Motivationsschub

Der Konjunkturmotor brummt, der Aufschwung schwingt und schwingt, die Aktienkurse erklimmen weiter den Dax-Gipfel – und alle fragen sich, warum es so dermaßen toll voran geht. Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) hat im Interview mit der “Märkischen Allgemeinen” eine Erklärung dafür, dass auch Brandenburg 2006 eine Menge Erfolgsnachrichten zu vermelden (PDF, 113 KB) hatte:

Viele ostdeutsche Unternehmer erleben zum ersten Mal seit der Wende, dass es aus einer Krise heraus bergauf geht und dass sie das aus eigener Kraft geschafft haben. Darin steckt eine ungeheure Motivation, die der stärkste Treiber für künftiges Wachstum werden kann.

Ob diese These – Ökonomie ist aber bekanntermaßen zu einem Großteil Psychologie – stimmt wird sich dann zeigen, wenn im Rest-Deutschland das Wachstum erlahmt. Denn dann müsste der Motivationsschub der ostdeutschen Unternehmer nicht nur Brandenburg noch ein Stückchen weiter tragen als Bayern, Nordrhein-Westfalen oder das Saarland.

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Offline vs. Online 1:0

Oder so ähnlich. Und überhaupt: Nur knapp. Das sagt zumindest eine “online-repräsentative Umfrage der TNS Emnid Medien- und Sozialforschung GmbH”, die kurz vor Weihnachten per Mail vertickert wurde. Demnach wurden “insgesamt 1001 Internetnutzer zwischen 14 und 49 Jahren in Deutschland befragt”.

Und herausgekommen ist:

Während mehr als zwei Fünftel der Internet-Nutzer zwischen 14 und 49 Jahren täglich oder fast täglich die gedruckte Ausgabe einer lokalen oder überregionalen Zeitung zur Hand nehmen, rufen lediglich rund ein Fünftel mindestens mehrmals die Woche die Website einer Tageszeitung auf. Weitere zehn Prozent besuchen eine solche Seite nur einmal wöchentlich.

Also 40 Prozent der Befragten lesen mindestens “fast täglich” eine Tageszeitung. Nicht mal jede/r zweite. Gut, im Internet lesen weniger eine Tageszeitungs-Webpage. Die gehen halt gleich auf “Spiegel Online” oder die “Netzeitung”.

Mittlerweile haben bereits 15 Prozent der Internetnutzer auf die ausschließliche Lektüre der Onlineausgabe ihrer Tageszeitung umgestellt. Weitere 15 Prozent können sich genau diesen Schritt in der Zukunft vorstellen. Inhaltlich stoßen unter den Bestandteilen eines Online-Angebots aktuelle Nachrichten auf das größte Interesse der Online-Leser. Vier Fünftel interessieren sich dafür.

Zugleich wollen die Befragten aber nix für die Online-Ausgabe bezahlen. Man fragt sich da nur die ganze Zeit, wer eigentlich dann die Internet-Seiten der Tageszeitungen füllen soll, wenn niemand mehr dafür bezahlt wird. Vielleicht machen das ein paar PR-Agenturen oder (Lobby)Verbände, ganz ehrenamtlich, für die Leser/innen.

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Transparente Auswahl

Die “Tagesschau” will küntig bloggen, Bei DWDL.de heißt es dazu:

In den Blogeinträgen, die gegen Abend veröffentlicht werden, wollen die Chefredakteure Kai Gniffke und Thomas Hinrichs beschreiben, welche Themen warum in die Sendung genommen wurden, welche Bilder die Redaktion im Laufe eines Nachrichtentages alle begutachten musste und welche Themen es nicht in die Sendung schaffen.

Das könnte schon recht interessant werden. Und wenn die Leser auch, wie sich das bei einem echten Blog gehört, kommentieren dürfen, erst recht.

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Bayernstadl

Wenn jemand, wie der Stoiber Edmund, in so einer öffentlichen Affäre drinsteckt, dann ist’s gut, einen guten PR-Berater zu haben. Am besten eine große Abteilung. Am besten ist aber natürlich ein eigener Fernsehsender.

Und so durfte eben in den “Tagesthemen” nach einem Bericht über die Vorgänge des heutigen Tages rund um die “Spitzelaffäre” Sigmund Gottlieb von der großen PR-Agentur dem “Bayerischen Rundfunk” den geneigten Zuschauern erklären, dass

  • er bitte die Kirche im Dorf lassen soll
  • es dieses Zeug, was hier Bespitzelung genannt wird, doch in jeder Partei und in jedem Unternehmen gebe
  • das Ganze nur interessant sei, weil es hier um das – tata – Muster “Frau gegen Mann” gehe
  • die Landrätin Pauli ja eh nur die “schöne Landrätin” sei
  • bei ihr wohl die “Zähmung der Widerspenstigen” ausbleiben werde
  • ansonsten, fast schon O-Ton Stoiber, es doch so viele wichtigere Dinge auf der Welt gäbe, über die man besser berichten und diskutieren sollte

Kurz gesagt: Gequirlte Scheiße Kein so besonders guter Kommentar. Den man(n) in der Staatskanzlei aber sicher gerne vernommen hat. Dennoch: Das Ganze hätte weniger in mein Wohnzimmer gehört, als auf die Toilette der Münchener Staatskanzlei. Weil auch ein Kommentator muss ja mal wieder raus kommen, und das ist da besser als hier. So von wegen der ganzen Sauerei.

Dass die ARD das allerdings sendet, ist schon ein Skandal irgendwie ein deutliches Zeichen dafür, dass meine Rundfunkgebühren schlecht angelegt sind.

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Für das PR-Handbuch

Im Moment haben die Pressestellen der großen Krankenkassen eine Menge zu tun. Wie erklärt man der (ab)geneigten Öffentlichkeit, dass die Beiträge steigen sollen/werden/müssen? Gründe gäbe es ja genug – gekürzte Bundeszuschüsse, schnellere Entschuldung, steigende Mehrwertsteuer -, aber irgendwie ist das ja schon heikel, auf die Kraft des Arguments zu vertrauen.

Besser wäre es da doch… wenn es gar niemand merkt, dass man ganz schön kräftig an der Beitragsschraube dreht. Dachte man sich wohl so oder so ähnlich bei der AOK Brandenburg. Und deshalb wurde dort über die entscheidende Verwaltungsratssitzung sehr ausführlich per Pressemitteilung berichtet. So ausführlich, dass man schon genau lesen musste, um unter der eher unverfänglichen Überschrift

AOK-Verwaltungsrat tagte in Zeuthen

Und dem, hmmm, unaufgeregten Einstieg

Am 19.Dezember tagte der Verwaltungsrat der AOK Brandenburg in Zeuthen, um über die Aufgaben im kommenden Jahr zu beraten und den Haushaltsplan für 2007 zu beschließen.

Breiten Raum nahm die Diskussion der Gesundheitsreform ein, deren Auswirkungen auf Versicherte und Krankenkassenlandschaft in Brandenburg vom höchsten AOK-Gremium kritisch beurteilt wurden.

Irgendwann auf der zweiten Seite den Satz

zwingen die AOK, ebenso wie die große Mehrzahl der deutschen Krankenkassen, zu einer Anpassung ihres allgemeinen Beitragssatzes auf 14,9 Prozent.

zu finden.

Als Journalist kann man sich über so einen Verschleierungsversuch natürlich ärgern oder sich darüber lustigmachen. Aber irritierend ist ja schon, dass die Sache aufgeht. Am nächsten Tag hatten die Brandenburger Zeitungen – mit Ausnahme der “Märkischen Allgemeinen” – keinen Hinweis auf die Beitragserhöhung, auch im RBB-Fernsehen in der “Abendschau” kam keine (Kurz)nachricht dazu.

Der wichtigste Grund dafür: Die Nachrichtenagenturen hatten offenbar die Pressemitteilungs-Lyrik nicht so ganz bis zu Ende gelesen. DPA tickerte erst um 20.30 Uhr eine Nachricht raus, nachdem die MAZ die (wohl verständlich formulierte) Info dann am Abend mit Ergänzungen um Reaktionen kurz vor acht an die Agenturen geschickt hatte. Offenbar zu spät für viele Kollegen. Verwunderlich dabei: Die AOK-Mitteilung ging so gegen 17 Uhr in den Redaktionsstuben ein (und dass es zu einer Beitragsentscheidung kommen würde, war schon seit Tagen bekannt.

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Grundrechenarten

Kollegenschelte gehört sich nicht. Trotzdem: Wenn im Radio mal wieder davon die Rede ist, dass die AOK Irgendwo oder die BKK Schlagmichtot ihre Beiträge “um 0,8 Prozent” oder “um 0,3 Prozent” erhöhen, dann ist das – Unsinn. Und ein Fall für die Pisa-Kommission.

Mal ein kleines Rechenbeispiel: Die BKK Mathemann verlangt derzeit von ihren Versicherten 10 Prozent des Bruttolohns. Ab kommendem Jahr sollen es jetzt 11 Prozent sein. Um wieviel steigt also der Beitragssatz? Um ein Prozent? Mal nachrechnen.

Nehmen wir mal an, Peter Müller verdient 1000 Euro, zahlt also derzeit zusammen mit seinem Arbeitgeber 100 Euro an die Kasse. Künftig sind es, bei 11 Prozent Beitragssatz, 110 Euro.

Aber, Moment, eine Beitragserhöhung um ein Prozent müsste ja bei 100 Euro nur 101 Euro bedeuten. Eben.

Die Kasse erhöht ihren Beitragssatz nicht um ein Prozent, sondern um einen Prozentpunkt. Oder, wenn’s dramatischer klingen soll, um zehn Prozent.

Oder, mal am echten Beispiel gerechnet: Die AOK Brandenburg verlangt von 2007 an statt 13,6 nun 14,9 Prozent. Das ist ein Plus von 1,3 Prozentpunkten – und fast zehn Prozent.

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Das Geld von einer fremden Welt

Wie funktioniert das eigentlich mit dem Geld?

Darüber sind ja schon viele Bücher geschrieben worden, aber die Wahrheit ist doch noch etwas anders. Es ist der

10-Punkte-Plan zur effizienten Ausbeutung eines Planeten mit halbintelligenten Lebensformen. Ein dreiteiliger Animationsfilm zur Erklärung des Geld- und Bankenwesens

Teil 1
Teil 2
Teil 3

An ein paar Stellen ist das Filmchen von Max von Bock ein bisschen arg simpel, aber doch ganz nett gemacht.

via: Schockwellenreiter

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Sprachpanscher

Sprachpanscherei gibt es gewollt, etwa beim Liedermacher Reinhard Mey:

Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars,
>Zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars,
Dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt
Zum Behuf der Vorlage beim zuständ‘gen Erteilungsamt.

An den musste ich sofort denken, als ich die Post vom Konvent für Deutschland geöffnet hatte. Darin eine 24-seitige Broschüre mit dem Titel

Reform der Reformfähigkeit in Deutschland – Zwischenstand 2006 und Ausblick

Und ich dachte daran, wie der Konvent 2016, titeln wird:

Reform der Reform der reformierten Reformfähigkeits-Reform der Reform der Reformfähgikeit in Deutschland – Zwischenbericht nach einem Jahr Schwarz-Rot-Grün-Gelb in Deutschland

Hans-Olaf Henkel, Manfred Pohl – mir graut vor euch.

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