Remake of Westworld

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Filme die mich so beeindruckt haben wie “Westworld”. Ein 70er-Jahre-Streifen mit Yul Brynner, den ich in ziemlich jungen Jahren, vermutlich noch auf einem s/w-Fernseher, so genau weiß ich das nicht mehr, zum ersten Mal gesehen habe. Und der mir Albträume beschert hat. Dieser gnadenlose Androiden-Revolverheld, der den armen echten Helden jagt…

Die Story ist simpel: In einer fernen Welt gibt es einen Freizeitpark, wo Leute ihren Urlaub in “Themendörfern” verbringen können – etwa in einem Mittelalterdorf oder eben in einer Westernstadt. Computergesteuerte Androiden geben das Kanonenfutter für die zahlende Kundschaft. Bis einer den Spieß umdreht.

Und daran musste ich bei diesen Nachrichten vom Freizeitpark “Tropical Islands” sofort denken, komme aber jetzt erst zum Bloggen. Da heißt es:

Der Geschäftsführer der Anlage, Ole Bested Hensing, der erst vergangen Dienstag seinen Rückzug aus dem Unternehmen angekündigt hatte, sagte dem Blatt: „Der Plan ist, dass wir das größte Themen-Resort Deutschlands bauen.“ Hensing wechselt demnächst nach Baden-Württemberg zu den Stadtwerken Konstanz (MAZ berichtete).

Nach Angaben des scheidenden Geschäftsführers will der Eigentümer von Tropical Islands, der aus Malaysia stammende Tanjong-Konzern, mit Unterstützung von Finanzinvestoren rund um die ehemalige, riesige Montagehalle des Luftschiffbauers Cargolifter eine große Ferienanlage errichten. Sie soll aus vier eigenständigen Ferien-Resorts bestehen: Westerndorf, Mittelalterdorf, Tropendorf und 50er-Jahre-Dorf. Angestrebt ist ein Angebot von 12 000 Betten. Drei Millionen Übernachtungen erhofft sich das Unternehmen pro Jahr.

Na dann mal viel Vergnügen, und hier schon mal der Trailer zum Remake von Westworld:

Stadt, Land, Tier

Wie viele Jahre bin ich jetzt bei der “Märkischen Allgemeinen” im Wirtschaftsressort? Und jedes Jahr haben die Kollegen mindestens einmal über die Brala geschrieben. Und zwar über die Landesbauernversammlung, die auf der “Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung” in Paaren/Glien stattfindet.

Und heute habe ich es zum ersten Mal geschafft, selbst dorthin zu fahren. Mit dem Sohn – dank der brückentagsbegründeten Kitaschließung. Einen Blick ins Zelt, wo gerade die Landesbauernversammlung stattfand, habe ich auch erhascht, aber es erschien mir doch eher das Langweiligste des gesamten Angebots zu sein.

Viel spannender war zum Beispiel das hier:

Und ich wusste bis heute nicht, dass Kaninchen über Hürden springen und das ein richtiger kleiner Sport ist. Und was für ulkige Begriffe es gibt (“gutes Fundament”) um zu beschreiben, warum eine Kuh schöner ist als die andere und einen Preis verdient. Und und und.

Und vor allem: Wir waren ja an diesem Freitag so kurz vor 10 auf der Brala. Da war es noch angenehm leer. Am Nachmittag war da die Hölle los – und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es da Samstag und Sonntag zugeht.

Journalistisch frage ich mich, ob wir im direkten Vergleich “Grüne Woche” – Brala nicht der ersten zu viel Aufmerksamkeit und Platz im MAZ-Mantel schenken. Sollte man im nächsten Jahr vielleicht mal diskutieren. Zeitung sollte schließlich da sein, wo die Leser sind.

Großbaustelle Großflughafen

Am Samstag habe ich mir ganz privaz mit Familie bei den “Publikumstagen” auf der Baustelle des neuen Flughafens Berlin Brandenburg “Willy Brandt” (BER) selbst ein Bild gemacht, wie es mit dem Zustand der Bauarbeiten aussieht. Oder es zumindest versucht.

Textlich findet sich ein bisschen was davon in diesem Artikel in der “Märkischen Allgemeinen” wieder. Mehr schreibe ich vielleicht dazu, wenn ich mal etwas Zeit und Muße habe.

Daneben habe ich noch Fotos für mich gemacht, sozusagen als Erinnerung an dieses Megaprojekt-Desaster. Ein Klick auf die Diashow führt zum Album beim empfehlenswerten Fotohoster 23hq.

Making of … Windräder in Brandenburg

Am vergangenen Donnerstag habe ich in der “Märkischen Allgemeinen” auf der Wissenschaft&Technik-Seite einen Artikel darüber veröffentlicht, wo in Brandenburg die Windräder stehen und gleichzeitig beschrieben, wie wir aus öffentlich zugänglichen Daten die Visualierung vorgenommen haben.

Der Artikel beschreibt bereits einen Großteil der Arbeit. Hier noch einmal in der Übersicht und mit etwas mehr Hintergrund:

  • Am Anfang stand die Idee: Ein Kollege hat bei Recherchen für Erneuerbare Energien festgestellt, dass der ostdeutsche Stromnetzbetreiber 50Hertz die Daten für alle nach dem EEG geförderten Anlagen zum Download bereithält. Diese unübersichtlichen Datenblätter in etwas zu verwandeln, was sich auf einen Blick wahrnehmen lässt, war das Ziel.
  • Nachdem die Daten für die Windräder in Brandenburg runtergeladen waren, mussten die Angaben für eine Geokodierung aufbereitet werden. Ein erster Versuch, die List einfach in Google Fusion Tables zu laden und dort die Berechnung durchzuführen, war wenig erfolgreich. Die Adressangaben sind für Google Maps ungeeinget, da meistens keine Straße und Hausnummer angegeben ist, sondern ein Flurstück oder vage Bezeichnungen wie “An der B105″.
  • Wir haben uns daraufhin als Ziel gesetzt, die Windräder orts- bzw. ortsteilgenau auf die Karte einzuzeichnen, also nicht den exakten Standort des Windrads zu nehmen.
  • Auch dieser zweite Versuch scheiterte in Google Fusion Tables. Der Grund: Gibt es mehrere Einträge am selben Ort, so werden diese übereinander eingezeichnet, aber nur der letzte Eintrag ist überhaupt sichtbar und lässt sich anklicken.
  • Die erste Idee war dann, mit einem kleinen Programm die Daten zu durchforsten und eine Anzahl für jeden Ort zu berechnen, also z.B. dass in Ort ABC genau 22 Windräder stehen und entsprechend unterschiedliche Marker für bestimmte Anzahlen in die Karte einzutragen. Das Programm hat die Original-CSV-Datei eingelesen, bearbeitet und die für die Darstellung notwendigen Daten in eine neue CSV-Datei geschrieben.
  • Das von mir geschriebene Programm (in Python) hat soweit funktioniert, aber leider ergab sich daraus ein Nachteil: Obwohl in den Originaldaten das Jahr der Inbetriebnahme eingetragen war, hätte man auf diese Weise nicht eine Karte zum Stand von z.B. 2005 machen können, da die Zählung ja über die Gesamtdaten gelaufen ist und der Marker damit festgelegt war.
  • Die nächste, und letztlich umgesetzte Idee war dann, die Windräder doch einzeln zu betrachten – indem jedes um eine Winzigkeit auf der Karte versetzt eingezeichnet wird. Dazu wurde das Pyhton-Programm angepasst und hat die Anlagen sternförmig um den jeweiligen Ort- bzw. Ortsteil-Kern angeordnet.
  • Für die Geokodierung wurde jetzt nicht mehr Fusion Tables selbst genutzt, sondern die Google-API aus dem Pyhton-Programm heraus. Der Vorteil: Man erhält alle möglichen Treffer und m.E. bessere Ergebnisse.
  • Mit Hilfe der Filter-Funktion in Fusion Tables kann man nun die Ausgabe auf alle Anlagen beschränken, die z.B. im Jahr 2005 schon da waren. Oder 2006. 2007. Etc. Dadurch ergibt sich eine Übersicht über die Entwicklung der Anlagen:
  • Mit der Share-Funktion von Google Fusion Tables wurde die endgültige Karte freigegeben, die dann so aussieht.
  • Weil die Daten dann bereits maschinenlesbar aufbereitet vorliegen, habe ich mit einem weiteren Programm Auswertung vorgenommen, z.B. Wie viele Windräder sind jedes Jahr hinzugekommen? Wie ist die Gesamtleistung gewachsen? Das sind wenige Zeilen Programmcode – und dank der Google Chart API lassen sich diese Ergebnisse ebenfalls mit wenigen Zeilen in kleine Grafiken übersetzen:

Neben freundlichem Feedback habe ich auch Kritik von echten Kartographen der Universität Potsdam bekommen. Zum einen würden einzelne Windanlagen fehlen (was wir noch nicht verifizieren konnten und ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, da die Daten des Netzbetreibers eigentlich vollständig sein sollten). Zum anderen sei die Art der Visualisierung auf einer Karte problematisch. Der Nutzer würde z.B. an einem bestimmten Ort eine Windanlage suchen, nicht im Ortskern des jeweiligen Ortes (wo wir sie wegen der limitieren Adressdaten, s.o., eintragen). Der zweite Einwand ist sicherlich korrekt, aber uns ging es darum, bestimmte Muster zu zeigen und aus einem unübersichtlichen Datensatz Erkenntnisse zu gewinnen. Ich denke, das ist gelungen.

Nachrichten aus der Vergangenheit

Vor langer, ja, ziemlich langer Zeit habe ich mir mal einen Google Alert angelegt – Suchwort: “Cargolifter”. Die Älteren von uns erinnern sich vielleicht. Die Firma wollte in der Halle in Brand (Dahme-Spreewald), in der man ein Tropenbad besuchen kann, riesige Luftschiffe bauen, die noch riesigere Lasten über unwegsames Gelände schleppen sollten. Das Ganze wurde dann eine Pleite, die Brandenburgs inzwischen verblassten Ruf vom “Land der gescheiterten Großprojekte” zementierte.

Noch heute bekomme ich über den Alter Infos zum Thema. Etwa wenn US-Amerikaner mal wieder so etwas ähnliches bauen wollen. Aber auch, wenn irgendwie ein alter Text per SEO-Management an die Oberfläche des Suchmaschinenmeers gespült wurde. Und manchmal muss man dann schmunzeln, etwa wenn es heißt

Cargolifter wehrt sich gegen Pleite-Vorwürfe | Archiv – Berliner Zeitung
Der Luftschiffbauer Cargolifter will Anzeige gegen unbekannt erstatten. Der Grund sind Berichte über Zweifel über die Machbarkeit des risikoreichen.
www.berliner-zeitung.de/…/cargolifter-wehrt-sich-gegen-pleite

Nee, nee, ist ja wie heute. Die Presse mit ihren Gerüchten. Wie kann man nur sowas behaupten, eine kerngesunde AG, Pleite gehen? Nie und nimmer.

Ach, das waren noch Zeiten.

Geschichtsstunde

KZ Sachsenhausen

Vor geschätzten elf Jahren war ich zuletzt im KZ Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin. Damals als Volontär bei der Lokalausgabe der “Märkischen Allgemeinen” habe ich über irgendeine Ausstellung, Erweiterung… ich weiß es nicht mehr… geschrieben. Damals habe ich mir das Lager angeschaut. Es hat mich berührt, aber auch nicht so sehr, schließlich hat man ja schon andere Konzentrationslager gesehen, andere Ausstellungen besucht. Seitdem war ich nicht mehr dort gewesen, obwohl es eigentlich vor der eigenen Haustür liegt.

Bis kürzlich am Wochenende. Es ergab sich die Gelegenheit, zusammen mit einer Schülergruppe aus deutschen und israelischen Jugendlichen eine Führung mitzumachen. Von den Erklärungen selbst habe ich leider nicht allzu viel mitbekommen, da auch unser Sohn dabei war und eine gewisse Betreuung brauchte, aber der bewegende Moment kam ganz zum Schluss.

Die israelischen Jugendlichen formten am Denkmal für die Ermordeten aus Teelichtern einen Davidstern.

KZ Sachsenhausen

Und dann bildeten sie einen Kreise, trugen Texte auf deutsch und hebräisch vor – und sangen zum Schluss die israelische Nationalhymne – haTikwa, die Hoffnung. Wenn man an diesem Ort diese Klänge hört, dann ist bei aller Schrecklichkeit der Vergangenheit eines klar: diejenigen, die das geplant und ausgeführt haben, haben nicht gewonnen. Und man wünscht sich, dass sie es sehen, hören, spüren, dass sie nicht gewonnen haben.

Von Speer lernen

Brandenburgs Innenminister Rainer Speer (SPD) ist zurückgetreten. Eine bzw. mehrere merkwürdige Affären, die sich da abzeichne(te)n. Das Merkwürdigste für mich allerdings: Auslöser des ganzen war ein geklauter Laptop bzw. die Daten, die darauf waren.

Wie bitte?

Ein Brandenburger Spitzenpolitiker, SPD-Strippenzieher, damaliger Finanz- und heutiger Innenminister hat einen Laptop, dessen Daten man einfach so lesen kann?

Nun gut, ich bin kein Apple-Experte (um ein solches Gerät soll es sich ja gehandelt haben), aber angeblich ist da File Vault, die Verschlüsselung der Benutzerdaten, sogar serienmäßig mitgeliefert. Man muss sie nur einschalten.

Noch besser, da plattformübergreifend und open source, ist Truecrypt, das es auch in einer Version für Mac OS gibt. Damit wird, kurz gesagt, ein Teil des Festplattenspeichers reserviert und verschlüsselt, auf Wunsch wird er dann als zusätzliches Laufwerk ins System eingebunden – natürlich erst wenn man das Passwort eingegeben hat. Wenn das Passwort nicht gerade “geheim” lautet oder das eigene Geburtsdatum ist, dann dürften sogar Rockerbanden dürften dann genauso wenig an die Inhalte rankommen wie das LKA.

Und, ja, Truecrypt gibt es auch für Windows. Wer ein ordentliches Betriebssystem wie Ubuntu Linux auf seinem Laptop hat, der kann aber auch sein Benuzterverzeichnis gleicht mit Bordmitteln verschlüsseln.

Man muss auch keinen Email-Verkehr über vermeintliches Sozialbetrügereien, geheime Strategiepapiere oder Details über Grundstücksgeschäfte auf seinem Rechner haben, damit sich der geringe Aufwand der Datenverschlüsselung lohnt. Wenn mein Laptop mal gestohlen würde, dann möchte ich noch nicht einmal, dass meine harmlosen Urlaubsbilder jemand anderes sieht.

Das kann eigentlich schonmal jeder von Speer lernen.

Turbogebremst

Der “Zentraldienst der Polizei” des Landes Brandenburg hat mir geschrieben, genauer gesagt: die Zentrale Bußgeldstelle. Nicht schön, der Inhalt. Und teuer. Aber, tja, man kann sich ja nur selbst dafür schelten.

Der Umschlag ist aber dafür originell. Ein großer Aufdruck “Runter vom Gas!” mit dem Hinweis, dass jährlich 5000 Menschen bei Verkehrsunfällen sterben.

Darüber ein ebenfalls recht großer Stempel: “Turbo”. Turbo? So richtig schnell und Gas geben? Wie passt das denn zu dem guten Ratschlag (und den verschickten Bußgeldern)?

Ganz einfach: Die Zentrale Bußgeldstelle setzt trotz Brems-Hinweisen auf die private Post-Konkurrenz Turbo-Post. Und das schreibt die auch ganz groß auf den Umschlag. Wird schon keiner auf dumme Gedanken kommen.

Brandenburger Politik 1.5

Die MAZ hat in einer Umfrage versucht herauszufinden, wie die Brandenburger Landtagsabgeordneten das Internet nutzen und vor allem was sie vom Web2.0 halten. Also: Wer ist auf Facebook? Wer nutzt Twitter? Sind Leute auf Xing oder Mein-VZ? Und vor allem: Warum?

Das Ergebnis hat mich etwas ernüchtert. Nicht nur, dass innerhalb von drei Wochen trotz Erinnerung nur knapp die Hälfte der Abgeordneten überhaupt auf eine solche Presseanfrage reagieren bzw. reagieren lassen zeigt zumindest, dass die elektronische Kommunikation nicht ganz weit oben angesiedelt ist.

Die Antworten der rund der Hälfte der Parlamentarierer zeigen dann, dass das Internet überwiegend als Informationsplattform mit einer eigenen Homepage genutzt wird. Information statt Kommunikation habe ich das in einer kleinen ersten Auswertung genannt.

Überwiegend heißt es doch, dieses ganze Facebook, Twitter&Co. kosten zu viel Zeit und bringen zu wenig. Erinnert mich irgendwie an dieses “Faxgerät? Wozu Faxgerät?” und “Kein Mensch braucht ein Mobiltelefon!” Ich finde das auch deshalb ein bisschen komisch, weil doch Kommunikation eigentlich die Kernaufgabe von Abgeordneten sein sollte – und für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung Kommunikation rein außerhalb des Internets gar nicht mehr vorstellbar ist.

Wer schauen will, was die wenigen, der neuen Technik aufgeschlossenen Abgeordneten so zwitschern, der kann ja mal bei meiner Twitterliste “Landtagsgetwitter” vorbeischauen.

Und wer lieber auf Facebook stöbert, der kann sich hier durchklicken:

Alter, Elisabeth (SPD)
Baaske, Günter (SPD)
Kircheis, Kerstin (SPD)
Speer, Rainer (SPD)

Domres, Thomas (Linke)
Görke, Christian (Linke)
Henschke, Axel (Linke)
Jürgens, Peer (Linke)
Krause, Torsten (Linke)
Mächtig, Margitta (Linke)

Burkardt, Ludwig (CDU)
Eichelbaum, Danny (CDU)

Beyer, Gregor (FDP)
Büttner, Andreas (FDP)

Jungclaus, Michael (Grüne)
Niels, Sabine (Grüne)

Und unbedingt den Text von meiner Kollegin Marion Kaufmann dazu lesen.