Kahlschlag

Ich gebe zu, ich habe mein kleines feines Blog hier in den vergangenen Wochen etwas vernachlässigt. Mag daran liegen, dass ich ein bisschen mehr mit Twitter rumgespielt habe und einfach mehr Blogs gelesen habe – unter anderem eine Reihe aus Brandenburg – und weniger Zeit und Lust hatte, selbst (hier) zu schreiben.

Aber das soll sich ändern, versprochen.

Vor allem, weil es ja bald vielleicht sowieso keinen anderen Platz zu schreiben gibt als das Netz. Keine ganz großen neuen Erkenntnisse für die, die sich damit bereits beschäftigt haben, aber unser USA-Korrespondent Markus Günther hat heute in der “Märkischen Allgemeinen” einen netten Überblick über den “Kahlschlag bei US-Zeitungen” geschrieben.

Die „Detroit News“ hat die Botenzustellung der Zeitung weitgehend eingestellt. Von Montag bis Donnerstag kann man die traditionsreiche Regionalzeitung nur noch am Kiosk kaufen oder im Internet lesen. Der Zeitungsbote kommt künftig nur noch am Wochenende.

Da fällt mir ein, ich muss dringend mal von meinem Besuch im “Newseum” in Washington schreiben; hatte ich mir schon lange vorgenommen.

Aber zu den US-Entwicklungen werden eine Menge internetaffine Leute sagen: Na und? Surf ich mir meine Infos eben im Netz zusammen. Blöd nur, dass eine Menge dieser “Infos” von den Redaktionen der so gerne belächelten “alten Zeitungen” gesammelt und geschrieben werden. Wie würde sich das Verschwinden des traditionellen Journalismus wohl auf den Nachrichtenfluss im Netz auswirken?

Vielleicht geht es “nur” um einen Streit über das Trägermedium – Papier vs. Bits&Bytes – vielleicht aber auch um mehr.

Da passt, dass ich mir vor ein paar Tagen das “Jahrbuch für Journalisten” gekauft habe, in dem es natürlich auch darum geht, wie die Zeitung der Zukunft aussehen könnte Aber auch, wie die Nachrichtenproduktion im Digitalen denn so stattfinden sollte. Zitat aus dem Beitrag von Stefan Niggemeier, der sich in Teilen auch online wiederfindet, wie ich gerade herausgegoogelt habe:

Was macht man also als klassischer Medienbetrieb mit einem neuen Medium, das vermutlich irgendwie die Zukunft ist (und, wenn wir ehrlich sind: schon lange die Gegenwart), aber in dem sich hier und heute kaum Geld verdienen lässt? Die einfachste Antwort ist natürlich: Man ignoriert es. Das ist eine Strategie (oder auch: der Verzicht auf eine Strategie), die viele Regionalzeitungen gewählt haben. Sie haben irgendwelche Präsenzen im Internet, die man bei flüchtigem Hinsehen mit Online-Angeboten verwechseln könnte. In Wahrheit sind es aber nur mit dem Logo der Zeitung angemalte Sperrholzwände, auf denen automatisch einlaufende Agenturmeldungen einen Anschein von Leben vortäuschen.

Aber vielleicht ist Journalismus, Recherche, Nachrichten etc. ohnehin sowas von Welt 1.0, dass es bald nicht mehr gebraucht wird. Könnte man zumindest meinen, wenn man dieser Studie glaubt:

Zwei Drittel der Jugendlichen unter 20 Jahren chatten, simsen oder telefonieren lieber als von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. (…) Statt über Politik und Wirtschaft – wie angeblich noch vor 30 Jahren – reden Jugendliche heute vor allem über persönliche Befindlichkeiten.

Na denn – blogge ich ab jetzt auch wieder öfter über meine Befindlichkeiten.

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Drogendelikt

Ja ist denn schon wieder Wahlkampf? Heute war ein Stand der extrem unangenehmen “BüSo” dort aufgeschlagen. Zum Glück waren die zahlreichen Standbetreiber vor allem mit Gesprächen mit sich selbst beschäftigt und ließen die Passanten, also: mich, in Ruhe.

Aber… war das wirklich die BüSo? Eine ernsthafte Partei? Hey, ich glaube das war die “Titanic” oder eine Aufzeichnung für “TV total” oder so einen Kram (“Versteckte Kamera” gibt’s ja nicht mehr, oder?). Denn was da so auf den Plakaten stand, das kann man sich doch nur in der Witze-Abteilung III einer großen Fernsehshow ausdenken:

Hä? Genau! Aber das, was da sonst noch stand, kann man auch nur aufschreiben, wenn man ein paar Packungen WC-Reiniger geschnupft hat:

Was wollen uns die Autoren sagen? Und 8 Millionen Jobs für wen? In Deutschland? Aber ohnehin, wo jetzt alle über Milliarden, Billionen, Fantastiliarden faseln, da kann man doch auch bei BöSü nicht bei so Kinkerlitzchen stehenbleiben, nö, da haut man noch einmal drauf:

3 Milliarden Arbeitsplätze – boah, nee, lasst mal. Dann müsste ja jeder Deutsche mehr als 30(!) Arbeitsplätze ausfüllen. Zusätzlich! Das ist dann doch zu stressig, dann lieber mal (s.o.) ein gutes Bierchen in Ruhe trinken. Aber wie heißt’s bei Wikipedia:

Die BüSo hat keine nennenswerte Bedeutung in der deutschen Politik (niedrigste Anzahl der Wählerstimmen aller Parteien bei der Europawahl 2004).

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Planet in der Krise

In einen guten Artikel über ein Thema, das bereits länger köchelt, gehören immer auch Hintergrundinformationen, über was man da eigentlich schreibt. Schließlich kann man ja nicht erwarten, dass alle Leser immer jedes Thema von Anfang an aufmerksam verfolgt haben.

Also, wie war das jetzt nochmal mit der Wirtschaftskrise? Die Nachrichtenagentur dpa schreibt heute in ihrem Stück “Deutschland quält sich durch tiefe Rezession” diese bildgewaltige literarische Kurz-Zusammenfassung:

Ein explosives Gemisch aus Banken- und Immobilienkrise hatte Länder auf dem ganzen Planeten in Turbulenzen gestürzt. Das Fass zum Überlaufen brachte (…) die Lehman-Pleite im September.

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Kompetenzverlust

Mit der Kompetenz ist das ja so eine Sache. Die vom neuen Bundeswirtschaftsminister wurde ja durchaus angezweifelt – aber er hat ja neben seinen Jahren im Bundestag und einem Jura-Studium auch darauf verwiesen, dass er “wirtschaftspolitische Erfahrungen” gesammelt habe, “als er das Unternehmen seiner Familie geleitet” hat.

Nur… vielleicht war alles ganz anders. Das NRD-Medienmagazin “Zapp” behauptet das zumindest:

Der neue Bundeswirtschaftsminister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg hat entgegen wiederholter Presseberichte offenbar niemals ein mittelständisches Unternehmen geführt, sondern war lediglich in einem Drei-Mann-Büro zur Verwaltung des eigenen Familienvermögens tätig. Das ist das Ergebnis von Recherchen des NDR-Medienmagazins “Zapp” zur Wirtschaftskompetenz des 37-jährigen Ministers, der am Dienstag ernannt worden war. (…) Ausweislich der Auskunftei “Creditreform” trat Karl-Theodor zu Guttenberg in der Münchener Guttenberg GmbH in Erscheinung. Sie hatte “ca. drei Beschäftigte”, hatte den Unternehmenszweck “Verwaltung eigenen Vermögens” und wurde 2004 aufgelöst.

Aber vermutlich wird Herr von Guttenberg sagen, dass in Zeiten der Krise auch ein Drei-Personen-Unternehmen gar nicht so schlecht sei und sich Erfahrungen im Kleinen gerade in solchen Umbruchphasen auch perfekt auf das Große übertragen lassen.

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Kompetenzkompetenz

Der neue Wirtschaftsminister von Guttenberg, der gestern von Bundeskanzler CSU-Chef Horst Seehofer präsentiert wurde, hat auf Kritik gesagt, wie ich eben im Radio hören durfte, dass es kein Problem sei, dass er keine wirtschaftspolitische Erfahrung habe. Die derzeitige Krise sei so völlig neu und ganz anders, dass Lehrbuchwissen da ohnehin nichts helfe.

Hmmm.

Ich hatte immer gedacht, ein Großteil der Krise resultiert daraus, dass zu viele der Handelnden gedacht haben, was so in Lehrbüchern steht, gelte für diese neue Zeit des Wirtschaftens nicht mehr. Und dass vielleicht zu viele Juristen über Wirtschaftsdinge entscheiden. Aber so kann man sich täuschen.

Mit der Kompetenz ist das in der CSU ja eh so eine Sache:

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Wie fair ist fair?

Meine Hausbank, die Berliner Sparkasse, hat ihr Girokontenmodell verändert und macht dazu eine richtig kräftige Werbekampagne. Total fair sei das eigene System, keine unliebsamen Überraschungen, wie im Urlaub beim Hotel mit “Zimmer mit Meerblick*” (wo im Kleingedruckten dann stehe “nur Zimmer 23″). Und so weiter. Sparkasse – fair eben, so die Botschaft.

Wenn man so eine Werbekampagne macht, dann sollte man allerdings besonders gründlich sein. Denn wer sich auf der Internetseite der Sparkasse umschaut, der sieht:

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Das klingt gut. Was er nicht sieht, nicht einmal im Kleingedruckten. Das ganze gilt für ein reines Online-Girokonto. (Randbemerkung: Bei dem nicht einmal die Terminals in den SB-Centern kostenlos genutzt werden dürften, wie die Sparkassen-Mitarbeiterin in meiner Filiale mir erklärte. Wobei das im Internet wieder anders zu lesen ist. Merkwürdig.) Das ist zwar im Prinzip ok, aber warum wird – wir erinnern uns: fairer als andere! – das eigentlich nicht gesagt?

Auch auf der nächsten Seite steht dann nur:

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Von reinem Online-Konto – auch hier nix zu lesen. Erst beim Klick auf “alle Details” kann man sich das langsam erschließen, indem man feststellt, dass z.B. bei “Erteilung von Überweisungen” dabei steht, durch Internet/Telefon.

Einen großen Unterschied zur angeprangerten Kleingedruckterititis bei der Konkurrenz kann ich da nicht wirklich erkennen.

Noch besser aber: Heute wollte ich mein reines Online-Konto auf das neue Online-Konto umstellen, war eh gerade nachmittags in der Sparkasse am Geldautomat gewesen. Die Dame, siehe oben, erklärte mir erstmal, dass da auch die Konto-Terminals in den Filialen nicht inklusive seien. Ob’s stimmt weiß ich nicht, aber ich brauche die eh nicht.

Gut, sie fragt also nach meiner Kontonummer, schaut auf ihren Bildschirm und sagt: “Ah, sie haben eine Kreditkarte. Wenn Sie die behalten wollen, dann müssen sie statt 29 Euro im Jahr jetzt das Reise-Paket für 2,50 Euro im Monat dazu nehmen. Ich schaue mal, ob ihre Kundenberaterin da ist.”

Hä?

Meine Kundenberaterin war nicht da, ich soll sie mal anrufen – und wurde wieder weggeschickt.

Ein total einfaches Konto-Modell auf das ich in meiner Filiale nicht ohne meine persönliche Beraterin wechseln können soll? Irgendwie zweifele ich langsam an der Zurechnungsfähigkeit dieses Geldinstituts. Ich lasse mich gerne beraten, wenn ich beraten werden will. Aber ich möchte auch nicht, dass ich künftig nur noch an den Geldautomaten darf, wenn mich vorher meine persönliche Beraterin gesehen hat. Und falls die nicht da ist, soll ich ein anderes Mal kommen. Was glaubt diese Sparkasse eigentlich, wie viel Zeit ich so habe? Und da wundern sich die, dass eine bestimmte Kundengruppe zu flotten Direktbanken wechselt? Kann diesen Eintrag mal bitte jemand an den Sparkassenvorstand mailen dem Sparkassenvorstand ausdrucken und vorlegen?

Blöd, dass ich in der Filiale erstmal völlig irritiert war – und erst so nach und nach sich bei mir ein gewisser Ärger aufgebaut hat.

Im Internet, habe ich dann gesehen, kann ich auch alleine das Kontomodell wechseln. Da ich dort aber nicht erfahren kann, ob meine existierende Visa-Card mit Nummer etc. in das neue “Reise-Paket” umgestellt wird oder ich etwa eine ganz neue brauche (och nö, mag ich nicht), habe ich davon erstmal Abstand genommen. Statt “spritziger Werbung” hätte ich wirklich lieber vollständige Informationen. Danke.

Meiner wirklich netten Kundenberaterin habe ich jetzt mal eine Mail geschrieben. Hätte ich vielleicht gleich tun sollen.

Update: Und fünf Minuten nachdem die Mail raus war, hat um Viertel nach sieben abends das Telefon geklingelt und meine Kundenberaterin war dran. Und jetzt flutscht alles. Da kann man doch wirklich nicht mehr meckern :-) .

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Großstadtschungel

Wenn es demnächst in Berliner U- und S-Bahnen nicht nur wie im Dschungel zugehen sollte, sondern auch so klingen, dann liegt das vielleicht daran, dass das “Center for Biological Diverstity” ganz ganz viele verschiedene Tierstimmen zum Download als Klingelton bereitstellt. Vom afrikanischen Elefanten bis zum “Oregon spotted frog” lässt sich so ziemlich alles finden.

Tröröt!

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