Stadt, Land, Tier

Wie viele Jahre bin ich jetzt bei der “Märkischen Allgemeinen” im Wirtschaftsressort? Und jedes Jahr haben die Kollegen mindestens einmal über die Brala geschrieben. Und zwar über die Landesbauernversammlung, die auf der “Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung” in Paaren/Glien stattfindet.

Und heute habe ich es zum ersten Mal geschafft, selbst dorthin zu fahren. Mit dem Sohn – dank der brückentagsbegründeten Kitaschließung. Einen Blick ins Zelt, wo gerade die Landesbauernversammlung stattfand, habe ich auch erhascht, aber es erschien mir doch eher das Langweiligste des gesamten Angebots zu sein.

Viel spannender war zum Beispiel das hier:

Und ich wusste bis heute nicht, dass Kaninchen über Hürden springen und das ein richtiger kleiner Sport ist. Und was für ulkige Begriffe es gibt (“gutes Fundament”) um zu beschreiben, warum eine Kuh schöner ist als die andere und einen Preis verdient. Und und und.

Und vor allem: Wir waren ja an diesem Freitag so kurz vor 10 auf der Brala. Da war es noch angenehm leer. Am Nachmittag war da die Hölle los – und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es da Samstag und Sonntag zugeht.

Journalistisch frage ich mich, ob wir im direkten Vergleich “Grüne Woche” – Brala nicht der ersten zu viel Aufmerksamkeit und Platz im MAZ-Mantel schenken. Sollte man im nächsten Jahr vielleicht mal diskutieren. Zeitung sollte schließlich da sein, wo die Leser sind.

An alle! An alle!

Irgendwie war der Protest der deutschen Milchbauern angenehm übersichtlich. Es ging einfach darum, mehr Geld für den Liter Milch zu bekommen, damit die Einnahmen wenigstens die Ausgaben decken. Verglichen mit Tarifverhandlungen mit ihren Stufenerhöhungen und Laufzeitdebatten ein klarer Konflikt.

Gestern haben die Milchbauern nochmal vor den Agrarministerien der Länder protestiert. Und dabei eine “Resolution” veröffentlicht, die das ganze jetzt doch wieder anders erscheinen lässt. Ich würde zumindest mal wetten, dass die wenigsten, die die Milch im Supermarkt bezahlen, hier noch folgen können:

Änderung des Umrechnungsfaktors in Deutschland von 1,02 kg/l Milch auf 1,03 kg/l Milch Abschaffung bzw. Einschränkung der Molkerei- und Bundessaldierungsmöglichkeiten und damit verbunden das Parken der 2 % igen Quotenerhöhung in der nationalen Reserve Einführung einer Umlage zur Feinsteuerung des Milchmarktes

Mir schwant, auch dieser Konflikt ist nur halb so übersichtlich, wie es zunächst erscheint. Oder zumindest wollen uns das die Beteiligten jetzt deutlich machen.