Doppel-Hype

Das nenn’ ich mal “zwei Hypes kurz auf den Punkt gebracht”. Mario Sixtus dichtet sich hier selbst einen Kalenderspruch über zwei Sachen, die inzwischen schon fast so nerven wie die erst zwei Tage alte ARD-Kinder-Aktion:

Second Life ist der Knut der Internet-Berichterstattung: hübsch anzuschauen und bald vergessen.

Aber, hoppla, Knut geht’s derzeit gar nicht gut. Schaut mal jemand nach “Second Life” und bringt vielleicht ein paar Aspirin vorbei, vorsichtshalber?

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Müllfreies Müllrose

Eben auf “Spiegel-TV”, der absurde Strafkatalog aus dem brandenburgischen Müllrose. So kann man sich ganz leicht, nach Lausitzring und Cargolifter, zum Gespött der Republik machen:

Eigentlich ist das schöne Müllrose eine beschauliche Gemeinde in Brandenburg. Doch die Ruhe trügt. Denn hinter der bürgerlichen Fassade lauern Abgründe an Ordnungswidrigkeiten. Doch damit ist jetzt Schluss: 90 Verordnungen, veröffentlicht im örtlichen Amtsblatt, sollen das alltägliche Chaos eindämmen. Seither haben Eiszapfen, das Ausschütteln von Betten und Freiluftsex im Müllrose keine Chance mehr. SPIEGEL-TV-Reporter Hendrik Vöhringer über eine Gemeinde die den Schutz der Bevölkerung wirklich ernst nimmt.

Leider gibt’s den Beitrag nicht online zum anschauen. Lohnt sich.

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Du! Willst! Kinder!

Heute ist erst Sonntag. Und schon gegen Mittag ging mir diese unselige “Kinder sind Zukunft”-Woche der ARD gewaltig auf die Nerven. Selbst bei “Radio eins” ist man offenbar gezwungen worden, die Botschaft “Du! Willst! Kinder!” unters Volk zu bringen. Der Sender, der sonst nicht jeden Scheiß mitmacht, knallt mir dann schon mal morgens Power-Mama von der Leyen um die Ohren. So verliert man auch Hörer und Einschaltquote. Dann lieber Privat-Dudelfunk.

Und heute Abend, “Tatort”. Prima. Mal abgesehen von der Story, Kommissarin ist schwanger und irgendwie alles rund ums Kind. Aber, liebe ARD, wie viel Schnaps hattet ihr denn intus als ihr überlegt habt, die Werbebotschaft “Kinder sind Zukunft” die meiste Zeit über links oben ins Eck einzublenden? “Ruf! Mich! An!” für Arme, oder was?

Mir fällt dazu nur diese Geschichte aus den Anfangstagen der Werbung ein:

Weltweit bekannt wurden Praktiken der unterschwelligen Werbung durch den amerikanischen Journalisten Vance Packard, der über die von James M. Vicary, Inhaber der New Yorker Werbeagentur “Subliminal Projection Co.”, entwickelte Technik der subliminalen Beeinflussung in der Werbung in seinem Buch Die geheimen Verführer (The Hidden Persuaders) (1957) berichtete. Diese Technik lief stets darauf hinaus, einem Publikum in einem Kino bei der Vorführung eines Spielfilms Diapositive mit suggestiven Werbebotschaften (“Drink Coca Cola” und “Eat Popcorn”) durch Einblendung für wenige Bruchteile von Sekunden so darzubieten, dass sie diese bewusst nicht wahrnahmen.

Im Vergleich zu einem Kontrollpublikum in einem anderen Kino, dem die Dias nicht vorgeführt wurden, verhielt sich das Publikum, dem sie vorgeführt wurden, nach dem Bericht von Vance Packard gegenüber dem Inhalt der Werbebotschaft radikal anders. War also mit dem Diapositiv für Coca Cola oder Popcorn geworben worden, so konsumierte das entsprechend beeinflusste Publikum wesentlich mehr Cola oder Popcorn als das Publikum ohne einen Kontakt mit dieser unterschwelligen Werbung. Nach Packard steigerte die kurzzeitige, nicht bewusst wahrnehmbare Werbeeinblendung in Kinofilmen den Automatenverkauf im Foyer des Filmtheaters um 18,1 % (für Coca Cola) bzw. um 57,7 % (für Popcorn).

Der Vorteil dieser “Beeinflussung”: Der Zuschauer hat es nicht gemerkt und war schon nach zwei Minuten “Tatort” total angenervt. Okay, diese Woche wird eine Woche des Privatrundfunks und des ZDF. Mit dem Zweiten, so weiß man ja, sieht man ohnehin besser.

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Lieber kein Blog…

…als so ein Blog. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatte zum 1. März ein “Blog für die Pressefreiheit” gestartet, was ich damals wohlwollend zur Kenntnis genommen hatte.

Doch offenbar hatten sich die Gewerkschafter nur gedacht, “alle reden über diese Blocks, das machen wir jetzt auch mal”. Denn seit Inbetriebnahme – ein besseres Wort fällt mir dafür nicht ein – gab es genau drei (in Zahlen: 3) weitere Einträge, in immer größeren Abständen. Und Kommentare gibt es auch – Null. Könnte daran liegen, dass ich mich dazu irgendwie irgendwo anmelden muss. Und sooo wichtig ist das dann alles doch wieder nicht.

Urteil: Peinlich.

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Zurück zu den Wurzeln

Wenn’s keine “Champions League” im eigenen Fernseher gibt, kann man natürlich in eine dieser Premiere-Kneipen gehen. Man kann aber auch einfach mal das Radio einschalten und sich gemütlich im Sessel die zweite Halbzeit des Spiels erzählen lassen. Keine dümmlichen Fernsehreporter-Moderation, bei der immer was geplappert wird, was jetzt gerade gar nicht zum Bild passt. Stattdessen entsteht das Bild vom Spiel, vom Stadion, von den Handelnden vor dem eigenen Auge. Wenn es etwa heißt, Uli Hoeneß sehe aus, als ihm gerade ein Frosch den Hals runter gekrabbelt wäre. Da brauche ich gar kein Kamerabild mehr, um mich zu freuen.

Vielleicht sollte man einfach auch öfter Radiofeatures hören, statt Magazine im TV anzuschauen.

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Happy Birthday, nachträglich

Also, liebes Internet, Dir nochmal nachträglich alles Liebe und Gute zu Deinem 38. Geburtstag. Zumindest behauptet Wired, Du wärst am 7. April 1969 zur Welt gekommen. Hätte ich ja gar nicht geglaubt, dass Du älter bist als ich.

Ich kann mich auf jeden Fall noch erinnern, dass es so Mitte der 90er Jahre ein erhebendes Gefühl war, das erste Mal per Modem ins Uni-Rechenzentrum eingewählt zu sein und Email und Gopher zu nutzen. Ich müsste mal suchen, aber ich schätze mal, irgendwo habe ich diese erste Mail sogar noch gespeichert. Es kommt ja nichts weg hier.

Und, hey, Gopher gibt’s ja immer noch. Zum Beispiel hier. Hat was von einem Museumsbesuch. Schön.

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