Zauberwort Crossmedial

Noch ein Nachtrag zum Kongress BesserOnline, nämlich zu dem Workshop, wegen dem ich mich als Printjournalist für die Veranstaltung angemeldet hatte: “Integration von Print und Online in Tageszeitung” von Oliver Eckert, Chefredakteur RP-Online.

Kernthese: Alle Medien haben ihre Vorzüge - und vor allem ihre Zeit. Ohne crossmediale Vernetzung geht’s künftig nicht mehr.

Eckert führte das am Beispiel des 11. September 2001 aus, den er im Urlaub auf der Überfahrt nach Elba erlebte. Erste Nachricht darüber, dass ein Flugzeug ins World Trade Center gestürzt sei per SMS-Dienst der Financial Times Deutschland. Das eigene Bild vor Augen: Eine Cessna oder sowas ähnliches steckt in einem Hochhaus. Kurz darauf eine weitere SMS, ein zweites Flugzeug sei ins Hochhaus gestürzt. Nach dem Anlegen der Fähre am Hafen Radio gehört, danach in der Kneipe CNN gesehen. Am Abend lange Schlangen vor dem Internet-Café, um weitere Informationen zu erhalten. Und am nächsten Morgen großer Run auf die Zeitungen, die recht frühzeitig ausverkauft waren. Theoretischer formuliert: Der Einstieg per Handy, die Vertiefung per Internet, Radio und Fernsehen, die Folgerungen in der Zeitung.

Für Verlagshäuser ergibt sich die beunruhigende Botschaft: Es gibt einen extrem fragmentierten Medienkonsum, für jede Tätigkeit gibt es ein ideales Medium. Es werden zwar insgesamt mehr Medien konsumiert als früher, aber es bestehe die “Substitutionsgefahr” für die Tageszeitung, die auf der Strecke bleiben könnte.

Eckert: “Crossmedia ist die strategische Herausforderung”, weil:

Allerdings dürften die Medien nicht einfach nur addiert werden. So bestehe tatäschlich “die Gefahr der Kanibalisierung”, wenn die Print-Texte einfach 1:1 online gestellt werden, denn dann fragt sich der Kunde, warum er einmal für etwas zahlen soll (Print), was er genauso auch umsonst bekommt (Online). Und auch der Hinweis in der gedruckten Zeitung, online gebe es z.B. noch mehr Fotos von einem Event oder ein tolles Eklusivinterview im kompletten Wortlaut biete “keinen echten Mehrwert”.

Stattdessen sollten die jeweiligen Medien ihre Stärken ausspielen. Bei der Debatte über die teuerreform biete es sich etwa an, in der Zeitung ausführliche Hintergründe zu liefern, aber nur eine knappe Tabelle mit Rechenbeispielen für einzelne Fälle abzudrucken (Platzproblem). Online sei dagegen weniger gut für lange Hintergründe geeignet, stattdessen könnte aber ein interaktiver Einkommensrechner (Was bedeutet die Steuerreform für mich persönlich?) angeboten werden.

Um diese Vernetzung in der Redaktion stattfinden zu lassen, plant die Rheinische Post ein gemeinsames Newsdesk von Print- und Online-Journalisten, die jeweils Thementeams bilden sollen - wobei aber jeder “Spezialist” für sein Medium bleibt. Dieses von Eckert Koordinations- bzw. Kooperationsmodell genanntes System soll zunächst für den Sport bereits während der Fußball-WM gelten. Die Redakteure Online und Print sollen Infos austauschen, Ressourcen gemeinsam nutzen, Inhalte austauschen und auch “crossmediale Themenstrategien” entwickeln.

Klingt nach einem spannenden Projekt - und vielleicht wird Oliver Eckert ja in einem Jahr nochmal zu einem ähnlichen Kongress eingeladen und kann dann berichten, was wirklich rausgekommen ist.

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