Domina GmbH & Co. KG

Ein großes SM-Studio ist ja eigentlich auch nur ein kleines mittelständisches Unternehmen, das damit kämpft, das alles teurer wird, aber die Preise beim Kunden schwer zu erhöhen sind. Das es nicht leicht hat, qualifiziertes Personal zu finden – und das Mitglied in der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist und öfter mal Besuch vom Finanzamt bekommt.

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich für die “Märkische Allgemeine” eine größere Geschichte über die Erotik-Branche geschrieben. Es war der Versuch herauszufinden, wie viel Geld eigentlich rund um Sex in Deutschland gemacht wird – und wer es macht. Das Ergebnis, die Seite 1 in unserer Beilage MAZ-spezial mit dem Titel “Nackte Zahlen”, war etwas ernüchternd. Wirklich recherchieren lässt sich das auf die Schnelle nicht, man kann nur ein paar Schlaglichter auf das Thema werfen.

Bei der Recherche hatte ich allerdings ein längeres Interview mit Sabine Meyer geführt, die als Lady Mercedes zusammen mit ihrer Partnerin das SM-Studio “Avalon” in Berlin-Spandau betreibt. Im Text vorgekommen ist daraus, wie so oft, nur ein kleiner Teil. Beim Aufräumen habe ich kürzlich das komplett abgeschriebene Interview wiedergefunden und nach Rücksprache mit Frau Meyer darf ich es an dieser Stelle veröffentlichen. Ich finde es extrem interessant und es gibt eine Menge Einblick in eine Branche, die viele neugierig beäugen – aber nur aus sicherer Entfernung. Und ohne dass sie es je zugeben würden.

Es ist eine Materialschlacht geworden

Betreiberin eines SM-Studios – da denkt man an ein dickes Bankkonto, den Porsche vor der Tür und ein finanziell ausgesorgtes Leben.

Sabine MeyerSabine Meyer: Unsere Stundenpreise liegen bei 220 Euro. Das klingt erstmal so, als ob hier wahnsinniges Geld verdient wird. Aber wir müssen einen enormen Aufwand betreiben, um Menschen mit diesen anderen Fantasien einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich aufgehoben fühlen. Da fließt wirklich viel Geld hinein. Um das mal deutlich zu machen: Das fängt schon damit an, dass es warm sein muss, dazu sind 400 Quadratmeter zu heizen. Und dann kommt ja auch nicht jede Stunde ein Gast.

Wenn schon dieses Klischee nicht stimmt, fangen wir doch vorne an. Wie wird man denn Studio-Betreiberin?

Meyer: Man muss eine Veranlagung dazu haben. Man muss eine Liebe zu SM haben, man muss das auf jeden Fall mögen. Man wird nicht einfach so SM-Studio-Betreiberin oder Domina. Wichtig ist auch, dass man diese Mode gerne mag. Und man muss auch bereit sein, sich in dieses Leben hineinfallen zu lassen. Man ist ja nicht in einer festen Arbeitssituation, man muss sich um alles selber kümmern.

Was heißt das praktisch?

Meyer: Zunächst fängt es an mit einer Neigung. Dann geht es damit weiter, dass man sich ein vernünftiges Studio sucht – so wie unseres – und sagt, ich möchte das lernen. Dann lernt man das und dann bekommt man schon mit, durch Feedback von Gästen und Kolleginnen, ob man ambitioniert ist oder nicht. Erst wenn man eine solche Ausbildung bekommen hat und damit fertig ist, dann kann man hier einsteigen. Continue reading

Meine Twitter-Woche

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Crowdsourcing extrem

Unter Crowdsourcing versteht man, auf das Wissen oder die Arbeitskraft der Masse (crowd) zu setzen und ihr eine Aufgabe oder Frage zur Lösung zu überlassen. Und das können manchmal sehr persönliche Fragen sein.

Hier hat jemand die Namensfindung für seinen noch ungeboren Sohn auf die Internet-Leserschaft übertragen. Ich meine, wir haben das mit einem DIN A4-Blatt an der Küchentür gemacht – und ich glaube, ich hätte Prügel bekommen, wenn ich die Frage getwitter hätte.

Pressespielgel für alle

Heute hatte ich tatsächlich meine erste “niiu” im Briefkasten. Meine was? Muss man vielleicht im Moment noch erklären, was das ist. Das Kunstwort, das an “News” erinnern soll, ist ein Startup, dass den Traum (mancher Leute) von einer personalisierten Zeitung real werden lassen will. Eine Zeitung, bei der man selbst entscheidet, was man liest.

Wobei “niiu” eigentlich keine neue Zeitung ist, sondern man kann aus einer Reihe von Zeitungen, die mitmachen, auswählen, welche Seiten man lesen will. Also etwa die Seite 1 der “Osnabrücker Zeitung”, die Seite 1 der “Bild”, dazu den Wirtschaftsteil von “Neuem Deutschland” und “Tagesspiegel”, die Kommentare aus der “New York Times” und zum Schluss das Feuilleton aus der “Frankfurter Rundschau”. Wer sich für Sport nicht interessiert, der bestellt eben keinen Sportteil. Und wer davon mehr will, der nimmt gleich die Teile mehrerer Zeitungen.

Allerdings hatte ich meine Ausgabe vor einer Woche zusammengestellt und schon die Hoffnung auf Lieferung aufgegeben. Einen Hinweis, wann der Bezug startet, wäre sicher nicht schlecht gewesen. Aber, nun ja, es ist eben ein junges Startup.

Und wie sieht meine “niiu” nun aus? Fotos liefere ich nach, geht im Moment schlecht. Update: Fotos nun eingebaut, sorry für die maue Handy-Kamera-Qualität.

Titelseite

Titelseite

Erster Eindruck: Die Titelseite ist nicht sehr ansprechend. Oben die Leisten der beteiligten Zeitungen (eine Auswahl), ein merkwürdiges Bild und darunter recht lieblos 2/3 der Seite mit irgendwelchen News aus dem Internet gefüllt, die man auch abonnieren musste, von denen ich aber eigentlich nix gedruckt haben wollte.

Zweite Seite

Zweite Seite

Auf Seite 2 geht’s dann los, in meinem Fall mit der Titelseite der “Osnabrücker Zeitung”, daneben auf Seite 3 dann die erste Seite der “Bild”. Und da kommt dann auch eine echte Schwachstelle zum Tragen: Da ist die Top-Geschichte mit ein paar Sätzen abgehandelt und dann steht da, dass es auf Seite 6 weitergeht. Aber das ist eben die Seite 6 der “Bild”, nicht die meiner “niiu”. Und die Seite 6 der “Bild” habe ich nunmal nicht. Unschön.

Zweiter Eindruck: Sehr unruhig. Auf jeder Seite ein anderer Schrifttyp, anderes Layout, weil die Originalseiten der Zeitungen nun mal 1:1 abgebildet werden und nicht in ein neues Layout gepresst werden – was wohl auch kaum umsetzbar wäre. Wobei, es ist nicht 1:1, wie man rasch merkt. So ist die Seite der “Bild”, die im Original auf größerem Papier gedruckt wird, einfach verkleinert worden, damit sie passt, was manchen Text doch schwer lesbar macht. Dafür sind die Seiten der “Frankfurter Rundschau”, die ja im Tabloid-Format erscheint, aufgeblasen worden, wodurch die Schrift arg unnatürlich groß wird. So richtig Spaß zu Lesen macht das nicht.

Dritter Eindruck: Da fehlt doch was. Meine bestellten Seiten aus der “New York Times” waren nicht dabei, warum weiß ich nicht. Vielleicht weil vier Seiten Werbung eines Elektronikmarkts dabei waren? Oder gab es technische Probleme? Oder wurden sie vergessen? Etwas unbefriedigend, das nicht zu erfahren.

Letzter Eindruck: Auf der letzten Seite ist wieder so ein Internet-Krimskrams, den ich echt nicht brauche. Das sind irgendwie zwei verschenkte Seiten, vorne und hinten.

Mein Fazit: Auf mich wirkt “niiu” nicht wie eine neue Zeitung, sondern eher wie ein Pressespiegel für alle. Ob sich das bei Normalzeitungslesern durchsetzen wird, wage ich zu bezweifeln, vor allem wegen der ersten Schwachstelle, der Artikel, die nirgendwo fortgesetzt werden. Für professionelle Zeitungsleser kann es vielleicht eine Möglichkeit sein, günstig an Auszüge verschiedener Blätter zu kommen. Aber ob der Markt dafür groß genug ist?

Außerdem ist die Auswahl der Zeitungen noch nicht wirklich berauschend. Mit der steht und fällt aber am Ende, ob “niiu” genug Leser finden wird. Ein Zusatznutzen wäre, wenn ich die Zeitung nicht unbedingt (nur?) gedruckt bekommen müsste, sondern zum Beispiel auch als PDF. Das sollte ja eigentlich umsetzbar sein.

Zwei Ausgaben von “niiu” bekomme ich noch kostenlos. Wahrscheinlich werde ich sie dann auch erstmal nicht weiterlesen. Aber beobachten werde ich das Projekt sicher.

P.S. Allerdings kann man an der journalistischen Kompetenz der “niiu”-Macher schon zweifeln, wenn ich da eben auf der Homepage den Hinweis lese:

Ist niiu heute im Fernsehen: in den besten Nachrichten der Welt: Um 20:00 Uhr bei RTL II….

Vielleicht bin einfach doch nicht die Zielgruppe dieses Erzeugnisses…

Update, 24.11.2009:
Heute hat mir meine zweite Ausgabe viel besser gefallen. die “New York Times”-Meinungsseite war dabei. Gut fände ich, wenn Wirtschaftsteile und Börsenseiten beim Bestellen zu unterscheiden wären; ich mag zwar vielleicht zwei oder drei Wirtschaftsteile lesen, aber nicht zwei oder drei Börsenseiten, eine ist mir eigentlich in der “niiu” schon zu viel.

Und dann habe ich heute auch noch eine leere Seite bekommen, das ist hoffentlich nur ein technisches Problem gewesen:

Leere Seite

Leere Seite

Meine Twitter-Woche

  • @dorfpunk Wird bestimmt ein voll doofes Konzert. Und es is kalt draußen. Oder nass. Daheim ist echt besser. #dissonanzreduktion #trost in reply to dorfpunk #
  • @RZMoJane Naja, es gibt ja nicht nur das Dritte Reich. Berlin in Preußen und so. #geschichte #nachhilfe ;) in reply to RZMoJane #
  • Was macht denn diese #flip Kamera, von der alle reden, so viel toller als meine Kodak Zi6? #
  • Hey, @twidroid, I want a "jump to the top"-function, please! #
  • @RZChefredakteur Und weil am Korrekturlesen gerne gespart wird ;) in reply to RZChefredakteur #
  • Bisher hat @twitter sich für mich interessiert und wollte wissen, was ich mache. Jetzt nur noch heiß auf News. #beziehungskrise #
  • @brauni Wär doch mal ein Heftthema: Erotik / Sinnlichkeit muss nicht schlank sein (oder so) in reply to brauni #
  • Streiche evtl RT @wortwart PR-Leute, die den Unterschied zwischen "An" und "Bcc" nicht kennen, sollten eventuell einen Jobwechsel erwägen. #
  • Ralf Schuler denkt über die mentale Belastung von deutschen Kickern und jenen der Elfenbeinküste nach: http://bit.ly/4pLmGt #
  • See in Gmail if someone is using #android : http://bit.ly/1zPEZ !android #
  • Außer Kontrolle: Was #Datenschützer alles empfehlen, mit Interview mit Markus Beckedahl von @netzpolitik: http://bit.ly/3W2YO9 #MAZ #
  • Und auch heute wieder keine #niiu – das Konzept "Tages"zeitung stelle ich mir anders vor. Und meine #maz hat der Zusteller auch gegessen :( #
  • @droidcon Bei mir steht da Liferzeit 1-2 Monate :-) in reply to droidcon #
  • Erwähnte ich schon, dass ich heute meine am Dienstagabend zusammengestellte #niiu nicht bekommen habe? Schade eigentlich. #
  • @tknuewer Well, they announced yesterday to copy low cost airlines. I'd say: that's really fast ;) in reply to tknuewer #
  • Tweeting 2 years, 7 months, 3 weeks, 23 hours, 32 minutes, 2 seconds (March 28, 2007). How about you? http://bit.ly/eC942 #howlong #
  • Mag Leyendeckers Mittwochskommentar auf @radioeins – aber kann man dem mal sagen, dass schlecht vom Blatt lesen im Radio blöd rüberkommt? in reply to radioeins #
  • Hab mir mal eine #niiu Zeitung zusammengestellt. Halte das ja für kein dolles Modell, aber man muss sich ja selbst ein Bild machen. #
  • Tolle Radiowerbung von @weltkompakt, Zeitung als Gegengewicht zu x-tausend Digitalfotos etc. Und das gehauchte "gedruckt".. #print #is #sexy #
  • Wow, im Shop der "Wirtschaftswoche" kann man Bulle und Bär kaufen, für den "Schreibtisch eines jeden Börsianers". Kostet nur 339 Euro… #
  • Man lässt twittern RT @gigold Huch: RT @michaelreuter: Obama: "Twitter habe ich noch nie benutzt" http://mug.im/157b #
  • Will man das wirklich haben, bei Xing? RT @PatrickBernau RT @LarsHinrichs: Now xing and twitter are connected and vice versa updated. #
  • Danke! RT @weltkompakt konferenzergebnis: eine seite im sport beschäftigt sich mit robert enke. thema des tages vorne wird die spd #
  • @Kirchberg Na dann is "Hubschrauber über" natürlich ok… einigen wir uns darauf, man kann das #enke Spektakel so oder so sehen. in reply to Kirchberg #
  • @Kirchberg Sehe Relevanz von "Hubschrauber über" nicht wirklich. Sorry, wenns Dich ärgert, soll nicht persönlich sein, aber das ärgert mich. in reply to Kirchberg #
  • @Kirchberg Der Tod wird zum Medienereignis, zum Spektakel. Vermarktet, verwertet, in Quote und Auflage gemünzt. in reply to Kirchberg #
  • @Kirchberg Komischer Standpunkt für journalistischen Berichterstatter (den ich sonst gern lese), aber bei #enke gerät einiges aus den Fugen in reply to Kirchberg #
  • Sorry für mehrfach Tweets, #twidroid hat mich gerade zum Wahnsinn gebracht. #
  • Wieder ein Printjournalist im Web: Kollege Ralf Schuler, Politikchef der #maz, bloggt privat http://ralfschuler.wordpress.com #
  • Warte darauf, ob @kirchberg auch noch twittert, wann sich wer wie lange schneuzt. #enke #trauertweets #fail #

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Ein Award für die Wortwolken

Ich fühle mich dann mal ausgezeichnet. Beim elften “European Newspaper Award” gab es unter anderem einen Preis für die “Märkische Allgemeine” in der Kategorie “Visualisierung”, und zwar für meinen Beitrag “Wortwolken im Wahlkampf”, der die Landtagswahlprogramme als “tag cloud” dargestellt und analysiert hat. Und über den ich hier ja auch schon geblogt habe.

SPD

Mich freut das vor allem, weil meine Idee und meine Umsetzung eher ganz spontan waren und ich nicht wirklich gedacht hätte, dass so was innovatives seinen Weg in die MAZ finden würde. Und es gab ja auch Kollegen, die die Sinnhaftigkeit der Aktion anzweifelten und bemängelten, das hätte ja wohl überhaupt keine Aussage. So unterschiedlich können Bewertungen ausfallen.

Dass das Lob aus der Chefredaktion dann an den Layoutchef geht, der die Grafiken auf die Seite 3 gehoben hat, geschenkt. Ich freu’ mich trotzdem.

Update:
Hier findet sich der entsprechende Text in der “Märkischen Allgemeinen” dazu.

Böser, böser Kapitalist!

Als ich die Pressemitteilung gelesen hatte, dachte ich nur: Das muss doch ein Fake sein. Aber weil weder Absender noch geschilderter Sachverhalt für die Zeitung, für die ich arbeite, von besonderer Bedeutung ist, habe ich die “DEL”-Taste gedrückt und das Ganze vergessen. Doch was muss ich jetzt lesen – die Sache ist wahr. Und der pressemeldungstechnisch von der MLPD, der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands, geschilderte Skandal lautet:

Die Deutsche Bank hat alle MLPD-Konten und die des längstjährigen Parteichefs Stefan Engel (ohne “s”) gekündigt. Einfach so. Ohne Begründung. Ja gibt’s denn das!

Darüber berichten inzwischen einige, nun ja, der MLPD nicht fernstehende Publikationen. Wie die “Rote Fahne”. Oder “Scharf links”.

Dabei finde ich die viel spannender Geschichte: Warum hat die MLPD eigentlich Konten bei der Bank von Josef Ackermann, die in die Kategorie “private Gier-Banken” (im MLPD-Jargon) fällt? Darf ein guter Genosse mit dem Klassenfeind Geschäfte machen? Schlummern im Aktiendepot der marxistischen Leninisten vielleicht gar ein paar Atomstrom- oder Rüstungskonzern-Papiere? Oder liegen im Tresor gar ordentlich verzinste US-Staatsanleihen? Irgendwo hat Marx bestimmt geschrieben, man müsse den Feind mit den eigenen Waffen schlagen. Oder Lenin. Oder notfalls Stefan Engel. Passt schon.