Du bist doof

Ich hatte hier ja auch auf das “Du bist Terrorist”-Video verlinkt und will das dann bei der Gelegenheit gleich nochmal einbetten:

Jetzt kann man bei Netzpolitik.org lesen, dass der Macher des Videos, Alexander Lehmann, mit einer Abmahnung bedroht wird. Und zwar von der Agentur KemperTrautmann aus Hamburg, die hinter “Du bist Deutschland” steht und offenbar meint, alles was mit “Du bist…” zu tun hat, gehört jetzt ihnen.

Von mir aus. “Du bist doof!” haben sich KempertTrautmann mit dieser Aktion allemal gesichert.

Denn wer jetzt “KempertTrautmann Du bist Deutschland” bei Google eingibt, der findet keine tolle Berichterstattung über diese tolle Kampagne, sondern fast ausschließlich Blogartikel, in denen darüber hergezogen wird, dass die Agentur offenbar das Internet nicht kapiert hat und man sich eine so dämliche Abmahnung nicht bieten lassen solle. Vielleicht sollte man dort in Hamburg mal schnell nach “Deutsche Bahn Netzpolitik” googeln und dann vielleicht noch schnell die Notbremse ziehen.

Es ist doch schon merkwürdig. Da machen Werber eine Kampagne, von der man halten kann, was man will, aber bei der der Slogan geradezu in die Alltagssprache eingeht. Und anstatt sich darüber wie Bolle zu freuen und halt in Kauf zu nehmen, dass manche Leute damit Satire betreiben, lässt man die Anwälte von der Leine. Für so ein Verhalten fallen einem echt ‘ne Menge “Du bist…”-Sätze ein.

Ob das für eine Werbeagentur, deren Kunden ja irgendwie mit ihr identifiziert werden, so eine tolle PR-Sache wird, darf man getrost bezweifeln. Vielleicht sollten sie den Werbe-Kram einfach dichtmachen und auf Anwaltskanzlei umsatteln?

Update 24.5.2009
Michael Trautmann hat gestern Abend getwittert, dass alles ja irgendwie ein Missverständnis gewesen sei. So hat er es ausführlich unter einen Text von zeit.de kommentiert, es sei ja nur um die Bildrechte einiger Kinderfotos gegangen.

Allerdings zitiert die “Zeit” aus einer Mail der Agentur, die alles ausgelöst hat, und in der das ganz anders klingt:

“Lieber Herr Lehmann”, beginnt eine Mail an den Designstudenten Alexander Lehmann, die fordert, “sämtliche Bezüge” zu der “Du bist Deutschland” Kampagne zu löschen und die Domain “DubistTerrorist.de” nicht mehr zu verwenden. Klingt noch ganz freundlich. Doch die Mail endet mit einer handfesten Drohung: “Sollten Sie meinen Bitten nicht innerhalb der nächsten 3 Tage nachkommen, werden unsere Auftraggeber den Rechtsweg einschlagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann Kosten auf Sie zukommen ist groß.”

Sagen wir es mal so: Der Rückzieher der Hamburger Werber ist irgendwie nicht ganz widerspruchsfrei, aber am Ende zählt ja das Ergebnis. Und vielleicht haben die Beteiligten ja was gelernt. Wäre doch schön.

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Politikverdrossenheit

Es wird ja in Deutschland häufig gerätselt – nicht nur in Parteigremien, auch in Redaktionsstuben – woher diese Politikverdrossenheit der jungen Generation komme, warum da nicht mehr Interesse an Wahlen, an demokratischer Beteiligung herrsche. Überwiegend Männer der Generation 50plus können solche Fragen lange, sehr lange diskutieren. Und haben viele Antworten darauf, die es sich jetzt eher nicht lohnen, hier wiedergegeben zu werden.

Ein Punkt fehlt oft: Ich glaube, viele Jugendliche halten das, was ihnen da als Politiker angeboten wird, schlicht für doof. Für ein bisschen beschränkt, im besten Fall für weltfremd. Und zwar zu Recht, weil sie von der Welt, in der viele Jugendliche leben, einfach nix wissen. Das wäre nicht unbedingt schlimm, aber sie tun auch noch so, als ob sie darüber besser bescheid wissen würden, als viele andere.

Nur ein Beispiel: das Internet.

Man stelle sich mal vor, ein Politiker, ein Minister gar, würde sich hinstellen und über das Auto schwadronieren. Das sei zwar sicherlich eine ganz nette Erfindung, aber doch irgendwie auch total gehyped, von den Medien, von kleinen Interessengruppen wie dem ADAC oder Aral. Es sei auch gar nicht gut, immer nur mit dem Auto zu fahren, man solle auch mal das Rad nehmen oder zu Fuß gehen, man selbst sei ja schon mal von Berlin nach München gewandert, damals, und das sei sehr schön gewesen. Außerdem sei es möglicherweise auch gar nicht anzuraten, sich schneller als mit 70 Stundenkilometer vorwärts zu bewegen, dafür sei der menschliche Körper eigentlich gar nicht gemacht.

Häh? Wer so daherreden würde, der würde vermutlich von niemandem mehr ernst genommen. Wenn aber statt über Autos mit dem selben Brustton der Überzeugung über das Internet gesprochen wird, über Kriminalität und Gefahren, über Bombenanbau(!)leitungen, über Verdummung und Verrohung, über Selbstentblößung im Web2.0 und all das andere Schlechte in Bits&Bytes, dann wird das ohne mit der Wimper zu zucken hingenommen. Und manchmal sogar beklatscht. Meistens von Männern 50plus.

Und daran ändert es nichts, wenn irgendwelche PR-Agenturen irgendwelche Profile für irgendwelche Politiker in irgendwelchen sozialen Netzwerken anlegen. Nur mal so vorsorglich gesagt. Und wie das in Bewegtbildern zusammenzufassen ist, das habe ich beim Pantoffelpunk gefunden:

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