Die Sparkasse weiß, was ihre Kunden brauchen. Nicht.

Ich hatte kürzlich meiner Verwunderung darüber Ausdruck verliehen, dass die Berliner Sparkasse ja gerne mit ihrer Filialdichte protzt und das Bankensystem sich die Bargeldversorgung der Bevölkerung auf die Fahnen geschrieben hat, aber man nur in ganz, ganz wenigen ausgewählten Sparkassengeschäftsstellen Bargeld in Form von Münzen ausgezahlt bekommt.

Es wird aber noch besser. Man bekommt es nämlich nicht. Zumindest eigentlich.

Denn beim Besuch der beim ersten fehlgeschlagenen Besuch empfohlenen Filiale der Sparkasse wurde der Wunsch nach Münzgeld abschlägig beschieden. Das gibt es nämlich nur, Tusch!, für Geschäftskunden. Privatkunden, so die Auskunft, brauchen keine Münzen.

Brauchen keine Münzen!

Ein Dienstleister, der mir erklärt, was ich brauche. Und auch dann, wenn ich es trotzdem will, darauf beharrt, dass das nicht geht. Nicht vorgsehen ist. Basta. So eine Haltung kann sich vielleicht Apple leisten, aber die designen ihre Shops auch schöner als die Läden mit dem roten S, also kein Vergleich. Aber jeder andere?

Der würde halt eine Gebühr verlangen und sagen, na, wenn sie unbedingt wollen… Wobei ich eine Gebühr für die Ausgabe für Münzen auch für unverschämt hielte, hallo, eine Tankstelle verlangt doch auch kein zusätzliches Geld neben dem Spritpreis für die Abgabe von Benzin. Oder staffelt den Super-Preis nach Abgabemenge. Und kleine Mengen nur für Geschäftskunden. Oder so.

Wir haben schon überlegt, ob in der Menge an Automatencasinos, die hier wie Pilze aus dem Boden sprießen, Scheine in Münzen gewechselt werden. Dann könnten wir diese Form des Bankgeschäfts dort erledigen – man wird ja hoffentlich nicht am Ausgang zum Rücktausch des nicht verspielten Geldes gezwungen. Nein, kaum, die Hallen werden ja nicht von der Sparkasse betrieben. Die würde auf so eine Idee kommen.

Am Ende gab es übrigens ein Happy End. Weil die Schalterbeamtindame eine Ausnahme machte, nach tränenreicher Schilderung des Grundes des Wunsches nach Münzgeld. Der offenbar als ausreichend betrachtet wurde. Nur: ob man bei einer Kollegin bei einem nächsten Mal auch eine Ausnahme gemacht bekommt?

Also, liebe Sparkasse, falls Du das hier liest, fass Dir doch ein Herz und denk Dir was aus, wie auch normale Menschen mal an ein paar Münzen kommen. Wenn sie wollen. Auch wenn Du das nicht verstehen kanns.

Sie wollen Geld? Doch nicht bei der Sparkasse

Ich habe hier an dieser Stelle ja schon hin und wieder meine Verwunderung über die Geschäftspraktiken der Berliner Sparkasse geäußert, etwa über Kreditwerbung oder Girokontenpreismodelle, . Sicher sind andere Banken auch nicht besser – nur bin ich bei denen halt nicht Kunde.

Jetzt wollten wir von der Berliner Sparkasse das, was wir bislang als ihr Kerngeschäft gehalten haben: Geld. Also nicht einen Kredit. Den würden wir, glaubt man der Werbung und unser sicherlich vorhandenen Bonität, wahrscheinlich binnen Minuten in jedem Kundencenter erhalten. Nein, wir wollten unser eigenes Geld. Dummerweise aber nicht mal einen Fünfziger oder zwei aus dem Geldautomaten, sondern Kleingeld. Münzgeld. Wechselgeld.

Auch keine Unsummen, so 100 Euro. Nicht in kleinen Scheinen, sondern eben in Münzen.

Nur: Sowas gibt es bei einer Sparkasse nicht mehr. Das Institut, das als Geschäftsbank schließlich die Aufgabe der Bargeldversorgung der Bevölkerung hat, findet das… lästig. Und was macht man in solchen Fällen? Man macht es dem Kunden schwer.

Denn natürlich kann man auch bei der Berliner Sparkasse Hartgeld bekommen. In genau drei Filialen, wie die Kundenberaterin erklärt. Bei drei Filialen also, bei dem Institut, das so gerne damit protzt, dass es mehr Standorte als jeder andere in der Hauptstadt hat.

Vermutlich kann ich aber in jeder Niederlassung provisionsgetriebene Versicherungen und Verträge abschließen und praktisch jeder bekommt sofort einen Kredit nachgeworfen für ein bisschen Konsum. Vor dem Fest, nach dem Fest oder auch zwischen dem Fest. Denn daran verdient man ja richtig. Aber das unbequeme Kerngeschäft mit dem echten Geld, ach das, das bringt halt zu wenig.

Achtung! Sie verlassen…!

An der Bornholmer Straße, direkt vor der Bösebrücke, ist vor kurzem eine Gedenkstätte entstanden, die an die Mauer und den Mauerfall erinnert.

Auf den ersten Blick fällt das Poster gar nicht auf. Aber irgendwer hat dort dieses Plakat aufgehängt, dass in seiner Anmutung an die “You are leaving the American sector”-Warntafeln vor dem Mauerfall erinnert.

Obwohl das mit den Renten komplizierter ist – bei den Arbeitseinkommen scheint das Empfinden zu stimmen.

Das beste zweier Welten

Hat die gedruckte Zeitung noch eine Zukunft? Ist “das Internet” nicht viel schneller, viel kompletter, viel besser? Oder ist das Digitale nur die Anneinanderreihung von 140-Zeichen-Botschaften ohne Tiefgang und kann mit auf Papier verewigten Gedanken einfach nicht mithalten?

Heute Morgen habe ich mir das beste aus zwei Welten gegönnt. Auf dem Balkon. Mit Kaffee und Croissant. Zuerst zwei gedruckte Zeitungen – und danach auf dem Tablet meine Twitter-Timeline. Und, was soll ich sagen, ich möchte genau zwei Texte hier weiterempfehlen. Einen, den ich dank der gedruckten Zeitung gelesen habe. Und einen, auf den mich Twitter hingewiesen hat.

In der “Berliner Zeitung” findet sich der Kommentar “Kostümierte Antisemiten” von Christian Bommarius, der dankenswerterweise auch online zu lesen ist. Es geht dabei um die Antisemiten in der Linken, die die Hamas als ihren natürlichen Verbündeten sehen und gerne auch mal Landkarten vorzeigen, auf denen das “läppische” Existenzrecht Israels schon mal ausradiert wurde. Bommarius endet mit den Worten

“Die Politik der israelischen Regierung darf, sie muss sogar offen und klar kritisiert werden – aber nicht von Antisemiten, die sich als Antirassisten kostümieren.”

Lesenswert – und dafür kann man ruhig auch das gedruckte Zeitungsexemplar erwerben.

Und im Handelsblatt-Blog zerlegt Olaf Storbeck die Euro-Berichterstattung des “Spiegel” in seine Bestandteile.

Stünde die oben zitierte Passage im Kinder-Spiegel, würde ich ja nichts sagen. Aber für ein Heft, das den Anspruch erhebt, für erwachsene Menschen zu schreiben, ist das Ökonomie auf Klippschul-Niveau.

Nicht nur, dass man – wie der Autor – an den Qualitäten des “Spiegel” als Nachrichtenmagazin zweifeln muss, wenn man das liest. Man lernt nebenbei auf wenigen Zeilen eine Menge über Ökonomie. Ein Text, der auch Journalistenkollegen sehr zu empfehlen ist.

Mineralölmafia

Nee, schon klar, bei Shell & Co. hat man gar nix gegen E10, das ist alles nur ein bisschen blöd gelaufen, mit der Information und so. Aber schuld ist das die Bundesregierung, oder die EU. Oder halt der Verbraucher, der – völlig überraschend – den Sprit nicht tanken will.

Diese kleinen Aufkleber, die Shell da an seine Zapfsäulen geklebt hat, haben damit bestimmt gar nichts zu tun.

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Ich meine, eigentlich wollte man ja schreiben “Fast alle Autos, vor allem neuere Modelle ab dem Jahr 2002, vertragen E10. Sollten Sie unsicher sein, schauen Sie in die Herstellerliste, die an unserer Kasse ausliegt. Nur falls ihr Fahrzeug wirklich kein E10 vertragen sollte, empfehlen wir unsere überteuerten Luxus-Kraftstoffe Vdingens oder Vbummensplus.”

Aber in der Abstimmung mit der Agentur ist da ein Klitzekleines bisschen Panik mitreingerutscht. Aber, mal ehrlich, sowas spielt doch sicher keine Rolle, wenn die Leute E10 nicht tanken wollen.

Wobei Shell & Co. die ganze Debatte doch sowieso gerade recht kommt. In dem Durcheinander konnte man locker die magische 1,50-Euro-Marke je Liter durchbrechen, ohne dass B*ld & Konsorten überhaupt daran gedacht haben, was von Benzinpreis-Abzocke zu titeln. Und bis der deutsche Michel sich von dem Biosprit-Schock erholt hat, pendeln wir um 1,60 Euro und alles ist gut.

Schnauze, Kunde!

Die Lufthansa hat mir geschrieben. Einen richtigen Brief, nein, eine dicke Karte, von der mich eine freundliche Servicemitarbeiterin anlächelt.

Es geht um meinen Koffer, den die Lufthansa am 23. Dezember auf dem Flug von Berlin nach München verschlampt und erst am 14. Januar wiedergefunden hat. Ich hatte da mal eine Kleinigkeit darüber geschrieben. Inzwischen habe ich der Lufthansa auch einen Stapel Quittungen über meine Ausgaben für Toilettenartikel, Kleidung etc. geschickt und warte auf die Begleichung der Forderung.

Doch der eingedruckte Text auf der Karte hätte mich schon warnen können. Steht doch da: “Bitte geben Sie uns ein wenig Zeit.”

Und im Innenteil wird es noch lustiger. Da bekomme ich erklärt, dass man gerade bei der Lufthansa echt viel zu tun habe. Deshalb, so bescheidet mir der ehemalige Staatsflieger, “von einer weiteren Nachfrage zu Ihrem Schreiben” doch bitte abzusehen. Unterzeichnet wird das ganze, Humor haben sie halt, die Lufthanseaten, mit “Ihr Lufthansa Kundendialog“. Der halt auch manchmal sehr einseitig ausfallen kann.

Ich möchte da mit einem Zitat der Band “Wir sind Helden” antworten: Ich glaub, es hackt.

Halten wir doch mal die Fakten fest: Die Lufthansa verschlampt meinen Koffer. Ich stehe stundelang in München vor der “Gepäckermittlung” an. Ich muss an Heiligabend durch Geschäfte tigern, um Kleidung und Toilettenartikel zu kaufen. Ich gebe dafür eine Menge Geld aus, leider. Ich höre wochenlang nix von der Lufthansa. Am 14. Januar wird ohne Vorankündigung der Koffer zugestellt und beim nächstbesten Nachbarn abgeliefert. Ich stelle der Lufthansa meine Ausgaben in Rechnung. Aber die verschickt lieber Wartekärtchen anstatt ihre Schulden zu begleichen. Und das auch noch in einem Ton, dass…

Liebe Lufthansa, leider kann ich Deinem Wunsch nicht nachkommen, vorerst die Schnauze zu halten und Deinen Kunden”dialog” nicht weiter zu belästigen. Stattdessen bekommst Du von mir jetzt ein weiteres Schreiben mit einer Frist von 14 Tagen, bis ich mein Geld sehen will. Und danach werde ich echt sauer. Versprochen.

Das Wetter ist nicht schuld

15 Zentimeter Neuschnee. In einer Nacht! Ja wo gibt es das denn? Da muss ja Chaos ausbrechen, auf der Straße, auf der Schiene, in der Luft (also besser: auf dem Boden). Aber mal ehrlich: Was sind denn eigentlich 15 Zentimeter. Das ist doch kein Unwetter, das ist nichts.

Ich glaube deshalb ja, dass die Gründe für das Wanken unserer Verkehrsinfrastruktur ganz woanders liegen. Das habe ich in der heutigen Ausgabe der “Märkischen Allgemeinen” auch kommentiert:

Die Lufthansa empfiehlt, innerhalb Deutschlands lieber mit der Bahn zu fahren. Die Bahn rät, lieber nicht in ihre Züge zu steigen, weil die ohnehin schon übervoll seien. Und von den Straßen hört man Mega-Staus und Benzinmangel. Man darf sich schon über dieses Verkehrschaos wundern. Ja, es schneit. Und ja, es ist kalt. Aber wir sind weit entfernt von echten Winter-Unwettern mit meterhohen Schneeverwehungen.

Für den Verkehrsstillstand gibt es viele Gründe, etwa dass unsere Verkehrsmittel immer komfortabler und damit techniklastiger und anfälliger für Störungen werden. Aber die Probleme sind auch hausgemacht. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben Unternehmen Personal eingespart wo es nur ging oder in Fremdfirmen ausgegliedert. Das hat zur Folge, dass Lufthansa, Bahn & Co. rentabler arbeiten können und Super-Duper-Sparpreise anbieten.

Aber nur, so lange alles gut geht. Bei den ersten Beeinträchtigungen gibt es keine Reserven mehr, etwa um zusätzliche Schalter aufzumachen oder mal jemanden rauszuschicken, der eine Weiche von Hand auftaut. Das war früher anders – nicht das Wetter.

Gefährliche Dementis

Wenn ein Bundesligamanager sagt, niemand habe vor, den Trainer in Frage zu stellen, dann schrillen alle Alarmglocken. Meistens zu Recht.

In der Wirtschaft wird man auch hellhörig, wenn der Chef eines Holzverarbeiters bei der Bilanz-Vorstellung betonen muss, ein Konkursantrag stehe aktuell nicht zur Debatte. Oder wenn der rumänische Staatsbanker erklärt, eine Zahlungsunfähigkeit des Landes sei nicht in Sicht.

Oder wenn die Nachrichtenagentur tickert: “Rettungsfonds-Chef: Niemand verlässt die Eurozone”. Da sieht man Klaus Regling förmlich mit der Pistole im Anschlag vor der Tür stehen, die Staatschefs in Schach und im Raum haltend. Eine währungspolitische Geiselnahme, sozusagen. Aber vermutlich war es doch anders gemeint.

Filmtipp

Der erste Teil von “Wallstreet”, dessen Nachfolger ja jetzt mit eher mauen Kritiken im Kino läuft, ist unbedingt (wieder)sehenswert. Wenn man manche Dialoge mit dem Wissen von heute, nach der Finanzkrise, hört, dann sind die geradezu prophetisch.

Und man kann gar nicht zu oft sagen, dass alles Geld, das einer gewinnt, ein anderer verlieren muss – es entsteht kein neues Geld. Wer diese Lehre aus dem Film mitnimmt, der hat schon eine Menge gelernt. Vielleicht sollte man den Film in den Schulen zeigen, nein, eigentlich sollte man das unbedingt tun.

Die Deppen von der Bahn

Bahnchef Rüdiger Grube hat heute mal einen ICE von Deutschland nach London geschickt, um den Briten zu zeigen, zu was deutsche Bahningenieure fähig sind. Bei solchen Meldungen würde ich mir wünschen, dass der oberste Bahner mal sein Unternehmen unter Normalbedingungen in Augenschein nehmen würde. Zum Beispiel als Reisender mit einem Kleinkind.

Und dann auch nicht im ICE, der – in der Regel – über ein wirklich hübsches Kleinkindabteil verfügt, das diesen Namen verdient. Da ist ein Klettergerüst integriert worden und wirklich etwas Platz, damit die Kleinen rumlaufen können. Was ja irgendwie auch dem Nervenkostüm der kinderlosen Bahnfahrer zugute kommt.

Wehe aber, man fährt mit dem IC. Dort gibt es laut Buchungssystem der Deutschen Bahn auch ein Kleinkindabteil. Auf der Fahrt von Berlin nach Bochum entpuppt sich dieses jedoch als ganz normales Sechser-Abteil, wie alle daneben auf. Auf der Rückfahrt sind zumindest zwei Sitze durch Klappsitze ersetzt worden, so dass etwas mehr Platz entsteht. Wobei das für den Bewegungsdrang eines 14 Monate alten Kindes auch nicht wirklich ausreicht.

So löblich also erstmal, dass es Kleinkindabteile gibt, so schlecht die Ausführung. Und nachgedacht haben die Deppen die Ingenieure der Bahn dann offenbar auch nicht weiter. Jeder normal denkende Mensch würde sich zum Beispiel die Frage stellen, wo denn die zwei bis drei Kleinkinder, die in so einem Abteil sitzen, ihre Kinderwägen abstellen sollen. Die Bahn hat exakt einen Abstellplatz vorgesehen. Ein zweiter Wagen sorgt dafür, dass Reisende mit größeren Koffern den Gang nicht mehr passieren können. Der dritte Wagen…?

“Da denkt keiner nach”, räumt sogar die Schaffnerin auf Nachfrage ein – und ist selbst sichtlich unglücklich mit der Situation.

Das Nicht-Nachdenken geht aber noch weiter. Jetzt könnte man ja glauben, dass zumindest das WC um die Ecke eine Wickelmöglichkeit bietet. Doch abgesehen davon, dass es auf beiden Strecken “defekt” war, laut Auskunft der Zugbegleiter gibt es keine Wickelmöglichkeit im IC. Im Bistrowagen gebe es ein Behinderten-WC, das größer sei, da könne man vielleicht auf dem Boden wickeln, so eine Idee. Dieses hygienische Himmelfahrtskommando wird aber schon dadurch ausgeschlossen, dass auf beiden Fahrten der Bistro-Wagen “aus technischen Gründen” leider entfallen muss.

Mein Vorschlag zur Güte: Grube und die verantwortlichen Bahn-Planer fahren mit dem IC von Hamburg nach Oberammergau und zurück – und gehen dann an die Umstrukturierung der Züge. Aufklappbare Wickelbretter sollten sich ja mit deutscher ICE-Baumeisterkunst in eine Toilette anbringen lassen und neben dem Kleinkindanbteil wird sich doch die ohnehin immer defekte Toilette rausschlagen lassen und so Abstellfläche für Kinderwagen schaffen.