Nachrichten aus der Vergangenheit

Vor langer, ja, ziemlich langer Zeit habe ich mir mal einen Google Alert angelegt – Suchwort: “Cargolifter”. Die Älteren von uns erinnern sich vielleicht. Die Firma wollte in der Halle in Brand (Dahme-Spreewald), in der man ein Tropenbad besuchen kann, riesige Luftschiffe bauen, die noch riesigere Lasten über unwegsames Gelände schleppen sollten. Das Ganze wurde dann eine Pleite, die Brandenburgs inzwischen verblassten Ruf vom “Land der gescheiterten Großprojekte” zementierte.

Noch heute bekomme ich über den Alter Infos zum Thema. Etwa wenn US-Amerikaner mal wieder so etwas ähnliches bauen wollen. Aber auch, wenn irgendwie ein alter Text per SEO-Management an die Oberfläche des Suchmaschinenmeers gespült wurde. Und manchmal muss man dann schmunzeln, etwa wenn es heißt

Cargolifter wehrt sich gegen Pleite-Vorwürfe | Archiv – Berliner Zeitung
Der Luftschiffbauer Cargolifter will Anzeige gegen unbekannt erstatten. Der Grund sind Berichte über Zweifel über die Machbarkeit des risikoreichen.
www.berliner-zeitung.de/…/cargolifter-wehrt-sich-gegen-pleite

Nee, nee, ist ja wie heute. Die Presse mit ihren Gerüchten. Wie kann man nur sowas behaupten, eine kerngesunde AG, Pleite gehen? Nie und nimmer.

Ach, das waren noch Zeiten.

Geschichtsstunde

KZ Sachsenhausen

Vor geschätzten elf Jahren war ich zuletzt im KZ Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin. Damals als Volontär bei der Lokalausgabe der “Märkischen Allgemeinen” habe ich über irgendeine Ausstellung, Erweiterung… ich weiß es nicht mehr… geschrieben. Damals habe ich mir das Lager angeschaut. Es hat mich berührt, aber auch nicht so sehr, schließlich hat man ja schon andere Konzentrationslager gesehen, andere Ausstellungen besucht. Seitdem war ich nicht mehr dort gewesen, obwohl es eigentlich vor der eigenen Haustür liegt.

Bis kürzlich am Wochenende. Es ergab sich die Gelegenheit, zusammen mit einer Schülergruppe aus deutschen und israelischen Jugendlichen eine Führung mitzumachen. Von den Erklärungen selbst habe ich leider nicht allzu viel mitbekommen, da auch unser Sohn dabei war und eine gewisse Betreuung brauchte, aber der bewegende Moment kam ganz zum Schluss.

Die israelischen Jugendlichen formten am Denkmal für die Ermordeten aus Teelichtern einen Davidstern.

KZ Sachsenhausen

Und dann bildeten sie einen Kreise, trugen Texte auf deutsch und hebräisch vor – und sangen zum Schluss die israelische Nationalhymne – haTikwa, die Hoffnung. Wenn man an diesem Ort diese Klänge hört, dann ist bei aller Schrecklichkeit der Vergangenheit eines klar: diejenigen, die das geplant und ausgeführt haben, haben nicht gewonnen. Und man wünscht sich, dass sie es sehen, hören, spüren, dass sie nicht gewonnen haben.

Von Speer lernen

Brandenburgs Innenminister Rainer Speer (SPD) ist zurückgetreten. Eine bzw. mehrere merkwürdige Affären, die sich da abzeichne(te)n. Das Merkwürdigste für mich allerdings: Auslöser des ganzen war ein geklauter Laptop bzw. die Daten, die darauf waren.

Wie bitte?

Ein Brandenburger Spitzenpolitiker, SPD-Strippenzieher, damaliger Finanz- und heutiger Innenminister hat einen Laptop, dessen Daten man einfach so lesen kann?

Nun gut, ich bin kein Apple-Experte (um ein solches Gerät soll es sich ja gehandelt haben), aber angeblich ist da File Vault, die Verschlüsselung der Benutzerdaten, sogar serienmäßig mitgeliefert. Man muss sie nur einschalten.

Noch besser, da plattformübergreifend und open source, ist Truecrypt, das es auch in einer Version für Mac OS gibt. Damit wird, kurz gesagt, ein Teil des Festplattenspeichers reserviert und verschlüsselt, auf Wunsch wird er dann als zusätzliches Laufwerk ins System eingebunden – natürlich erst wenn man das Passwort eingegeben hat. Wenn das Passwort nicht gerade “geheim” lautet oder das eigene Geburtsdatum ist, dann dürften sogar Rockerbanden dürften dann genauso wenig an die Inhalte rankommen wie das LKA.

Und, ja, Truecrypt gibt es auch für Windows. Wer ein ordentliches Betriebssystem wie Ubuntu Linux auf seinem Laptop hat, der kann aber auch sein Benuzterverzeichnis gleicht mit Bordmitteln verschlüsseln.

Man muss auch keinen Email-Verkehr über vermeintliches Sozialbetrügereien, geheime Strategiepapiere oder Details über Grundstücksgeschäfte auf seinem Rechner haben, damit sich der geringe Aufwand der Datenverschlüsselung lohnt. Wenn mein Laptop mal gestohlen würde, dann möchte ich noch nicht einmal, dass meine harmlosen Urlaubsbilder jemand anderes sieht.

Das kann eigentlich schonmal jeder von Speer lernen.

Turbogebremst

Der “Zentraldienst der Polizei” des Landes Brandenburg hat mir geschrieben, genauer gesagt: die Zentrale Bußgeldstelle. Nicht schön, der Inhalt. Und teuer. Aber, tja, man kann sich ja nur selbst dafür schelten.

Der Umschlag ist aber dafür originell. Ein großer Aufdruck “Runter vom Gas!” mit dem Hinweis, dass jährlich 5000 Menschen bei Verkehrsunfällen sterben.

Darüber ein ebenfalls recht großer Stempel: “Turbo”. Turbo? So richtig schnell und Gas geben? Wie passt das denn zu dem guten Ratschlag (und den verschickten Bußgeldern)?

Ganz einfach: Die Zentrale Bußgeldstelle setzt trotz Brems-Hinweisen auf die private Post-Konkurrenz Turbo-Post. Und das schreibt die auch ganz groß auf den Umschlag. Wird schon keiner auf dumme Gedanken kommen.

Brandenburger Politik 1.5

Die MAZ hat in einer Umfrage versucht herauszufinden, wie die Brandenburger Landtagsabgeordneten das Internet nutzen und vor allem was sie vom Web2.0 halten. Also: Wer ist auf Facebook? Wer nutzt Twitter? Sind Leute auf Xing oder Mein-VZ? Und vor allem: Warum?

Das Ergebnis hat mich etwas ernüchtert. Nicht nur, dass innerhalb von drei Wochen trotz Erinnerung nur knapp die Hälfte der Abgeordneten überhaupt auf eine solche Presseanfrage reagieren bzw. reagieren lassen zeigt zumindest, dass die elektronische Kommunikation nicht ganz weit oben angesiedelt ist.

Die Antworten der rund der Hälfte der Parlamentarierer zeigen dann, dass das Internet überwiegend als Informationsplattform mit einer eigenen Homepage genutzt wird. Information statt Kommunikation habe ich das in einer kleinen ersten Auswertung genannt.

Überwiegend heißt es doch, dieses ganze Facebook, Twitter&Co. kosten zu viel Zeit und bringen zu wenig. Erinnert mich irgendwie an dieses “Faxgerät? Wozu Faxgerät?” und “Kein Mensch braucht ein Mobiltelefon!” Ich finde das auch deshalb ein bisschen komisch, weil doch Kommunikation eigentlich die Kernaufgabe von Abgeordneten sein sollte – und für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung Kommunikation rein außerhalb des Internets gar nicht mehr vorstellbar ist.

Wer schauen will, was die wenigen, der neuen Technik aufgeschlossenen Abgeordneten so zwitschern, der kann ja mal bei meiner Twitterliste “Landtagsgetwitter” vorbeischauen.

Und wer lieber auf Facebook stöbert, der kann sich hier durchklicken:

Alter, Elisabeth (SPD)
Baaske, Günter (SPD)
Kircheis, Kerstin (SPD)
Speer, Rainer (SPD)

Domres, Thomas (Linke)
Görke, Christian (Linke)
Henschke, Axel (Linke)
Jürgens, Peer (Linke)
Krause, Torsten (Linke)
Mächtig, Margitta (Linke)

Burkardt, Ludwig (CDU)
Eichelbaum, Danny (CDU)

Beyer, Gregor (FDP)
Büttner, Andreas (FDP)

Jungclaus, Michael (Grüne)
Niels, Sabine (Grüne)

Und unbedingt den Text von meiner Kollegin Marion Kaufmann dazu lesen.

Märkisches Gezwitscher

Barack Obama macht es. Bei den Terroranschlägen in Bombay kamen die ersten Nachrichten auf diesem Weg. Und auch die erste Nachricht vom notgelandeten Flugzeug im Hudson verbreitete sich auf diesem Weg. Der Microblogging-Dienst Twitter hat es zuletzt schon ziemlich in die Mainstream-Medien geschafft.

Jetzt hat dem Dienst das Magazin meiner Gewerkschaft, der “Journalist”, die Titelgeschichte seiner neuesten Ausgabe gewidmet. Und in der Fernsehzeitschrift “Prisma”, die dienstags nicht nur der “Märkischen Allgemeinen” beiliegt, gibt es heute auch einen Text über die 140-Zeichen-Nachrichten.

Da wäre es doch an der Zeit, dachte ich mir, nach der Frage “Gibt es Blogger in Brandenburg?” auch mal zu schauen:

Gibt es eigentlich Twitterer aus dem Land Brandenburg?

Wäre schön, wenn diejenigen, auf die das zutrifft, einfach einen kurzen Kommentar hier hinterlassen würden – natürlich mit dem Twitter-Namen. Wer mehr dazu schreiben will, auch gerne.

Mal sehen, ob es für eine kleine Sammlung reicht.

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Korrekturspalte

Also was man nicht alles findet. Die “Märkische Allgemeine” hat ja sogar eine fast tägliche Korrekturspalte, die aber bereits outgesourced ist – und sich deshalb hier findet.

Mir war bisher gar nicht aufgefallen, dass wir “Aribus” in der Überschrift hatten, damals, und ein Lehrgang in grammatischen Formen kann ja hin und wieder gar nicht schaden. Aber eigentlich fand’ ich ja am besten, dass es offenbar gemessen an der Anzahl der Seiten und Texte in der MAZ eher wenig Fehler gibt. Da lese ich jetzt öfter vorbei.

Aber zu dieser Einschätzung zum neuen Layout

Endlich ist die überflüssigste Seite der Welt (wir jedenfalls kennen in unserem gesamten, nicht unbedingt klein zu nennenden Bekannten- und Freundeskreis niemanden, der die Börsenseite auch nur ansatzweise zur Kenntnis genommen, geschweige denn gelesen hätte), die vielleicht in Frankfurt am Main, kaum aber im Brandenburgischen einen Sinn gehabt hätte, verschwunden.

kann ich nur sagen: Da kennt jemand (nur) die falschen Leute. Denn wenn mal ein dicker Bock auf der Börsenseite ist oder ein Fonds durch einen anderen ausgetauscht wird, dann gibt’s Anrufe. Und zwar von Lesern. Aus Brandenburg. Merke: Wer von sich auf alle anderen schließt, liegt meist daneben.

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