Bitte lächeln!

Das Bildblog hat sich schon häufiger - zu Recht - über die “Bild”-Leserreporter-Aktion mokiert. Jetzt soll zurückgeschlagen werden, mit einem Aufruf: “Fotografiert Kai Diekmann!”

Schließlich ist Kai Diekmann Chefredakteur der “Bild”-Zeitung. Unter seiner Verantwortung ruft seit einiger Zeit auch “Bild” die Leser dazu auf, Fotos zu machen: von Unfällen, Naturereignissen und Beamten, vor allem aber von Prominenten und Nicht-Prominenten in kompromittierenden oder privaten Situationen. (…)

Deshalb unser Aufruf: Werdet BILD-Chef-Reporter, fotografiert Kai Diekmann – egal, ob am Nebentisch oder auf der anderen Straßenseite. Sagt’s Euren Freunden und Bekannten weiter (insbesondere denen, die auch Freunde und Bekannte von Kai Diekmann sind oder Freunde und Bekannte von Kai Diekmann kennen), schickt die Schnappschüsse an 4141@BILDblog.de21* – und denkt bitte immer daran: Die Arbeit von Rettungsdiensten oder Polizei darf nicht behindert werden.

Ein bisschen stolz scheint man bei “Bildblog” schon auf die Welle zu sein, die man da, zumindest in der Blog-Welt, losgetreten hat. Gleich zwei Beiträge sammeln bislang die zustimmenden und ablehnenden Reaktionen. Bei Medienrauschen gibt es sogar ein Pro und Contra. Und das sind nur die direkten Beiträge, in den Kommentarrubriken geht der Streit heftig weiter, etwa hier bei “Rebellen ohne Markt.

Dabei liegen die Meinungen so zwischen “geschieht dem Kerl doch Recht” über “da wird der Bild der Spiegel vorgehalten” und “als Witz nicht schlecht, aber in echt?” bis zu “man darf sich nicht auf das selbe Niveau begeben, wenn man die Menschen aufklären will”.

Mich stört an der Aktion vor allem: Wenn ich für die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen wie dem Persönlichkeitsrecht in der “Bild”-Zeitung bin, dann kann ich es nicht für eigene Aktionen ausschalten (wollen). Zudem wird so getan - “Bildblog”: Jetzt wird zurück fotografiert! - als ob nun Waffengleichheit herrsche. Das ist natürlich Unsinn. Die 08/15-Paparazzi-Opfer der “Bild” werden auch künftig vorgeführt und können, mit viel Aufwand, die Weiterverbreitung ihrer Fotos durchsetzen und ein paar Euro kassieren; das tut “Bild” nicht weh. Bei den Diekmann-Fotos wäre die Sache genau andersherum: Herr Diekmann würde die Weiterverbreitung verhindern und ein paar Euro bei dem Fotografen einkassieren; das tut dem vermutlich ganz schön weh.

Nehmen wir’s daher einfach nur als “Bildblog”-Werbekampagne, ein Schrei nach Liebe, sozusagen. Und der hat ja funktioniert.

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