DurchGE(Z)knallt

Hatte ich nicht gerade noch geschrieben, dass man mit Anwälten allenfalls drohen soll? Die GEZ, die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Sender, macht das aber anders. Unter anderem finanziert durch meine Rundfunkgebühren versuchen sie, die deutsche Sprache von vermeintlich falschen Begriffen zu säubern. Das heißt: von Begriffen, die die GEZ in einem schlechten Licht erscheinen lassen.

Die Internetseite Akademie.de hat solche Post von der GEZ erhalten. Darin werden Begriffe aufgelistet, die falsch seien und künftig nicht mehr geschrieben werden dürften. Und es wird gleich gesagt, wie es künftig richtig gemacht werden soll.

Also zum Beispiel ist “GEZ-Gebühren” schon falsch, richtig heißt das “gesetzliche Rundfunkgebühren”. Entsprechend ist dann die Formulierung “GEZ für PC zahlen” zu ersetzen durch “gesetzliche Rundfunkgebühr für neuartige Rundfunkempfangsgeräte”. Und so weiter und so fort, so geht das seitenlang.

Die Betreiber haben dann mal flugs Google gefragt und festgestellt:

Ein Worthäufigkeits-Vergleich per Google-Abfrage zeigt, dass die – nach GEZ-Meinung “nicht existenten” bzw. “falschen” – Begriffe auf deutschsprachigen Webseiten insgesamt etwa 3.000 mal häufiger vorkommen als die Ersatzformulierungen, die in der GEZ-Wortverbotsliste als “richtig” bezeichnet werden.

Da hat die fleißige GEZ-Anwaltschaft von der Gemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beauftragte Rechtsabteilung der GEZ aber noch viel Arbeit vor sich. Und noch eine Menge Zeit, sich zum absoluten Gespött der gesamten Öffentlichkeit zu machen.

Es liest sich wirklich wie eine Satire, wenn der falsche Begriff “Provisionsjäger” beklagt wird und als Alternativvorschlag “Beauftragtendienst der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten oder Rundfunkgebührenbeauftragter” angemahnt wird. Kann nicht mal jemand der politisch Verantwortlichen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk da ein paar Ohren an der richtigen Stelle langziehen? Oder wenigstens: Herr Knüwer, übernehmen Sie!

via: Basic Thinking Blog

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Mügeln

Worum es in Mügeln eigentlich geht, lässt sich in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen. Zum Beispiel in diesem Absatz aus der heutigen “taz”:

Der Mügelner Bürgermeister Gotthard Deuse relativierte die rechtsextremistischen Sprechchöre in seiner Stadt und löste damit Empörung aus. Auf die “Ausländer raus!”-Rufe während der Hetzjagd angesprochen, sagte Deuse der Financial Times Deutschland: “Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.” Gegenüber AP erklärte Deuse erneut, in seiner Stadt gebe es keinen Rechtsextremismus.

Ein Mensch der glaubt, man könne schon mal in einer Meute von Menschen eine Gruppe anderer, ausländisch aussehender Menschen jagen und dabei auch Worte wie “Ausländer raus!” rufen kann schlicht nicht die Probleme lösen. Er ist das Problem. Oder zumindest ein Teil davon.

Und dann ist ja noch die Sprecherin der Polizeidirektion Westsachsen, Ilka Peter, die in der “Märkischen Allgemeinen” zitiert wird:

Fragt man sie, warum die Inder am Sonntagmorgen neun Stunden lang auf dem Polizeirevier in Oschatz auf ihr Verhör warten mussten, bevor sie endlich im Krankenhaus ärztlich versorgt wurden, sagt sie: “Die hätten jederzeit gehen können. Die waren da zu ihrem eigenen Schutz.”

Nur zur Erklärung: Es geht hier um die Opfer eines Verbrechens, die sicherlich unter Schock standen. Die verletzt waren. Die Angst hatten. Und der Polizei fällt nix anderes ein als ein “die hätten jederzeit gehen können”. Die. Und gehen hätten sie können. Von helfen ist bei der Polizei, in Sachsen, für ausländisch aussehende Menschen, offenbar kein Platz. Steht nicht in der Dienstvorschrift. Oder so. Aber vielleicht können einem ja mal solche Worte über die Lippen kommen, wie Frau Peter.

Und dann steht am Ende des MAZ-Textes noch dieser Absatz:

Und plötzlich versteht man, warum der Pizzeriabetreiber Kulvir Singh seit dem Vorfall kaum noch schlafen kann. Warum er sich jetzt nicht mehr sicher ist, ob er seine indische Frau nach Mügeln holen soll, um eine Familie zu gründen. Kulvir Singh sagt es nicht gerne, aber am Ende muss es doch heraus: “Unter den Menschen, die die Schlägerei im Zelt angezettelt haben, sind auch einige meiner Stammkunden gewesen.”

Man will sich gar nicht vorstellen, was Bürgermeister Gotthard Deuse darauf wohl entgegnen würde.

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Delete me

Einen interessanten Artikel über das manchmal recht schwere Löschen des eigenen Benutzerkontos bei Web2.0-Anbietern findet sich bei Blog Age:

Kleines Fazit: Zu oft wird der Hinweis zum Löschen des Profils in der Hilfe versteckt, und manchmal hilft nicht einmal diese weiter. Viel zu oft aber muss man den Support um Unterstützung anbetteln – ein Link oder Button steht auf den Websites nicht zur Verfügung.

Was mich nach Lesen des Textes am meisten beunruhigt: Ich müsste erstmal all die Dienste zusammentragen, bei denen ich mich testweise angemeldet habe, und die ich nach zweimaligem Besuch nie wieder aufgesucht habe. Allerdings, das ist mein Trost, habe ich dort in der Regel auch praktisch keine persönlichen Angaben hinterlegt.

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Expertenmeinung

Online-Durchsuchung könnte ein Kandidat für das “Wort des Jahres” werden, vielleicht auch für das “Unwort”. Das größte Problem an der Debatte: Weder die Politiker, die ja teilweise stolz darauf sind, das Internet von anderen für sich bedienen zu lassen, noch viele mit dem Thema befasste Journalisten, wissen auch nur ansatzweise, worüber sie da sprechen.

Wie schlimm es wirklich ist, schreibt das Lawblog unter Berufung auf einen Heise-Artikel:

Bei einem der ersten Versuche einer Online-Durchsuchung sollen die Fahnder dem Verdächtigen eine CD in den Briefkasten geworfen haben, “die aussah wie die Zugangssoftware eines großen Internet-Providers”. Das berichtet heise online. Installiert habe der Verdächtige die Software aber nicht.

Für alle Mitlesenden, die sich das Internet bedienen lassen und dieses hier als Papierausdruck lesen: Das ist ungefähr so, als ob sie statt einen Verdächtigen zu beschatten demjenigen einen Anhörungsbogen für eine angebliche Geschwindigkeitsübertretung zusenden, um herauszufinden, ob er zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort war. Aber es ist billig und man kann das Ergebnis schön in einem Aktenordner abheften.

Aber um auf meine Eingangsbemerkung zurückzukommen: Niemand würde es in einer Redaktionssitzung wagen, mit einem gesunden Achtelwissen extrem überzeugend über die neuesten Feuilleton-Debatten zu monologisieren. Er würde von den wahren Experten sofort ungespitzt in den Boden gerammt. Sobald es aber um Internet und Computer geht, reicht es schon mal den Windows-Taschenrechner gefunden zu haben und einen zu kennen, der einem erzählt hat, das man jetzt auch Videos im Internet anschauen könne.

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