Weil’s so einfach ist

Eigentlich müsste es ja auf Seite 1 aller Zeitungen stehen. Tut’s aber nicht. Höchstens auf der “Aus aller Welt”-Seite ist die Nachricht zu finden:

“Vatikan schafft die Vorhölle ab”

Oder genauer, wie zum Beispiel hier zu lesen ist:

Der Vatikan hat sich nach langer Überlegegung dazu durchgerungen, die Vorstellung einer Vorhölle abzuschaffen. Kleine Kinder, die nicht getauft sind und sterben, kämen demnach nach der katholischen Glaubenslehre direkt ins Paradies. In vorab veröffentlichten Auszügen aus einem Bericht der Internationalen Theologischen Kommission (ITK) des Vatikans heisst es, dass die Vorstellung der Vorhölle “zu streng” sei. Der traditionelle Glaube an die Vorhölle, der nie Teil der offiziellen Kirchenlehre war, stelle eine “unzulässig eingeschränkte Sicht der Erlösung” dar.

Gut, man kann das ein bisschen sonderbar finden. Weil: Wie kann denn der Papst entscheiden, was bei den anderen so Sache ist? Himmel und Hölle sind doch noch nicht fusioniert, keine feindliche Übernahme bekannt geworden. Wäre ja so, wie wenn George W. Bush mal eben entscheidet, dass es im Iran doch keine Urananreicherung gibt. Irgendwie.

Aber auf der anderen Seite: Wenn’s so einfach ist, warum schafft unser Benedikt nicht auch noch gleich die Rest-Hölle ab. Fegefeuer ausgepustet, alles wird gut. Das wäre mal eine Leistung, mit der sich unser deutscher Papst einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern könnte.

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Im Innern des Terrors

Das X-Ray-Project zeigt die Folgen des Terrorismus auf eine ganz ungewöhnliche Art und Weise. Es ist eine virtuelle Kunstausstellung, die aus dem Tonfragmenten eines Krankenhauses und den Röntgenbildern von Opfern von Terroranschlägen besteht. Die Bilder stammen aus der Notaufnahme der zwei größten Krankenhäuser in Jerusalem.

Die Macherin, Diane Covert, schreibt dazu:

The idea for Inside Terrorism began to coalesce in my mind in 2002 as a personal response to terrorism and to my discomfort with the way terrorism has been justified in some circles. This is a documentary of survivors of terrorism. Much like photographer Mathew Brady documented the Civil War, people in emergency rooms today are documenting the effects of terrorism.

Unbedingt anschauen.

Via: Dave Bender, Israel at Level Ground

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Mehr als ein Billigflieger

Mein Kollege Jochen Hung hat in der MAZ versucht, das “Web 2.0″ zu erklären. Ein bisschen “Second Life”, ein wenig Wikipedia, MySpace natürlich und auch eine Prise StudiVZ. Wie gehabt. Zwischendrin aber seine These:

Verwunderlich ist der Erfolg der Netzwerkseiten im Internet nicht. Denn das war schließlich die originäre Idee der ganzen Erfindung: Das US-Militär vernetzte 1969 Universitätscomputer miteinander, um den Austausch von Forschungsergebnissen zu erleichtern und legte damit den Grundstock des Internets. In den Anfängen der privaten Nutzung in den Achtziger Jahren dominierten so genannte “Virtual Communities”, Kommunikationsnetze von Computernutzern, die sich über Vorlieben und Hobbys austauschten.

Das Internet der zweiten Generation ist im Grunde nur eine Weiterentwicklung dieser Anfänge: Statt virtueller “Schwarzer Bretter” nutzt man nun eben die bunten Avatare von “Second Life”, um miteinander zu kommunizieren. Das Web 2.0 ist also keineswegs etwas revolutionär Neues. Denn die Virtualisierung der menschlichen Kommunikation begann schon viel früher mit der Erfindung der Schrift und setzte sich dann mit dem Telegraphen und dem Telefon weiter fort. Das Internet ist lediglich ein weiterer Schub dieser Virtualisierung: Die menschliche Kommunikation wird dadurch nicht entscheidend verändert, nur die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme werden ungemein erweitert.

Am besten lässt sich die Bedeutung des Internets mit einem weiteren viel diskutierten Phänomen unserer Zeit vergleichen: dem Aufkommen von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet. Der potentielle Radius unserer sozialen Kontakte erweitert sich durch Fernreisen zum Preis einer Taxifahrt ungemein und auf eine Art, die man sich vor 10 Jahren nicht hätte träumen lassen. Das Fliegen wurde so allerdings nicht neu erfunden.

Ich denke, dieser Ansatz greift zu kurz. Auch der Buchdruck hat die menschliche Kommunikation entscheidend verändert, obwohl es bereits früher Schrift gab. Und der technische Fortschritt, der den Druck dann billig und schnell machte, hat diese Kommunikation durchaus ebenfalls weiter verändert. Das Internet ist inzwischen soweit – wobei man über den Marketingbegriff Web 2.0 ja gerne streiten kann -, dass tatsächlich die Grenzen zwischen Nachrichtenproduzenten und Nachrichtenkonsumenten verschwunden sind.

Um im Beispiel des Fliegens zu bleiben: Es erscheint mir weniger die Entwicklung vom Linienflug in den 1980ern zum Billigflieger heute als die vom ersten Heißluftballon zur Mars-Mission. Anders gesagt: Aus einem bestimmten Blickwinkel war die Atombombe auch nur eine weitere Bombe, wie viele zuvor. Aber sie hat die Kriegsführung und die Militärstrategie doch gravierend verändert.

Es scheint mir, dass Journalisten diese Entwicklung immer noch gerne unterschätzen. Wobei, gut möglich, der Blick auf “Second Life” für diese Erkenntnis auch denkbar ungeeignet ist.

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Im Zweifel – was dann?


Im Internet kursierende Grafik, von dataloo.

Wolfgang Schäuble hat ein Interview mit dem “Stern” geführt. Darin findet sich diese Passage:

Was bedeutet Ihnen im Kampf gegen den Terror die Unschuldsvermutung?

Oh, die gilt im Strafrecht.

Und nicht für die Politik des Ministers?

Ach herrje, in der politischen Auseinandersetzung gibt es auch keine Unschuldsvermutung. Aber Spaß beiseite. Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige nicht bestrafen als einen Unschuldigen zu bestrafen. Der Grundsatz kann nicht für die Gefahrenabwehr gelten. Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche? Nach meiner Auffassung wäre das falsch.

Die Aufregung über diese Äußerung ist groß, etwa im Law Blog:

Schäuble lässt also demnächst Menschen wegsperren oder sogar per finalem Rettungsschuss behandeln, obwohl sie keinen Anschlag begehen wollen? Nur, weil jemand ohne ausreichenden Verdacht (und damit irrigerweise) mutmaßt, der Betreffende sei irgendwie gefährlich? Damit rechtfertigt der amtierende Innenminister Justizwillkür. Er redet dem Totalitarismus das Wort.

Das Problem an der Schäuble-Äußerung ist jedoch: Er sagt gar nicht, wie er denjenigen “daran versuchen will zu hindern”, dass er möglicherweise einen Anschlag begeht. Und das ist die Crux. Wenn dieses “Hindern” darin besteht, dass man mal klingelt und freundlich fragt, ob denn möglicherweise da was im Busche ist und dann wieder geht, nun, dann ließe sich dagegen wenig einwenden. Continue reading

Schamhaftigkeit

Die Nachrichtenagentur DPA wusste heute zu berichten, dass

der Sprecher des neuen Koordinierungsrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler, sich für einen nach Geschlechtern getrennten Sportunterricht ausgesprochen hat. “Wir Muslime haben ein besonderes Verhältnis zur Schamhaftigkeit. Und wir halten das Erziehungsrecht der Eltern hoch”, sagte Köhler der Wochenzeitung “Die Zeit”.

Nun ist es in diesem Land allerdings bislang so, dass das Erziehungsrecht an den Gesetzen und Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens seine Schranken findet. Wenn Eltern meinen, in der Schule würden Kinder nur dummes Zeug lernen (Evolutionstheroie zum Beispiel, oder Sexualkunde – oder auch Mathematik), dann können sie nicht einfach entscheiden, dass sie ihre Kinder lieber alleine mit dem unterrichten, was ihnen wichtig ist. Nur mal so als Beispiel.

Und wenn sich der Koordinierungsrat, natürlich nur wegen der Schamhaftigkeit mancher seiner Mitglieder, für getrennte U-Bahn-Waggons für Männlein und Weiblein einsetzt, was sagen wir dann?

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Vorsicht, Schuss-Affen!

Die Grafikabteilung der Nachrichtenagentur “Reuters” hat heute eine wunderbare Ankündigung für eine aktuelle Grafik in die Redaktionsstuben geschickt:

Vermutlich war das ein Freudscher Vertipper, mit ungefähr einem solchen Bild im Kopf:

Denn wie ließ US-Präsident George W. Bush gleich nach dem Massaker von Blacksburg ausrichten:

Bushs Sprecherin Dana Perino sagte: “Der Präsident glaubt, dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen.”

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Theaterstücke verbieten

Nach dem Amoklauf von Emsdetten haben Unions-Politiker ein Verbot von Killer-Computerspielen gefordert:

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) kündigte eine Bundesratsinitiative an. Es dürfe jetzt “keine Ausreden” mehr geben, sagte Stoiber. “Killerspiele animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten.”

Der Grund: Der Amokläufer, Sebastian B., hat in seiner Freizeit intensiv ein solches Spiel gespielt.

Jetzt, nach dem Amoklauf von Blacksburg warten viele darauf, dass Politiker Kurse wie “kreatives Schreiben” und Theaterstücke verbieten. Schließlich ist bekannt geworden:

Die beiden Theaterstücke, die Cho Seung-Hui geschrieben hat, offenbaren verstörende Gewaltphantasien. Die jugendlichen Hauptfiguren beleidigen, beschimpfen und bedrohen Eltern und Lehrer. Und ein 13-Jähriger versucht, seinen Stiefvater zu ersticken.

Der Massenmörder von Blacksburg, Cho Seung-Hui, hat im Rahmen seines Englischstudiums mehrere kurze Theaterstücke geschrieben. Ein früherer Kommilitone hat nun zwei der Werke im Internet veröffentlicht. Beide soll Cho ausgearbeitet haben. Die elf und zehn Seiten umfassenden Bühnenspiele “Mr. Brownstone” und “Richard McBeef” sind voll von Beleidigungen, heftigen Ausfällen und pubertären Gewaltphantasien gegen Lehrer und Eltern.

Mario Sixtus hat da schon ziemlich genaue Vorstellungen von unseren Politikern:

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und ihr nordrhein-westfälischer Kollege Armin Laschet stellten dazu in Berlin ein “Sofortprogramm” für eine deutliche Verschärfung des Jugendschutzes vor.

“Wir wollen den Verbotskatalog deutlich erweitern – auf extrem gewalthaltige Theaterstücke, auch wenn sie nicht verherrlichen”, erklärte von der Leyen. “Gewalt darf nicht belohnt werden in einem Bühnenspiel zum Beispiel, indem man den nächsten Akt erreicht oder indem Applaus geerntet wird.” Diese Stücke dürften nicht mehr im herkömmlichen Theatern gezeigt und auch nicht in der Werbung angepriesen werden.

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Eastworld

Heute Nachmittag hatte ich das Vergnügen, mir die Präsentation des Projekts “Euroworld” in Potsdam anzuschauen. Rund 90 Minuten lang wurder von Aufsichtsratschef, Technik-Experten, Architekten und einem Vertriebsvorstand erzählt, wie toll das 6,1-Milliarden-Euro-Projekt im brandenburgischen Sperenberg werden wird. Neben einem Freizeitpark, der Europa im Miniaturmaßstab mit Attraktionen wie Eiffelturm und Hamburger Hafen nachbaut, soll eine “Euroworld City” mit Wohnungen und Firmensitzen entstehen.

Dort gibt es dann auch einen Fernsehturm, ein Fußballstadion, einen Yachthafen, einen Helikopterflughafen undundund. Alles war Berlin hat und noch viel mehr. Der Chef einer echten Werbeagentur, Jochen Karrer von “BMZ and more” aus Düsseldorf, attestierte dem Projekt tolle Chancen, es würde “eine Must-Destination”, gerade für Touristen aus Übersee in Europa.

Ein bisschen blöd war eigentlich nur, dass erneut und anders als bei der Presseinladung versprochen, auch bei dieser Projekt-Präsentation (bereits die dritte innerhalb von weniger als einem Jahr und die zweite innerhalb einer Woche) nicht so richtig klar wurde, wer denn das Geld beisteuern soll. Gut, wenn man “das Euroworld-Fieber hat”, wie der Euroworld-Chef von sich selbst sagte, mag das nicht als eine wichtige Frage erscheinen. Aber wohl auch nur dann. Vor allem, wenn auch noch die meisten der wenigen Detailinfos, die die Euroworld-Macher preisgegeben haben, einem Realitätscheck nicht standhalten.

Was bleibt da an einem Abend nach einem solchen Nachmittag? Man kann sich nur damit trösten, dass man, wenn Euroworld nichts wird, mal wieder das alte Video “Westworld” mit Yul Brynner rauskramen könnte. Das war auch ein gigantischer Freizeitpark – und eigentlich auch viel mehr als das. Aber was steht da, wie passend, bei Wikipedia zu dem Film:

Ein Remake des Films ist gegenwärtig in Planung. Ein genauer Erscheinungstermin steht aber noch nicht fest.

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Holocaust Memorial Day

Dave von “Israel At Level Ground” hat zum heutigen “Holocaust Memorial Day” in Israel einen interessanten Link auf eine Online-Ausstellung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gesetzt.

Viel wichtiger aber noch hat er in einem weiteren Beitrag darauf hingewiesen, warum es heute immer noch und vielleicht wieder einmal mehr nötig ist, sich der Geschichte des Holocaust zu erinnern.

In einem Video, das hier anzusehen ist erklärt Hamas-Sprecher Ismail Radwan seine Sicht des Nahost-Konflikts:

The Hour [Resurrection] will not take place until the Muslims fight the Jews and the Muslims kill them, and the rock and the tree will say: “Oh, Muslim, servant of Allah, there is a Jew behind me, kill him!”

We must remind our Arab and Muslim nation, its leaders and people, its scholars and students, remind them that Palestine and the Al Aqsa mosque will not be liberated through summits nor by international resolutions, but it will be liberated through the rifle. It will not be liberated through negotiations, but through the rifle, since this occupation knows no language but the language of force…

O Allah, strengthen Islam and Muslims, and bring victory to your Jihad-fighting worshipers, in Palestine and everywhere… Allah take the oppressor Jews and Americans and their supporters!

Frei übersetzt von mir heißen diese freundlichen Worte also:

Die Auferstehung wird nicht stattfinden, bis die Moslems die Juden bekämpfen und die Moslems sie töten. Der Felsen und der Baum werden sagen: “Oh, Moslem, Diener Allahs, da ist ein Jude hinter mir, töte ihn!”

Wir müssen unsere arabischen und muslimischen Staaten, ihre Führer und ihre Bewohner, ihre Lehrer und Studenten, daran erinnern, dass Palästina und die Al-Aqsa-Moschee nicht durch Versammlungen oder internationale Erklärungen befreit werden wird, sondern befreut werden wird durch das Gewehr. Es wird nicht durch Verhandlungen befreit werden, sondern durch das Gewehr, weil die Besatzung keine andere Sprache versteht als die Sprache der Gewalt.

Oh Allah, stärke den Islam und die Moslems und bring den Sieg zu unseren Jihad-kämpfenden Anhängern, in Palästina und überall. Allah, nimm die jüdischen Unterdrücker und Amerikaner und ihre Unterstützer (hinweg).

Ein wahrer Friedensfreund der Hamas also, der allen Juden den Tod wünscht, die Befreiung durch die Gewehre herbeisehnt und Verhandlungen und Resolutionen eine Absage erteilt. Der Prototyp eines Judenhassers.

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