Lebenszeichen von Renault

Ich erwähnte ja hier im Blog bereits, dass ich einen echten Brass auf Renault habe eine kleine Anfrage an Renault geschickt habe, warum man eigentlich die Lämpchen für die Frontbeleuchtung nicht wechseln kann, ohne den halben Motor auszubauen, obwohl es im Handbuch ganz anders steht.

Meine entsprechende Email hat nach nicht einmal zwei Wochen zu einer Reaktion geführt. Nämlich zu einem echten Brief, der heute in der Post war. Darin bittet Renault mich, meinen Händler bzw. meine Renault-Werkstatt zu benennen und die Daten aus dem Fahrzeugschein anzugeben, den ich in Kopie einschicken soll. Ich befürchte also, dass meine Frage gar nicht von einem Menschen gelesen wurde, sondern nur in ein elektronisches Beschwerdemanagement eingegeben wurde, dass jetzt erstmal die Schleife “Daten vervollständigen” durchläuft.

Meine Antwort an dialog.deutschland@renault.de lautet wie folgt:

Sehr geehrte Frau R., haben Sie vielen Dank für Ihre Reaktion auf meine Email-Anfrage vom 24. Januar. Sehen Sie es mir bitte nach dass ich nicht nachvollziehen kann, wofür Sie für meine Anfrage einen Händlernamen und eine Kopie meines Kfz-Scheins benötigen. Ich habe angefragt, warum in der Anleitung zum Renault Megane Grandtour der Austausch der Lampen für die Frontbeleuchtung in einer Weise beschrieben wird, die sich mit einem Auto, dass einen Motor enthält (wie wohl die meisten, die sie verkaufen) gar nicht durchführen lässt. Ich bezweifle, dass dies ein für mein Fahrzeug spezifisches Problem ist, zu dessen Erklärung Sie den Kfz-Schein benötigen könnten. Ebenso bezweifle ich, dass sich dieses Problem nur bei Fahrzeugen findet, die bei meinem Händler gekauft wurden. Deshalb würde ich aus Gründen der Datensparsamkeit gerne darauf verzichten, Ihnen die gewünschten Angaben zu machen, und trotzdem eine Antwort bekommen. Sollten Sie allerdings konkrete Gründe haben, warum diese Angaben nicht einfach grundsätzlich abgefragt werden, sondern für die Beantwortung meiner Anfrage unerlässlich sind, werde ich meine Haltung selbstverständlich noch einmal überdenken. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie meine Anfrage nun beantworten würden bzw. diese zur Beantwortung an die entsprechende Stelle weiterleiten würden.

Boxenstopp im Internet

Vergangene Woche hatte ich eine Premiere: Ich musste den ADAC rufen. Seit letztem Jahr bin ich da ja Mitglied, nachdem ich mich jahrelang dagegen gesperrt habe, so von wegen der Verkehrspolitik, die der Verband – dann ja auch in meinem Namen – macht. Aber das Serviceversprechen hat mich dann doch überzeugt.

Und ich muss sagen: Es stimmt. An jenem Mittwoch setzte ich mich nämlich in mein Auto, steckte den Zundschlüssel rein und Autoradio und Lüfter sprangen an. Ich kramte noch in meiner Tasche, wollte dann zünden und – aus. Nada. Tot. Ein merkwürdiges Sirren, verrückt blinkende Lämpchen, zuckende Tankanzeige. Nix sonst. Zwei, drei mal probiert. Fehlanzeige.

Der ADAC versprach in spätestens einer Stunde jemanden zu schicken, man würde mich fünf Minuten vorher anrufen, damit ich aus der Wohnung runter kommen könnte. Nach nicht mal 20 Minuten klingelte das Telefon und der ADAC-Mann sagte, er sei “in fünf Minuten da”. Doch kaum war ich unten angekommen, fuhr auch schon der Wagen vor.

Kurz gesagt: Ein extrem freundlicher, gut gelaunter und humorvoller Mechaniker nahm sich meines Wagens an, der ihn erst ein bisschen verwirrte, aber am Ende stellte sich raus, dass die Batterie (sieben Jahre alt!) einfach durch war, zu wenig Spannung lieferte und dabei noch ein bisschen die Elektronik durcheinander gewirbelt hatte. Lösung: Strom mal komplett abklemmen, paar Minuten warten, und dann eine neue Batterie kaufen und einbauen. Gesagt, getan.

Ich konnte losfahren – und meinen Termin mit etwas Verspätung noch erreichen.

Nur: Das Autoradio ging nicht mehr. Es verlangte einen Code. Klar. Nur: Wo ist der? Zu Hause in den Unterlagen des – gebraucht gekauften – Wagens gesucht. Nix. Im Handbuch gelesen. Nix. Außer: die Renault-Werkstätte fragen. Mist.

Aber so wie der ADAC hilft, gibt es noch einen anderen großen Helfer: das Internet. Manchmal fragt man sich, wie man früher Probleme gelöst hat. Wahrscheinlich wirklich, indem man zur Werkstätte gefahren ist. Heute reicht bei Google ein “Renault Autoradio Code” und man landet auf der Seite “Mist, wo ist der Code vom Radio?”.

Und dort findet sich der Tipp, im alten Fahrzeugbrief auf der halben Seite unten aus den Zahlen die einzige vierstellige auszuwählen und diese in das Radio einzugeben. Und – es funktioniert.

Fast problemlos, denn nur Renault hat mir noch einen dicken Stein in den Weg gelegt. Im Handbuch fürs Radio “Gamme Radiosat” steht nämlich, man solle die vier Ziffern über die Stationstasten 1 bis 4 eingeben und dann steht wörtlich da: “Wenn der vollständige Code korrekt angezeigt wird, halten Sie die Taste (5) auf der Tastatur zur Eingabe des Sicherheitscodes gedrückt, bis ein akustisches Bestätigungssignal ertönt.”

Bei mir ertönt aber immer nur ein fieses Piepen, wie ein Fehlerton, und nix passiert. Ja, wie jetzt? Aber wenn ich den falschen Code eingegeben hätte, dann müsste jetzt wieder “Code” aufblinken, steht im Handbuch. Aber es passiert einfach nix, außer dem fiesen lauten Ton.

Vielleicht stimmt der Code ja doch nicht, man kann dem Internet ja nicht alles glauben, also vielleicht doch die Werkstatt? Dann erst nochmal Boxenstopp im Internet, wo man auf dieser Seite mit Radio-Anleitungen landet, und feststellt, dass sonst immer die Stationstaste 6 – die letzte – als Eingabetaste benutzt wird. Merkwürdig.

Nochmal im Handbuch nachgeschaut. Und tatsächlich. Franzosen, Spanier, Italiener, Engländer – sie alle erhalten dort die Anweisung, nach der Eingabe des Codes die “Taste (6)” zu drücken. Nur wir Deutschen, wir werden von Renault in die Irre geführt. Und da fragt man sich schon, ob Bedienungsanleitungen nicht eigentlich einer besonders strengen Korrektur unterzogen werden müssten. Mir kommen da immer so Gedanken… und ich frage mich, welche Fehler wohl Firmen wie Airbus oder Boeing in die deutsche Übersetzung ihrer Handbücher eingebaut haben. Und was da wohl passiert, außer dass man erstmal das Radio nicht entsperren kann.

Auf jeden Fall: Jetzt geht mein Auto wieder. Ganz. Mit Radio. Dem ADAC und dem Internet sei dank.