Die zweitbeste Lösung

Aha. Jetzt droht Telekom-Chef René Obermann damit, seine renitenten Service-Mitarbeiter einfach zu verkaufen, wenn sie nicht wieder an die Arbeit gehen.

Wenn es zu keiner Lösung komme, sehe sich der Konzern möglicherweise zu diesem Schritt gezwungen, um die Kosten in den Griff zu kriegen, sagte er der “Bild am Sonntag”.

Möglicherweise hätten ja Versatel, Arcor oder Mrs. Alice Interesse daran, die Telekom-Servicetechniker zu beschäftigen? Ohnehin erscheint mir das eine etwas merkwürdige Geschäftspolitik, eine der Kernsparten outsourcen zu wollen. Aber, naja, für Obermann und Teile des Managements dürfte der Service wahrscheinlich tatsächlich eher ein überflüssiger Kostentreiber sein. Da könnte man allerdings auch zur Auffassung kommen, dass der Verkauf der Service-Sparte nur die zweitbeste Lösung wäre. Vielleicht könnte man ja einfach auch den Vorstand an einen Finanzinvestor, vielleicht auf den Cayman Islands, verticken?

Tags: , , ,

Die Mär vom Ostblock

Also mal vorweg: Den “Eurovision Song Contest” guck ich mir eigentlich nie an. Viel schlechte Musik ertragen um vielleicht auch ein paar ganz nette Liedchen zu hören? Klingt für mich irgendwie nicht gerade einladend.

Aber vielleicht hät’ ich dieses Jahr ja mal zuschauen sollen, bei dem ganzen Geplärre im Nachgang. Tenor: Die ganzen Ostblockstaaten schieben sich die Punkte zu und der arme Westen geht leer aus und verkatert nach Hause. So schreibt die Netzeitung

Die einhellige Meinung vieler westlicher Grand-Prix-Beobachter: Die befreundeten Staaten des ehemaligen Ostblocks schieben sich gegenseitig die Punkte zu – die Westler gucken in die Röhre.

“Spiegel Online” sekundiert mit

Die Punktevergabe war das Thema am Tag danach: “Da muss sich etwas ändern, ich weiß nur noch nicht was”, kommentierte der deutsche Moderator des Grand Prix, Peter Urban. 19 der 21 abstimmenden Länder Osteuropas gaben einem ehemaligen sozialistischen Bruder die Höchstwertung.

und in der “Märkischen Allgemeinen” heißt es

Die Dominanz der ehemaligen jugoslawischen und sowjetischen Teilrepubliken zog sich dann folgerichtig durch bis in die Stimmabgabe. Die Punkte aus den jeweiligen Ländern gingen fröhlich hin und her, die Serben stimmten für Bosnien, die Mazedonier für Serbien, die Russen für die Weißrussen, die Ukrainer für die Russen.

Aber stimmt das überhaupt? Weil auch die “Bild”-Zeitung in dieses Horn gestoßen hatte

Statt unseren Swing-König mit Punkten zu belohnen, schacherten sich die osteuropäischen Staaten wieder gegenseitig die Punkte zu. 15 der 24 Finalteilnehmer stammen aus Osteuropa. Von 21 osteuropäischen Ländern, die stimmberechtigt waren, gaben 19 die vollen 12 Punkte an einen ehemaligen Bruderstaat.

hat das Bildblog mal nachgerechnet und kommt zu dem überraschenden Ergebnis: Wenn man die Punktvergabe der Ost-Staaten rausrechnet, ändert sich am Ergebnis eigentlich gar nix. Und dann gibt es diese hübsche Tabelle:

Tabelle

Wir könnten den neu aufflammenden Kalten Krieg also eigentlich gleich wieder beenden.

Update:
Auch bevor so viele Osteuropäer mitmachen konnten gab es übrigens schon die Debatte über Punktvergabe zwischen “befreundeten Nationen”. Eine Studie hat das bereits damals widerlegt.

Tags: , , ,

Der Bürger als Feind

Derzeit kursiert ja eine Grafik, die einen stilisierten Kopf des Bundesinnenministers mit der Unterzeile “Stasi 2.0″ zeigt. Sie war auch schon hier im Blog zu sehen. An dieser Darstellung gibt es durchaus Kritik:

»Stasi 2.0« behauptet also, dass »von oben« fiese Dinge angestoßen würden, die dem guten Eigenen gänzlich fremd seien. Man tut also so, als stieße die Entwicklung zu einem Staat, der seine Bürger so innig liebt, dass er ihnen ständig Eifersuchtsszenen macht, in keinster Weise auf Gegenliebe beim Objekt der Begierde. Nun, wie Daniel hübsch parphrasierte: der Staat macht mit seinem Volk das was es will.

Das ist natürlich richtig: Stasi 1.0 und Stasi 2.0 haben nicht viel (historische) Gemeinsamkeiten. Trotzdem finde ich den Begriff als Parole, um auf aktuelle Tendenzen des Überwachungsstaates hinzuweisen nicht völlig daneben, weil sie griffig ist. Es ist eine Werbebotschaft, die eben sofort, beim ersten Hinschauen, funktionieren muss. Und aus meiner Sicht gibt es auch eine klare Übereinstimmung: Die Tendenz, die eigenen Bürger vor allem als Bedrohung zu sehen, die man möglichst effektiv beobachten und kontrollieren muss. Continue reading

Die Hamas-Maus

Im palästinensischen Fernsehen gibt es jetzt auch einen Micky-Maus-Klon. Sowas wie Sesamstraße für die Erziehung der lieben Kleinen vor dem Fernseher ist das beim Hamas-TV-Sender Al-Aksa wohl gedacht. Und da hüpft dann die Maus Farfur rum und sagt Dinge, die man eben so fürs weitere Leben braucht. Der “Tagesspiegel” hat einen Dialog aufgeschrieben:

“Sanabel, was willst Du zugunsten der Al-Aksa-Moschee tun?”, fragt Farfur. Antwort aus Kindermund: “Wir wollen kämpfen.” “Und was noch?” Mädchen im Chor: “Die Juden auslöschen.”

Da passt es doch ganz gut, was das “Handelsblatt” über die Reise von Bundesaußenminister Walter Steinmeier (SPD) in die palästinensischen Gebiete schreibt:

Amr sprach von sehr fruchtbaren Diskussionen. Zugleich appellierte er an die EU und alle anderen Länder, die Blockade der palästinensischen Regierung endgültig aufzuheben. Finanzminister Fajjad erklärte, er habe Steinmeier als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft gesagt, dass es nach der Bildung einer Koalitionsregierung aus der radikalislamischen Hamas und der Fatah von Präsident Mahmud Abbas keinen Grund mehr für internationale Strafmaßnahmen gebe. „Ich habe ihm die Finanzkrise beschrieben, mit der wir konfrontiert sind“, sagte Fajjad weiter.

Mit ein bisschen mehr Geld könnte ja dann auch Donald Duck noch zum heiligen Krieg aufrufen.

Updata::
Im Dry-Bones-Blog gibt es einen passenden Comic dazu.

Tags: , ,

Vernetzt

Eine eigentlich ganz kurze Geschichte: Der Kommentar-Chef Alan Posener der “Welt am Sonntag” verreißt mit bösen Worten das neue Buch von Bild-Chef Kai Diekmann in seinem Welt-Blog – und Springer lässt den Text entfernen. Nur: Jetzt wollen erst recht alle lesen, was da geschrieben stand. Und, merke, im Internet geht halt nix verloren, auch wenn die Springer-Führung mit der Schere die digitalen Texte abschnippelt.

Hier oder Hier und noch an vielen anderen Orten lässt sich das alles vollständig nachlesen.

Tags: , , ,

Aktenstudium

Anlässlich der Razzia gegen G8-Gegner gibt es ja eine Menge kritischer Stimmen Hans-Ulrich Jörges fand dafür heute Morgen auf “Radio 1″ ein paar deutliche Worte. Am Nachmittag versprach dann der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach ebendort, dass wir schon “in einigen Tagen” erste Ermittlungsergebnisse von den Razzien erfahren würden, nicht erst Wochen nach dem Gipfel. Ich bin gespannt. Und die G8-Kritiker selbst sind nach der Empörung heute ganz zufrieden, wie “Spiegel Online” schreibt:

Christoph Kleine von der linken Sammelbewegung “Block G8″ spricht vom “Versuch, einen Keil zwischen das radikale und das gemäßigte Spektrum der Gipfelgegner zu treiben”. Statt Einschüchterung hätten die Sicherheitsbehörden jedoch das Gegenteil erreicht: “Die Protestbereitschaft in der Szene ist dadurch nur gewachsen, da ist jetzt noch mal richtig Schwung in die Sache gekommen.” In einer Erklärung von im Rahmen der Razzien Beschuldigter heißt es an die Adresse der Generalbundesanwältin triumphierend: “Danke Frau Harms, das war ein Eigentor.”

In meiner eigenen Zeitung, der Märkischen Allgemeimen, fand ich besonders schön, dass wir auf Seite 1 die Aufmachergeschichte zu den Razzien haben, auf Seite 2 oben dann noch eine winzige Meldung:

Besorgt um Grundrechte

Weimar – Deutschlands Verwaltungsrichter haben vor einer Einschränkung von Grundrechten im Zuge der Terrorismusbekämpfung gewarnt. Er sehe seinen Berufsstand dabei vor “schweren Prüfungen bei der Verteidigung der Grundrechte”, sagte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Verwaltungsrichter, Christoph Heydemann, gestern in Weimar bei der Eröffnung des Verwaltungsgerichtstages.

Was zu beweisen war.

Tags: , ,

Die Nordsee trocknet aus

Liebe Nordsee-Geschäftsführung,

solltet ihr irgendwann mal über die Wirtschaftslage klagen oder rote Zahlen bejammern, von mir habt ihr kein Mitleid zu erwarten. Ihr könnte vielleicht einen Fischkutter steuern, aber offenbar nicht die Menschheit mit Lebensmitteln versorgen. Zumindest nicht in Berlin. Denn dort habt ihr zwar – heimtückische Täuschung! – eine Filiale im Bahnhof Zoo eingerichtet, in deren Auslage auch verlockende Fischbrötchen liegen. Doch allein, man bekommt sie nicht.

Um die Mittagszeit stauen sich dort regelmäßig in drei großen Schlangen rund um die U-förmige Theke die potenziellen Kunden, während sich dahinter eine einsame Person abmüht, den Bestellungen Herr zu werden. Im Zehn-Sekunden-Takt geben dann Gefrustete mit ihrem Geld in der Hand auf und werfen es lieber Pizza-Hut oder dem netten Buletten-Verkäufer vor der Tür in den Rachen.

Keine Ahnung, was ihr so an einem verkauften toten Fisch verdient, aber in Stoßzeiten sollte das eigentlich für den Einsatz von ein oder zwei Aushilfskräften genügen. Nur mal so als Anregung, fürs Geldverdienen. Und Sattmachen.

Tags: , ,

Kindermangel

Seit Monaten wird in diesem Land von Politikern darüber geklagt, es gebe zu wenig Kinder in Deutschland. Und darüber diskutiert, wie sich das ändern lässt. Waren diese Politikerinnen und Politiker in jüngster Zeit mal in der Berliner U-Bahn? Heute Mittag, ein ganzer Wagen voll Kita-Balgen, die sich damit vergnügten, sich beim Anhalten und Abfahren gegenseitig anzuschubsen und durch den Wagen zu purzeln. Vor allem auf die Füße der umstehenden übrigen Fahrgäste. Und die bezahlten Kinderbegleiterinnen? Schauten zu und griffen nur ordnend ein, wenn mal jemand dringend die Bahn verlassen musste. Kindermangel? Pah!

Tags: , ,

Einsatztaktik

Die Polizei hat heute im Vorfeld der G8-Proteste Hausdurchsuchungen in der linken Szene durchgeführt. Ein bisschen merkwürdig erscheinen aber die Begründungen, die etwa “Spiegel Online” kolportiert

“Wir haben in den Busch geschossen, nun sehen wir weiter, was und wer sich dort bewegt”, sagte ein Ermittler. Sicherheitsexperten werden mit den Worten zitiert, man habe “Flagge zeigen” wollen, dass die Polizei die Vorbereitungen zu allerlei Widerstandsaktionen beobachte.

Ich muss mal in meinem Grundgesetz nachschauen, ob da irgendwas in dieser Form drinsteht. Hmmm…

In Berlin suchten die Fahnder offenbar auch nach Unterlagen zu diesem Buch, das allerdings auch schon vor vier Jahren erschienen ist. Statt morgens in aller Frühe Büroräume zu durchsuchen, hätten die Beamten sich aber auch ein Exemplar bei Amazon bestellen können. Versandfertig in vier bis sechs Tagen. Naja, vielleicht wollten sie nicht so lange darauf warten.

Tags: , ,

Pressestellen des Grauens (2)

Wussten Sie, dass Windenergie “Schlüsseltechnologie gegen Klimawandel” ist? Das sagt zumindest der Bundesverband Windenergie e.V. Und das ist, als Lobbyorganisation, ja sein gutes Recht. Aber er sagt das nicht einmal. Oder vielleicht zweimal. Er sagt das seit dem gestrigen Sonntag bereits dutzendfach. Oder besser: Er sagt es nicht, er schreit es heraus. Mit einer Pressemitteilung, die wie in einer Endlosschleife immer und immer wieder in den Redaktionsstuben einläuft.

Schuld ist aber nicht der Bundesverband Windenergie. Sagt auch der Bundesverband Windenergie. Schuld ist irgendwer, der auch die “Schlüsseltechnologie gegen Klimawandel”-Mitteilung bekommen hat und seinen Email-Server falsch eingestellt hat. Sagt der Bundesverband Windenergie. Und schreibt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicherlich alle schon mitbekommen haben wird Ihnen die Mails “Windenergie ist Schlüsseltechnologie gegen Klimawandel” immer wieder zugestellt.

Bitte helfen Sie diese Endlosschleife zu unterbrechen.

Ursache:
Diese Mail wird nicht von unserem Emailserver versand, sondern von mehreren Emailservern die einem von Ihnen gehören.

Es wird wahrscheinlich ein Microsoft SBS2003 Mailserver sein der nicht alle Updates installiert hat.

Zwei Dinge die Sie dazu beitragen können um die Schleife zu unterbrachen.

1. Informieren Sie umgehend Ihren EMail – Administrator, damit er überprüft ob Ihr Server die Mails verteilt. Wie gesagt, wahrscheinlich ein SBS2003 Server bei dem das Update KB835734 fehlt. So lange das Update nicht installiert ist möchte jemand den Server bitte vom Netz nehmen.

2. Falls Sie mit Outlook oder Outlook Express arbeiten lassen Sie uns bitte den Emailheader der letzten Mail aus der Schleife zukommen. Bitte an die Mailadresse Header@wind-energie.de senden .

Klingt total kompetent und irgendwie ja auch – nachvollziehbar.

Nur, liebe Windernergie-Schlüsseltechnologen, wie wäre es einfach Emails nicht mit allen Empfängern im Header zu verschicken? Dann könnte irgendein Server irgendwo nämlich gar keinen Mist bauen. Und die eigene Email-Adresse würde auch nicht durch die ganze Welt vagabundieren.

Also: PC-Kompetenz ist eine Schlüsseltechnologie gegen die Mailüberflutung.

Ausschneiden und ein paar tausend Mal abschreiben und ans Schwarze Brett pinnen.

Tags: , , ,