Qualitätsjournalismus

Ein Dialog: Merkel, Merkel? Nie gehört. Was macht die denn? Politikerin? Hmmm, ja, Politiker, das Wort hab’ ich schon mal gehört. Aber irgendwie, so richtig… Nee, fällt mir jetzt nicht wirklich was zu ein. Mit Handwerk hat das nichts zu tun, oder? Eher was mit Banken. Naja, egal. Wir gehen da auf jeden Fall mal morgen mit unserem Kamerateam hin und machen ein paar Bilder. Und stellen dieser, dieser… Merkel so ein paar Fragen. Da machen die bei “Spiegel TV” dann einen Bericht draus. Irgendwie.

Abstrus? Irgendwie schon. Aber so ähnlich war das Gespräch zweier Fernsehteams, eines davon mit schwer österreichischem Akzent, die sich gestern Abend in einer Pizzeria in der Rostocker Innenstadt von den Strapazen rund um die gewalttätige G8-Demonstration erholten. Neben der Auskunft, dass die Medienschaffenden zeitweise um ihr Leben fürchteten – “wenn Du so einen Stein abbekommst, dann bist Du tot” – konnten die aufmerksamen Zuhörer erfahren, dass man gemeinsam rätselte, wer denn diese schwarz Vermummten waren. “Das waren Anarchisten.” “Nee, keine Anarchisten, die waren doch so chic gekleidet.” “Total chic. Alles neue Klamotten und so schöne Tücher.” Rätselhaft das alles. Irgendwie auch “wie Hooligans”, meinte man dann gemeinsam.

Liebe Redakteure, so ein bisschen Basiswissen, was denn da gefilmt wird, wer das ist und worum es da geht im Vorfeld zu vermitteln, das könnte die Qualität der Beiträge möglicherweise noch ein bisschen erhöhen.

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Neusprech

Eben im Radio gehört: Das Oberverwaltungsgericht Greifswald hat das ausgedehnte Demonstrationsverbot um den Zaun rund um Heiligendamm bestätigt. Die Begründung, so wurde in den Äther verlesen, enthielt auch das Argument, dass es dabei um den Schutz der Gipfelteilnehmer ebenso gehe wie um den Schutz der Demonstranten – diese bräuchten schließlich Platz und so ein befestigter Zaun stelle schon eine Gefahr dar.

Manchmal kommt man schon ins Grübeln. Erst was Gefährliches hinbauen und dann als Argument nehmen, um Grundrechte zu beschneiden. So clever hätten die damals in Wackersdorf schon sein sollen.

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Die Gesetzestreuen

Journalisten sind besser als ihr Ruf. Und sie sind vor allem viel ungefährlicher als die Normalbevölkerung. Zu diesem Ergebnis kann man leicht anhand von zwei Rechenbeispielen kommen. So berichtet die “Netzeitung”:

Einem Bericht des «Kölner Stadt-Anzeigers» zufolge geht das Bundeskriminalamt (BKA) davon aus, dass zehn Prozent aller Demonstranten gegen den G8-Gipfel gewaltbereit sein werden. Für die Großdemonstration an diesem Samstag in Rostock rechnet die Polizei aber mit einem friedlichen Verlauf.

Gleichzeitig schreibt “Spiegel Online” in einem Bericht darüber, dass das Bundespresseamt Journalisten wegen Bedenken des BKA die Akkreditierung für den G8-Gipfel verweigerte:

Einem Regierungssprecher zufolge wurden etwa 20 von 4700 Anträgen auf Akkreditierung abgelehnt. Bei Veranstaltungen dieser Art könnten Journalisten nicht ohne Sicherheitskontrollen Zugang gewährt werden.

Das heißt übersetzt: Offenbar sind nicht einmal 0,5 Prozent aller Journalisten gewaltbereit, gefährlich oder sonstwie eine Bedrohung für Gipfel-Teilnehmende.

So gesehen ist auch die Pressefreiheit nicht einmal zu 0,5 Prozent beschränkt worden, das Demonstrationsrecht wird ja irgendwie dann aber sogar zu 110 Prozent gewährleistet worden. Oder so ähnlich.

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Die Acht

Das Statistische Bundesamt hat eine aktuelle Broschüre über die G8-Staaten herausgegeben. Dort sind Daten aufgeführt wie der Anteil an der Weltbevölkerung, die Ausgaben für das Bildungswesen sowie Erwerbslosen- und Inflationsquoten. Und natürlich findet man dort auch die CO2-Emissionen der großen Acht.

Leider ist das Heft offenbar nicht digital verfügbar, zumindest habe ich es auf der Internetseite nicht gefunden. Die Bestellnummer lautet aber 0000066-07900-1.

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