Sie haben Post!

Vielleicht wird das mit dem Bundestrojaner auch ganz anders und es wird keine gefälschte Behördenpost und auch keine patrouillierenden Comic-Polizisten geben. Sondern der Bundestrojaner kommt über den ganz normalen Briefkasten.

Also nicht die Inbox des Mailprogramms, nein, sondern über den Briefkasten, in dem auch die Tageszeitung und die Rechnung von der Telekom steckt. Und dann könnte der Bundestrojaner bzw. seine erste Stufe etwa so aussehen, wie SW-Guide mal vorab zeigt:

Bundestrojaner

via: Basic Thinking

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brand(enburg) eins

Mein Lieblings-Wirtschaftsmagazin “brand eins” – wobei man das vor ein paar Jahren noch besser sagen konnte, inzwischen sagt das ja jeder, aber sei’s drum – hat in der neusten Ausgabe gleich zwei Artikel, die in Brandenburg spielen.

Einmal geht es um die Grenzen der Privatisierung, gezeigt anhand der Potsdamer Wasserbetriebe, die erst privatisiert und dann wieder re-kommunalisiert wurden. Der Text ist leider noch nicht online als Volltext abrufbar. Interessanter Gedanke darin von Ernst Ulrich von Weizsäcker:

“Irrerweise entstammen Privatisierung und Deregulierung der gleichen Geisteshaltung, aber das ist genau das Verkehrte: Gute Regulierung ist die Voraussetzung für erfolgreiche Privatisierung.”

Denn, so seine Erfahrung aus der Untersuchung zahlreicher Praxisbeispiele:

Privatisierung kann dort erfolgreich sein, wo ein starker Staat die Spielregeln und Standards bestimmt und kontrolliert – und damit Wettbewerb garantiert.

Der zweite Text ist die Kultur-Kolumne “Neuropain” – ein Streifzug zu Rockern in Neuruppin und ein Besuch des dortigen Hospizes. Der Text ist bereits im Volltext online verfügbar.

Und auch sonst ist das Heft lesenswert, allein schon wegen des Beitrages über die Entwicklungsabteilung bei Bosch.

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Lob dem Trojaner

Keine Frage, von den Plänen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble für seinen Bundestrojaner halte ich nix. Bisher zumindest. Aber wenn man sich manche Äußerungen in der Trojaner-Debatte so anhört, dann frage ich mich schon: Hat er nicht vielleicht sogar etwas Gutes?

So wird der Bundesatenschutzbeauftragte Peter Schaar – den man ansonsten wegen seines Einsatzes für die Privatsphäre der Bürger nur in den höchsten Tönen loben kann – in der heutigen “taz” mit den Worten zitiert:

Wer einen elektronischen Brief vom Jugendamt oder Finanzamt bekomme, müsse sicher sein können, dass das Schreiben auch von diesen Ämtern stammt und nicht etwa vom BKA.

Und das ist, vorsichtig gesagt, nun mal großer Schwachsinn. Niemand sollte “sicher sein” (können/dürfen/müssen), dass eine Email von dem kommt, der als Absender aufgeführt ist. Dazu bedarf es keines BKAs, das ist auch heute schon so. Nur weil es Leute gibt, die einem Glauben machen wollen, dass der Bundestrojaner die erste und einzige Unsicherheit ins Leben des Online-Bürgers bringt, ist das ja nicht so. Schon heute sollte sich jeder bei jeder Mail fragen: Häh? Ist die wirklich vom Finanzamt? Und was hängt da eigentlich für ein Anhang dran? Sollte ich den wirklich anklicken?

Oder anders gesagt: Herr Schaar sollte lieber den Leuten klar machen, die Plausibilität von Mails zu hinterfragen, bevor sie diese als echt ansehen. Weil das zu viele Leute nicht tun, können böse Menschen sich als Postbank, Sparkasse oder sonstwas ausgeben – und Pin-Codes abfischen. Und bald dann eben vielleicht auch Bundestrojaner installieren.

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Paint it black

Wer noch einen alten Röhrenmonitor hat, der kann jetzt Strom sparen und die Umwelt retten – indem er nicht mehr Google benutzt, sondern auf Blackle umsteigt. ZDnet hat nämlich herausgefunden, dass ein weißer Hintergrund mehr Strom verbraucht als ein schwarzer – und Google ist eben sehr hell und Blackle sehr dunkel.

Blackle

Allerdings kommen die Tester auch zu dem Ergebnis, dass man noch Besseres tun könnte. Etwa einen LCD-Monitor kaufen.

The bottom line is that if you want to save the planet, there are far better ways to do it that shifting your searches to Blackle. (…) If you’re running a CRT and are interested in doing your bit to save the planet then one of the best things that you could do is bin the CRT and replace it with an LCD panel.

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Der chinesische Weg

Vielleicht sollte sich Innenminister Wolfgang Schäuble statt seiner Öffnen-Sie-Bitte-Diese-Mail-Strategie ein Beispiel bei den Chinesen nehmen (die ja auch die besseren Trojaner programmieren. Denn dort will die Polizei böse Jungs im Internet auf viel einfachere (und wohl auch billigere & funktionierende) Weise stoppen, wie “Telepolis” berichtet:

Mit Cartoon-Polizisten, die immer mal wieder beim Surfen über den Bildschirm wandern, will die chinesische Polizei die Internetnutzer daran erinnern, dass ihr Verhalten beobachtet wird. Um Internetbenutzer von Online-Aktivitäten oder -Inhalten abzuschrecken, die der chinesischen Regierung unliebsam sind, [extern] werden ab 1. September virtuelle Polizisten in Form von Comicfiguren durch das gesamte chinesische Web auf Patrouille gehen oder zumindest so tun.

Bundestrojaner via Behördenemail auf Privat-PCs oder nette Comic-Zeichnungen auf dem Desktop? Hmmm… da verwischen die Grenzen von Demokratie und Diktadingens und Meinungsfreiheit undsoweiter. Und nett aussehen tun die Comicpolizisten auch noch:

Polizist

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Sie haben gewonnen!

Aha, da hat das Bundesinnenministerium als mal ein paar Infos über den so genannten “Bundestrojaner”, der amtlich abgekürzt jetzt RFS heißt, verbreitet an andere Ministerien mitgeteilt. Was diese Dinge, die leider noch nicht fertig entwickelt sind, alles können sollen… Respekt. Nicht nur PCs ausforschen, auch Handys, PDA und vielleicht auch die Digitalkamera.

Man fragt sich zwar, ob es gelingen wird, neben Windows-PCs auch wirklich funktionierende Mac- und gar Linux-Software zu entwickeln, aber, na gut, warum sollen die Programmierer im Bundesinnenministerium weniger versprechen als die Jungs von Microsoft, die ja auch immer das tollste Windows aller Zeiten mit den tollsten Funktionen aller Zeiten ankündigen. Was man glaubt, bis die Software im Regal steht. Und wenn Bill Gates das immer geglaubt hat, warum sollte dann ausgerechnet Schäuble… eben.

Aber sollten die findigen Jungs im Regierungsbunker in Schäubles Softwareschmiede wirklich ein Programm entwickelt haben, das die Barrieren verschiedener Betriebssysteme sprengen kann, dann empfehle ich wirklich eine Ausgründung. Ein nettes kleines Startup, das diese Dienste auf dem freien Markt anbietet, hätte echte Chancen, den Bundeshaushalt zu sanieren. Man stelle sich nur vor: Microsoft 2.0 in Staatsbesitz, die Volksaktie der Deutschen Bahn wäre ein Dreck dagegen.

Aber am schönsten fand ich den Hinweis über den (bzw. einen) geplanten Verbreitungsweg der Schadsoftware, wie etwa die “taz” schreibt:

Die Polizei soll Schnüffelsoftware künftig per elektronischer Amtspost verschicken dürfen. Das legen interne Papiere des Innenministeriums nahe. “In begründeten Ausnahmefällen”, so schreibt das Bundesinnenministerium (BMI) von Wolfgang Schäuble (CDU), könne der sogenannte Bundestrojaner auch als getarnte Behörden-E-Mail an Verdächtige verschickt werden.

Man darf sich also auf Mails vom Finanzamt mit dem Titel “Sie haben gewonnen!” freuen, in denen einem, nach einem kurzen Klick auf den Anhang, eine saftige Steuernachzahlung versprochen wird.

Oder “Dino Mcgowan” aus dem Bundesfinanzministerium teilt einem mit einem schnoddrigen “Hallo mein Freund” mit, dass man in seinem Haus, psssst!, ein nicht mehr genutztes Konto der Nazis gefunden habe und nur er könne einem den millionenschweren Inhalt zuschustern. Ein Klick auf den Anhang…

Ach, und da sind natürlich die Mails von Ulla Schmidt aus dem Gesundheitsministerium persönlich. “All girls love big guys” schreibt sie und bietet, ganz an der Krankenkasse vorbei, total günstige blaue Pillen für das bessere Sexualleben an. Die genauen Details, man ahnt es schon, stecken dann im Anhang.

Oder vielleicht der direkteste und zielgruppengenaueste Weg: Die Mail vom BKA selbst. Betreff: “Abschiebung”. Inhalt: Der Empfänger der Mail sei per Gerichtsbeschluss zur Abschiebung vorgesehen. Aktenzeichen etc. inklusive. Widerspruch, falls es sich um ein Versehen handeln sollte, nur mit einem Klick auf den Dateianhang, nicht schriftlich, möglich. Dateiname: Wiederspruhch.pdf.exe. Was sonst?

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Lebenszeitverlust

Die “Welt” hat einen Artikel online, der die Segnungen der modernen Welt kritisch hinterfragt und beklagt, dass wir als Beschäftigte von Unternehmen – nicht als Individuen, darum geht es nicht – immer mehr Zeit dadurch verschwenden, dass wir alles gleichzeitig machen (müssen).

In Ruhe eine Stunde nur an einem Thema zu arbeiten ist so fast ausgeschlossen.

Eine Stunde? Eine(!) Stunde(!)??? Okay, das Klischee, dass Journalisten einen stressigen Job haben, scheint zu stimmen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Viertelstunde ohne Anruf, einen Kollegen im Büro, Mail-Pling oder den notwendigen Blick auf den Agenturticker zu verbringen, tendiert bei mir eigentlich gegen Null. Und die These

Allein mit überflüssigen E-Mails verplempern Manager dreieinhalb Jahre ihres Lebens, wollen Wissenschaftler des Henley Management College im englischen Oxfordshire herausgefunden haben.

kann eigentlich auch nur auf Manager zutreffen, denen die Sekretärin bereits den gröbsten Schmutz aus der Inbox fischt. Gefühlt verplempern Journalisten pro Jahr dreieinhalb Jahre ihres Lebens mit überflüssiger Email. Und vor allem mit den Anklicken überflüssiger Attachements. Auch wenn das rechnerisch unmöglich zu sein scheint, geschickte PR-Agenturen haben das offensichtlich doch möglich gemacht. Das Loch im Raum-Zeit-Kontinuum.

Und, hey, bei der “Welt”-Umfrage neben den Text bekommen derzeit nur neun Prozent der Leute mehr als 100 Emails am Tag. aber 55 Prozent bis 20 Mails. Und worüber klagen die dann?

Aber man liest sowas immer wieder gerne. Man fühlt sich nicht so alleine. Und denkt gar nicht darüber nach, wie viel Lebenszeit man mit dem Beklagen von Lebenszeitverlust verliert. Darüber schreibt mal wieder keiner. Typisch Journalisten, eben.

via: imgriff

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