Alles wird digital

oder: Inhalte vom “Tag des Wirtschaftsjournalismus”, Teil 3

Über den „Medienmix der Zukunft“ referierte Laurence Mehl, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt. Seine Kernthese: TV, Radio und Presse werden digital, und das wird die Medienbranche gehörig umkrempeln. „All IP“, alles läuft im Internet zusammen.

Allerdings, räumte Mehl ein, seien die Leser des „Handelsblatt“ was ihre Mediennutzung angeht, etwas anders gestrickt als der Durchschnitt der Deutschen. So habe eine Studie ergeben, dass 90 Prozent der Leser Internetnutzer sind, der Schnitt bei der Gesamtbevölkerung liege nur bei 67 Prozent. Und 47 Prozent der „Handelsblatt“-Leser nutzen das Netz mehrmals täglich, gegenüber 21 Prozent der Bundesbürger. Auch was die Nutzung mobiler Geräte angeht, liegen die „Handelsblatt“-Leser vorne: 91 Prozent (87 Prozent) haben ein Handy, 21 Prozent (10 Prozent) einen elektronischen Organizer und 15 Prozent (8 Prozent) einen Blackberry.

Dennoch: TV, Radio und Presse würden auf kurz oder lang digital werden. Das Fernsehen würde bereits heute von Video on demand abgelöst; Jugendliche wie sein Sohn säßen heute Nachmittags zu Hause, würden Videoclips bei Clipfish oder Sevenload anschauen und sich gegenseitig per Mail schicken, wo es die lustigsten zu sehen gebe, sagte Mehl. Das Radio würde durch Internetradio und Podcasts verdrängt. Wer künftig ins Auto steigt, drücke auf seinem Autoradio den Knopf „Wirtschaftsnachrichten“ und bekomme dann genau das – ein personalisiertes Angebot.

Die Presse habe es derzeit noch etwas besser, weil „Holzpapier sehr widerstandsfähig“ sei. Aber sobald das bereits häufig angekündigte elektronische Papier serienreif sei, werde sich alles rasant ändern. Dann stecke der Leser seine 48 Seiten elektronisches Papier abends oder nachmittags oder wann auch immer ins Ladegerät, und nach einer Weile habe er eine aktuelle Zeitung zum Mitnehmen in der Hand. „Redaktionsschluss, Blattplanung, Vertrieb, all das, was wir kennen, ist dann vorbei“, so Mehl.

Wie genau die Zukunft dann aussehen werde, könne niemand sagen, gab Mehl zu. Das sei aber nichts Neues: Schon 1971 habe die Universität Oregon keine Wege geteert, sondern zunächst überall Rasen gesät. Erst nach einer Weile seien die entstandenen Trampelpfade zu Wegen gepflastert worden. Die Nutzer, soll das heißen, suchen sich ihren Weg – und man tut gut daran, ihnen zu folgen.

Für Zeitungen bedeute das zunächst, dass sich an den traditionellen Aufgaben von Sammeln, Aufbereiten und Verteilen von Informationen nichts ändere, es kämen nur zusätzliche Aspekte hinzu. So sollten beim Sammeln von Informationen weitere Quellen wie Blogs, Wikis oder Onlineleserpost hinzugezogen werden. Das Aufbereiten sollte neben dem Artikel auch Webtexte, Video/IP-TV, Audio und Newsletter umfassen und die Verteilung sich neben dem Printprodukt auch auf das Internet, Mobiltelefone und Emailpostfächer erstrecken. Die Information solle, so Mehl, künftig

ausgeliefert werden.

Investieren sollten Verlage aus diesen Gründen derzeit in

Ein interessanter Überblick, wie ich finde. Wenn die Geschäftsmodelle, wie sich mit Internet, Mobil-Infos und ähnlichem, wirklich Geld verdienen lässt, gefunden werden, dann könnten „Handelsblatt“ & Co., die darin investieren, ganz vorne mit dabei sein. Wenn nicht, dann könnten Verlage, die abwartend und untätig zuschauen, am Ende sogar besser dastehen. Allerdings: Selbst dann dürften sie ihre bisherige Print-Leserschaft zu großen Teilen verloren haben. Deshalb denke ich, dass die Chance letztlich nur darin liegen kann, auf die Zukunft zu setzen, auch ohne einen glasklaren Plan in der Tasche zu haben. Die Vergangenheit zu konservieren ist zwar verlockend, hat aber noch nie funktioniert.

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