War was?

Es gab da doch mal einen Hype. Um dieses Dings. Wie hieß es noch gleich? Irgendwas mit “2″. Hmmm… Ach ja, “Second Life”. Die Märksiche Allgemeine hatte damals auch eine große Geschichte darüber im Blatt.

Naja – damals. Das ist gerade mal drei Monate her, am 19. April war’s. Ich hatte damals hier Mario Sixtus mit einem schönen Satz zitiert:

Second Life ist der Knut der Internet-Berichterstattung: hübsch anzuschauen und bald vergessen.

Knut ist jetzt von seinem Pfleger getrennt, es hat sich ausgespielt – und bald wird er ein richtig behäbiger Eisbär sein, den man sich halt im Zoo mal anschaut und sagt: “Du, das ist Knut.” Und das Kind an der Seite wird sagen: “Wer ist Knut?”

Und “Second Life”? Darüber heißt es bei Futurezone:

Der Run auf die Online-Welt “Second Life” scheint nachzulassen: Immer mehr Firmen schließen ihre virtuellen Niederlassungen oder wandern aus. Sowohl Nutzerzahlen als auch der Umsatz mit echtem Geld sinken.

Bei einem Besuch seien viele der virtuellen Firmengelände wie von Best Buy oder Dell verlassen oder geschlossen gewesen, berichtet die US-Zeitung “LA Times” [Samstag-Ausgabe]. Bei Sun sei kein einziger Event angekündigt gewesen, American Apparel habe seine virtuelle Niederlassung überhaupt geschlossen.

Dabei fällt mir ein: Meine Second-Life-Figur steht nach zweimaligem einloggen auch noch irgendwo in der Landschaft rum. Glaube ich zumindest. Die arme.

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Denken != Sagen

Wolfgang Schäuble wehrt sich laut dieser DPA-Meldung gegen Kritik an seinen Anti-Terror-Plänen. So heißt es darin:

Schäuble setzte sich in einem Interview ungewöhnlich scharf gegen Vorwürfe aus den Reihen der Opposition, aber auch des Koalitionspartners SPD zur Wehr. Diese Angriffe dienten dazu, die Öffentlichkeit bewusst in die Irre zu führen oder Denkverbote auszusprechen, sagte Schäuble der Zeitung “Sonntag aktuell” in Stuttgart. “Beides ist unverantwortlich.”

Denkverbote? Das Wort wird ja gerne benutzt um Kritik an einem Standpunkt zu diffamieren. Wer will schon das Denken verbieten? Eben.

Nur darum geht es in der konkreten Auseinandersetzung ja gar nicht. Niemand möchte Schäuble das Denken verbieten. Niemand will ihm verbieten, in den Abteilungen seines Ministeriums über Gesetzesinitiativen, Verordnungen etc. zu grübeln. Es ging hier um die Aussagen in einem Interview. Und auch Schäuble sollte wissen, dass ein geäußerter Gedanke eben kein Gedanke mehr ist, sondern eine Äußerung, ein Vorschlag, was auch immer. Diese Unterscheidung ist auch keine Sonderregelung für den Innenminister, sondern gilt für alle Bürger.

Turnbeutelvergesser!

Ein Beispiel gefällig? Wenn jemand denkt, dem Nachbarn mit seiner lärmigen Musik, dem müsste man mal ordentlich die Fresse polieren, dann ist das möglicherweise sogar gut für die eigene Gesundheit. Vielleicht geht’s einem nach dem Gedanken ja ein bisschen besser, trotz des Lärms von nebenan.

Wer aber auf die Idee kommt, sich ins Treppenhaus zu stellen und loszubrüllen, dass diese Musik von nebenan nicht mehr zu ertragen sei, man jetzt in den nächsten Waffenladen gehe und mit ein paar geladenen Pistolen zurückkomme – der kann sich zwar kurz über die schockierten Gesichter der Hausmitbewohner freuen, muss sich nicht wundern, wenn er kurz darauf von ein paar uniformierten Personen aus seiner Wohnung geklingelt wird.

Sich dann darauf zurückzuziehen, es dürfe in diesem Land doch keine Denkverbote geben, wie mit lauter Musik umzugehen sei, wird sich als wenig zielführend erweisen. Zum Glück. Und so sollte man auch Schäubles “Denkverbote”-Argumentation beurteilen.

In der oben genannten Meldung sagt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) dankenswerterweise dann noch:

“Wir sollten immer klarstellen, dass es bestimmte Grundprinzipien unseres Staates gibt, die wir nicht antasten werden. Und dazu gehört natürlich die Menschenwürde. Dazu gehört auch, dass eben nicht unverurteilte Personen erschossen werden.”

Ich fände es gut, wenn wir diese Sichtweise noch auf ein paar andere Aspekte unseres derzeitigen Grundgesetzes ausweiten könnten. Aber der Ansatz ist schon mal erfreulich richtig.

Update 25.7.2007:
Mein Grundgesetz ist jetzt da und ich schicke es heute an den Bundesinnenminister raus.

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