Der Streit um den Tempelberg

Die Auseindersetzung um die Bauarbeiten am Tempelberg in Jerusalem haben es ja auch in deutsche Radionachrichten gebracht. Einen interessanten Text schreibt Lila in ihrem Blog “Letters from Rungholt” dazu:

Was kümmert es sie, daß diese Fußgängerrampe weit von der Al Aqsa-Moschee entfernt ist? Was kümmert es sie, daß von ihrem angeblich befürchteten Einsturz zuallererst die Klagemauer betroffen wäre, als Überrest des Tempels allen Juden der Welt heilig? Was kümmert es sie, daß die Israelis erklären, zeigen, filmen, und wieder erklären?

Es interessiert sie so wie sie die Motive der Redakteure der Jyllands-Posten interessiert haben, wie der Wortlaut der Papstrede sie interessiert hat und wie sie die Tatsache interessiert, daß Juden aus Rücksicht auf moslemische Gefühle den Juden Zutritt zu ihrem eigenen Tempelberg verwehren! Es kümmert sie kein bißchen. Auf der ganzen Welt sind die Schreihälse wieder unterwegs, “Mit Geist und Blut erlösen wir dich, Al Aqsa!” Erlösen wovon?

(…)

Wer jetzt automatisch wieder in den böses-böses-Israel-Reflex verfällt, wer bei Bildern von steinewerfenden Palästinensern sofort fühlt, daß sie sich zu Recht gegen Unterdrückung wehren - der soll sich mal einen Moment lang ehrlich fragen: wie habe ich reagiert, als es gegen den Papst ging? was habe ich gedacht, als es wegen dieser Karikaturen losging? Kann es nicht diesmal doch sein, daß die Israelis sich normal und angemessen verhalten, die Führung der Palästinenser dagegen und der Moslems überhaupt in zynischer Weise ein Feuer schürt, das sie gar nicht erst hätten entzünden müssen? > >

Allerdings gibt es auch in der deutschen Mainstream-Presse kritische Sichtweisen der arabischen Reaktionen. So titelt “Spiegel Online”: “Muslimische Hetze gegen Bauarbeiten”. Darin heißt es:

Von Indonesien über Jordanien bis nach Ägypten und Marokko werden Proteste gegen die Bauarbeiten am Tempelberg laut. Dabei ist die heilige al-Aksa-Moschee gar nicht berührt. Doch das kümmert die religiösen Fanatiker nicht: Sie wollen den muslimischen Alleinanspruch auf Jerusalem.

Vielleicht sind Lilas Sorgen, dass Israel in der Weltöffentlichkeit als Schuldiger angesehen wird, in diesem Fall nicht ganz so begründet. Schön wär’s ja.

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