Das Ghetto der Bischöfe

Die katholischen Bischöfe aus Deutschland sind durchs “heilige Land” gepilgert. Sie haben in Israel nicht nur den See Genezareth besucht und die Stellen begutachtet, wo Jesus wohl ins Wasser gestiegen ist. Nein, sie waren auch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und dort sehr ergriffen. Danach waren sie in den Palästinensergebieten - und haben verglichen, wie die Netzeitung berichtet:

Der Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke sagte anschließend nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» vor Journalisten: «Morgens in Jad Vaschem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto in Ramallah. Da geht einem doch der Deckel hoch.» Der Augsburger Bischof Walter Mixa habe angesichts der prekären Lage der Palästinenser von einer «ghettoartigen Situation» gesprochen. Dies sei «fast schon Rassismus», zitierte die Zeitung den Bischof. Andere Blätter berichteten ähnlich.

Und wenn die Herren Bischöfe mal so eine Legebatterie besuchen, dann reden sie wahrscheinlich auch vom Hühner-KZ. Es heißt ja auch “glauben, nicht wissen”. Immerhin haben sie nicht davon angefangen, dass die Juden ja auch den Herrn Jesus ans Kreuz geschlagen haben, immerhin schon eine kleine Verbesserung im Zusammenleben der Religionen.

Ansonsten schade, dass die Bischöfe offenbar keine Zeit hatten, die Stadt Sderot in Israel zu besuchen, wo praktisch täglich Raketen aus dem Gaza-Streifen einschlagen. Vielleicht hätten sie dann, mit ein bisschen nachdenken und möglicherweise einem kleinen Gebet mit der Bitte um Erleuchtung, den Zusammenhang zwischen Terror und Mauer verstanden.

Update, 7.3.2007:

Kardinal Lehmann hat sich immerhin für die Äußerungen entschuldigt, wenn auch, wie ich finde, eher halbherzig:

Lehmann versuchte, die Gefühle der Bischöfe deutlich zu machen nach ihrem Besuch in Jad Vaschem und der Fahrt in die Palästinensergebiete. Nicht wenige Bischöfe hätten, besonders im Schatten der Sicherheitszäune und Mauern in Bethlehem, «eine starke innere Anspannung angesichts der bedrückenden Situation» verspürt. «Dieses Gefühl der Bedrängung hat dann auch in einigen harten Äußerungen seinen Niederschlag gefunden, von denen einzelne sicherlich nicht angemessen waren.»

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