Total ausgewogen

Nachdem in der “taz” ja bereits Andreas Zumach total ausgewogen den Israel-Hisbollah-Konflikt mit einem Angriff der Eta aus Südfrankreich auf Spanien verglichen hat schreibt heute Daniel Bax einen Kommentar mit dem Titel “Grenzen der Ausgewogenheit”, in dem er die Medien kritisiert, die ähnlich viel Platz der Situation in Israel widmen wie der im Libanon. Denn, so Bax, dies sei “bizarr”:

Doch auch der Versuch, beispielhafte Ausgewogenheit zu demonstrieren, wirkt oft etwas bizarr: dann nämlich, wenn die Korrespondenten in Israel nur zu berichten haben, dass sich die Bevölkerung in Bunker zurückziehe und Angst habe - während die Lage im Libanon fast stündlich dramatischer und chaotischer wird. Das Ungleichgewicht des Schreckens zwischen der Militärmacht einer hochgerüsteten High-Tech-Armee, die dabei ist, ein ganzes Land zusammenzubomben, und einer Guerilla-Armee, die mit ihrem Raketen eher ziellos in der Gegend umherzuschießen scheint, ist offensichtlich. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in der Zahl der Opfer. In Israel starben bisher 35, im Libanon schon 340 Menschen - und Hunderttausende sind dort auf der Flucht. (…) In einem solch asymmetrischen Konflikt gerät eine auf taktvolle Balance bedachte Berichterstattung schnell an ihre Grenzen - ja, sie kann sogar tendenziös wirken, wenn der Eindruck entsteht, ein israelisches Opfer sei so viel Aufmerksamkeit wert wie zehn Libanesen.

Kürzer gesagt: Warum bomben die Israelis eigentlich, so lange sie sich doch in ihre Bunker verkriechen und ein bisserl Angst haben können? Das ist doch, findet Bax, eine total übertriebene Reaktion. Mal abgesehen davon, dass zumindest die 35 Toten das vielleicht ein bisschen anders sehen werden, gibt es ja auch noch eine Menge Verletzte, nur mal an einem Nachmittag 26 in Haifa. Aber, würde Bax jetzt wohl sagen, warum waren die auch nicht im bequemen Bunker? Obwohl, warum eigentlich Bunker, da fliegen doch eh nur ein paar Raketen ziellos in der Gegend “umher”.

Wie “bequem” das Leben in Nordisrael ist, könnte Bax auch im Blog von Melly nachlesen

Alright, I’ll admit it. I’m scared.

About half an hour ago there was a series of nearby explosions without the warning of a siren. So far, this is the most scared I’ve been. So far, I’ve counted on the sirens to at least warn us.

As I’ve mentioned, my parents live in a north-facing apartment. Meaning, an apartment facing Lebanon, where the rockets are coming from. Without a siren, we’re very exposed as there is pretty much only the corridor that can serve as an inner room, as futile as it may sound.

My heart doesn’t stop racing and I have that bitter fear taste in my mouth.

Oder, ganz ähnlich, aber doch individuell anders, hier bei “Mideast on target”.

In derselben Ausgabe der “taz” steht auf der Meinungsseite auch ein Beitrag von Stephan Rosiny, in dem es heißt:

Die Frage von Ursache und Wirkung dieses Krieges, mithin die Frage, wer der Aggressor und wer der Verteidiger ist, stellt sich aus libanesischer Perspektive ganz anders: Israel hat bei seinem Rückzug aus dem Südlibanon im Jahre 2000 Minenfelder hinterlassen, durch die immer wieder Menschen verletzt und getötet werden. Die israelische Armee hält nach wie vor libanesisches Territorium auf den Schabaa-Farmen besetzt, und die israelische Luftwaffe verletzt seit Jahren ungehindert den libanesischen Luftraum.

Insofern hat, so darf man Stephan Rosiny, laut “taz” “wissenschaftlicher Assistent am Institut für Islamwissenschaften der FU Berlin, wohl verstehen, Israel eigentlich von der Hisbollah bekommen, was einem Aggressor zusteht. Und statt sich militärisch zu wehren, hätten sie sich wohl - siehe Herr Bax, leise in ihre Bunker verkriechen sollen. Was uns das sagt? Eigentlich nur,dass Akademiker auch nicht mehr das sind, was man mal dachte. Und dass, um sich die Welt zurechtzubiegen, für manche Leute kein Argument zu schwachsinnig ist.

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