Es ist soweit

Es kommt näher. Immer näher. Schon im August hatte es sich mit Lebkuchenherzen im Supermarkt meines Vertrauens angekündigt. Aber jetzt ist es wirklich nicht mehr aufzuhalten. Soeben tickert die Nachrichtenagentur DPA:

Der deutsche Einzelhandel hofft auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. „Der Einzelhandel setzt auf ein erfolgreiches viertes Quartal”, der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Genth, der „Wirtschaftswoche”.

Ungefähr 70 mal werden wir noch wach – heissa dann ist Weihnachtstach. Und bis dahin gibt’s jetzt regelmäßig Weihnachtsberichte gedruckt, online, on Air und im TV.

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Immer die gleiche Leier

Journalisten beschäftigen sich immer mit dem gleichen Kram. Nicht unbedingt in der Zeitung, aber bei sich selbst, im eigenen Haus, in der Redaktionskonferenz. Das besagt eine Studie von Susanne Schöpe, die in der aktuellen Ausgabe von “Message” (4/2007) abgedruckt ist.

Darin heißt es wörtlich:

Wenn 60 Prozent der Befragten dem Statement “Wir diskutieren immer wieder über das Gleiche, weil Ergebnisse nirgendwo festgehalten werden” zustimmen, heißt das, dass Grundsatzfragen ständig erneut besprochen werden und somit unnötig viel Zeit (und wohl auch Nerven) kosten.

Ich bin zwar nicht gefragt worden, aber ich würde mich da wohl eindeutig bei der Mehrheit einordnen. Der Vorschlag der Autorin: Ein Protokoll erstellen, in denen solche Dinge festgehalten werden. Das wäre dann wieder so eine Grundsatzfrage, die erst ein paar Mal hin und her diskutiert werden müsste. Befürchte ich.

Aber interessante Untersuchung – und auch der Rest des Heftes ist, wie immer, lesenswert.

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Rumms

Heute isses mir dann mal passiert. Nach jaaaaahrelangem unfallfreiem Fahren bin ich an der dämlichen Baustelle in der Wisbyerstraße hier in Berlin einem Golf hintendrauf gefahren. Eigentlich wollte ich das Baustellenschild befolgen und mich auf die richtige Spur einordnen, aber blöderweise habe ich einen Augenblick zu lange in den Seitenspiegel geschaut um zu sehen, ob wirklich frei ist – und da hat die Kolonne vor mir gebremst. Ich dann zwar auch noch, aber leider ein bisserl zu spät. Es hat Rumms gemacht.

Erstaunlich fand ich aber, wie viel der Aufprallenergie die beiden Stoßstangen (heißt das überhaupt noch so? Naja, die dicken Plastikteile rund ums Auto, die beim Aufprall zuerst getroffen werden eben) aborbieren. Eigentlich außer ganz klein bisschen Delle und zerkratzt auf beiden Seiten wenig zu sehen. Nochmal Glück gehabt.

Und jetzt weiß ich auch, warum man eine Haftpflichtversicherung hat. Und bald weiß ich dann, wie die einen bei der Schadenfreiheitsklasse gnadenlos runterstufen. Aber trotzdem: Hätte viel schlimmer kommen können.

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Rechenkünstler

Warum können immer weniger Leute gut Kopfrechnen? Weil man es eigentlich nie braucht. Das hat sich vermutlich die Stadtverwaltung Ludwigsfelde im schönen Brandenburg auch gedacht. Und deshalb verlangen die Parkscheinautomaten in der Rathausstraße dort 20 Cent. Für acht Minuten. Wirklich.

Und jetzt die Frage: Wie viel Geld muss man einwerfen, um eine Stunde parken zu dürfen?

Wäre doch auch eine hübsche Textaufgabe, so aus dem Leben gegriffen, für das Mathebuch. Nix mit 1 Euro für jede angefangene Stunde oder 50 Cent für 30 Minuten. Viiiiiel zu einfach. Deshalb: Der Karl-Pachulke-Preis für die Rettung niederer Mathematik geht an die Ludwigsfelder Stadtlenker. Sobald er kreiert wurde. Versprochen.

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Alles nur Meinung

Eben habe ich noch online gelesen, wie sich Thomas Knüwer darüber freut, dass der Fachjournalisten-Verband (den ich wegen seiner penetranten Werbung bislang eher doof fand) sich recht ausgewogen zu Blogs äußert, da stoße ich offline in der neuen Ausgabe des “Manager-Magazins” auf ein Interview mit Hubert Burda, in dem das Thema auch vorkommt. Und dabei ist Burda erstaunlich Blog-afin, während Redakteur Klaus Boldt in seiner Frage… aber lesen wir selbst:

Burda: (…) Nicht nur die Medien selbst folgen neuen Regeln, auch ihr Konsum tut das. Schon heute haben wir es im Netz mit Communities zu tun und nicht mehr mit Zielgruppen. Eine Zielgruppe ist etwas Soziologisch-Statisches, eine Community aber entsteht aus einer Bewegung, indem sich zunächst vielleicht nur 50 oder 80 Menschen vernetzen, sich untereinander abstimmen. Blogger zum Beispiel bilden solche Communities um sich und erschaffen eine neue Form der Öffentlichkeit.

Das ist eine sehr sachliche, zutreffende Beschreibung des Zustandes. Von einem Mann, der einer Generation angehört, die nicht mit dem Internet aufgewachsen ist, der sich aber offenbar trotzdem – oder vielleicht auch gerade deswegen – mit dem Thema beschäftigt hat.

Und dann kommt die Frage des “Manager-Magazins”. Aber, was sage ich, Frage? Die Hinrichtung. Die Einordnung, was ein Blog denn wirklich ist, nämlich nicht Community, sondern Geschnatter und Gesabbel.

“Manager-Magazin”: In Blogs werden nur Meinungen ausgetauscht. Niemand käme auf die Idee, das jahrtausendalte Marktplatzgeschnatter oder das Handygesabbel eines Wochenendes, das man ebenfalls digitalisieren, sortieren und im Netz platzieren könnte, der Menschheit als neue Kulturleistung unterzujubeln.

Mal abgesehen von dem Geifer, den man fast noch triefen sehen kann, ist es leider, leider auch schlicht falsch. Es gibt eine Menge Blogs, die sicher nicht viel mehr als – noch dazu belanglose – Meinung enthalten. Geschenkt. Nur werden in Blogs längst mehr als reine Meinungen ausgetauscht. Etwa in Blogs aus und über Birma, wo Berichte über die Ereignisse dort gesammelt werden, die sonst niemand mehr aufschreiben kann. Oder es gibt auch sehr, sehr viele monothematische Fach-Blogs, die oft mit mehr Informationen über bestimmte Produkte aufwarten, als die gängigen Fachzeitschriften am Kiosk. Und selbst Meinung allein kann ja manchmal ganz erhellend sein. Hoffen wir als Journalisten ja zumindest, wenn wir mal wieder eine Kommentarspalte gefüllt haben.

Hubert Burda antwortet darauf ganz gelassen. Und ich meine ihn nachsichtig mit seinem Kopf schütteln zu sehen:

Burda: Man mag dies beklagen oder nicht: Der Prozess ist unumkehrbar. (…) Ich betrachte es durchaus als ein Privileg, in dieser aufregenden Zeit Verleger sein und das Mediengeschäft vorantreiben zu können. Ich will nicht, dass man eines Tages über mich sagt: Der Burda hat’s verschlafen.

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Arme Bahnkunden

Die Deutsche Bahn ist sauer auf die Lokführergewerkschaft GDL. Die will Streiks nur noch kurzfristig ankündigen – damit sie sich nicht wieder vor Streikbeginn vor Gericht wiederfindet. Das findet die Bahn gemein und teilt in einer Pressemitteilung mit:

Einen Ersatzfahrplan können wir nicht einfach auf Verdacht einrichten. Dafür braucht es einen erheblichen zeitlichen Vorlauf. Und da die GDL-Funktionäre fast im Stundentakt neue – und oftmals widersprüchliche – Ankündigungen machen, werden wir in den nächsten Tagen den Regelfahrplan fahren müssen und bei Streiks dispositiv reagieren.

Dispositiv? Da steckt zwar “positiv” drin, aber irgendwie klingt das unangenehm. Schon extrem medizinisch. Aber hoffentlich fällt es noch in die Kategorie “Innere Medizin” und gehört nicht schon zur Pathologie. Auf jeden Fall sollten Bahnkunden das Schlimmste befürchten, wenn Bahnmanager so reden, das man sie nicht mehr versteht.

Gemeint hat der gute Mann wohl in etwa das: “Wir schauen dann einfach mal, was an so einem Tag noch geht. Wir haben keinen blassen Schimmer – obwohl wir ja immer gesagt haben, dass die GDL gar nicht so viele Lokführer vertritt. Aber was kümmert uns unser Geschwätz von gestern?” Aber das hätten am Ende vielleicht alle verstanden – und sich doch gewundert.

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Spielt nicht mit Juden

Ashkan Dejagah, Fußballprofi beim VfL Wolfsburg, spielt in der deutschen Fußballnationalmannschaft der Unter-21-Jährigen. Und diese Mannschaft spielt am 12. Oktober. Gegen Israel, in Israel. Aber ohne Dejagah.

“Er kam zu uns und hat uns gebeten, dass er aus persönlichen Gründen nicht mit nach Israel kommen muss. Diese Gründe waren für uns nachvollziehbar”, sagte DFB-Sprecher Jens Grittner heute der Nachrichtenagentur Reuters.

Schreibt “Spiegel Online”. Und für diese “persönlichen Gründe” kann man durchaus individuell Verständnis haben, wenn man sich zum Beispiel diese zusammenfassende Erklärung beim “Bildblog” anschaut:

Ashkan Dejagah hat Verwandte, die im Iran leben; sein Bruder spielt bei Paykan Teheran. Es ist nicht auszuschließen, dass sie mit Sanktionen rechnen müssten, wenn Dejagah in Israel spielt. Er hat nicht nur einen deutschen, sondern auch einen iranischen Pass, und der Iran verbietet seinen Staatsbürgern die Einreise nach Israel. Dejagah muss damit rechnen, nicht mehr in den Iran zu seiner Familie reisen zu dürfen, wenn er an dem Spiel der U21 teilnimmt.

Allerdings sollte man den “persönlichen Gründen” auch eine persönliche Entscheidung folgen lassen – und nicht mehr für die deutsche Fußballnationalmannschaft spielen. Und wenn er diese Entscheidung nicht selbst treffen kann oder will, dann sollte der DFB sie für ihn treffen.

Denn, egal aus welchen Gründen, dass ein deutscher Fußballnationalspieler sagt “Ich spiele nicht mit gegen Juden”, das darf einfach nicht sein.

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