Es wird ja in Deutschland häufig gerätselt – nicht nur in Parteigremien, auch in Redaktionsstuben – woher diese Politikverdrossenheit der jungen Generation komme, warum da nicht mehr Interesse an Wahlen, an demokratischer Beteiligung herrsche. Überwiegend Männer der Generation 50plus können solche Fragen lange, sehr lange diskutieren. Und haben viele Antworten darauf, die es sich jetzt eher nicht lohnen, hier wiedergegeben zu werden.
Ein Punkt fehlt oft: Ich glaube, viele Jugendliche halten das, was ihnen da als Politiker angeboten wird, schlicht für doof. Für ein bisschen beschränkt, im besten Fall für weltfremd. Und zwar zu Recht, weil sie von der Welt, in der viele Jugendliche leben, einfach nix wissen. Das wäre nicht unbedingt schlimm, aber sie tun auch noch so, als ob sie darüber besser bescheid wissen würden, als viele andere.
Nur ein Beispiel: das Internet.
Man stelle sich mal vor, ein Politiker, ein Minister gar, würde sich hinstellen und über das Auto schwadronieren. Das sei zwar sicherlich eine ganz nette Erfindung, aber doch irgendwie auch total gehyped, von den Medien, von kleinen Interessengruppen wie dem ADAC oder Aral. Es sei auch gar nicht gut, immer nur mit dem Auto zu fahren, man solle auch mal das Rad nehmen oder zu Fuß gehen, man selbst sei ja schon mal von Berlin nach München gewandert, damals, und das sei sehr schön gewesen. Außerdem sei es möglicherweise auch gar nicht anzuraten, sich schneller als mit 70 Stundenkilometer vorwärts zu bewegen, dafür sei der menschliche Körper eigentlich gar nicht gemacht.
Häh? Wer so daherreden würde, der würde vermutlich von niemandem mehr ernst genommen. Wenn aber statt über Autos mit dem selben Brustton der Überzeugung über das Internet gesprochen wird, über Kriminalität und Gefahren, über Bombenanbau(!)leitungen, über Verdummung und Verrohung, über Selbstentblößung im Web2.0 und all das andere Schlechte in Bits&Bytes, dann wird das ohne mit der Wimper zu zucken hingenommen. Und manchmal sogar beklatscht. Meistens von Männern 50plus.
Und daran ändert es nichts, wenn irgendwelche PR-Agenturen irgendwelche Profile für irgendwelche Politiker in irgendwelchen sozialen Netzwerken anlegen. Nur mal so vorsorglich gesagt. Und wie das in Bewegtbildern zusammenzufassen ist, das habe ich beim Pantoffelpunk gefunden:
Tags: Internet, Politikverdrossenheit, Wiefelspütz, Schäuble, Zensursula
Die großen Tageszeitungen leisten sich ja in dieser Hinsicht immer wieder teilweise blamable, teilweise für die PolitikerInnen lesbar erhellende Beiträge. Positives Beispiel ist der ZEIT-Artikel “Wie man eine Generation verliert”, der deutlich den medialen Abstand zwischen den jungen Generationen und unseren RepräsentantInnen thematisiert. (Ein unrühmlicheres Beispiel der gestrigen VertreterInnen der journalistischen Zunft ist wohl der Beitrag “Das Netz als Feind “, aber das wäre eine ganz andere Diskussion.)
Ich glaube, politisches Engagement ist der jungen Generation u.a. zu langsam und zu zermürbend/wenig erfolgversprechend. Sie engagieren sich lieber für konkrete Projekte in kleinerem Rahmen, wo u.U. wirklich “angepackt” werden kann und Erfolge schneller sichtbar werden. Junge Menschen wollen dabei außerdem das Gefühl haben, sich engagieren zu können, ohne sich “verbiegen” zu müssen. Teamgeist ist gewollt und gefragt – aber die Fallgruben & Langatmigkeiten eines politischen Engagements in Parteien werden gescheut.
Um auf das Beispiel Netzsperren zurück zu kommen: Obwohl die Petition in kürzester Zeit unvergleichlich erfolgreich war, trat diesem politischen Bürgerengagement die Politik gelinde gesagt beängstigend missbilligend gegenüber. Die Stimmen der BürgerInnen haben in diesem Fall wenig Gehör gefunden. Auch das empfindet die Jugend heute: Sie wird in vielen Fällen von der Politik nicht ernst genommen, ihre Themen sind unterrepräsentiert.