Steile Thesen

Die Journalistin Christiane Schulzki-Haddouti hat “10 Thesen” formuliert, die sich um die Medienentwicklung drehen.

Wie sie selbst einräumt sind die Sätze allerdings weniger als Thesen, sondern mehr als Zustandsbeschreibungen formuliert. Sei’s drum. Es geht vor allem darum, wie das Internet die Medienlandschaft verändert, wie traditionelle Journalisten ihre Gatekeeper-Funktion verlieren etc. Das meiste schon mehrfach gehört, deshalb aber nicht falsch oder uninteressant.

Bei manchen Sätzen frage ich mich aber, von welchen Journalisten wir da eigentlich reden. Da lese ich:

Die Redaktionskonferenz ist in traditionellen Medien der Ausgangspunkt für neue Geschichten, der Leserbrief die Endstation.

Künftig könnten verstärkt Leserhinweise der Ausgangspunkt für Recherchen sein. (…)

Auch in Redaktionskonferenzen sitzen – zumindest bei uns – nur Journalisten, die ihre Geschichten bzw. Ideen für Geschichten aus anderen Medien erhalten, aus dem Nachdenken über aktuelle Entwicklungen, über eigenes Erleben – und natürlich schon immer über Anrufe oder Briefe von Lesern, die sich über Missstände beklagen oder etwas Besonderes erlebt haben.

Manchmal habe ich den Eindruck, es wird absichtlich ein Popanz des traditionellen Journalisten, der allein in seinem Büro sitzt und mit niemandem kommuniziert, sich dafür aber allem und jedem überlegen fühlt, aufgebaut, damit man dem gegenüber den “neuen” Journalisten mit Internet-Kompetenz stellen kann, der endlich mit den Lesern kommuniziert.

Die Wirklichkeit, die ich erlebe, ist eine andere.

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Wahlverlierer

Gibt es heute ein anderes Thema als die Landtagswahlen bzw. vor allem die Wahl in Hessen?

Dabei ist eigentlich klar, wer Wahlverlierer ist: CDU, SPD, FDP, Grüne und die Linke.

Denn durch die Aussagen im Vorfeld – CDU: Keine große Koalition; SPD: keine große Koalition, nicht mit der Linken; FDP: nur eine bürgerliche Koalition mit der CDU; Grüne: Nicht mit der CDU … – hat sich nun eine Situation ergeben, die nur auf zwei Arten zu lösen ist.

Die erste wären Neuwahlen – doch das ist die Bankrotterklärung der demokratischen Parteien.

Und die zweite Lösung wäre, dass eine der Parteien sagt, was interessiert mich mein Geschwätz von vor der Wahl – doch dann werden sich wieder eine Menge Leute denken, dass man Parteipolitikern eh nicht glauben kann und es ihnen nur um die eigene Macht geht. Auch nicht schon. Wirklich nicht schön.

Ach so, und noch einen Wahlverlierer gibt es natürlich: Wolfgang Clement. Der weiß nun, das auf ihn nun echt keiner mehr hört. Außer der RWE-Vorstand vielleicht, aber selbst darauf würde ich nicht wetten.

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Ohne Vertrauen

Das sollte einem ja schon zu denken geben, dass zwei Drittel der Deutschen Journalisten nicht vertrauen. Zumindest schreibt das Klaus Meier unter Berufung auf eine GfK-Studie, über die die NZZ berichtet:

Mehr als drei Viertel der Bevölkerung vertrauten Ärzten, Polizisten und Lehrern, dagegen noch nicht einmal ein Drittel Journalisten. Die Zahlen entstammen einer Studie der GfK und betreffen Deutschland, das damit zusammen mit Italien und Grossbritannien das Schlusslicht in einer entsprechenden europäischen Skala bildet.

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Eine Frage des Timings

An den Weltbörsen ist die Hölle los. Kursabstürze von Tokyo bis New York. Viele Anleger denken: “Hätte ich doch nur Ende Dezember meine Aktien / meine Fonds verkauft.” Mit trüben Augen werden die – bisher nur auf dem Papier stehenden – Verluste addiert.

Und da flatterte am Dienstag diese Mail in mein Postfach (die ich erst noch aus dem Spam-Filter retten musste, daher die Verspätung): Der Sparkassen-Broker, bei dem ich mal ein Depot eröffnet hatte, aber dann doch nie genutzt habe, schreibt mir. Und was er schreibt, ist dann doch eher überraschend.

SBroker

“Jetzt Vermögen aufbauen!” Mit den tollen Fonds und Zertifikaten vom Sbroker.

Aber, okay, es gibt ja immer Leute, die nach Kursrutschen gleich wieder von Kaufkursen sprechen. Und es gibt natürlich die Firmen, die Werbeaussendungen lange im Voraus planen – und sich doch nicht von einem veritablen Börsencrash davon abhalten lassen.

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Völlig verständlich

Wolfgang Clement, Sozialdemokrat, findet, in Hessen sollte man lieber keine Sozialdemokraten wählen. Wegen deren Energiepolitik.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, auch Sozialdemokrat, findet dieses Verhalten “völlig unverständlich”. Hä? Wenn der Peer nicht mal zwei und zwei zusammenzählen kann, dann verstehe ich das mit dem ausgeglichenen Haushalt jetzt nicht mehr so richtig.

Denn die Antwort kennt der Peer doch auch – und jeder kann sie in dieser Pressemitteilung vom 13. Februar 2006 der RWE Power AG nachlesen:

Turnusmäßige Aufsichtsratswahl der RWE Power AG (…) Neu in das Gremium gewählt wurden Wolfgang Clement (Bundesminister a.D.) als neutrales Mitglied (…).

Und RWE Power schreibt über sich selbst:

Die RWE Power AG ist der Stromerzeuger im RWE-Konzern in Kontinentaleuropa und einer der größten Stromproduzenten Europas. RWE Power stützt sich in ihrer Erzeugung auf eine breite Palette von Energieträgern: Kernenergie und die aus eigenen Tagebauen im Rheinland geförderte Braunkohle in der Grundlast (…).

Und wenn jetzt noch jemand dem Finanzminister einen Zettel mit dem Satz “Wessen Brot ich fress, dessen Lied ich sing” zusteckt, dann dürfte sich das Unverständnis doch arg gelegt haben.

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Online bietet mehr

Es wird ja gerne von den Vertretern der “Blogosphäre” betont, dass Online-Medien dem Bedrucken von toten Bäumen eine Menge voraus habe. Unter anderem auch Zusatzinfos anzubieten, schließlich ist der Platz ja unbegrenzt, anders als bei einer Zeitungsseite.

Das hat sich n-tv offenbar auch gedacht, bei dieser Geschichte über den Angriff auf jüdische Schüler in Berlin. Dort kann man nicht nur den Text lesen, den die Nachrichtenagenturen verbreiteten. Nein, man bekommt auch noch Zusatzinfos.

Nämlich den Link auf zwei Bilderserien. Einmal “Israel: Von Adam und Eva bis Kaiser Hadrian” und einmal “Die Gründung des Staates Israel”.

Mehrwert

Und wenn mir jetzt noch jemand erklärt, welchen Nutzen diese Klick-Fänger für den Leser haben, damit er die ursprüngliche Nachricht besser verstehen kann, dann freue ich mich auf Mitteilung in den Kommentaren. Vielleicht hätte noch eine Bildergalerie “Berlin – von den Anfängen bis heute” oder “Die Polizei – Uniformen aus drei Jahrhunderten” das Info-Paket vervollständigen können.

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Stern vs. Stern

Vor einigen Tagen hat der DJV in Berlin ja eine Diskussionsrunde über Onlinejournalismus und Blogs zusammengerufen, über deren begrenzten Erkenntnisgewinn ich bereits geschrieben hatte. In dieser Runde hat sich Hans-Ulrich Jörges vom “Stern” damit hervorgetan, nicht über Blogs reden zu wollen – und ein Horrorszenario vom marodierenden Rechtsextremisten und Kinderschändern zu entwerfen, die im Internet die Foren der Webauftritte von seriösen Medien wie “Stern” und Co. entern. Ehrlich, fast jeder zweite Redebeitrag befasste sich mit diesem Problem.

Und jetzt? Jetzt flattert mir die neue Ausgabe der – im übrigen absolut lesenswerten Zeitschrift – “Message” auf den Tisch, die sich im Titelthema mit Web2.0 und den Auswirkungen auf den Journalismus beschäftigt. Und dort schreibt unter der Überschrift “Wie viel Palaver hält Ihre Website aus?” (leider nicht online nachlesbar) Frank Thomsen, Chefredakteur von Stern.de:

(…) Und natürlich gibt es Störer: einen verklemmten Neonazi etwa, der in der Anonymität des virtuellen Raumes immer mal wieder versucht, die Sau rauszulassen. Er wird genauso regelmäßig gelöscht von unserer Community-Managerin. Und er stößt auf heftige Ablehnung bei allen anderen Usern, sobald seine Beiträge auftauchen. Solange das so ist, braucht es keine Urteile von Richtern über Online-Blogs. So viel Demokratie sollten wir alle aushalten.

Ich frage mich jetzt: Warum hat Print-”Stern”-Jörges nicht Online-”Stern”-Thomsen zu der Diskussion geschickt, offenbar hat Letzterer nicht nur eine Meinung zum Thema, sondern auch Wissen und Erfahrung. Oder warum hat Jörges nicht wenigstens vorher mal bei seiner Online-Abteilung nachgefragt, wie so die Erfahrungen sind? Nach der Art seines Auftrittes würde ich die These wagen: Weil er eigentlich eh alles besser weiß – und andere Meinungen nicht so gerne hört.

Aber immerhin weiß ich jetzt: Nicht alle beim “Stern” rechnen mit der sofortigen Übernahme von Online-Foren durch Nazis und Pädophile, sollte der DJV nicht sofort ein Qualitätssiegel einführen…

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