Ich mag die Dilbert-Comics. Ich finde, sie geben viele Szenen aus dem Berufsalltag extrem korrekt und fast gar nicht überzeichnet wieder. Bei diesem hier fiel mir nur “Neulich bei der Telekom” ein,
Die Deutsche Telekom wird die Zahl ihrer Service-Center von derzeit 63 auf 24 reduzieren. Etwa 8000 der insgesamt 18.000 Vollzeit- sowie Teilzeitmitarbeiter müssten ihren alten gegen einen neuen Standort tauschen, teilte das Bonner Dax-Unternehmen am Donnerstag mit. (…) Es werde keine Stellenstreichungen und keine Verlagerungen ins Ausland geben, betonte das Unternehmen.
Wie sich das Web verändert hat – in zwei Bildern prägnant auf den Punkt gebracht. Früher wusste kein Mensch, dass Du ein Hund bist, der im Intermet surft… und heute?
Am Freitag hat sich der Deutsche Aktienindex (Dax) von seinen schlimmsten Verlusten am Mittag wieder erholt und auch der Dow Jones ist mit nur einem minimalen Minus ins Wochenende gegangen. Merkwürdig, am Ende einer absoluten Krisenwoche. Analysten und Börsianer rätseln – aber ich kenne die Antwort.
Am Freitag habe ich nämlich Panik bekommen und beschlossen, dass der Dax wohl runterrauscht auf mindestens 3000 Punkte, vielleicht noch weniger. (Ich sage nur: 200-Tage-Linie!) Und da habe ich beschlossen, meinen schönen Aktienfonds bei der Berliner Sparkasse (da war ich schon immer, hat nix mit Einlagensicherung zu tun, wirklich) doch zu verkaufen. Mit Verlust. Ja, wirklich, mit Verlust. Ich dachte mir, lieber schlechtem Geld nicht noch gutes hinterherwerfen. Sowas von Ende mit Schrecken statt Schrecken ohne Ende.
Wäre ja auch nicht dumm, jetzt rauszugehen. Dem Dax-Absturz zuzusehen und dann vielleicht wieder einen schnuckeligen Fonds zu kaufen, falls wenn die Krise dann mal einzuschätzen ist und es wieder aufwärts gehen sollte geht.
Doch mit Hammerschlag Verkaufsentscheidung (viel zu spät, ja, ich weiß, macht man nicht, ist ein Fehler, da muss man durchhalten, ist eine langfristige Geldanlage etc. pp.) hat sich die Lage an den Börsen wenn schon nicht beruhigt, aber doch gebessert. Und ich bin ziemlich zuversichtlich, dass es am Montag mit positiven Vorzeichen in den Börsenhandel geht. Denn ich bin jetzt ja draußen.
Und, ja, ich werde mich dann ein bisschen ärgern. Aber dann werde ich an die Lehman-Zertifikate-Besitzer denken (an eine besonders) und an die Kaupthing-Bank-Kontoinhaber und mir sagen, es hätte viel schlimmer kommen können. Und Geld wird ja sowieso überschätzt.
Jeden Tag Finanzkrise, in den Printmedien, im Fernsehen. Wird Zeit für einen Musik-Sampler zur Krise. Als erstes, mittleres und letztes Lied schlage ich folgendes vor:
Die Nachrichtenagentur AFP verbreitet heute folgende Nachricht, die es auch in die Topnachrichten der Radiosender geschafft hat:
Die Vorsitzende des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, verlangte eine Entschädigung der Kleinanleger. Wenn die Große Koalition eine Bürgschaft in Höhe von mehreren Milliarden Euro für eine Bank bewillige, dann müsse sie auch Mittel für Kleinanleger freigeben, die ihre Notreserven verloren hätten, sagte sie der Zeitung.
Darf ich mal fragen, über wen Frau Mascher da redet? Kleinanleger, die ihren Notgroschen in Lehmann-Brothers-Zertifikate gesteckt haben? Sorry, aber das ist wie mit 180 durch die märkische Allee brettern und nachher meckern, dass ein Baum im Weg stand, hätte doch mal einer sagen können. Außerdem bezweifele ich, dass es das gibt.
Und sonst? Mir ist nicht bekannt, dass Sparbücher gepfändet oder Konten gelöscht worden sind. (Gut, man muss dazu sagen: bislang.) Auch Bundesschatzbriefe sind meines Wissens bisher nicht von Zahlungsausfällen bedroht.
Von was spricht Frau Mascher also? Ach so, vom “Kleinanleger”, der an der Börse engagiert ist, dessen Aktiendepot in den Keller gerauscht ist oder dessen Fondsanteile plötzlich einen drastischen Verlust hinnehmen mussten? Sorry, aber wer seine “Notgroschen” an der Börse investiert, der kann hinterher nicht um Hilfe rufen.
Nicht ganz zu Unrecht hat der Aktienexperte der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, Heinrich Brendel, gerade darauf hingewiesen, dass er Anfang des Jahres – ohne Finanzkrise – von einem Absturz des Dax auf 5250 Punkte im “worst case Szenario” ausgegangen ist. Das hätte jeder “Kleinanleger” mit seinem “Notgroschen” auch wissen können.
Nein, ich glaube Frau Mascher spricht über gar keinen Kleinanleger. Sie nutzt einfach nur die Gunst der Stunde, ein bisschen Stimmung zu machen. Eine Trittbrettfahrerin der Finanzkrise – und das finde ich bei aller Sympathie für die Sozialverbände in diesem Fall ziemlich eklig.