Billigfliegereien, reloaded

Ich habe ja hier bereits über seltsames unerwartetes Geschäftsgebaren von Easyjet und Ryanair geschrieben. Jeff Jarvis fügt dem in der BuzzMachine noch etwas hinzu: JetBlue will so richtig kuschelige Kissen und Decken nur noch gegen Kohle rausrücken, wie hier auch via Reuters zu lesen ist.

Jeff Jarvis fragt sich, wann wohl die Gebühr für frische Luft an Bord eingeführt wird. Auch wenn das noch dauern wird, ein paar Sachen wird es sicher bald geben. Wie wäre es zum Beispiel mit 50 Cent für die Toilettenbenutzung?

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Xingeling, Xingeling

Es hat in der Kasse gexingelt. Die Internetplattform OpenBC, die ja inzwischen unter Xing firmiert, ist gestern an die Börse gegangen. Glückwunsch dazu, war’ ja nicht so wirklich selbstverständlich. Am ersten Tag ist OpenBC/Xing aber nicht über den Ausgabekurs von 30 Euro herausgekommen, ich bin auch skeptisch ob der Weg nach oben geht.

Ein Rätsel ist mir aber, wie OpenBC-Chef Lars Hinrichs Medienberichten zufolge zwar sagen kann, dass die Emission überzeichnet gewesen sei (also mehr Interessenten als Aktien da waren), zugleich der Emissionspreis mit 30 Euro am untersten Ende der geplanten Spanne von 30 bis 38 Euro lag. Das ist zumindest für jemanden wie mich, der sich mit dem Verbrennen von Anlegergeldern den Börsenfeinheiten nicht so gut auskennt, nicht nachvollziehbar. Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt müsste eigentlich der Preis am oberen Ende liegen.

Update: Im Mediendschungel wird der Verdacht geäußert, der Ausgabekurs am ersten Tag sei nur über Stützkäufe der Konsortialbanken gehalten worden.

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Stundenlohn: 4 Euro

Manchmal kann das viel zitierte “Unterschichtenfernsehen” ja wirklich erhellend sein. Gestern Abend auf Sat1 in die Reportage (sic!) “24 Stunden” gezappt. Thema: “Job oder Hopp – wer kriegt die freie Stelle?”.

Inhalt eine voyeuristische Begleittour mit u.a. sechs Leuten, die sich auf eine Stelle als Zimmermädchen im Berliner Luxushotel mit 5 Sternen, so der O-Ton der Sendung, Hotel Q beworben haben.

Was folgt: Zwei Tage Probeputzen, ohne Einweisung, einfach mal um zu sehen, wie die Leute so klarkommen. Wie erwartet: Nicht so besonders. Und der schnöselige “Empfangschef” (so der Beitrags-O-Ton) darf die Probeputzenden mal so ordentlich zusammenfalten.

Als aber am Ende des ersten “Probetages” (der vermutlich unentgeltlich war, zumindest wird über eine eventuelle Bezahlung nichts gesagt) eine der Bewerberinnen zu fragen wagt, was sie denn für eine Bezahlung zu erwarten hat, da wird sie vom Chef des Empfangs abgekanzelt, diese Frage stünde ja wohl erst an, wenn sie bewiesen habe, dass sie für den Job überhaupt in Frage kommt. Hallo? Geht’s noch? Da sollen also sechs von “knapp 4 Millionen Arbeitslosen” (Sat1) in einem “Jobcasting” beweisen, was sie drauf haben – aber ohne dass man ihnen sagt, was denn die Gegenleistung der Firma wäre?

Ich für meinen Teil werde sicher keinen Schritt in dieses Hotel setzen – und empfehlen tu’ ich es auch keinem (obwohl das Interieuer ja ganz ansehnlich war…). Eine sehr ausführliche Anti-Werbesendung, dieser Sat1-Beitrag. Aber, okay, die Q-Zielgruppe sitzt wohl nicht vor “24 Stunden”.

Sat1 hat seine Zuschauer dankenswerterweise informiert, was man als Zimmermädchen da so verdient: 2 bis 3 Euro, pro Zimmer, für das etwa 30 Minuten veranschlagt werden. So zwischen zwölf und 20 Zimmer am Tag könne man schaffen, im Monat kämen die Leute so auf um die 600 Euro. Ein paar Stunden Zeit für den Gang zur Arbeitsagentur zur Beantragung von ergänzendem Arbeitslosengeld II muss man dann wohl noch mit einplanen. Und dafür so eine Rum-Schikaniererei? Armes Deutschland.

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Der Tabu-Mythos

Es ist ja so ein nicht aus der Welt zu schaffender Mythos, dass es in Deutschland ein Tabu gäbe, Israel zu kritisieren. “Man muss doch sagen dürfen…”, heißt es dann immer gerne. Klar, darf man sagen. Tun ja viele auch, häufig.

In der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom Wochenende ist ein Interview mit dem israelischen Autor Yitzhak Laor, der diesen Mythos weiter am Leben erhält:

Wussten Sie, dass in den letzten Monaten die israelische Armee in Gaza Hunderte Menschen getötet hat? Das steht im Internet, aber niemanden interessiert es. Die Deutschen befürchten, als Anti-Israelis dazustehen. Unsinn. Warum schreiben Guardian und Le Monde darüber? Warum kann man das nicht hier thematisieren?

Man mag Laor, der derzeit im brandenburgischen Wiepersdorf arbeitet, zu Gute halten, dass er vermutlich einfach nicht so gründlich deutsche Zeitungen liest. Nur warum behauptet er dann sowas?

Eine kleine Abfrage bei Googlenews verschafft bereits einen Überblick, wie häufig deutschsprachige Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen über Tote in Gaza durch israelische Angriffe berichten. 198 Treffer sind es bei “Gaza Israel Tote”. Übrigens 46 mehr als bei der Suche nach “Sderot Israel Kassam”. Aber das war ja nicht das Thema von Herrn Laor.

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Serviceoffensive, T-style

Als René Obermann Mitte November zum neuen Telekom-Chef befördert wurde, das versprach er für den Konzern ganz neue und unheimliche Dinge:

Obermann selbst kündigte in seiner Antrittsrede eine “Serviceoffensive” an, die zu “hochzufriedenen und loyalen Kunden” führen soll. Ausdrücklich strich er die Bedeutung der “sehr engagierten Mitarbeiter” heraus.

Soweit die Theorie.

Die Praxis ist ein Brief von T-Mobile an uns vom 30. November mit dem “Thema”, wie es dort heißt, “Wichtige Informationen zu Ihrem T-Mobile-Vertrag”. Und dann seht dort. dass man “als innovatives Telekommunikationsunternehmen” “bestrebt” sei, das “Produktspektrum zu erweitern” und, jaja, die “Leistungen noch mehr auf Ihre (also unsere, Anm.) persönlichen Bedürfnisse zuzuschneiden”. Das ist erstmal nix anderes als gequirltes Marketingsprech, um einem was zu verkaufen, so doof ist doch kein Kunde mehr in diesem Land. Zuviel Honig ums Maul, Tag für Tag, Jahrein, Jahraus, das erzeugt nur Brechreiz. Aber dann geht es weiter.

Deshalb, so teilt Ralf Hoßbach, Leiter T-Mobile Kundenservice, mit, sei er total froh, weil unsere “Einwilligung in die Nutzung der bei uns gespeicherten Vertragsdaten, die Sie uns vor einigen Wochen im Rahmen eines Telefongesprächs erteilt haben, von großem Vorteil” ist – für den Konzern, natürlich, nicht für uns. Er dankt uns für das “entgegengebrachte Vertrauen” und teilt uns dann noch den “genauen Wortlaut der Datenschutzerklärung” mit, damit diese uns auch vorliege (wie gnädig), weil das wohl beim Telefongespräch eher nicht passiert ist:

“Ich bin damit einverstanden, dass meine Vertragsdaten aus meinen bestehenden Verträgen mit den Unternehmen der Deutschen Telekom Gruppe innerhalb der Deutschen Telekom Gruppe weitergeleitet werden und von diesen einzeln oder gemeinsam zur Kundenberatung, Werbung, Marktforschung und zur individuellen Gestaltung der von mir genutzten Dienstleistungen verwendet werden.”

Aber sonst ist noch alles in Ordnung? Nicht nur, dass die Telekom – wie mir von anderen (immer unzufriedeneren) Kunden bestätigt wurde – wie die übelste Drückerkolonne ständig ihre Kunden mit Anrufen terrorisiert, um ihnen während des verdienten Feierabends irgendwelche Super-Relax-ABC-Spar-Plus-Tarife anzudrehen. Jetzt wird da schon nebenbei die Aufweichung des Datenschutzes abgefragt, natürlich ohne die exakte Formulierung, oder das einfach mal so behauptet. Wer soll das “nach einigen Wochen” (s.o.) schon so genau noch sagen wollen.

Aber, lieber Ralf Hoßbach und lieber René Obermann, wenn das die neue “Servicementalität” ist und das unter engerem Zusammenrücken des Konzerns gemeint ist, dann vielen Dank auch dafür. Dann reiht sich hier bald noch jemand ein ins Heer der flüchtenden Festnetzkunden, einfach so, aus Prinzip. Und von mir aus dann auch, weil die Konkurrenz noch ein paar Euro billiger ist. Und Mobilfunk gibt’s ja auch bei Anbietern ohne “T”-Markenzeichen.

P.S. Schriftlicher Widerruf kommt per Post.

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Xingbing

Ich habe hier auf dieser Seite irgendwo einen Link, der auf OpenBC verweist, was ja inzwischen ganz multikulti, aber irgendwie auch beliebig Xing heißt. Nicht dass ich diese Business-Club-Plattform wirklich ernsthaft nutzen würde, aber a) findet man dort Leute wieder, mit denen man ewig keinen Kontakt hatte (mehr als bei Stayfriends & Co.) und b) kann es ja auch nicht wirklich viel schaden, dort gefunden zu werden.

In den letzten Tagen nervt Xing aber rum, veranstaltet ein ganz schönes Xingbing. Kein Wunder, die Firma will an die Börse, Geld einsammeln, jetzt wo nach dem YouTube-Deal vielleicht ein paar Leute in Deutschland doch schon mal “Wäbzwonull” gehört haben, glauben, dass es um viel Geld geht, und deshalb ihr bisschen Geld mal wieder investieren. Und, hey, ich dürfte mitmachen. Sagt Xing.

Aber, ehrlich gesagt, ich will lieber nicht. Mir sind Firmen irgendwie suspekt, bei deren Geschäftsmodell ich mir nicht vorstellen kann, wie sie ihren angestrebten Börsenwert in absehbarer Zukunft überhaupt verdienen wollen. Wenn dann Reuters schon schreibt, dass

einer Studie der Investmentbank Lehman Brothers zufolge dürfte sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2007 auf rund 20 Millionen Euro verdoppeln, wobei sie von einer Mitgliederzahl von 3,9 Millionen ausgeht.

Derzeit habe Xing 1,5 Millionen Mitglieder, heißt es bei Reuters auch. Hmmm, mehr als eine schlappe Verdopplung in einem Jahr, kein schlechtes Ziel. Und dann verdient Xing ja auch nur an zahlenden Mitgliedern, das sind laut Reuters derzeit 13 Prozent der 1,5 Millionen.

Im Mediendschungel wird schon mal ausführlich vorgerechnet, dass das Ganze vielleicht kein so gutes Geschäft ist. Und vielleicht der Anfang vom Ende der 2.0-Blablablase.

Ich sag’ ja immer: Wer genug Geld hat, der soll es ruhig auch für solche Sachen ausgeben. Warum soll nicht jemand sich von den zusammengelegten Euros einen Porsche kaufen, bevor sie sonst auf dem Sparbuch verschimmeln? Und, hey, vielleicht wird’s ja doch ‘ne dufte Rendite und alle Erstaktionäre reich. So wie damals. Spielen doch auch genug Lotto, obwohl man da nicht wirklich gewinnt. (Aber, gut, die Chancen sind zumindest ausrechenbar…)

Richtig ärgerlich – und ein schlechtes Zeichen – finde ich nur schon mal die Ad-hoc-eritis, die Xing jetzt offenbar befällt. Da wird von einem Super-Deal mit einem der 50 größten US-Unternehmen jubiliert, was ja auch ganz gut klingt. Nur wird dort mit keinen Wort erwähnt, was Xing an dem Geschäft verdient, so ungefähr wenigstens. Oder ob es vielleicht ein kleines Geschenk war, sozusagen als Werbepartnerschaft. Aber, naja, es darf ja auch niemand wissen, welches Unternehmen es denn ist. 1 aus 50, was jetzt schon wieder ein bisschen nach Lotto klingt.

Also, ad hoc hin, ad hoc her, wenn Xing ihren zahlenden Mitgliedern ein paar Aktien schenkt, dann nehm’ ich sie. Ansonsten: Guten Rutsch aufs Börsenparkett, ich winke lieber von oben.

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Merkellogics

Der Versprecher ist schon eine Woche alt, aber leider komme ich wegen Krankheit erst jetzt wieder zum Bloggen. Am 26. November sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in die Kamera des “Heute Journals” den Satz, mit dem sie ihre Unterstüzung für den Antrag bekundete, künftig Arbeitslosengeld I den Älteren, die länger eingezahlt haben, auch länger zu gewähren:

“Das Risiko für Ältere, wieder in Arbeit zu kommen, ist größer.”

Das Risiko, dass Politiker sich Gedanken über das machen, was sie sagen, wird offensichtlich geringer.

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