Bildblog-Werbung

Ich habe mir vorhin noch einmal den Bildblog-Werbespot angesehen. In den meisten Blogs wird der Spot ja fast schon bejubelt (wie ein kleiner Blick auf diese Technorati-Liste sicher zeigt). Und es stimmt ja auch, ich habe mich auch köstlich amüsiert:


Link: sevenload.com

Aber so beim zweiten Ansehen habe ich mich doch gefragt: Versteht eigentlich jemand, der Bildblog nicht kennt, worum es da eigentlich geht? Wird irgendwer so neugierig sein, die Internetadresse, die am Ende eingeblendet wird, anzuklicken um “Notizen” über eine große Tageszeitung zu lesen? Funktioniert die Werbung wirklich als Werbung?

Oder ist es eher das, was man früher in der Schülerzeitung oder noch zu Studi-Zeiten eben den klassischen “Insider-Gag” genannt hat. Der den Platz in der Schülerzeitung gefüllt und dem Beratungslehrer immer Stirnrunzeln verursacht hat, oder das Flublatt der Hochschulgrupppe angereichert hat, was aber nur 0,03 Prozent der Leserinnen und Leser (und das sind wirklich wenige gewesen) verstanden wurde?

Ich würde sagen: Ja. Es ist die Selbsterheiterung der Ingroup. Und die Zielgruppe sind eher die eh schon Kennenden, die sich um so mehr freuen. Aber das ist ja auch was.

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Back to the Future

Eine Nachricht aus der Vergangenheit findet sich (noch) auf der Internetseite der Sachsen-LB. Ja, genau, das Geldinsitut, das sich auf dem US-Hypothekenmarkt verzockt hatte. Und das fast pleite gewesen wäre. Und das dem sächsischen Steuerzahler recht teuer kommen könnte. Aber davon steht auf der Internetseite nix, aktualisiert wohl erst die Tage jemand, vermutlich von Stuttgart aus. Und bis dahin steht da:

Sachsen-LB

Die Entscheidung für eine eigenständige Landesbank hat sich ausgezahlt. Die Sachsen LB ist ein rentables Unternehmen – und seit ihrer Gründung ein Impulsgeber für die Landesentwicklung. Als Finanzierungspartner und Projektentwickler sind wir im und für den Freistaat engagiert. Unsere Erträge kommen über unsere Träger den Menschen in Sachsen zugute.

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Quellen-Transparenz

Der “Medienspiegel” berichtet darüber, dass unter einem Artikel des Schweizer “Tages-Anzeiger” am Freitag stand:

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer von ABB organisierten Medienreise.

Und der “Chefredaktor” (einfach ein schönes Wort) verspricht, dass diese “Quellen-Information” jetzt künftig in allen Ressorts stattfinden solle, wie es im angelsächsischen Journalismus üblich sei.

Als Leser gesprochen: Ich fände es gut, wenn ich diese Hintergrundinformation zu einem Artikel geliefert bekäme. Als Journalist gesprochen: Ich fände nicht Ehrenrühriges daran, so etwas zu schreiben. Als Redakteur gesagt: Muss man wohl abwarten, ob sich das durchsetzt und nach Deutschland schwappt.

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225 Kontakte gesucht

So viele fehlen wir nämlich noch, um auf die durchschnittliche Anzahl von 273 “Kontakten” zu kommen, wie Florian Steglich in diesem Artikel den Psychologen Alfred Gebert zitiert. Na gut, ein paar mehr als die 48 Xing-Kontakte, die ich mal als Grundlage für meine Ad-Hoc-Berechnung gemacht habe, habe ich ja dann in Handy und sonstwo doch noch. Wollen ja nicht alle zu Xing. Kann man ja auch verstehen.

Aber 273 “Kontakte”? Na gut, wenn ich alle Pressesprecher, die ich schon mal angerufen habe, dazu zähle… vielleicht. Aber ansonsten sind die Adressbuch-Aufräum-Tipps wirklich ganz brauchbar.

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Zeitung vs. Netz

Angesichts des schlechten Images von Journalisten freut man sich ja richtig, wenn man mal was nettes über Zeitungen lesen darf. Selbst dann, wenn es in einer Zeitung steht. Und von, naja, sowas ähnlichem wie einem Journalisten geschrieben ist. Also nicht so 100-prozentig objektiv ist. Aber, hey, die Botschaft gefällt eben:

Eine Zeitung funktioniert wie ein intellektueller Duftbaum, weil sie auch ungelesen das Aroma von wachem Geist verströmt. In wie vielen Porträts von Spitzenpolitikern und Wirtschaftsführern stand schon der Satz: “Am frühen Morgen arbeitet er sich durch sieben Zeitungen” Das klingt neugierig, belesen, weltgewandt. Stünde dort: “Nach dem Frühstück geht er erst einmal eine Stunde ins Netz” hätte das dagegen einen Drall in Richtung Igitt’.

…schreibt heute Jörg Thadeusz in der “Berliner Zeitung”.

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Zielgruppenanvisierung

Pressetext hat gestern eine Meldung verschickt, nach der immer mehr Frauen und immer mehr ältere Menschen Zeit im Internet verbringen:

Der deutlichste Trend ist die Zunahme von weiblichen Nutzern. In diesem Jahr haben Frauen erstmals mehr Zeit online verbracht als Männer.

Oder, wie es in der Original-Studie (PDF) heißt:

Women aged 25-34 spend over 20% more time online than their male counterparts.

Und:

Gleichzeitig bevölkern auch immer mehr Nutzer über 65 Jahren – die so genannten Silver-Surfer – das Internet und verbringen dort mehr Zeit als alle anderen Altersgruppen.

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DurchGE(Z)knallt

Hatte ich nicht gerade noch geschrieben, dass man mit Anwälten allenfalls drohen soll? Die GEZ, die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Sender, macht das aber anders. Unter anderem finanziert durch meine Rundfunkgebühren versuchen sie, die deutsche Sprache von vermeintlich falschen Begriffen zu säubern. Das heißt: von Begriffen, die die GEZ in einem schlechten Licht erscheinen lassen.

Die Internetseite Akademie.de hat solche Post von der GEZ erhalten. Darin werden Begriffe aufgelistet, die falsch seien und künftig nicht mehr geschrieben werden dürften. Und es wird gleich gesagt, wie es künftig richtig gemacht werden soll.

Also zum Beispiel ist “GEZ-Gebühren” schon falsch, richtig heißt das “gesetzliche Rundfunkgebühren”. Entsprechend ist dann die Formulierung “GEZ für PC zahlen” zu ersetzen durch “gesetzliche Rundfunkgebühr für neuartige Rundfunkempfangsgeräte”. Und so weiter und so fort, so geht das seitenlang.

Die Betreiber haben dann mal flugs Google gefragt und festgestellt:

Ein Worthäufigkeits-Vergleich per Google-Abfrage zeigt, dass die – nach GEZ-Meinung “nicht existenten” bzw. “falschen” – Begriffe auf deutschsprachigen Webseiten insgesamt etwa 3.000 mal häufiger vorkommen als die Ersatzformulierungen, die in der GEZ-Wortverbotsliste als “richtig” bezeichnet werden.

Da hat die fleißige GEZ-Anwaltschaft von der Gemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beauftragte Rechtsabteilung der GEZ aber noch viel Arbeit vor sich. Und noch eine Menge Zeit, sich zum absoluten Gespött der gesamten Öffentlichkeit zu machen.

Es liest sich wirklich wie eine Satire, wenn der falsche Begriff “Provisionsjäger” beklagt wird und als Alternativvorschlag “Beauftragtendienst der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten oder Rundfunkgebührenbeauftragter” angemahnt wird. Kann nicht mal jemand der politisch Verantwortlichen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk da ein paar Ohren an der richtigen Stelle langziehen? Oder wenigstens: Herr Knüwer, übernehmen Sie!

via: Basic Thinking Blog

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Mügeln

Worum es in Mügeln eigentlich geht, lässt sich in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen. Zum Beispiel in diesem Absatz aus der heutigen “taz”:

Der Mügelner Bürgermeister Gotthard Deuse relativierte die rechtsextremistischen Sprechchöre in seiner Stadt und löste damit Empörung aus. Auf die “Ausländer raus!”-Rufe während der Hetzjagd angesprochen, sagte Deuse der Financial Times Deutschland: “Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.” Gegenüber AP erklärte Deuse erneut, in seiner Stadt gebe es keinen Rechtsextremismus.

Ein Mensch der glaubt, man könne schon mal in einer Meute von Menschen eine Gruppe anderer, ausländisch aussehender Menschen jagen und dabei auch Worte wie “Ausländer raus!” rufen kann schlicht nicht die Probleme lösen. Er ist das Problem. Oder zumindest ein Teil davon.

Und dann ist ja noch die Sprecherin der Polizeidirektion Westsachsen, Ilka Peter, die in der “Märkischen Allgemeinen” zitiert wird:

Fragt man sie, warum die Inder am Sonntagmorgen neun Stunden lang auf dem Polizeirevier in Oschatz auf ihr Verhör warten mussten, bevor sie endlich im Krankenhaus ärztlich versorgt wurden, sagt sie: “Die hätten jederzeit gehen können. Die waren da zu ihrem eigenen Schutz.”

Nur zur Erklärung: Es geht hier um die Opfer eines Verbrechens, die sicherlich unter Schock standen. Die verletzt waren. Die Angst hatten. Und der Polizei fällt nix anderes ein als ein “die hätten jederzeit gehen können”. Die. Und gehen hätten sie können. Von helfen ist bei der Polizei, in Sachsen, für ausländisch aussehende Menschen, offenbar kein Platz. Steht nicht in der Dienstvorschrift. Oder so. Aber vielleicht können einem ja mal solche Worte über die Lippen kommen, wie Frau Peter.

Und dann steht am Ende des MAZ-Textes noch dieser Absatz:

Und plötzlich versteht man, warum der Pizzeriabetreiber Kulvir Singh seit dem Vorfall kaum noch schlafen kann. Warum er sich jetzt nicht mehr sicher ist, ob er seine indische Frau nach Mügeln holen soll, um eine Familie zu gründen. Kulvir Singh sagt es nicht gerne, aber am Ende muss es doch heraus: “Unter den Menschen, die die Schlägerei im Zelt angezettelt haben, sind auch einige meiner Stammkunden gewesen.”

Man will sich gar nicht vorstellen, was Bürgermeister Gotthard Deuse darauf wohl entgegnen würde.

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