Journalism is forever

oder: Inhalte vom “Tag des Wirtschaftsjournalismus”, Teil 4

In einer ersten Podiumsrunde sollte es nach so viel Lobgesang auf das Internet um die Frage gehen, „wozu noch Journalisten?“ Auf der Bühne die bisher Vortragenden - Andreas Weigend Dan Gillmor, Laurence Mehl – sowie der N24-Chefredakteur Peter Limbourg, sein Kollege vom Kölner Stadtanzeiger, Franz Sommerfeld, sowie Jochen Wegener, Chefredakteur von „Focus Online“.

Sommerfeld startete damit, dass seiner Ansicht nach Journalisten ganz und gar nicht überflüssig würden. Der Unfall des Containerschiffes auf dem Rhein zum Beispiel hätte zwar zu vielen Leserreaktionen und eingeschickten Fotos und Videos geführt, aber natürlich habe kein Leser zur Ursache recherchiert. Genau dafür brauche es Journalisten. Ebenso sei die von Gillmor angesprochene Karte, die über die Bombenanschläge im Irak informiere, zwar eine gute Idee und Ergänzung von Berichterstattung, aber sie verrate nichts über politische Hintergründe des Konflikts. Aufgabe der Journalisten, so Sommerfeld, sei es aber künftig, stärker Leserreaktionen in Recherche und Berichterstattung zu integrieren.

Dem widersprach Wegener zumindest teilweise; seiner Meinung nach werde die Grenze zwischen Journalisten und dem Rest der Welt zunehmend fließender. So hätte die Kommentarfunktion bei „Focus Online“ in Einzelfällen bereits dazu geführt, dass Fehler in Artikeln behoben bzw. Nachrechgeriert worden sei. Dort würden sehr schnell Spezialisten ihre Meinungen austauschen, die oft besser Bescheid wüssten, als die Journalisten.

Völlig gelassen gab sich dagegen Fernsehmann Limbourg. Das Nachrichten-TV habe gute Chancen, weil der Trend im Internet ohnehin zu Bewegtbildern gehe. Er „glaube an die Macht der Marke“, so Limbourg, und den „Ordnungsfaktor“ der Medien. Spöttisch sprach er vom „loser generated content“. Allerdings werde man künftig flexiblere Journalisten brauchen, die genauso gut Filmen wie Schreiben und auch ihre Beiträge schneiden können müssen.

Derzeit, ergänzte Sommerfeld, mache der „Kölner Stadtanzeiger“ bereits KStA-TV mit kleineren Filmbeiträgen. Seine Erfahrung dabei sei, dass man zwar keinen gestandenen Rathausreporter einen Filmbeitrag drehen lassen kann, aber man könne ihn im Studio vor die Kamera holen und interviewen.

Wegener betonte, dass es ein großer Fehler wäre, die Homepage danach auszurichten, was am häufigsten angeklickt wird. Die Leute würden vielmehr von Journalisten erwarten, dass sie ihnen sagen, was heute wichtig ist – auch wenn sie dann erst mal andere Sachen lesen. „Die Leute schauen deshalb ‚Tagesthemen’, weil ihnen da jemand die Welt erklärt“, so Wegener.

Gillmor widersprach in seinem Beitrag Limbourg, der die Macht der Marken gelobt hatte. Die jungen Leute würden sich nicht um Markennamen scheren, sondern das anschauen, was ihnen jemand, den sie kennen, empfohlen hat. Damit erntete er Widerspruch von „Handelsblatt“-Geschäftsführer Mehl, der darauf verwies, dass Jugendliche sehr wohl Marken wie Yahoo oder Youtube schätzen würden.

Sommerfeld blickte dann lieber in die Zukunft und versprach, dass wir in zehn Jahren die elektronische Zeitung in Händen halten würden. Dann gebe es weder Holz noch Druckereien oder Vertrieb mehr.

Selbst dann aber, so Limbourg, bliebe TV das Leitmedium. Schließlich seien nicht alle Menschen so aktiv, wie hier immer wieder geschildert worden sei, und wollten sich ihre Infos selbst zusammensuchen. „Viele Leute wollen gefilterte Informationen haben“, so Limbourg. Seine These: Die Leser wollen gar nicht die Macht über die Journalisten übernehmen; wäre das so, würden Zeitungen schon heute zu 80 Prozent aus Leserbriefen bestehen. Das sei aber nicht so – weil die Leute das gar nicht lesen wollten.

Auch Wegener zeigte sich am Ende zuversichtlich und versöhnlich. Er glaube, dass am Ende nur „die Tätigkeit des Journalismus etwas entzaubert“ werde, „das Brimborium fällt weg“. Dennoch bleibe „der Journalist, der Dinge recherchiert und publiziert“.

Irgendwie, könnte man zusammenfassend zur Diskussionsrunde sagen, wird es weiter Journalisten geben, sind sich alle einig. Nur wird sich das Berufsbild verbreitern. Und irgendwie wird Journalismus immer mit dem Internet zu tun haben.

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