Meine Twitter-Woche

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Save the Traders

Hmmm, ein Solidaritätslied für die gebeutelten Börsenhändler? Mein Französisch ist ja leider eher schlecht, deshalb kann ich nicht so ganz transkribieren was die da singen. Klingt aber lustig – und was genau hinter “Save the Traders” steckt erfahren wir erst am 1. Juni.

Das “Handelsblatt”, aus dessen neuen morgendlichen Email-Newsletter ich den Link habe, orakelt, es könne ich um virales Marketing von VW handeln.

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Der Ausschuss berät

Gestern hat sich der Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestags mit den Plänen von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, kinderpornografische Seiten im Internet zu sperren, beschäftigt. Ich habe dabei einiges gelernt – unter anderem, dass ich nicht bei einer Veranstaltung zuhöhren und live twittern kann. Da das genug andere getan haben, habe ich dann aufs Twittern verzichtet.

Was davon so auf einen Artikel auf eine Zeitungsseite passt, habe ich hier in der “Märkischen Allgemeinen” aufgeschrieben.

Mehr dazu vielleicht demnächst hier, im Moment bin ich zeitlich etwas knapp.

Was ich interessant fand: Der BKA-Vertreter betonte, die Server mit kinderpornografischen Inhalten befänden sich überwiegend in Russland, Osteuropa und auf Karibikinseln, dazu verwies er auf die Erfahrungen anderer europäischer Staaten mit dortigen Sperrlisten. Die Internetaktivisten um den “AK Zensur” betonen dagegen, dass mehr als die Hälfte dieser Server in den USA stünden, viele weitere in europäischen Staaten.

Vielleicht ganz gut, dass die Ausschutzvorsitzende Edelgard Bulmahn von der SPD mit ziemlich harschem Ton verlangt hat, dass das BKA diese Liste der Länder dem Ausschuss zur Verfügung stellt.

Ähnlich ungehalten war sie, als es auf ihre Frage, welchen Anteil Webseiten an der Verbreitung von Kinderpornografie im Internet überhaupt haben, nur langatmige Erklärungen gab, dass die Kriminellen alle Wege – vom Handy über Tauschbörsen bis zu Webseiten – nutzen würden. “Das wussten wir schon”, sagte Frau Bulmahn da knapp und leicht genervt.

Interessant fand ich den Hinweis einer Medienwissenschaftlerin, dass die Sperrlisten bei jenen an Kinderpornografie Interessierten, die ihre erste Suchen im Netz starten, Wirkung haben könnten. Die Stoppschilder seien dann so etwas wie die soziale Kontrolle im normalen Leben, die gemeinhin im Netz fehle. Das ist zumindest ein Gedanke, der überzeugend klingt.

Ansonsten für mich noch überraschend: dass in so einem Ausschuss im Prinzip zwei Drittel der Fragezeit von den Fraktionen aufgebracht werden darf, die ohnehin als Regierungsparteien hinter dem Gesetzentwurf stehen dürften. Wenn eine kleine Fraktion dagegen gerade mal zwei mal sechs bis sieben Minuten Zeit hat, da kann man so einen Experten wenig fragen.

Und letztlich: Dass es tatsächlich ernstzunehmende Bedenken gibt, dass der Bund überhaupt verfassungsrechtlich zuständig ist und so ein Gesetz machen kann. Erleben wir hier wieder ein lang und heiß umkämpftes Gesetz, das irgendwie noch kurz vor der Wahl durchgeboxt und dann vom Verfassungsgericht kassiert wird? Und was passiert bei einer CDU/FDP-Regierung nach dem September? Die FDP hat klar gesagt, sie hält den Bund für nicht zuständig. Wird das dann wieder zurückgenommen?

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Weggefiltert

Die taz hat jetzt auch diesen ominösen Jugendschutzfilter entdeckt, der mich auch schon weggefiltert hat. Offenbar muss ich mir keine großen Hoffnungen machen, dass diese merkwürdigen Leute, die offenbar staatlich gefördert werden, auf meine Beschwere irgendwann reagieren. Die taz schreibt:

Auf Anfrage der Taz teilte JusProg mit, dass die Einstufung von bild.de und bildblog.de derzeit überprüft würde – genauso wie die der taz.de. Welche genauen Kriterien bei der Beurteilung der Webseiten angelegt wurden, wollte JusProg nicht angeben – weil diese extrem umfangreich und komplex seien. Der Gesprächspartner lehnte es ab, namentlich zitiert zu werden, blieb die Beantwortung einer schriftlichen Anfrage jedoch bis zum Redaktionsschluss der taz schuldig.

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Wenn Firmen schleimen

Wahrscheinlich ist es ja nur ein Zufall, aber dieser Radiospot, in dem lang, wirklich lang, der Bundesrepublik Deutschland zum 60. gratuliert wird und daran erinnert, ach, wie schön doch alles war, der ist ja schon auffällig. Vor allem weil er von Karstadt kommt – und der Warenhauskonzern sich dann noch wünscht, dass weitere schöne Jahre folgen. Sozusagen ein in eine Erzählung gekleidetes “schön war die Zeit”:

Hmmm… steht nicht gerade die Karstadt-Mutter Arcandor bei der Bundesregierung auf der Matte und will ein paar Hundert Millionen Euro Staatsbürgschaften “gegen die Krise”, wie das heute heißt? Eigentlich schon ein bisschen durchsichtig, das Manöver. “Paaaapi, Du bist doch der beste Paaaapie von der Welt und ich habe auch die ganze Woche…” – wer hat das nicht selbst genutzt, dieses freundlich gesagte “Honig ums Maul schmieren”?

Wann werden wir den Opel-Spot hören, in dem daran erinnert wird, dass ohne Kadett oder gar Manta das Land nicht wäre, was und wie es ist? Hah, und Porsche erst! Gut, bei Qimonda wird das schwierig werden, aber ich bin mir sicher, auch deren PR-Strategen wird was einfallen, falls die Karstadt-Strategie die Verantwortlichen in Berlin beeindrucken sollte. Ansonsten bleibt nur

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Wenn Journalisten twittern

Das von mir wirklich geschätzte BILDBlog kümmert sich ja inzwischen um mehr als nur die “Bild”-Zeitung. Und deshalb war da kürzlich (es ist schon fünf Tage her, aber mein Feedreader ist einfach voll) auch ein Verriss der Twitter-Kollegen von @weltkompakt zu lesen.

Dabei ging es darum, dass während des Uefa-Cup-Finales mit Beteiligung von Werder Bremen dort gar nicht Nettes über die Bremer geschrieben wurde. Das liest sich in dem Beitrag von Christian Jakubetz dann so:

Stramme Leistung der Kollegen: In nur elf Minuten wird Werder-Torwart Tim Wiese erst zum Grund dafür gemacht, sich nicht für Werder erwärmen zu können. Danach jubelt man ihm einen Fehler unter, den man “unfassbar” nennt (eine sehr exklusive Meinung; einen “unfassbaren Fehler” Wieses hat ungefähr niemand während des Spiels gesehen), garniert das dann mit ein wenig Häme (“zu viel Sonnenbank” — und lässt schließlich mal eben alle Hemmungen fahren: “Und wer ist der peinliche Typ im Tor?”

Und das gipfelt dann in der Feststellung:

Und überhaupt, wenn man schon mal dabei ist, journalistische Maßstäbe über den Haufen zu werfen, kann man ja auch mal ganz offen sagen, was man von diesem Verein hält:

Mooooment mal, journalistische Maßstäbe? Verwechselt da jemand Twitter mit dem dpa-Ticker?

Für mich ist genau das ein großes Problem der Medien, dass sie Twitter als einen weiteren Aussende-Kanal ihrer ohnehin produzierten Nachrichten betrachten; wer gerade keinen RSS-Feed lesen mag, der kann den genau gleichen Kram eben auch via Twitter empfangen.

Wer so denkt, dem muss man zustimmen: Dann haben die Twitter-Beiträge auch den üblichen Regeln des journalistischen Handwerks zu genügen.

Nur glaube ich, dass die Leute bei “Weltkompakt” – zum Glück – Twitter ganz anders nutzen, nämlich als Kommunikationsmittel mit anderen Redaktionen sowie Lesern und potenziellen Lesern des Druckerzeugnisses. Und das macht, gelinde gesagt, deutlich mehr Spaß als dpa-Weiterleitungen auf neuen Kanälen. Und manchmal ist es sogar informativer.

Es hat mit Sicherheit nicht journalistischen Kriterien genügt, aber während des Endes der Bundesligasaison die Gespräche zwischen den twitterenden Journalisten von Weltkompakt (HSV), Morgenpost Online (Hertha) und Abendzeitung (Bayern München) zu verfolgen fand ich mindestens so interessant wie ein Kolumne eines Sportchefs zum anstehenden Spieltag.

Deshalb: Nur weil man vielleicht Bremen eigentlich ganz prima findet gibt es keinen Grund, hier auf die Einhaltung journalistischer Regeln zu pochen. Oder anders gesagt: Wer das fordert, der muss dann bitte den Journalistenkollegen, der in der Kneipe einen Witz erzählt, auch mit stoischem Gesichtsausdruck darauf hinweisen, dass er gerade gegen das Gebot der Trennung von Nachricht und Meinung verstoßen hat.

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Auf der Drehscheibe

Erwähnte ich eigentlich schon, dass ich Eingang in die “Drehscheibe” gefunden habe? In einem Beitrag über Twitter werde ich als Beispiel genannt:

Auch als ergänzendes oder alternatives Recherchewerkzeug kann das Mikro-Blogging-Angebot eingesetzt werden. Andreas Streim, Redakteur für Wirtschaft und Soziales bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung in Potsdam, schildert in seinem Privat-Blog (www.streim.de), wie Twitter ihm bei einer Recherche hilfreich war. „Ich saß vor dem Nachrichtenticker und wartete auf die Entscheidung der US-Notenbank Fed zu den amerikanischen Leitzinsen. Und wartete. Und wartete.“ Dann habe er spaßeshalber auf Twitter nach Fed gesucht: „Und da liefen die ersten Meldungen über die historische Zinsentscheidung tatsächlich bereits, ein paar Minuten bevor die Nachricht über den Ticker kam.“ Solche Rechercheerfolge sind freilich Ausnahmen, trotzdem sollte man dieses leicht zu verwendende Werkzeug zumindest ab und zu in den üblichen Recherchekanon integrieren.

Wollte ich doch mal gesagt haben.

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Ich bin jugendgefährdend

Über den Ubuntu-Blog bin ich auf einen interessanten Artikel über die merkwürdige Jugendschutz-Internetsperr-Filter-Seite Jugendschutzprogramm gestolpert, die betrieben von Sex-Seiten-Anbietern wie Orion & Co. dafür sorgen will, dass Kinder nichts Anstößiges im Netz zu sehen bekommen.

Wie in dem Ubuntu-Blog-Beitrag zu lesen ist, wird da aber so einiges weggefiltert, was irgendwie so gar nix mit Sex zu tun hat. Zum Beispiel ein Onlinemagazin über Ubuntu-Linux. Passt ja irgendwie in die Debatte über den großen Von-der-Leyen-Filter.

Und habe ich natürlich mal nachgeschaut, was eigentlich mit meiner Domain ist. Und siehe da:

jusprog

Auch ich werde offenbar weggefiltert. Ich habe mal nachgefragt warum – und bin sehr auf die Antwort gespannt.

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Meine Twitter-Woche

  • @dorfpunk Köhler SED-Mitglied! Kurras 60! Wolfsburg gewählt! Grundgesetz Meister! Hätte auch was gehabt. in reply to dorfpunk #
  • @_Kolja Pah, was soll die Liste denn taugen, steh ich ja gar nicht drauf ;) in reply to _Kolja #
  • @DerRader: Der Eindruck trügt, mein Weg führt auch gleich in die Redaktion #Brückentag in reply to DerRader #
  • Mein Versuch, auch dem nicht so im Internet bewanderten Leser die #Internetsperre zu erklären: http://tinyurl.com/r85uhy #
  • Will Eis kaufen gehen, aber draußen regnets. #wetter #fail #
  • Maxdome preist mir zum Vatertag “harte Filme für echte Kerle” an. Darunter “Urmel voll in Fahrt” #vollkrass #
  • Regnet. Eh egal, muss Papierkram erledigen, Ablage etc. #feiertag #
  • Jetzt mal auf den Crosstrainer. #no #vatertag #
  • So, jetzt dann mal ein Uefa-Cup-Abend mit #Bremen. Vorspiel für den Bayern-werden-nicht-Meister-Samstag. #das #leben #ist #schön #
  • @wiwo: 5000-Punkte-Marke schön und gut. Aber muss mal dringend mit “meinen” Fondsmanagern reden #von #wegen #gewinn in reply to wiwo #
  • @maz_aktuell Das hat Kachelmann gestern nicht vorhergesagt. Gut dass ich schon in der S-Bahn sitze. in reply to maz_aktuell #
  • Die #Krise is da: am S-Bhf Westkreuz gibts keinen Kaffee für mich, “Becher sind alle” sagt die Frau. #
  • @kriefler Can you also get your money back after visiting a cinema? Never tried, but can I really send back a book to Amazon after reading? in reply to kriefler #
  • @kriefler Many people by at amazon.com and can’t read before. And why not reviews for news-sites? in reply to kriefler #
  • @kriefler Isn’t that a problem of man thing? You have to buy a book and read it to decide if you like the story. in reply to kriefler #
  • Kollegin bietet mir Fahrradmitfahrt im Kindersitz an. #montag #
  • @_Kolja ich nutze evernote schon ne ganze weile, problemlos. in reply to _Kolja #
  • Und morgen schreib ich den Artikel, um unseren Lesern die #internetsperre zu erklären. #guter #vorsatz #
  • Alle reden von Gewitter in Berlin und Brandenburg. 10439 war nix. #
  • Haben statt Merkel auf RTL “The Illusionist” auf DVD geschaut. So groß ist der Unterschied wohl aber nicht. #rtl #thm #
  • @DirekteAktion Die Dresdner Bank *ist* die Commerzbank. Bzw umgekehrt. Datenschützer wieder hinlegen. in reply to DirekteAktion #
  • @DirekteAktion Ich empfehle ergänzend Hans-Werner Sinn, Kasino-Kapitalismus. Vielleicht nicht aus der “richtigen” Ecke, aber lehrreich. in reply to DirekteAktion #

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Du bist doof

Ich hatte hier ja auch auf das “Du bist Terrorist”-Video verlinkt und will das dann bei der Gelegenheit gleich nochmal einbetten:

Jetzt kann man bei Netzpolitik.org lesen, dass der Macher des Videos, Alexander Lehmann, mit einer Abmahnung bedroht wird. Und zwar von der Agentur KemperTrautmann aus Hamburg, die hinter “Du bist Deutschland” steht und offenbar meint, alles was mit “Du bist…” zu tun hat, gehört jetzt ihnen.

Von mir aus. “Du bist doof!” haben sich KempertTrautmann mit dieser Aktion allemal gesichert.

Denn wer jetzt “KempertTrautmann Du bist Deutschland” bei Google eingibt, der findet keine tolle Berichterstattung über diese tolle Kampagne, sondern fast ausschließlich Blogartikel, in denen darüber hergezogen wird, dass die Agentur offenbar das Internet nicht kapiert hat und man sich eine so dämliche Abmahnung nicht bieten lassen solle. Vielleicht sollte man dort in Hamburg mal schnell nach “Deutsche Bahn Netzpolitik” googeln und dann vielleicht noch schnell die Notbremse ziehen.

Es ist doch schon merkwürdig. Da machen Werber eine Kampagne, von der man halten kann, was man will, aber bei der der Slogan geradezu in die Alltagssprache eingeht. Und anstatt sich darüber wie Bolle zu freuen und halt in Kauf zu nehmen, dass manche Leute damit Satire betreiben, lässt man die Anwälte von der Leine. Für so ein Verhalten fallen einem echt ‘ne Menge “Du bist…”-Sätze ein.

Ob das für eine Werbeagentur, deren Kunden ja irgendwie mit ihr identifiziert werden, so eine tolle PR-Sache wird, darf man getrost bezweifeln. Vielleicht sollten sie den Werbe-Kram einfach dichtmachen und auf Anwaltskanzlei umsatteln?

Update 24.5.2009
Michael Trautmann hat gestern Abend getwittert, dass alles ja irgendwie ein Missverständnis gewesen sei. So hat er es ausführlich unter einen Text von zeit.de kommentiert, es sei ja nur um die Bildrechte einiger Kinderfotos gegangen.

Allerdings zitiert die “Zeit” aus einer Mail der Agentur, die alles ausgelöst hat, und in der das ganz anders klingt:

“Lieber Herr Lehmann”, beginnt eine Mail an den Designstudenten Alexander Lehmann, die fordert, “sämtliche Bezüge” zu der “Du bist Deutschland” Kampagne zu löschen und die Domain “DubistTerrorist.de” nicht mehr zu verwenden. Klingt noch ganz freundlich. Doch die Mail endet mit einer handfesten Drohung: “Sollten Sie meinen Bitten nicht innerhalb der nächsten 3 Tage nachkommen, werden unsere Auftraggeber den Rechtsweg einschlagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann Kosten auf Sie zukommen ist groß.”

Sagen wir es mal so: Der Rückzieher der Hamburger Werber ist irgendwie nicht ganz widerspruchsfrei, aber am Ende zählt ja das Ergebnis. Und vielleicht haben die Beteiligten ja was gelernt. Wäre doch schön.

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