Kaufverhinderungsstrategie

Supermärkte sind tolle Erfindungen des Kapitalismus. Alles liegt in greifbarer Nähe. Nur kurz die Hand heben - und schon liegen Käse, Brot, Wein, Fruchtgummis, links- und rechtsdrehende Joghurts, Fertigsushi, Reis in acht verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen etc. pp. im Einkaufswagen. Die Barrieren abbauen, keinen Verkäufer fragen müssen, einfach zulangen, haben und (später, viel später) bezahlen. So funktioniert wie wunderbare Warenwelt.

Außer bei Rasierklingen.

Diese Produkte gibt’s grundsätzlich nicht. Stattdessen hängen dort billige Pappkärtchen, sozusagen Bezugsscheine für das eigentliche Produkt. Waren-Sozialismus. Erst an der Kasse kann der Papierfetzen eingetauscht werden, gegen das eigentliche Produkt; Mach-9-Turbo-Multisensor-Mehrfachschneider-Rasierklingen eben. Ganz schön unbequem - vor allem, wenn dann an der Kasse keine sind. Und die Kassiererin mal langsam ihre Kasse verlässt, Richtung Verkaufsbüro trottet, klopft, wartet, wartet, reingeht, die Türe schließt. Und nichts passiert. Die Schlange hinter einem scharrt mit den Füßen, murrt, grummelt. Warum muss der denn - am Samstag! - auch unbedingt Rasierklingen kaufen. Elektrisch rasieren wäre ohnehin billiger, denkt man selbst. Und wartet. Peinlich berührt. Die Tür geht wieder auf, die Kassiererin erscheint, trottet zurück, legt wortlos die Klingen aufs Band - und zieht sie dann über den Scanner.

Liebe Produktstrategen: Teurer Schnaps steht bei euch offen im Regal, zum Zugreifen. Aber 11,99 Euro-Klingen werden nur unter extrem schwierigen Bedingungen abgegeben. Das sind Kaufverhinderungsstrategien. Ich werde jetzt mal schauen, ob ich meine Klingen nicht in irgendeinem Online-Shop (vielleicht noch dazu billiger) ordern kann, in der Jahresvorratspackung. Das ist dann wohl Kapitalsimus 2.0.

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