Steinbrück will Kanzler werden

Das hat er heute auf der Abschluss-Pressekonferenz des G8-Finanzministertreffens am schönen Schwielowsee vor den Toren Potsdams zumindest gesagt. Aber es ging ihm dabei – zumindest vordergründig – weniger um den Chefposten in der Bundesregierung, sondern um den schönen Titel “Chancellor of the Exchequer of the United Kingdom” den sein britischer Amtskollege Gordon Brown führen darf bzw. führen durfte – und der doch so viel schöner klinge als das schnöde “Finanzminister”.

Um Inhalte soll’s an dieser Stelle jetzt nicht weiter gehen (die schreibe ich dann morgen für die Montag-Ausgabe der MAZ auf)- nur um Eindrücke. Ein paar Fotos von “hinterm Zaun” aus Sicht der Passanten, aber von “vorm Zaun” aus Sicht der Gipfelteilnehmer, gibt’s hier.

Gut beflagt

Presseerklärung

Was vom Gipfel blieb

Ansonsten ist meiner Kollegin Nadine Fabian, die am Freitag vom Gipfel berichtete wenig hinzuzufügen. Und dem eigenen Kommentar vom Vortag, dass keine Überraschungen zu erwarten sind, auch nicht.

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Konsequent

Der Onlinedienst Horizont.net berichtet, dass Telekom-Chef René Obermann jetzt nicht nur bei den Beschäftigten, sondern auch bei der Werbung sparen will:

Die Deutsche Telekom wird ihre Marketinginvestitionen im laufenden Jahr drastisch senken. “Wir wollen gegenüber 2006 in Deutschland einen dreistelligen Millionenbetrag einsparen”, kündigt Vorstandschef René Obermann in einem Exklusiv-Gespräch mit HORIZONT an. Im vergangenen Jahr hat der Bonner Konzern laut Obermann hierzulande zwischen 700 Millionen und 800 Millionen Euro für Werbung und Sponsoring ausgegeben.

Das finde ich aus zwei Gründen richtig konsequent.

1) Macht es eh keinen Sinn, Kunden anzulocken, wenn deren Anschlussaufträge dann ohnehin wegen des Streiks liegenbleiben.

2) Ist es blöd, zusätzliche Kunden zu werben, wenn man doch am Service sparen will. Jeder weiß, dass jeder Kunde ein potenzieller Serivce-Nutzen-Woller ist, der damit nur unnötige Kosten verursacht. Besser ist es da, hat Obermann erkannt, möglichst wenige Kunden zu haben. Werbung ist daher kontraproduktiv.

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Das Gaza-Chaos

Viel besser als die Nachrichtenagentur DPA in diesem kurzen Abschnitt kann man das Problem im Gaza-Streifen und das drumherum nicht auf den Punkt bringen, auch wenn’s wohl unanbsichtlich war:

Die Hamas kündigte für den Abend eine einseitige Waffenruhe an. Auch die Hamas wollte sich dem anschließen. Dennoch ging die Gewalt weiter: Drei Fatah-Leute wurden von mutmaßlichen Hamas-Mitgliedern im Gazastreifen erschossen.

Vermutlich weiß manchmal nicht nur der Korrespondent nicht, wer das jetzt wem und warum. Sondern auch die Beteiligten sind wohl oft ohne jeden Durchblick.

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Es gräbt sich so voran

Vor ziemlich genau drei Monaten gab es ja Streit um israelische Grabungen in der Nähe des Tempelberges in Jerusalem. Nach Demonstrationen und internationalen Verwicklungen ist es still geworden, woran mich gerade ein Post bei “Letters from Rungholt” erinnert hat.

Dort schreibt Lila dann:

Erinnert sich noch jemand an die Grabungen am Mugrabi-Tor? Hm, diese Grabung, mit der die Israelis den Tempelberg und die darauf gebauten Moscheen tueckisch zum Einsturz bringen wollte, nicht wahr? Da war doch was. Haben wir wirklich lange nichts mehr von gehoert. Graben die noch? Sie graben. Aber die Unruhen?Ohne Unruhen wird ueber die Grabungen nichts berichtet. Sie haben keinen Nachrichtenwert.

Das Nachrichtengeschäft ist ein schnelllebiges Geschäft.

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Raketenhagel

Weitgehend unbemerkt von der zu Zeiten des Libanon-Konflikts recht aufmerksamen Öffentlichkeit fallen im Nahen Osten wieder Raketen auf Wohnungen, müssen Zivilisten aus ihren Häusern fliehen. Ein Grund für die weitgehende Nicht-Beachtung könnte dabei sein, dass die Raketen aus dem Gaza-Streifen geflogen kommen und israelisches Territorium treffen:

In der südisraelischen Stadt Sderot sind seit gestern Abend 24 Kassam-Raketen eingeschlagen, die aus dem Gaza-Streifen abgeschossen wurden. Zwei landeten außerhalb der Stadt und vier weitere bei Ashkelon. Die Verantwortung für die massiven Raketenangriffe hat die Terrororganisation Hamas übernommen.

In Sderot wurden bei dem direkten Einschlag einer Rakete in einem Haus eine 45jährige Frau schwer und ihr Sohn mittelschwer verletzt. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Verletzten bereits auf 18 Menschen. Aus Sorge vor weiteren Attacken blieben die Schulen in Sderot heute geschlossen. Viele Bürger verlassen aus Angst die Stadt.

(Quelle: Newsletter der israelischen Botschaft vom 16. Mai)

Aber vermutlich wird von den üblichen Verdächtigen die entsprechende Aufregung nur noch etwas aufgespart – für den Moment, in dem Israel möglicherweise doch noch mal zurückschießt.

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Kundenveralberung

Sehr geehrter Herr Andreas Uhlig (ppa), sehr geehrter Herr Christian Jonientz (i.V.),

Sie haben mir heute einen Brief geschickt, der mit “Änderungen zum 1. Juli 2007″ betitelt ist. Als Vertreter der Privat- und Gewerbekunden der Vattenfall Europe Berlin AG & Co. KG schreiben Sie

Heute möchten wir Sie darüber informieren, dass wir zum 1. Juli 2007 eine Preisanpassung vornehmen werden. Wie sich diese auswirkt, können Sie der Übersicht auf der Rückseite dieses Schreibens entnehmen.

Ehrlich gesagt hätten mich 2 Dinge viel mehr gefreut, als Ihr

Wir freuen uns, auch in Zukunft Ihr Partner vor Ort zu sein

zum Abschluss des recht kurzen Briefes. Nämlich

erstens, Warum Sie gedenken, die Preise “anzupassen”. Irgendwie gehört es sich doch, dass wenn man so einen Vertrag miteinander geschlossen hat, dass man da eine kleine Erklärung mitgibt, so von Geschäftspartner zu Geschäftspartner. Schließlich haben Sie bzw. ihr oberster Chef erst vor einer Woche die Bilanz 2006 präsentiert und der Öffentlichkeit mitgeteilt:

Vattenfall Europe konnte Umsatz und Ergebnis in 2006 erneut steigern: Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz des Konzerns gegenüber dem Vorjahr – berechnet nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IFRS – von 10,5 Milliarden auf 11,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Steuern – EBIT – verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 219 Millionen Euro auf 1,35 Milliarden Euro in 2006.

Da hätten Sie mir doch zum Beispiel schreiben können, “eine Eigenkapitalrendite von mageren 19,1 Prozent ist unseren Aktionären nicht länger zuzumuten, da müssen Sie, lieber Herr Streim, künftig schon tiefer in die Tasche greifen”. Irgendwas in dieser Art – eben ein Grund für ihre “Anpassung”. Die ich aber,

zweitens, sowieso lieber in ehrlichen Worten gelesen hätte: “Heute möchten wir Sie darüber informieren, dass wir kräftig die Preise erhöhen werden”. Das wäre ehrlich gewesen – und irgendwie verärgert man mit so einem Marketings-Deutsch à la “Anpassung” doch ohnehin nur seine Kundschaft, weil man sie für blöd verkauft. Denn, werter Herr Uhlig, werter Herr Jonientz, ihre “Anpassung” entspricht einer Anhebung der Verbrauchspreise um sechs Prozent und des Grundpreises um fast 16 Prozent.

Die Preiserhöhung an sich ist: happig. Die Art und Weise sie vorzutragen: unschicklich.

Mit freundlichen Grüßen, Andreas Streim

P.S. Die Umbenennung meines Stroms “ÖkoPur” ind “Berlin Natur Privatstrom” ist mir dagegen schnuppe. Müssen Sie ja wissen, wie Sie Ihre Produkte nennen. Besser ist der neue Name mit Sicherheit nicht.

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Terrorismus 2.0

Ist ja jetzt schon ein paar Tage her, dass die Erfolge bei den Razzien gegen G8-Gegner gemeldet wurden. Da heißt es,

dass im Zuge der Razzia in Berlin Zubehör für Brandsätze und Zeitzünder sichergestellt worden seien. Das Blatt beruft sich auf erste Analysen der Durchsuchungen. Von Weckern, Drähten, Uhren und größeren Feuerwerkskörpern ist in dem Beitrag die Rede.

Klingt ein bisschen nach Guy Fawkes, aber ein paar Kilo TNT hätten die Terror-These schon irgendwie härter gemacht. Wecker? Drähte? Geschenkt. Feuerwerkskörper? Naja. Mit der richtigen Einstellung könnte man wahrscheinlich auch am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg mit dem §129a hausieren gehen. Wobei dann aber bei der nächsten Siemens-Hauptversammlung wohl auch eine Razzia aufgrund von §129 die logische Konsequenz wäre.

Unser rechtspolitischer Korrespondent kam daher in der MAZ auch zu einer eher zurückhaltenden Bewertung der Razzia:

Wird damit eine linke Protestkampagne kriminalisiert?

Man kann hier nicht von “kriminalisieren” sprechen, denn die Brandanschläge sind ja eindeutig als Brandstiftung und Sachbeschädigung strafbar. Die Polizei muss hier ermitteln. Richtiger ist wohl der Vorwurf einer “Stigmatisierung”. Eine militante Protestkampagne wird mutwillig mit politischen (Massen)mördern in eine Schublade gesteckt.

Irgendwie, kann man da zusammenfassend sagen, ist der Terrorismus auch nicht mehr das, was er mal war. Das hat auch die “Finanical Times Deutschland” entdeckt und einen Comic abgedruckt: “Warum die RAF Geschichte ist”.

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Schlechte Überschriften (1)

Der Deutsche Industrie- und Handeskammertag preist eine neue Bröschere (70 Seiten, DIN A5, 5 Euro) mit den Worten

Erfolgreich gründen – es geht auch anders!

an. Spontan fällt einem zu diesem Ausruf “na klar, eben erfolglos, sogar öfter” ein. Aber, holla, die DIHKer wollen vielmehr

unkonventionelle Methoden

vorstellen, eben “der Unternehmer als Künstler und Komponist”. Naja, vielleicht kommt das dann am Ende doch auf den ersten Gedanken raus. Wer’s nachlesen will, hier gibt es das Buch.

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Wer hätte das schon wieder gedacht?

Nicht nur Gesamtmetall ist für keine eine Überraschung gut, auch die AOK weiß einem nix Neues zu sagen spannende Sachen:

Krankenstand steigt mit körperlicher Belastung

heißt die Schlagzeile deshalb im aktuellen “Presseservice Gesundheit”. Schade, dass unser Aufmacher auf der Seite 1 schon durch ist. Da hätte der Kiosk gewakelt: Wer schwer schuftet, belastet seinen Körper stärker. Wow. (Und dazu macht die Gesundheitskasse auch noch ein längliches Balkendiagramm, Respekt.)

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