Staatsterrorismus

Nur mal eine kleine Frage: Es ist doch dieser Iran, mit dem die Staatengemeinschaft gerade darüber spricht, dass es vielleicht keine so gute Idee wäre, eine Atombombe bauen zu können. Dieser Iran, der fremde Soldaten verschleppt und als Geiseln nimmt. Der diese im Fernsehen vorführt, sie zwingt, schwachsinnige Selbstbeschuldigungen und Briefe an ihre Familien zu schreiben. Der weder Botschaftsangehörige noch Roten Halbmond oder andere Hilfsorganisationen zu den Verschleppten lässt. Der mit all dem gegen internationales Recht verstößt und sich nicht besser benimmt als jeder Geiselgangster. Dessen Führung sich vermutlich schlapp lacht über Papiere, Briefe und Resolutionen, die dieses Verhalten geißeln.

Wundert sich da noch jemand, dass ein Staat wie Israel es ganz sicher nicht zulassen wird, dass ein solches Regime in den Besitz einer solchen Massenvernichtungswaffe kommen wird?

Ich frag’ ja nur mal.

Tags: ,

Unterschichtenfernsehen

Eben auf RTL den “Box”(sic!)”kampf”(sic!) Henry Maske gegen Virgil Hill angeschaut. Ein dicker Fehler. Die härtesten Schläge teilte zweifellos der RTL-Kommentator aus, der diese, hmmm, Veranstaltung als “Meisterleistung” von Maske, als “sensationellen Kampf” und als “Wunder von München” bezeichnet hat.

Er war sich nicht mal zu schade, dieses Im-Ring-Herumgestehe zweier gut bezahlter älterer Herren mit “ein Stück Sportgeschichte” zu belegen. Gefühlte 0,8 Schläge bzw. Schlagversuche pro Kampfminute führten zu der grenzdebilen Äußerung, wir Zuschauer sollten doch jetzt mal “ein Lexikon nehmen” und “bei Superlative nachschlagen, um all die Worte dort” für diesen Kampf zu benutzen.

Selten so viel gequirlte Scheiße in ein Mikrofon gesprochen gehört. Lacht so jemand eigentlich abends beim Bier an der Hotelbar wenigstens über sich selbst? Oder fragt sich, warum man sowas sagt, nur weil man dafür bezahlt wird? Oder glaubt man das am Ende gar selbst?

Wie’s auch sei. Also ich freu’ mich auf jeden Fall total auf den Rückkampf Hill vs. Maske. Und, überhaupt, lebt eigentlich Schmeling noch? Und dieser Muhammed Ali? Bei RTL recherchiert man bestimmt schon fleißig.

Tags: , , ,

Ein weiterer Kanal

oder: Inhalte vom “Tag des Wirtschaftsjournalismus”, Teil 7 und Schluss

Gabor Steingart, Leiter des Hauptstadtbüros des „Spiegel“, sollte die Frage beantworten, was denn dann „für Print“ noch bleibe, wenn jetzt Web 2.0 kommt. Seine Antwort: Irgendwie alles, denn „Print wird nicht verdrängt“. Im Gegenteil. Man könne die Entwicklung wie ein Aktienchart betrachten. Charttechnisch käme man dann vielleicht zum Ergebnis, dass Journalisten ihre beste Zeit hinter sich hätten und jetzt der „user generated content“ dran sei. Er sei aber eher ein Freund der Fundamentalanalyse, „und das sieht alles ganz anders aus“, so Steingart. Continue reading

Weg mit dem Ressort!

oder: Inhalte vom “Tag des Wirtschaftsjournalismus”, Teil 6

Drei Meinungsbeiträge zur Frage, „welchen Wirtschaftsjournalismus brauchen wir (nicht)?“ lieferten Rainer Hank, Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Kommunikationsberater Richard Gaul sowie Ruth Helmling, Schülerin der Kölner Journalistenschule.

1: Über die Leute

Hank, dessen wirklich lesenswerter Vortrag auch vollständig zum Download vorliegt schickte vorweg, dass seine Thesen zwei Voraussetzungen hätten: Erstens, dass die Leute weiter lesen, und zweitens, dass die „Theorie der komparativen Vorteile nicht außer Kraft gesetzt“ sei, das heißt „meine Texte sind besser als die, die People schreibt, sonst mache ich was falsch“.

Im Kern forderte er mehr rezipientenorientieren Journalismus statt des bisherigen produzentenorientierten Journalismus. Continue reading

Im Wirtschafts-Silo

oder: Inhalte vom “Tag des Wirtschaftsjournalismus”, Teil 5

Extra für den „Tag des Wirtschaftsjournalismus“ hatten die Berater von Roland Berger eine kleine Studie über die „Zukunft der Wirtschaftsmedien“ angefertigt, die Burkhard Schwenker vorstellte (Download der Folien hier). Befragt worden waren dazu rund 100 Medienmacher und Entscheider, und zwar in Form von Interviews und Gesprächen, ohne klaren Fragenkatalog. Dabei habe sich gezeigt, so Schwenker, dass „die Wirtschaftsberichterstattung ein stiller, aber auch einsamer Riese ist“. Er sei in den Zeitungen ein Leuchtturm, weil er viele Anzeigen bringe, aber auch ein Silo, weil sich der Wirtschaftsteil häufig selbst genug sei und davon ausgehe, dass die Leser schon wüssten, was ein EBITDA ist.

Einen großen Unterschied zwischen Machern und Lesern gibt es bei der Einschätzung der größten Probleme. Dort würden die Macher vor allem „schlechte Recherche“ (46 Prozent) bemängeln, während die andere Seite „tendenziöse Berichterstattung“ kritisiert (50 Prozent). Continue reading

Journalism is forever

oder: Inhalte vom “Tag des Wirtschaftsjournalismus”, Teil 4

In einer ersten Podiumsrunde sollte es nach so viel Lobgesang auf das Internet um die Frage gehen, „wozu noch Journalisten?“ Auf der Bühne die bisher Vortragenden – Andreas Weigend Dan Gillmor, Laurence Mehl – sowie der N24-Chefredakteur Peter Limbourg, sein Kollege vom Kölner Stadtanzeiger, Franz Sommerfeld, sowie Jochen Wegener, Chefredakteur von „Focus Online“.

Sommerfeld startete damit, dass seiner Ansicht nach Journalisten ganz und gar nicht überflüssig würden. Der Unfall des Containerschiffes auf dem Rhein zum Beispiel hätte zwar zu vielen Leserreaktionen und eingeschickten Fotos und Videos geführt, aber natürlich habe kein Leser zur Ursache recherchiert. Genau dafür brauche es Journalisten. Ebenso sei die von Gillmor angesprochene Karte, die über die Bombenanschläge im Irak informiere, zwar eine gute Idee und Ergänzung von Berichterstattung, aber sie verrate nichts über politische Hintergründe des Konflikts. Aufgabe der Journalisten, so Sommerfeld, sei es aber künftig, stärker Leserreaktionen in Recherche und Berichterstattung zu integrieren.

Dem widersprach Wegener zumindest teilweise; Continue reading

Alles wird digital

oder: Inhalte vom “Tag des Wirtschaftsjournalismus”, Teil 3

Über den „Medienmix der Zukunft“ referierte Laurence Mehl, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt. Seine Kernthese: TV, Radio und Presse werden digital, und das wird die Medienbranche gehörig umkrempeln. „All IP“, alles läuft im Internet zusammen.

Allerdings, räumte Mehl ein, seien die Leser des „Handelsblatt“ was ihre Mediennutzung angeht, etwas anders gestrickt als der Durchschnitt der Deutschen. So habe eine Studie ergeben, dass 90 Prozent der Leser Internetnutzer sind, der Schnitt bei der Gesamtbevölkerung liege nur bei 67 Prozent. Und 47 Prozent der „Handelsblatt“-Leser nutzen das Netz mehrmals täglich, gegenüber 21 Prozent der Bundesbürger. Auch was die Nutzung mobiler Geräte angeht, liegen die „Handelsblatt“-Leser vorne: 91 Prozent (87 Prozent) haben ein Handy, 21 Prozent (10 Prozent) einen elektronischen Organizer und 15 Prozent (8 Prozent) einen Blackberry.

Dennoch: TV, Radio und Presse würden auf kurz oder lang digital werden. Continue reading

Luft rauslassen

Bei “ad hoc” vom Handelsblatt wird unter dem Titel “Luftmatratzenmarken” auch über den “Tag des Wirtschaftsjournalismus” geschrieben. Ein bisschen zu technik- und internetverliebt, wie ich finde, wenn es zum Beispiel über Andreas Weigend heißt:

In Köln war er mit nicht weniger als einem Intel-Lifebook samt Netzteil und UMTS-Karte, einer kleinen Digicam, einer Spiegelreflex-Digicam, einem Handyorganizer und ich glaube auch noch mit einem normalen Handy ausgestattet – ich fand das ziemlich beeindruckend.

Das passt zum Lobgesang auf das

dezentrale, chaotische, vernetzte, collaborative Internet

das ja so viel besser ist als die verschnarchten traditionellen Medien.

Und Gabor Steingart vom “Spiegel” wird abgewatscht:

Besonders der Spiegel-Mann Gabor Steingart, Leiter des Spiegel-Hauptstattbüros und Buchautor, tat sich mit einem Vortrag hervor, den man im Jahr 2000 sicher auch als modern empfunden hätte. Kurz zusammengefasst, sei das Internet sicher ein schöner neuer Kanal für Journalisten, man finde dort aber eher Fast-Food-Journalismus.

Dabei hat Steingart vor allem darauf verwiesen, dass auch im Internet doch sehr, sehr viele Beiträge von “traditionellen Journalisten” gelesen, zitiert, verlinkt und kommentiert werden – und das nicht nur deshalb die Aufgaben von Journalisten wie recherchieren, prüfen, bewerten, nachdenken, aufschreiben etc. alles andere als obsolet werden. Will sagen: Dass sich zwar Verlage und Geschäftsführer durchaus einen Kopf um Geschäftsmodelle machen müssen, die Journalisten selbst aber weiter gebraucht werden.

Mir grummelt es bei solchen Beiträgen wie bei “ad hoc” immer ein bisschen im Magen, weil da eine Technikverliebheit durchschimmert, die ich im Privaten ja durchaus teile, die aber jedwede besonnene, kritische, zweifelnde Stimme einfach als “vielleicht gerade noch im Jahr 2000 passend” und von Vorgestern abstraft. Ich glaube nicht, dass Youtube das Ende des Fernsehens bedeutet, und Twitter & Co. werden nicht den Journalismus neu erfinden lassen. Ganz bestimmt nicht.

Tags: , , ,

Qualitätsjournalismus

Die öffentlich-rechtlichen Sender dürfen von uns Fernsehgerätebesitzern Zwangsabgaben kassieren, weil sie uns dafür auch ganz bestimmt mit Informationen und Qualitätsjournalismus versorgen, anders als die bösen Privatsender, denen es ja nur um Werbeeinnahmen, Werbeeinnahmen und Werbeeinnahmen geht. Und um Einschaltquoten, natürlich.

Bei “Tagesschau” und “Heute” hat man deshalb immer gerne naserümpfend auf RTL-, Sat1- und ähnliche Nachrichten geschaut, die ja auch mal irgendwelche Promis oder sonstiges buntes Zeugs ziemlich weit vorne weg gesendet haben.

Da hat man sich zuletzt wohl bei der “Heute”-Redaktion gedacht, “das machen wir jetzt auch”. Anders ist wohl kaum zu erklären, dass gestern am Ende der “Heute”-Sendung ein völlig unmotivierter Beitrag über Auto-Navigationsgeräte gesendet wurde, die “Stiftung Warentest” gerade getestet hat. Eine kleine Rangliste der besten, zusammen mit dem Ladenpreis, wurde auch gleich eingeblendet. In der Hauptnachrichtensendung, wohlgemerkt. Und am Ende – wir reden ja von Qualitätsjournalismus – kam noch der wichtige Tipp: Aber achten Sie auf Sonderangebote, da können die Preise manchmal noch niedriger sein. Waaaahnsinns-Tipp, bei Sonderangeboten sind die Preise niedriger.

Und heute bei “Heute”, ebenfalls am Ende der Sendung: Ein Filmbeitrag über “Second Life”, wie toll und seltsam es da ist, aber auch ein bisschen – wie gehabt: Qualitätsjournalismus – mit kritischen Anmerkungen, ob alles wirklich ganz so toll bleiben wird, wie es jetzt ist, das könne noch niemand sagen. Völlig ohne jeden Aktualitätsbezug ein solches Werbefilmchen für eine Firma, die ein Online-Rollenspiel betreibt.

Jetzt werden sich die Privatsender aber was einfallen lassen müssen. Und wir, liebes ZDF, hätten gerne ein paar Euro von unseren Gebühren wieder. Danke.

Tags: , , , ,

Alle werden Journalisten

oder: Inhalte vom “Tag des Wirtschaftsjournalismus”, Teil 2

Ein bisschen konkreter als Andreas Weigend wurde dann im zweiten Vortrag Dan Gillmor, Direktor des „Center for Citizen Media“ in Berkeley. Seine Überschrift – „Web 2.0 – die neuen Herausforderungen für den Journalismus“ – ergänzte er mit dem Slogan:

„Von der Vorlesung zur Konversation“

und gliederte den Vortrag in fünf Punkte.

1: Die Veränderung der Medien

Seiner Meinung nach hat es einen „media shift“ durch das Internet und das Web 2.0 gegeben, eine „Demokratisierung der Medien“. Jeder kann nun Medieninhalte produzieren, aber, was möglicherweise noch wichtiger ist, auch der Zugang zu produzierten Inhalten hat sich verändert. Statt dem bisherigen „push“ – die Zeitung recherchiert, schreibt, druckt und liefert an den Leser – suchen sich die Leute nun selbst die Informationen zusammen, die sie interessieren.

Zugleich würden nicht nur die Konsumenten zu Produzenten, sondern zunehmend die Produzenten zu Sammlern von Informationen. Einige Beispiele, die Gillmor vorführte, waren die Abu-Ghraib-Fotos, das Touristenvideo vom Tsunami oder auch eine Karte der tunesischen Gefängnisse, die die Regierung gerne geheim halten würde, die aber Bürger mit Hilfe von Googlemaps ins Netz gestellt haben. Continue reading