Nachrichten aus der Vergangenheit

Vor langer, ja, ziemlich langer Zeit habe ich mir mal einen Google Alert angelegt – Suchwort: “Cargolifter”. Die Älteren von uns erinnern sich vielleicht. Die Firma wollte in der Halle in Brand (Dahme-Spreewald), in der man ein Tropenbad besuchen kann, riesige Luftschiffe bauen, die noch riesigere Lasten über unwegsames Gelände schleppen sollten. Das Ganze wurde dann eine Pleite, die Brandenburgs inzwischen verblassten Ruf vom “Land der gescheiterten Großprojekte” zementierte.

Noch heute bekomme ich über den Alter Infos zum Thema. Etwa wenn US-Amerikaner mal wieder so etwas ähnliches bauen wollen. Aber auch, wenn irgendwie ein alter Text per SEO-Management an die Oberfläche des Suchmaschinenmeers gespült wurde. Und manchmal muss man dann schmunzeln, etwa wenn es heißt

Cargolifter wehrt sich gegen Pleite-Vorwürfe | Archiv – Berliner Zeitung
Der Luftschiffbauer Cargolifter will Anzeige gegen unbekannt erstatten. Der Grund sind Berichte über Zweifel über die Machbarkeit des risikoreichen.
www.berliner-zeitung.de/…/cargolifter-wehrt-sich-gegen-pleite

Nee, nee, ist ja wie heute. Die Presse mit ihren Gerüchten. Wie kann man nur sowas behaupten, eine kerngesunde AG, Pleite gehen? Nie und nimmer.

Ach, das waren noch Zeiten.

Kryptisches Hannover

Hannover ist die Stadt merkwürdiger Schilder. Das ist zumindest das Ergebnis einer Kurzrecherche vor einigen Wochen, über die ich schon längst bloggen wollte. Was würde der Zugereiste zum Beispiel bei diesem Warnhinweis denken?

Wasserskifahrer dürfen keine Schwimmer überfahren? Wasserskifahren verboten, weil hier geschwommen wird? Achtung, giftiges Wasser – nicht schwimmen, nur Wasserski fahren? Oder gar: Wasserskifahrer nicht aus dem Wasser heraus anschreien?

Der Hannoveraner versteht darunter etwas anderes – und schreibt deshalb die Lösung vorsichtshalber unter das Schild (für die Auflösung hier klicken). Was es für Fremde, die des Deutschen nicht mächtig sind, wieder etwas schwerer macht. Aber die kommen ja eigentlich auch nur bis zum Messebahnhof.

Und dann noch dieses Verbot:

Wer oder was ist denn die Strompolizei? Sind das die, die gucken, ob ich ein verbotenes Kabel an die Hochspannungsleitung gelegt habe und mir damit meinen E-Herd hochfahre? Aber was hat das mit der Schifffahrt zu tun? Oder sind die Hannoveraner so verrückt selbstbewusst, ihre schnuckelige Leine als reißenden Strom zu verstehen? Dann wäre die Strompolizei sozusagen die upgegradete Wasserschutzpolizei?

Auf jeden Fall steht das Schild an einem Weg am Fluss entlang, auf dem an diesem Tag sehr viele Leute liefen und Rad fuhren. Was genau verboten sein soll, habe ich sowieso nicht verstanden. Nur Wasserskifahrer haben wir keine gesehen.

9/11

Heute vor zehn Jahren waren wir in Havanna. Es war Morgen und wir kauften gerade Wasser in einem kleinen Laden.

Ein Mann fragte uns ob wir gehört hätten, dass ein Flugzeug ins Weiße Haus geflogen sei. Die Verständigung war schwer, aber wir dachten an ein Sportflugzeug. Wir gingen zurück ins Hotel.

Dort gab es CNN Espanol. Wir verstanden die Kommentare nicht, aber die Bilder sprachen für sich. Eine Weile lang.

Dann gingen wir raus. Und die nächsten zwei Wochen bekamen wir kaum mit, dass und wie sich die Welt veränderte.

Lasst uns mit Piraten drohen

Die Piraten haben in Berlin echte Chancen, ins Abgeordnetenhaus einzuziehen. Aus meiner Sicht sind sie zwar keine ernstzunehmende Partei, es gibt in ihren Reihen ziemlich merkwürdige Leute und sie haben auf viele Fragen, die eine Stadt bewegen, keine Antworten, nur: sie sollen sie ja gar nicht regieren.

Allerdings frage ich mich, ob es nicht allerhöchste Zeit ist, dass die Piraten in einem Landtag sitzen. Für mich ist das so ähnlich wie mit den Grünen vor vielen, vielen Jahren. Ihre bloße Existenz hat dazu geführt, dass in den Programmen der Konkurrenz plötzlich Umweltschutz vorgekommen ist, dass Vertreter dieser Ideen in anderen Parteien nicht mehr ausgelacht wurden.

Das Internet hat in gerade mal 20 Jahren die Welt ziemlich verändert. Und es ist kein Ende der Entwicklung in Sicht. Trotzdem werden Gesetze, die darauf Auswirkungen haben, von Leuten gemacht, die nicht mal eine Grundvorstellung davon haben, über was sie da gerade entscheiden. Die etablierten Politiker in den etablierten Parteien hatten lange Zeit, sich in das Thema einzuarbeiten. Genug Leute zum Fragen (vorzugsweise <30Jahre) gäbe es. Allein: es fehlt der Wille.

Wenn die Piraten im Abgeordnetenhaus sitzen (oder wenn sie so viele Prozente bekommen, dass es in der Wahlarithmetik von SPDGRÜNECDULINKEFDP richtig weh tut), sieht das vielleicht bald anders aus.

Und außerdem finde ich ja die Plakate der Piraten wirklich am lustigsten.

Pssst, vertrauliche Presseinformation

Lange Schwänzchen unter Emails, die in allen denkbaren Weltsprachen erklären, welche juristischen Feinheiten der Absender der digitalen Botschaft glaubt, an seine Worte geklebt zu haben, nerven schon im alltäglichen privaten und dienstlichen Mailverkehr.

Grotesk wird es aber, wenn ein Berufsverband eine “Tarifinformation” über die Gespräche des vergangenen Tages verschickt und mit diesen Zeilen schließt:

Diese E-Mail enthält vertrauliche oder rechtlich geschützte Informationen. Wenn Sie nicht der beabsichtigte Empfänger sind oder diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, informieren Sie bitte sofort den Absender und löschen Sie diese E-Mail. Das unerlaubte Kopieren dieser E-Mail sowie die unbefugte Weitergabe der enthaltenen Informationen ist nicht gestattet. Für Mails innerhalb von Mailinglisten gilt, dass diese ohne Einverständnis des Absenders nicht an Empfänger außerhalb der Mailingliste weitergeleitet werden dürfen.

The information contained in this message is confidential or protected by law. If you are not the intended recipient, please contact the sender and delete this message. Any unauthorised copying of this message or unauthorised distribution of the information contained herein is prohibited.

Kleiner Tipp: Wer vertrauliche oder schützenswerte Informationen hat, der sollte sie nie per unverschlüsselter Mail verschicken. Da ist dann selbst ein Brief noch besser geeignet.

FDP: zweitklassig

Die FDP startet den Landtagswahlkampf mit Fragen und Antworten.

Zum Beispiel zur Schulpolitik.

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Hä? Also wie in der Bundesliga? Wer die Kohle hat, spielt oben mit. Und wer aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen kommt, ist zweitklassig oder kämpft allenfalls gegen den Abstieg.

Sehr ehrliches Plakat von den Liberalen. Aber ob die Klientel für 5 Prozent reicht?

Berlin – arm, aber voller Baustellen

Auf dem Weg zur Arbeit für heute gemeldet:

STADTVERKEHR BERLIN: A 115, Avus Zwischen Hüttenweg und Spanischer Allee nur eine Spur und Stau stadtauswärts.

A 100, Stadtring Richtung Süden Stau zwischen Beusselstraße und Dreieck Charlottenburg. Stau auch auf der A 113, Zubringer Schönefeld, vor dem Tunnel Britz stadteinwärts.

Wedding, Seestraße Zwischen Louise-Schröder-Platz und Sylter Straße Stau in Richtung Stadtring. In der Gegenrichtung Stau zwischen Stadtring und Afrikanischer Straße.

Also dann: mal sehen, wie das S-Bahn-Chaos heute so ist.