Peinlich

Es gibt viele peinliche Dinge im Leben. Das peinlichste ist aber im zweiten Leben das zweite Leben. Second Life. Das gab’s mal einen Hype. Einen kurzen und heftigen. Aber ist spätestens seit dem Sommer vorbei. Inzwischen spricht da niemand mehr davon. Zumindest niemand, der noch klar bei Verstand ist.

Und jetzt kommt der Tüv Nord. Und schickt eine Pressemitteilung seinen Redaktions-Service. Und freut sich ganz diebisch mit der Schlagzeile: “Tüv Nord in Second Life – Kompetenz künftig auch auf 3D-Plattform im Internet erlebbar”. Und der Vorsitzende Dr. Guido Rettig wird mit irgendwas zur “Zukunftsaufstellung unseres Unternehmens” zitiert. Der arme, was ihm da irgendwelche PR-Klitschen empfohlen haben?

Und dann gibt’s sogar noch Fotos auf der entsprechenden Tüv-Internetseite. Zum Beispiel dieses hier

mit der tollen Bildunterschrift: “Dr. Guido Rettig (links) legt den Grundstein zur Second Life-Präsenz der TÜV NORD Gruppe. Rechts IT-Leiter Gunnar Thaden.”

Und ich frage mich gerade, will nicht jemand mal einen virtuellen Film “Halbe Treppe” in Second Life drehen? Das wäre sozusagen die Autohaus-Szene der virtuellen Welt. Und dann säuselt jemand den Tüv-Nord-Satz leise ins Mikrophon:

Ein Engagement, das die Tüv Nord Gruppe als aktiven Teilhaber und Treiber auf diesem medialen Zukunftsfeld frühzeitig(sic!) positionieren will…

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Stromausfall

Es sind manchmal diese kleinen Momente wo man sich denkt: Ja, genau, deshalb geht’s mit dem Aufschwung schon bald wieder zu Ende. Deshalb kann das alles nichts werden.

Gestern Abend zum Beispiel. Mitten im “Tatort” (dazu hier mehr) macht’s “Pffffft” und alles geht aus. Fernseher, Licht. Dunkelheit. Nur das Teelicht brennt noch. Im Hinterhaus: Alles hell. Mal in den Flur geschaut: Auch hier, das Licht brennt. Hmmm… Im Sicherungskasten sieht aber alles gut aus. Nochmal auf den Flur. Auch andere Türen gehen auf. Offenbar ist in allen Wohnungen der Strom weg.

Jemand kommt von unten hoch. Es sei schon jemand im Keller beim Stromkasten und repariere dort. In einer Wohnung war wohl seit Stunden Stromausfall – und jetzt ist der Elektriker da und repariert. Und dazu hätte er wohl mal kurz alle Wohnungen stilllegen müssen.

Ich schau mal im Keller nach. Da steht einer und sieht ganz zufrieden aus. “Jetzt müsste wieder alles gehen”, sagt er. Ich meine, es wäre vielleicht eine Super-Idee gewesen, mal kurz im Haus Bescheid zu sagen, dass er jetzt den Strom abschaltet. So manche elektronische Geräte mögen das nämlich gar nicht, mal ganz abgesehen vom nicht gespeicherten Text im PC etc. pp. Sagt der “Elektriker”: “Ich renn’ doch nicht durchs ganze Haus.” Ach so, klar, nö. Würde ja auch bestimmt, hmmm, vier Etagen mal drei Wohnungen, geschätzte fünf Minuten dauern. Das kann man echt nicht erwarten.

Und dann sagt diese Pfeife der Fachmann auch noch: “Und außerdem bin ich extra 40 Kilometer gefahren, damit sie hier wieder Strom haben.” Ach so, ja, klar. Ich vermute auch mal, das wird niemand bezahlen. Das macht er so als Hobby. Oder vielleicht ist’s doch der Job? Soll ich, wenn mich ein Leser anruft und auf einen gravierenden Fehler im Artikel hinweist, demnächst auch antworten: “Na und, dafür bin ich aber extra 40 Kilometer in die Arbeit gefahren und komme sogar sonntags, damit am Montag auch eine Zeitung gedruckt wird?”

Und vermutlich ist dieser Elektriker auch einer von denen, die dauernd jammern, wie schlecht das Geschäft läuft, wie teuer alles wird, der Benzinpreis und so, wie undankbar die Kundschaft ist. Etc. pp. Anstatt vielleicht mal den Gedanken zu haben: Vielleicht vergesse ich zu oft, dass ich Dienstleister bin? Vielleicht mache ich meinen Job nicht gut genug?

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Der Unterschied

Der Unterschied zwischen Deutschland und Schweden: Im “Tatort” aus Leipzig gestern Abend wird uns suggeriert, dass es ja im Rechtsstaat zwar Recht, aber keine Gerechtigkeit gibt. Deshalb darf man als Polizist auch mal das Recht beugen. Im “Kommissar Beck” dagegen wird Rache der Eltern am Mörder ihrer Tochter zwar Verständnis entgegengebracht, aber gleichzeitig deutlich gemacht, dass dadurch noch ein weiteres Verbrechen geschehen konnte.

Deutsche Simpel-Denke gegen schwedisches Sei-Nicht-Doof. So einfach kann des sein.

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Handelsspanne

Gestern im Dug-Telekom-Shop an der Schönhauser Allee. Ein neuer Akku für ein Nokia 6610i soll etwas mehr als 40 Euro kosten. Ziemlich teuer – aber der Verkäufer könnte uns ein Handy für zehn Euro verkaufen, das in irgend so einem O2-Prepaid-Dingens vertickt wird; würde auch mit einer T-Mobile-Karte gehen. Das Handy sieht aber nicht sehr vertrauenserweckend aus – und der Deal an sich ist auch merkwürdig.

Bei Ebay gibt’s Ersatz-Akkus für das Nokia für einen(!) Euro, plus 4,90 Euro Versand. Oder für 2,90 Euro und drei Euro Versand. Oder… Sehr viele davon, die alles in allem immer irgendwie bei sechs Euro landen.

Sechs Euro via Internet im Onlinehandel. Oder 40 Euro im Laden um die Ecke. Wenn der Einzelhandel das nächste Mal über das Fillialsterben klagt, dann kann ich nur sagen: Selbst schuld.

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Geht’s noch, Palm?

Ich bin ein treuer Nutzer dieser kleinen digitalen Spielzeuge von Palm. Früher nur die, mit denen man halt so seine Adressen und Termine verwalten konnte, jetzt seit geraumer Zeit mit einem Treo 650 einem, das auch als Telefon funktioniert. Und als Websurf-Maschine. Und als Emailer, natürlich.

Aber jetzt funktioniert was nicht. Habe extra für 10 Euro plus ein Update des Mailprogramms Versamail und ein sogenanntes Activesync-Update bei Palm gekauft, runtergeladen und installiert – und das dann. Bei der Synchronisierung mit meinem Exchange-Server-Hoster werden alle, alle Termine mal glatt um fünf Stunden nach hinten geschoben. Das ist dämlich (und gut, dass ich ein Backup hatte). Also muss ich mich jetzt mal an den Palm-Support wenden. Wenn das so einfach wäre.

Support bedeutet Hilfe – und die braucht man eher schnell. Deshalb heißt der Notruf ja auch 112 und nicht 08000/82737299171. Oder so ähnlich. Und deshalb ist da dann auch ein Mensch am anderen Ende der Leitung und nicht eine Maschine die sagt, “wollen sie einen echten Notruf melden, drücken sie die eins. Wenn der Verletzte unter 30 Jahren ist, dann drücken sie die eins. Sonst die zwei. Ist das Opfer männlich, bitte die eins drücken…” Und so weiter. Und so fort.

Mit Palm will ich aber gar nicht telefonieren. Ich will eine Mail schicken. Das geht aber gar nicht so einfach, auf der Website. Erstmal muss man sich durch die Knowledge-Library, die Wissensbibliothek wühlen. Hatte ich natürlich längst vorher gemacht um zu sehen, ob ich bei Exchange was beachten muss – aber das weiß Palm ja nicht. Und weil man wohl glaubt, dass die Benutzer in der Regel eh nur blöde Fragen stellen, die längst erklärt sind (und man ihnen im Zweifelsfall so einfache Fragen wohl nicht erklären will), zwingt man sie noch ein bisschen zum Lesen.

Aber irgendwann bekommt man den Link “Email” dann doch angezeigt – und darf eine Mail an den Support verfassen. Glaubt man. Denn dann geht das Spiel von vorne los. Man muss ein Themengebiet auswählen, Klick, und dann ein Formular ausfüllen.

Ein Formular? Ein Fragebogen trifft es wohl eher.

Palm will alles wissen

Palm will mein Geschlecht wissen (stellen Frauen andere Fragen als Männer), das Kaufdatum meines Geräts (woher soll ich das wissen), die Seriennummer, die IMEI-Nummer, eine Liste aller weiteren Anwendungen anderer Anbieter auf meinem Gerät (allein das würde mich jetzt eine Weile beschäftigen…). Ja geht’s noch? Ich möchte eine Mail schreiben, von mir aus mit ein paar Basisinfos – und wenn die nicht ausreichen, dann kann der Supportmitarbeiter gerne nach Details fragen (wobei ich Dinge wie Kaufdatum und Geschlecht echt extrem überflüssig finde).

Wie man’s macht zeigt zum Beispiel mein Exchange-Hoster Sherweb. Da schickt man eine einfache Mail und bekommt ruckzuck eine einfache Antwort. Die einem sogar, bisher, weiterhilft. Und das war’s. Vielleicht sollte ich künftig meine Hardware-Käufe auch ein bisschen davon abhängig machen, wie sich der Kundendienst des Herstellers so präsentiert. Und da bekommt Palm bei mir jetzt eine glatte fünf. Setzen.

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