Selbstverteidigung

Manchmal sind Tippfehler richtig doof, sie können einem alles kaputt machen. Manchmal sind Tippfehler auch prima, weil sie dem ganzen einen neuen Dreh geben, der vielleicht sogar ganz gut passt. Zum Beispiel in dem Artikel der “Netzeitung” über die Kritik an der neuen Juso-Chefin wegen ihrer Mitgliedschaft in der “Roten Hilfe”:

Judoka

Als alter Judoka (naja, nur bis zum orangen Gürtel habe ich es geschafft, dann hat mich ein Schlüsselbeinbruch von meiner internationalen Karriere abgehalten…) weiß ich, dass es beim Judo vor allem darum geht, die Kraft des ungestüm anrennenden Gegners zu nutzen und gegen ihn selbst zu nutzen. Bei Zitaten von CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer

Frau Drohsel bekennt sich damit zu linksextremer Gesinnung

oder von der schon früher manchmal am Rande der Zurechnungsfähigkeit agierenden CDU-Studentenorganisation RCDS

bezeichnete Drohsel als «Terror-Sympathisantin»

würde ein ordentlich ausgeführter Judo-Wurf die Sparingspartner schon ziemlich weit von der Matte fegen.

Denn schließlich hat die “Rote Hilfe” eine sehr übersichtliche Website, der man entnehmen kann, dass der Verein eingetragen und als gemeinnützig anerkannt ist. Eingetragener Terrorismus, gemeinnützige Linksextreme, Spendenquittung für Terrorhilfe? Sowas kann auch nur bei CSU-Generalsekretärinnen oder RCDS-Nachwuchspolitikern zusammengehen.

Der Rest schüttelt den Kopf – und denkt sich seins. Schließlich ist heute so vieles, was manche gerne als Terrorismus bezeichnen, am Ende dann doch viel weniger.

Update, 1.12., 21 Uhr:
Der Tippfehler bei der “Netzeitung” steht da übrigens immer noch. Da staubt offenbar keiner mal ab…

Tags: , , ,

Lahme Lobbyisten

Der Streit um einen Mindestlohn für die Postbranche mittels der Aufnahme in das Entsendegesetz tobt schon eine ganze Weile. Die private Postkonkurrenz hat sogar einen eigenen Arbeitgeberverband – den Arbeitgeberverband neue Post- und Zustelldienste – gegründet, um den Mindestlohn zu verhindern. Und prominent mit dem früheren rheinland-pfälzischen Sozialminister und Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit Florian Gerster besetzt. Doch ob sich diese Investition wirklich so richtig rechnet?

Heute haben sich SPD und Union nach ein paar Veränderungen im Tarifvertrag zwischen Verdi und Deutscher Post darauf verständigt, dass der Mindestlohn kommt. Und alle sagen etwas dazu. Die SPD (toller Erfolg für uns), die CDU (toller Erfolg für uns), die FDP (gar nicht gut), die Linke (auch gar nicht gut, aber aus anderen Gründen), die Grünen, Verdi, die Post, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Arbeitgeberpräsidenten. Fehlt nur der Karnevalsverein Cottbus-Süd, der schweigt noch dazu. Und der Gerstersche Arbeitgeberverband.

Der lädt stattdessen zu einer Pressekonferenz ein – für den nächsten Tag. Ein Anruf unter der angegeben Berliner Büronummer des Verbands scheitert – die Bandansage lautet “Dienst oder Dienstmerkmal nicht verfügbar”. Das hilft zwar nicht weiter, ist aber wenigstens mal gnadenlos ehrlich.

Ein Anruf bei der Bonner Telefonnummer, die extra für Pressekontakte angegeben ist, wird zwar entgegengenommen. Aber dann heißt es auch nur, es gebe heute keine Interviews zu dem Thema. Auch der schüchterne Hinweis, man wolle gar kein Interview, sondern nur eine kurze Einschätzung des sich doch eigentlich recht wichtig nehmenden Branchenverbandes zur Sachlage, wird abgebügelt: Man solle doch bitte morgen zur PK kommen. “Können sie nicht morgen nochmal anrufen?” ist der Hass-Satz jedes Tageszeitungsredakteurs – und kommt inzwischen fast nur noch bei der Stadtverwaltung Kleckersdorf nachmittags um 16.30 Uhr vor. Und eben beim neuen Gersterschen Briefarbeitgeberverband.

Aber was soll man auch von einem bundesweiten Verband halten, dessen Homepage, so es eine geben sollte, bei einer Google-Suche gar nicht gefunden wird? Vielleicht, so denkt man da leicht frustriert, sollte man einen Brief schreiben, per Hand und Füller, auf Büttenpapier, und per reitenden Boten gen Gerster schicken. Und um huldvolle Einschätzung der Lage bitten. Und während man das so denkt, denkt man an dieses Lied, das hiermit dem Arbeitgeberverband neue Brief- und Zustelldienste und seinem Präsidenten Florian Gerster, meinem Mr. Postman des Tages, gewidmet sei

Und während man dem Lied lauscht, hofft man, dass nunfort diese Seite hier ganz oft via Google gefunden wird, wenn jemand nach dem Verband sucht. Falls ihn noch jemand sucht, wo es dort ja eh nichts zu erfahren gibt. Zumindest nicht heute, sondern immer erst morgen.

Tags: , , ,

Weihnachtsgeschäft

Und heute ist tatsächlich der Tag des merkwürdigen Mailverkehrs. (Kurze Randfrage: Ist der bei der Uno eigentlich schon offiziell eingetragen? Der fehlt doch eigentlich noch.) Da flatterte auch noch die Ankündigung ins Haus

sipgate reduziert VoIP-Hardware zu Weihnachten

Merkwürdig, warum tun die das wohl? Schließlich ist doch Weihnachten vielleicht die Zeit des Jahres, vom man seinem oder seiner Liebsten mal eine schnuckelige VoIP-Hardware schenken will? Macht es Sinn, da zu reduzieren? Die Lagerbestände? Die Größe?

Aber, ach nein, man hat nur “attraktive Hardware-Pakete zu Tiefpreisen geschnürt”. Das Wort “Preise” hat halt nicht mehr in den Werbergedanken in die Überschrift gepasst. Aber so isses ja nur wieder eine langweilige “zu Weihnachten wird es billiger”-Reklame. Der Rest: ab in die Tonne.

Tags:

Merkwürdige Mails

Manchmal bekommt man wirklich seltsame Mails. Also nicht die zur Penisverlängerung oder so, die bleiben zum Glück im Spamfilter recht zuverlässig hängen. Aber solche wie diese:

Sehr geehrte Damen und Herren,

würden Sie uns bitte einen Ansprechpartner / eine

Email-Adresse Ihrer Wirtschaftsredaktion mitteilen? Vielen Dank! Freundliche Grüße,

Gesendet an – die Mailadresse der Wirtschaftsredaktion der “Märkischen Allgemeinen”. Wie soll man da wohl der Werbeagentur in Nordhorn noch weiterhelfen?

Tags: ,

Knapp daneben

Überschriften sind nicht einfach. Oder deutlicher gesagt: Sie zu machen ist wirklich schwer. Nicht nur für Journalisten, auch für Pressestellen. Und manchmal kann eine eigentlich ganz efreuliche Nachricht durch eine falsche Überschrift… nun ja.

So verschickt der “Verband der Angestellten-Krankenkassen” eine Mitteilung darüber, dass man eine besondere Krebsbehandlung finanzieren will, unter der bereits leicht zynischen Überschrift:

Patienten mit schweren Krebserkrankungen können sich ab 2011 mit neuartiger Partikeltherapie bestrahlen lassen

Die Frage, die sich dem uninformierten Leser da stellt: Wie viele “Patienten mit schweren Krebserkrankungen” haben vier Jahre Zeit zu warten?

Tags: , ,

Symbolbild

Bei der “Netzeitung” gibt es ja öfter mal etwas merkwürdige Symbolfotos. Hier zum Beispiel

Samsung Q1

illustriert ein Foto vom eher seltenen Ultramobile-PC Samsung Q1 ein Allerweltsthema “Email auf der Arbeit”. Und dann nutzt die Person auf dem Foto noch dazu die absolut gewöhnungsbedürftige und von praktisch niemandem, der bei Verstand ist, genutzte spezielle UMPC-Pseudo-Tastatur auf dem Schirm.

Aber ansonsten: Schön den Q1 mal so im Bild zu sehen. Ich habe selbst einen – und es ist eine der besten Anschaffungen überhaupt. Ein vollwertiger Notebook, der gerade mal 700 Gramm wiegt und auf dem man zudem noch handschriftliche Notizen machen kann. Darüber sollte die “Netzeitung” bei Gelegenheit auch mal schreiben.

Tags: , , ,

Fast vergessen

Vor einer ganzen Weile habe ich mich mal bei Verwandt.de angemeldet und ein paar Verwandte eingetragen und eingeladen. Seitdem habe ich dort nicht viel getan, bekomme aber regelmäßig den Newsletter. Zum Glück, muss ich sagen, sonst wäre mir das sicher durchgerutscht, woran mich die Verwandt.de-Leute da erinnern:

Geburtstag

Ich hab’ ja am Montag Geburtstag. Puh, danke für den Hinweis – da kann ich mir ja noch schnell ein Geschenk besorgen und steh’ nicht wieder blöd am Morgen vor dem Spiegel und denke: Mist, hast Du Dir wieder nichts geschenkt.

Tags: , ,