Schnell und schneller

Oft bekommen wir als Regionalzeitung vorab Mitteilungen von “großen” Magazinen wie Spiegel, Focus oder “Wirtschaftswoche”, was in deren nächster Ausgabe Spannendes zu lesen ist. Wenn’s um die große weite Welt geht sind die gut besetzten Redaktionen uns eben leider doch manchmal einen Tick voraus. Umso schöner, wenn man mal sagen kann: “Wie? Das hat doch schon vor Ewigkeiten in der MAZ gestanden.”

Zum Beispiel steht in der aktuellen “Wirtschaftswoche” vom 19. März ein Artikel “Prämie für Gesunde”, in dem es um neue Bonusmodelle der AOK Rheinland/Hamburg geht. Dort heißt es nebst einiger Rechenbeispiele:

Mitgliedern bundesweit Wahltarife und Bonussysteme anbieten. Die AOK Rheinland/Hamburg ist die erste Kasse, die jetzt solch ein Modell vorstellt. Vorstandsvorsitzender Wilfried Jacobs will den Versicherten, die selten oder nie zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen, einen Teil ihrer Versicherungsprämie erlassen.

Hmmm, bereits am 12. März hatte die MAZ getitelt: “AOK zahlt Bonus für Gesunde”. Darin steht:

Die AOK Brandenburg wird mit Inkrafttreten der Gesundheitsreform am 1. April erstmals Wahltarife mit einem Selbstbehalt anbieten. Das kündigte AOK-Vorstandschef Frank Michalak im MAZ-Interview an. Der Versicherte könne “einen Zusatzbonus erhalten, wenn er über das ganze Jahr keine wesentlichen Leistungen von uns braucht”, so Michalak. Versicherte können sich voraussichtlich zwischen 50 und 600 Euro pro Jahr als Bonus auszahlen lassen, je nach Einkommen.

Und ganz ausführlich hat der AOK-Vorstandschef uns das sogar im Interview erklärt.

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Hertha null, Cottbus eins

Gestern Abend zum ersten Mal seit der Fußball-WM (dieses schrecklich langweilige Spiel Tunesien gegen Ukraine) im Olympiastadion gewesen, Lokalderby Hertha gegen Cottbus. Allerdings war von Derby auf dem Rasen eher wenig(er) zu spüren. Ein ganz nettes Spielchen, aber nicht verbissen oder umkämpft, alles in allem. Hertha “hat sich stets bemüht”, würde wohl im Arbeitszeugnis stehen – was heißt: sie kann’s halt nicht besser, die arme Hertha.

Das einzige Tor des Abends haben wir verpasst. Kurz nach der Pause waren wir noch auf dem Rückweg vom Klo.

Denn das Stadion mag ja schick umgebaut sein, viele VIP- und Business- oder Ehrenlogen besitzen, aber es gibt definitiv ein Defizit an sanitären Einrichtungen, wenn 50.000+x Leute in 15 Minuten gleichzeitig aufs Klo wollen. Geradezu skuril, wenn der Rasen rund um das Stadion von orange gewandeten Stewards (und Stewardessen) bewacht wird, damit die Zuschauermeute sich nicht an den Rand an den Zaun stellt, um Wasser zu lassen. Ergebnis: Die Leute stehen eben 20 Meter vor dem Zaun in einer Reihe und pullern so auf die Wiese. Und die Stewards (und Stewardessen) schauen zu. Bis irgendwann gelbe “Supervisor” (und wenige Supervisorinnen) auftauchen, die das Pinkeln im Freien zu unterbinden versuchen. Nur: Was soll man tun, wenn man(n) dringend muss und die Schlange vor dem Klo Anstellzeit von 15 Minuten plus X signalisiert?

Liebe Stadion-Planer, da gilt es nachzubessern. Aber das wird wohl eher nix. Hoeneß & Co. müssen ja nicht das selbe Klo aufsuchen, wie der gemeine Zuschauer – sonst würde da sicher Ratzfatz ausgebaut.

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JFK

Gestern schon auf der Rückfahrt von Usedom im Radio, heute in allen Zeitungen: Der Al-Kaida-Scheich hat alles zugegeben. 11. September, Papst-Attentatspläne, Attacken auf Jimmy Carter. Was so ein paar Jahre eingesperrt ohne Menschenrechte und jenseits der Genfer Konvention so bewirken können. Schade nur, dass die Amerikaner beim Fragen zu früh aufgehört haben. Ich bin mir fast sicher, der Scheich hätte auch das Attentat auf JFK zugegeben. Und verraten, in welcher pakistanischen Höhle Bin Laden gerade mit Elvis Karaoke singt.

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Gute Nachricht

Der Billigflieger Tuifly.com kündigt an, vom 3. Mai an

die deutsche Hauptstadt jeweils zweimal wöchentlich (montags und donnerstags) mit Tel Aviv, der zweitgrößten Stadt Israels

zu verbinden. Und das beste daran:

Die Preise pro Person und Strecke beginnen bei 19,99 € (inkl. Steuern und Gebühren)

Und wegen der Klimadebatte dann bitte noch bei Atmosfair vorbei schauen.

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Ein (weiterer) Abgesang auf den Journalismus

Der Chefredakteur der “Wirtschaftswoche”, Stefan Baron, schreibt im aktuellen Vorwort des Magazins einen weiteren Abgesang auf den Journalismus, wie wir ihn kennen, weil jetzt das Internet, das Web 2.0 undsoweiterundsofort richtig da sind. Jetzt können alle alles publizieren und gelesen werden, deshalb werde jetzt irgendwie alles anders. Mal kurz zusammengefasst. Aber stimmt das? Ich glaube nein.

Aber ist etwa ein Amateurvideo notwendigerweise von minderer Qualität als eine Profiarbeit? Oder kann es vielleicht sogar ein besseres Gefühl für die Wirklichkeit vermitteln? Neigen wir professionellen Journalisten nicht allzu leicht dazu, Qualität nach den Instrumenten und Möglichkeiten zu definieren, bei denen wir ein Monopol haben? Ist nicht vieles von dem, was uns als Qualität dünkt, nur „Schaum auf dem Latte“ wie Jeff Jarvis, Professor an der Graduate School of Journalism der City University in New York und prominenter Blogger (buzzmachine.com) es nennt? „Nice to have“ also vielleicht, aber nicht „must have“? Und ist user-generated content wirklich zwangsläufig minderwertig, nur weil er nicht von Profijournalisten kommt?

Ein Amateurvideo von einem aktuellen Ereignis kann natürlich “besser” sein als eine Profiarbeit, in dem Sinne, dass der Profi womöglich gar nicht vor Ort ist, wenn das Ereignis passiert. Aber ich habe bislang wenige Videos auf YouTube gefunden, die ich einer gut gemachten Dokumentation auf “Arte” vorziehen würde. Was nicht heißt, dass es sie nicht gibt – aber was das Problem deutlich macht, dass solche Perlen auch irgendwie gefunden werden müssten. Die wenigsten Menschen haben stundenlang Zeit, zu suchen.

“Profiarbeit” im Sinne von professionellem Journalismus heißt für mich, bestimmte Standards einzuhalten – die ich auch als Leser anderer Publikationen eingehalten sehen möchte. Also z.B. eine Recherche, durch die ich davon ausgehen kann, dass die grundsätzlichen Fakten korrekt sind. Eine Trennung dieser von der Meinung des Autors. Und so simple, und häufig in Vergessenheit geratene handwerkliche Tugenden, wie immer mehrere Seiten zu hören. All das vermisse ich in vielen Blogs, die ich lese, weshalb ich sie als Informationsquelle nutze wie ein Gespräch auf der Straße mit einem mehr oder weniger Unbekannten (und manchmal einem guten Freund) oder ein an den Baum gepinntes Flugblatt ohne Quellenangabe.

Aber vielleicht reden der Kollege von der “Wirtschaftswoche” und ich auch einfach nur von unterschiedlichem Journalismus:

Oder andersherum: Was hat es mit Qualität zu tun, wenn Unternehmer und Politiker nur kontrolliert und formatiert zu erleben sind – wie in traditionellen Medien üblich? Was hat es mit Qualität zu tun, wenn Hunderte von Journalisten mehr oder weniger gleich über ein und dasselbe Ereignis berichten, denselben Film besprechen, dasselbe Fußballspiel kommentieren? Das lässt sich ebenso gut als Geldverschwendung bezeichnen.

Es gibt Fußballspiele, bei denen gerade mal ein oder zwei Journalist am Platz stehen, in der Regionalliga zum Beispiel, oder Veranstlatungen in der Kleinstadt, bei der nur ein Redakteur mit Block anwesend ist. Darüber blogt auch niemand. Woher soll die Info denn dann kommen, wenn keiner darüber schreibt? Wem bei Journalismus nur die Kamerameute um die Bundeskanzlerin einfällt, für den mag es vorstellbar sein, dass das alles nicht nötig ist.

Und hin und wieder gibt es sogar noch Journalisten, die recherchieren. Die Informationen, etwas von Firmen oder Politikern, auf Plausibilität prüfen, Gegenmeinungen einholen, nachrechnen, nachforschen. Dinge, die Zeit und damit Geld kosten, und die niemand auf diese Weise im Internet mit dem Leser zusammen entwickeln kann.

Ich würde sagen: Gut möglich und auch wahrscheinlich, dass die Publikationswege sich in Zukunft verändern, dass möglicherweise weniger Papier bedruckt und mehr Bits & Bytes herumgeschickt werden. Professionellen Journalismus wird es aber, zum Glück, weiter geben. Es gibt ja auch immer noch Handwerker, obwohl alles Zubehör zum Selbermachen längst an jeder Ecke im Baumarkt zu kaufen ist.

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Das Ghetto der Bischöfe

Die katholischen Bischöfe aus Deutschland sind durchs “heilige Land” gepilgert. Sie haben in Israel nicht nur den See Genezareth besucht und die Stellen begutachtet, wo Jesus wohl ins Wasser gestiegen ist. Nein, sie waren auch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und dort sehr ergriffen. Danach waren sie in den Palästinensergebieten – und haben verglichen, wie die Netzeitung berichtet:

Der Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke sagte anschließend nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» vor Journalisten: «Morgens in Jad Vaschem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto in Ramallah. Da geht einem doch der Deckel hoch.» Der Augsburger Bischof Walter Mixa habe angesichts der prekären Lage der Palästinenser von einer «ghettoartigen Situation» gesprochen. Dies sei «fast schon Rassismus», zitierte die Zeitung den Bischof. Andere Blätter berichteten ähnlich.

Und wenn die Herren Bischöfe mal so eine Legebatterie besuchen, dann reden sie wahrscheinlich auch vom Hühner-KZ. Es heißt ja auch “glauben, nicht wissen”. Immerhin haben sie nicht davon angefangen, dass die Juden ja auch den Herrn Jesus ans Kreuz geschlagen haben, immerhin schon eine kleine Verbesserung im Zusammenleben der Religionen.

Ansonsten schade, dass die Bischöfe offenbar keine Zeit hatten, die Stadt Sderot in Israel zu besuchen, wo praktisch täglich Raketen aus dem Gaza-Streifen einschlagen. Vielleicht hätten sie dann, mit ein bisschen nachdenken und möglicherweise einem kleinen Gebet mit der Bitte um Erleuchtung, den Zusammenhang zwischen Terror und Mauer verstanden.

Update, 7.3.2007:
Kardinal Lehmann hat sich immerhin für die Äußerungen entschuldigt, wenn auch, wie ich finde, eher halbherzig:

Lehmann versuchte, die Gefühle der Bischöfe deutlich zu machen nach ihrem Besuch in Jad Vaschem und der Fahrt in die Palästinensergebiete. Nicht wenige Bischöfe hätten, besonders im Schatten der Sicherheitszäune und Mauern in Bethlehem, «eine starke innere Anspannung angesichts der bedrückenden Situation» verspürt. «Dieses Gefühl der Bedrängung hat dann auch in einigen harten Äußerungen seinen Niederschlag gefunden, von denen einzelne sicherlich nicht angemessen waren.»

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