis am besten. Doch jetzt droht neues Ungemach. Dieser Webeflyer eines argentinischen Steakhouses aus Jerusalem könnte zu Unruhen in hinduistischen Ländern führen: “Es gibt keine heiligen Kühe!” Beim Barte des Propehten, wer so auf den religiösen Gefühlen anderer Menschen herumtrampelt… Äh, wie, das ist den Hindus Schnuppe? Aber warum machen dann die Moselms schon bei Strichmännchen einen Aufstand? Hmmm, ob’s doch an was anderem liegt?

Guten Tag, ich rufe aus China an und wollte fragen…

Wie die Schweizer “Sonntagszeitung” berichtet, hat die “Süddeutsche Zeitung” Pläne in der Schublade, ihre Online-Redaktion nach Tschechien zu verlagern. Es gebe zwar derzeit keine Bestrebungen, einen solchen Schritt zu vollziehen, im September sei die Sache abgeblasen worden, heißt es dort, aber offenbar war die Sache so ernst, dass bereits Stellenanzeigen geschaltet und erste Einstellungsgespräche geführt worden waren:

Im März tauchte im nicht öffentlich zugänglichen Internetforum des «Vereins der Freunde der deutschen und tschechischen Kultur» erstmals eine Stellenanzeige auf. Sie liegt der SonntagsZeitung vor. Darin sucht eine Agentur im Auftrag eines «renommierten Medienkonzerns im deutschsprachigen Raum für seinen führenden News-Provider Nachrichtenred akteure/innen am Standort Prag/ Tschechien». «Deutsche Muttersprache» und «die Herausforderung, etwas aufzubauen, bedeutet Ihnen mehr als ein geregelter Acht-Stunden-Tag», wurden unter anderem als Voraussetzung genannt. Auftrageber war der Süd deutsche Verlag. Dies bestätigte ein Verlagsprecher.

Nun ja, echte Recherche lässt sich im Brandenburger Land weder von China noch von Tschechien aus erledigen, aber Polen…? Und auf der anderen Seite, vielleicht wäre es manchmal ja hilfreich, wenn die Wirtschaftsredaktionen dahin outgesourced werden, wo die deutschen Unternehmen ja auch hinziehen.

Hinweis gefunden bei: Rebellen ohne Markt

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Die wertschöpfende Klasse

Ja ist denn schon wieder Mannesmann-Prozess? Kommt einem so vor, als ob der letzte gerade erst vorbei war (oder war’s die Revision? Egal.). Und da findet man beim Aufräumen diesen alten dpa-Agenturausdruck vom 21. Dezember eines unbekannten Jahres, in dem die Nachrichtenagentur einen Kommentar der “Welt” der Weltöffentlichkeit zu Gehör bringt:

“Das juristisch triftige, aus liberaler Sicht zutiefst fragwürdige Urteil des Karlsruher Bundesgerichts im Fall Mannesmann veranschaulicht dreierlei. (…) Drittens: Der deutsche Staat verfügt über ein Arsenal an juristisch dehnbaren Kampfbegriffen, mit denen er weit in den betrieblichen Alltag eindringen darf. Die wertschöpfende Klasse wird behördlicher Willkür ausgeliefert zum Nachteil des Standorts.”

Die “wertschöpfende Klasse” der Ackermanns, Essers & Zwickels? Muss ich gleich mal in meinem Marx nachlesen, ob die da auch schon vorkamen.

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Spielverderber

Da sitzt man zu Hause. Freut sich, dass man als Tageszeitungsredakteur in Brandenburg morgen, am Reformationstag, nicht arbeiten und auch am Tag davor keine Zeitung produzieren muss. Denkt sich seins, pfeift sich eins und trinkt eine Tasse Tee. Und dann das – diese Spielverderber vom – natürlich! – unternehmernahen “Institut der deutschen Wirtschaft” in Köln. Diese Spaßbremsen haben nix besseres zu tun als uns vorzurechnen, wie wir alle mal wieder mit unseren feiertäglichen Arbeitsverweigerung den Standort schädigen.

Eine Milliarde Euro gehen am Reformationstag flöten. Und an Allerheiligen, einen Tag drauf, sind es sogar mehr als fünf Milliarden Euro.

Liebe IW-Ökonomen, macht doch einfach auch mal frei. Und lasst das Rechnen sein.

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Kaufverhinderungsstrategie

Supermärkte sind tolle Erfindungen des Kapitalismus. Alles liegt in greifbarer Nähe. Nur kurz die Hand heben – und schon liegen Käse, Brot, Wein, Fruchtgummis, links- und rechtsdrehende Joghurts, Fertigsushi, Reis in acht verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen etc. pp. im Einkaufswagen. Die Barrieren abbauen, keinen Verkäufer fragen müssen, einfach zulangen, haben und (später, viel später) bezahlen. So funktioniert wie wunderbare Warenwelt.

Außer bei Rasierklingen.

Diese Produkte gibt’s grundsätzlich nicht. Stattdessen hängen dort billige Pappkärtchen, sozusagen Bezugsscheine für das eigentliche Produkt. Waren-Sozialismus. Erst an der Kasse kann der Papierfetzen eingetauscht werden, gegen das eigentliche Produkt; Mach-9-Turbo-Multisensor-Mehrfachschneider-Rasierklingen eben. Ganz schön unbequem – vor allem, wenn dann an der Kasse keine sind. Und die Kassiererin mal langsam ihre Kasse verlässt, Richtung Verkaufsbüro trottet, klopft, wartet, wartet, reingeht, die Türe schließt. Und nichts passiert. Die Schlange hinter einem scharrt mit den Füßen, murrt, grummelt. Warum muss der denn – am Samstag! – auch unbedingt Rasierklingen kaufen. Elektrisch rasieren wäre ohnehin billiger, denkt man selbst. Und wartet. Peinlich berührt. Die Tür geht wieder auf, die Kassiererin erscheint, trottet zurück, legt wortlos die Klingen aufs Band – und zieht sie dann über den Scanner.

Liebe Produktstrategen: Teurer Schnaps steht bei euch offen im Regal, zum Zugreifen. Aber 11,99 Euro-Klingen werden nur unter extrem schwierigen Bedingungen abgegeben. Das sind Kaufverhinderungsstrategien. Ich werde jetzt mal schauen, ob ich meine Klingen nicht in irgendeinem Online-Shop (vielleicht noch dazu billiger) ordern kann, in der Jahresvorratspackung. Das ist dann wohl Kapitalsimus 2.0.

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Kleingedrucktes

Die Telekom ist und bleibt ein dröger Staatskonzern – glaubt Thomas Knüwer. Okay, das ist nicht wirklich originell, aber Knüwer erklärt auch, warum das (immer noch) so ist, am Beispiel des neuen Internet-Fernsehens, das die Telekomiker so richtig hoch in die Gewinnzone katapultieren soll. Nur leider hat die Werbung kein Werbeprofi und den Tarif kein Kundenberater entworfen, sondern das alles haben die Techniker und Juristen unter sich ausgemacht und Absätze wie diesen geschaffen:

Die Tarife T-Home Complete Basic und Plus können nur in Verbindung mit einem T-Home Complete Paket gebucht werden. Paketangebot gilt bis 15.01.2007, gilt für Neukunden und besteht aus einem VDSL Anschluss, einem T-Home Complete Tarif und Hardware. VDSL 25 für 34,99 €/Monat, Tarif T-Home Complete Basic für 19,95 €/Monat oder T-Home Complete Plus für 29,95 €/Monat. Die Hardware (solange Vorrat reicht) kostet einmalig 99,95 €,ab 01.01.2007 99,99 €. Bei Versand des Pakets zzgl. 9,99 €. Alle Preise inkl. MwSt. Mindestvertragslaufzeit 12 Monate; Automatische Verlängerung um jeweils weitere 12 Monate, sofern keine fristgerechte Kündigung mind. 3 Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit eingeht. Paketangebot setzt einen Telefonanschluss der Deutschen Telekom AG voraus und ist in einigen Anschlussbereichen verfügbar.”

Aber, zur Ehrenrettung von Kai Ricke & Co.: Ich telefoniere im Festnetz weiterhin mit der Telekom. Irgendwie weiß man da doch, was man hat. Diese ganzen fremden Frauen (Cindy? Suzy? Alice?), die sich zwischen mich und mein süßes Magenta-T drängen wollen, die können mich Kreuzweise. Alte Ehepaare trennt man nicht, auch wenn “die Neue” noch so augenklimpernd vom Plakat flirtet.

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