Die Deppen von der Bahn

Bahnchef Rüdiger Grube hat heute mal einen ICE von Deutschland nach London geschickt, um den Briten zu zeigen, zu was deutsche Bahningenieure fähig sind. Bei solchen Meldungen würde ich mir wünschen, dass der oberste Bahner mal sein Unternehmen unter Normalbedingungen in Augenschein nehmen würde. Zum Beispiel als Reisender mit einem Kleinkind.

Und dann auch nicht im ICE, der – in der Regel – über ein wirklich hübsches Kleinkindabteil verfügt, das diesen Namen verdient. Da ist ein Klettergerüst integriert worden und wirklich etwas Platz, damit die Kleinen rumlaufen können. Was ja irgendwie auch dem Nervenkostüm der kinderlosen Bahnfahrer zugute kommt.

Wehe aber, man fährt mit dem IC. Dort gibt es laut Buchungssystem der Deutschen Bahn auch ein Kleinkindabteil. Auf der Fahrt von Berlin nach Bochum entpuppt sich dieses jedoch als ganz normales Sechser-Abteil, wie alle daneben auf. Auf der Rückfahrt sind zumindest zwei Sitze durch Klappsitze ersetzt worden, so dass etwas mehr Platz entsteht. Wobei das für den Bewegungsdrang eines 14 Monate alten Kindes auch nicht wirklich ausreicht.

So löblich also erstmal, dass es Kleinkindabteile gibt, so schlecht die Ausführung. Und nachgedacht haben die Deppen die Ingenieure der Bahn dann offenbar auch nicht weiter. Jeder normal denkende Mensch würde sich zum Beispiel die Frage stellen, wo denn die zwei bis drei Kleinkinder, die in so einem Abteil sitzen, ihre Kinderwägen abstellen sollen. Die Bahn hat exakt einen Abstellplatz vorgesehen. Ein zweiter Wagen sorgt dafür, dass Reisende mit größeren Koffern den Gang nicht mehr passieren können. Der dritte Wagen…?

“Da denkt keiner nach”, räumt sogar die Schaffnerin auf Nachfrage ein – und ist selbst sichtlich unglücklich mit der Situation.

Das Nicht-Nachdenken geht aber noch weiter. Jetzt könnte man ja glauben, dass zumindest das WC um die Ecke eine Wickelmöglichkeit bietet. Doch abgesehen davon, dass es auf beiden Strecken “defekt” war, laut Auskunft der Zugbegleiter gibt es keine Wickelmöglichkeit im IC. Im Bistrowagen gebe es ein Behinderten-WC, das größer sei, da könne man vielleicht auf dem Boden wickeln, so eine Idee. Dieses hygienische Himmelfahrtskommando wird aber schon dadurch ausgeschlossen, dass auf beiden Fahrten der Bistro-Wagen “aus technischen Gründen” leider entfallen muss.

Mein Vorschlag zur Güte: Grube und die verantwortlichen Bahn-Planer fahren mit dem IC von Hamburg nach Oberammergau und zurück – und gehen dann an die Umstrukturierung der Züge. Aufklappbare Wickelbretter sollten sich ja mit deutscher ICE-Baumeisterkunst in eine Toilette anbringen lassen und neben dem Kleinkindanbteil wird sich doch die ohnehin immer defekte Toilette rausschlagen lassen und so Abstellfläche für Kinderwagen schaffen.

Nie mehr 2. Liga

Diese Woche ist Männerwoche bei uns. Das heißt, ich bin mit Sohn ganz alleine. Und da dachte ich mir am Montag, hey, da könnte ich doch mal das Abendspiel der 2. Bundesliga Hertha gegen Aachen anschauen.

Daraus wurde dann nichts. Der Bildschirm war schwarz. Weil ich schon so lange auf den hinteren Kanälen nicht mehr rumgezappt hatte, war ich mir sicher, dass die wohl mal wieder die Kanalbelegung hin und her geschoben hatten. Aber jetzt alles neu programmieren, dazu hatte ich keine Lust. Und bin dann zum “Tod einer Schülerin” gewechselt, was angesichts des 0:0 der Herthaner sicher nicht die allerschlechteste Wahl war.

Heute muss ich – durch das von Internetapologeten gerne totgesagte Medium Print – aber lernen, dass es wohl nie mehr was wird mit der 2. Liga. Und mir. Denn “Sport1″, das frühere DSF, hat zum Oktober die Übertragung per DVB-T einfach eingestellt.

Ich verstehe immer nicht so ganz, wie man durch Abschalten als Fernsehsender besser verdienen kann als mit Senden. Also, ich meine, wenn sie zu wenig Zuschauer hatten und die Werbeeinnahmen nicht so richtig fließen, dann hätte man doch vielleicht um mehr Zuschauer werben können. Zum Beispiel in dem man den Berlinern klar macht, dass sie jetzt viel öfter die, nein: ihre, Hertha bei DSF Sport1 sehen können. Aber irgendwie ist das eine altmodische Idee, glaube ich, auf die Kundschaft zuzugehen.

Die Idee von Sport1 wird bei mir allerdings nicht aufgehen: Ich werde kein Telekom-Internet-TV-Paket kaufen und auch keinen Kabelanschluss. Stattdessen schaue ich halt weniger Fernsehen und mehr Internet. Und nie mehr 2. Liga.

Ich will Panik

Bei “Anne Will” geht es um den Euro, um die Mega-Inflation, um unser Erspartes. Ich habe ja ohnehin ein Problem, mir diesen Talkshow-Kram länger aqnzuschauen. So ein Typ, der sein Buch “Die Inflationsfalle” verkaufen möchte, neben dem einen oder anderen klugen Geist wie dem Kollegen Gabort Steingart. Der Erkenntnisgewinn wird, das kann man nach zehn Minuten sagen, gering bleiben.

Was mich aber maßlos ärgert, ist der manipulative Versuch der “Anne Will”-Redaktion, da schon mal ein bisschen Stimmung zu machen. Gleich am Anfang wird der Euro-Kurs eingeblendet. Und das sieht ja wirklich dramatisch aus. Spätestens in 14 Tagen ist unser Geld nix mehr wert, oder?

Aber so ist das bei diesen Talkshows. Wenn man nur den Ausschnitt der 60 Minuten Debatte sieht und hört, dann klingt das ja auch logisch. Und es ist noch nicht einmal gelogen. Das meiste. Mal abgesehen von dem Goldspekulanten und Buchautor. Aber wenn man bereit ist, den Blick zu weiten und das eine oder andere zu hinterfragen, dann sieht es doch ganz anders aus. Vielleicht weniger dramatisch – und damit auch langweiliger und weniger gut, für Goldspekulanten und Buchautoren. Denn dann sieht zum Beispiel der Euro-Kurs zum US-Dollar seit Anbeginn der Zeit so aus:

Und, nein, ich habe keine Ahnung, ob am Ende doch der Kollaps droht, das Geld entwertet wird, der Euro verschwindet. Aber ich weiß, dass man ein solches Szenario derzeit nur zeichnen kann, wenn man Fakten – siehe Euro-Kurs – einfach ausblendet.

Zweimal Terrorismus

Eine kleine Glosse aus der “Märkischen Allgemeinen” zum Thema Griechenland-Krise. Dachte ich gerade daran als ich in einer Mail gelesen habe, dass für den 20. Mai in Griechenland wieder Generalstreik-Aktionen angekündigt sind, bei denen mit neuen Ausschreitungen gerechnet wird:

Was haben Grillanzünder und Credit Default Swaps (CDS) gemeinsam? Beides sind Produkte, die jemand für einen guten Zweck erfunden hat (Steaks schneller garen vs. Kreditausfallrisiken versichern). Und mit beiden kann man auch ein kleines Feuer machen. Also Luxuskarossen in Berlin anzünden oder eben einen finanzpolitischen Flächenbrand rund um Griechenland legen. Und der Unterschied? Wenn drei Leute gemeinschaftlich parkende Pkw anzünden, werden Ermittlungen wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ausgelöst. Die CDS-Spekulationen großer Hedgefonds werden schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Dabei wäre so ein SEK-Polizeieinsatz im Frankfurter Bankenviertel doch etwas, womit es jeder Staatsanwalt ins Herz der Bevölkerung schaffen würde. Investmentbanker auf der Flugverbotsliste der US-Regierung, am nächsten Airport abgegriffen und auf einer Karibikinsel festgesetzt. Man muss ja nicht so weit gehen wie der deutsche Chefaufseher für die Finanzbranche, der vom „Angriffskrieg“ der Spekulanten spricht. Atombombenabwürfe über der Londoner Finanz-City verbieten sich nicht nur wegen der Kollateralschäden. Aber man könnte den Zockern ja das Internet kappen und das Handy wegnehmen. Wenn sie dann als Finanz-Bin-Ladens in den Höhlen Colorados sitzen, ist der Spuk völlig gewaltfrei vorbei.

Leistung und Gegenleistung

Also gut, ich finde es in Ordnung, wenn Vize-Kanzler Guido Westerwelle mal die Frage aufwirft, wer denn möglicherweise steigende Hartz-IV-Regelsätze bezahlen soll und wie weit die Belastungen für kleine und mittlere Steuerzahler denn noch zu treiben sind. Dass er dazu von “spätrömischer Dekadenz” spricht ist zwar grober Unfug, aber vermutlich notwendig, wenn man im Medienrauschen gehört werden will.

Ein bisschen unglaubwürdig wird das Anliegen, die ehrbare Mittelschicht zu schützen, dadurch, dass er nicht auch ein paar scharfe Bemerkungen Richtung der Großverdiener loslässt, die als Sozialschmarotzer ihr Geld ins Ausland geschafft haben und sich hier von den ehrlichen Durchfüttern lassen (indem sie auf unseren Straßen fahren, in unseren staatlich subventionierten Theatern ihren Sekt schlürfen etc.). Aber gut, die Hand, die einen füttert, beißt man nicht so gerne. Ist noch nachvollziehbar.

Was ich aber wirklich nicht verstehe: Warum man sein Anliegen Tag für Tag wiederholen muss und damit immer mehr weg vom Steuerzahler geht, hin zum angeblich faulen Hartz-IV-Kassierer. Das nervt einfach nur. Und ich wüsste wirklich gerne mal, was denn Herr Westerwelle & Co. so einem 53-Jährigen in Wittenberge, Rathenow oder der tiefsten Uckermark sagen, der seit 18 Jahren von Maßnahme zu Maßnahme, von Qualifizierung zu Qualifizierung geschickt wurde. Und dem trotzdem niemand eine Arbeit geben will, auch wenn er noch so oft fragt.

Vorschlag zur Güte: Wenn Herr Westerwelle sagt, es dürfte keine Hartz-IV-Leistung ohne Gegenleistung geben, dann bin ich dafür, dass es auch für die Verantwortlichen keine Leistung mehr gibt, wenn sie einem Hartz-IV-Empfänger, der wirklich einen Job haben will, keinen geben. Dann hätte sich das Thema Hartz IV vermutlich rasch erledigt.

Und noch eine Frage hätte ich: Wenn Herr Westerwelle so lautstark betont, es dürfe keine Leistung ohne Gegenleistung geben – dann würde ich doch bitte nochmal genauer wissen wollen, wie das mit der Mövenpick-Spende war. Und welche Gegenleistung für diese Leistung genau erbracht worden ist. Vielleicht sind da im nächsten Interview drei Minuten Zeit, uns das nochmal ganz genau zu erklären. Jetzt, wo wir wissen, dass es keine gegenleistungsfreie Leistung gibt. Für die FDP.

Insolvenzstudien

Als Wirtschaftsredakteur flattert eigentlich mindestens einmal pro Woche eine Studie, eine Prognose oder eine andere verbale Äußerung zum Thema “Insolvenzen in Deutschland” ins Büro. Derzeit sind die Erwartungen wieder, dass mehr Firmen Pleite gehen werden. Manchmal frage ich mich, ob es nicht noch viel viel mehr sein müssten, wenn die Gesetze der Marktwirtschaft wirklich gelten würden.

Zum Beispiel dieses Beleuchtungsfachgeschäft dieser Lampenladen in der Prenzlauer Allee.

An dem sind wir heute Vormittag vorbeigekommen und weil nach satten fünf Jahren die Glühlbirne in unserer Küchenlampe ihren Geist aufgegeben hat, sind wir da schnell rein. Und haben dem Mann, der aus dem Hinterzimmer hinter den Tresen eilte, gesagt, so eine große kugelige Glühbirne, wie sie hinter ihm zu sehen sei, hätten wir gerne. Mit 60 Watt. Hah! Da hat er aber den Kopf geschüttelt. Und uns einen Kurzvortrag gehalten, dass diese Birnen und all jene, die irgendwie verspiegelt und sonstwas seien, ja nicht mehr hergestellt würden. Die EU, und so.

Ich fragte daraufhin, was man denn ersatzweise nehmen könnte – und dachte daran, dass er uns vielleicht ein formentsprechende Energiesparlampe anempfehlen würde. So von wegen Fachgeschäft, wie es draußen hieß. Doch die Antwort war: “Was ich noch da habe.” Nun ja, etwas genauer hätte ich es schon gewusst und wollte gerade ansetzen, was das denn nun sei.

Da ging die Tür auf und ein weiterer Mann kam rein. Verkäufer: “Hast Du einen Moment Zeit?” Mann: “Nee, eigentlich nicht.” Woraufhin unser Verkäufer sich von uns abwandte und schnellen Schrittes mit dem Mann Richtung Hinterzimmer verschwand. Äh… wie bitte? Wollten wir nicht gerade was kaufen? Hätten wir vielleicht, nach einer guten Beratung, demnächst eine neue Lampe hier gekauft? Hätten wir den kleinen Laden vielleicht weiterempfohlen?

So gingen wir verärgert von dannen. Und wenn ich das nächste Mal die Insolvenzstatistik lese, denke ich mir: Manche haben es sicher verdient. Und ich werde hin und wieder vorbeischauen, ob es den Laden in der Prenzlauer Allee noch gibt. Und wenn ja, tja, dann werde ich wohl weiter an den Markgesetzen des Kapitalismus zweifeln.

Karhofstadthaus

Die Agenturen tickern heute wieder, dass der Warenhauskonzern Metro (u.a. Kaufhof) Interesse am insolventen Konkurrenten Karstadt habe.

Und ich hätte schwören können, die gehören längst zusammen, zumindest teilen sie sich eine Werbeagentur oder ihre Werbeagenturen teilen sich die Ideen. Wirbt doch Karstadt im Radio damit, man kenne sich mit Weihnachtsgeschenken seit 1881 aus, Kaufhof buhlt um die Gunst der Kunden, weil man seit 130 Jahren mit Weihnachtsgeschenken zugange sei.

So richtig überzeugend dürften beides die Deutschen ohnehin nicht finden, denn anno dazumal gab’s ja nun wirklich noch keine Flachbildschirme und Spielekonsole und die Mode, nun ja, will man in diesem Jahr zumindest auch noch nicht wiederhaben. Schwere Zeiten für Karhofstadthaus auf jeden Fall.

Klimapeanuts

Die EU will den armen Ländern der Welt jährlich 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, damit sie auch was gegen den Klimawandel tun können. Deutschland will 420 Millionen Euro davon beisteuern. Das sind weniger als acht Prozent der Summe, die uns das Abwracken von Autos zum Kauf neuer Fahrzeuge wert war.

So schlimm kann es mit dem Weltklima also noch nicht aussehen – zumindest aus dem Blickwinkel der verantwortlichen Politiker.