Der digitale Blick

Wenn Googles “Project Glass” nur der Anfang ist, dann könnte die Wirklichkeit vielleicht bald so aussehen wie im Kurzfilm “Sight” dargestellt:

Thomas Knüwer hat es an die Romane “Daemon” und “Freedom TM” von Daniel Suarez erinnert, die ich auch verschlungen habe. (Da fällt mir ein, dass das vorbestellte neue Buch “Kill Decision” bereits auf meinem Kindle gelandet ist. Muss ich jetzt unbedingt mal lesen.)

Ad ACTA

Intransparentes Verfahren, Geheimabsprachen, Schaden für Innovation… irgendwie kommen mir die Kritikpunkte an ACTA sehr bekannt vor. Vor 15 Jahren in den wilden AStA-Zeiten haben wir aus ähnlichen Gründen gegen das MAI-Abkommen mobilisiert, das Multilateral Agreement on Investment. Das Ding wurde beerdigt.

Und was ist nun ACTA?

Oder für diejenigen, die weniger auf bewegte Bilder stehen und mehr auf ruhende Texte: mal kurz zum Nachlesen als PDF.

Und morgen soll dagegen in Berlin demonstriert werden.

Wie ich mal ins “heute journal” getwittert wurde

Nach den Anschlägen in Norwegen wollten deutsche Chefredakteure ja gleich mal das Web säubern und CDU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl erklärte gar, die Tat sei “im Internet geboren” worden. Nicht in der Kirche, nicht beim Zeitunglesen, nicht im Schützenverein, nicht auf dem Klo – nein, natürlich, im Internet.

Das inspirierte eine ganze Menge Leute dazu, mal darüber nachzudenken, was sonst noch “im Internet geboren” wird oder wurde – und das haben sie dann mit dem Stichwort “#iminternetgeboren” in die Welt getwittert.

Wie ich erst jetzt gesehen habe, hat es mein Beitrag dazu auch auf die Seite von netpolitik.org geschafft. Da fühle ich mich doch geehrt.

Und von dort aus ging die Reise des kleinen Tweets weiter – direkt ins “heute journal” von gestern.

Dort konnte man für einen kurzen Augenblick lesen:

Wobei ich ehrlich gesagt die meisten anderen Tweets viel lustiger fand.

Als Ulrich Jörges mal das Netz aufräumen wollte

Der Experte für alles und “stern”-Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges hat heute auf Radio Eins seinen wöchentlichen Kommentar dem “Manifest” des Oslo-Attentäters gewidmet.

Neben der für viele Menschen vermutlich bahnbrechenden Erkenntnis, dass Rechtsextreme das Internet als Propagandaplattform nutzen, was Herr Jörges weiß, weil er sich damit mal ausführlich beschäftigt hat, wie er betont, findet er, dass das Manifest aus dem Netz verschwinden muss. Weil es voller Hass ist, Volksverhetzung beinhaltet und sogar Anleitungen zum Terrorismus gibt.

Überhaupt, das Netz muss mal ordentlich aufgeräumt werden, weil es – hier einen kleinen Tusch einfügen – “in Wirklichkeit ein rechtsfreier Raum ist”.

Das Problem ist vielmehr: Im Internet gelten schlicht nicht alleine deutsche Gesetze.

Das mag jemand wie Herr Jörges bedauern, der sich vor einiger Zeit mit dem Internet mal in Zusammenhang mit Rechtsextremismus beschäftigt und dann offenbar die Ausdrucke wieder in die Schublade gelegt hat. Aber die Behauptung, würde das Manifest als Buch gebunden und verkauft, würde es sofort beschlagnahmt, ist nur halb richtig. Hierzulande womöglich. Aber sicher nicht in den USA und vermutlich etlichen anderen Ländern, wo Meinungsfreiheit anders eingeordnet wird.

Wer heute das Manifest auf einem deutschen Server ablegt und zugänglich macht, der kann auch morgen schon Besuch von Staatsanwalt und Polizei bekommen (womöglich sogar dann, wenn man es sich nur beschafft, aber das müssten Juristen klären). So rechtsfrei ist das Internet.

Wenn aber ein US-Amerikaner, nur als Beispiel, das Manifest auf einem US-Server ablegt, dann interessieren ihn deutsche Gesetze, man muss es so sagen, einen Dreck. Und die Buchhandlung jenseits des Atlantiks übrigens genauso wenig.

Interessant wird es dann, wenn Herr Jörges es klasse findet, dass Hacker angekündigt haben, das Manifest aus dem Netz zu nehmen. Wenn die das morgen für alle Gruner+Jahr-Publikationen ankündigen, weil die zum Beispiel ihrer Meinung nach falsch über den Oslo-Attentäter berichtet haben und ihm eine zu große Bühne gegeben haben, dann wird Herr Jörges vermutlich wieder einen “rechtsfreien Raum” im Internet beklagen. Aber dann wäre zumindest das Problem gelöst, zu welchem Thema er diese Woche im Radio seine Expertise verbreiten soll.

An alle deutschen Sicherheitspolitiker

Ist das jetzt angekommen?

Man mag sich gar nicht vorstellen, was Hierzulande mit all den selbsternannten Terror- und Sicherheitsexperten los wäre, sollte jemals ein solcher Terroranschlag in Deutschland stattfinden.

Und bei der Gelegenheit noch eine Frage: Warum war es so lange Terrorismus, wie man von Islamisten ausging? Warum wäre es wohl selbst dann noch ein Terroranschlag gewesen, wenn es ein verwirrter islamistischer Einzeltäter gewesen wäre? Aber wieso wird es zum “Amoklauf”, sobald sich der Hintergrund vom Islam zum verschwurbelten Islam-Hass, zum Neocon gewandelt hat?

Bei all dieser Dummheit, diesem Geschwafel, diesem Blödsinn, diesem Verbalmüll – da tut die Ansprache von Herrn Stoltenberg wirklich gut.

Lernt Programmieren!

Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber der Aufruf “Lernt Programmieren – oder ihr werdet programmiert” erscheint mir plausibel. Wir hätten ja schließlich auch Sprechen gerlernt, nicht nur Verstehen. Und Schreiben, nicht nur Lesen.

Ich fühle mich eigentlich auch ganz wohl damit, dass es mir noch gelingt, für mein Handy selbst eine App zu schreiben oder ein kleines Tool für den PC, wenn es gerade nichts Fertiges gibt, das meinen Bedürfnissen genügt.

Früher war Informatik in der Schule das Lernen von Programmiersprachen (bei uns: Pascal). Wie ist das eigentlich heute?

Von Speer lernen

Brandenburgs Innenminister Rainer Speer (SPD) ist zurückgetreten. Eine bzw. mehrere merkwürdige Affären, die sich da abzeichne(te)n. Das Merkwürdigste für mich allerdings: Auslöser des ganzen war ein geklauter Laptop bzw. die Daten, die darauf waren.

Wie bitte?

Ein Brandenburger Spitzenpolitiker, SPD-Strippenzieher, damaliger Finanz- und heutiger Innenminister hat einen Laptop, dessen Daten man einfach so lesen kann?

Nun gut, ich bin kein Apple-Experte (um ein solches Gerät soll es sich ja gehandelt haben), aber angeblich ist da File Vault, die Verschlüsselung der Benutzerdaten, sogar serienmäßig mitgeliefert. Man muss sie nur einschalten.

Noch besser, da plattformübergreifend und open source, ist Truecrypt, das es auch in einer Version für Mac OS gibt. Damit wird, kurz gesagt, ein Teil des Festplattenspeichers reserviert und verschlüsselt, auf Wunsch wird er dann als zusätzliches Laufwerk ins System eingebunden – natürlich erst wenn man das Passwort eingegeben hat. Wenn das Passwort nicht gerade “geheim” lautet oder das eigene Geburtsdatum ist, dann dürften sogar Rockerbanden dürften dann genauso wenig an die Inhalte rankommen wie das LKA.

Und, ja, Truecrypt gibt es auch für Windows. Wer ein ordentliches Betriebssystem wie Ubuntu Linux auf seinem Laptop hat, der kann aber auch sein Benuzterverzeichnis gleicht mit Bordmitteln verschlüsseln.

Man muss auch keinen Email-Verkehr über vermeintliches Sozialbetrügereien, geheime Strategiepapiere oder Details über Grundstücksgeschäfte auf seinem Rechner haben, damit sich der geringe Aufwand der Datenverschlüsselung lohnt. Wenn mein Laptop mal gestohlen würde, dann möchte ich noch nicht einmal, dass meine harmlosen Urlaubsbilder jemand anderes sieht.

Das kann eigentlich schonmal jeder von Speer lernen.