Klammheimliche Freude?

Heute sind in der Londoner U-Bahn und in einem Bus mehrere Bomben detoniert. Knapp vier Stunden nach dem Bekanntwerden verschickte die “Rote Fahne”, das Medium der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands, das meine dienstliche Email aus irgendwelchen Gründen in seinem Verteilert hat, folgende Mail:

Irakische Gegenoffensive legt Londoner Verkehrssystem lahm

London (DRF) - Mit Krieg, Besatzung, Massenmord und Folter betreibt das international organisierte Kapital unter Führung der USA und mit Unterstützung des Blair-Regimes die Politik “Blut für Öl”, die Ausbeutung irakischer Ölquellen. Heute wurde GrossBritanien selbst zur Zielscheibe eines koordinierten Militärschlages, internationale Beobachter vermuten eine Gegenoffensive des irakischen Widerstandes.

Das ist ja wohl schon etwas mehr als nur “klammheimliche Freude”. Aber offenbar muss dann jemand im Zentralkommittee zumindest kurzfristig das Denken befohlen haben, denn am Abend heißt es nun:

(…) Solche massenfeindlichen und faschistischen Anschläge müssen auf das Entschiedenste verurteilt werden.

Ein “Rote-Fahne”-Leser aus Eisenach, der kürzlich in London war, schildert seinen Eindruck von heute: “Als ich in London war, da habe ich jeden Tag Proteste gegen den Irakkrieg miterlebt. Vielleicht sind bei den Toten Menschen dabei, die sich an den Protesten beteiligten.” Dieser feige Anschlag ist nichts anderes als ein Terror gegen die Bevölkerung. (…)

Doch, oh weh, schon nach wenigen Absätzen ist es wieder vorbei:

Im ZDF-Mittagsmagazin diffamierte der sogenannte Terrorismus-Experte Theveßen den gerechten Widerstand des irakischen Volkes gegen die Besatzer. Die dortigen angeblichen Selbstmordattentäter hätten das Vorbild und die Anleitung geliefert.

Angebliche Selbstmordattentäter? In Wahrheit leben die also alle noch, weiß die MLPD. Ich hoffe inständig, dass sie mir nicht noch mehr davon erzählt.

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