andreas streim

buchstaben, wörter, sätze & mehr

Datum: 20. April 2007

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[tags]Umfrage, TU Ilmenau, Mediengebrauch[/tags]

Im Innern des Terrors

Das X-Ray-Project zeigt die Folgen des Terrorismus auf eine ganz ungewöhnliche Art und Weise. Es ist eine virtuelle Kunstausstellung, die aus dem Tonfragmenten eines Krankenhauses und den Röntgenbildern von Opfern von Terroranschlägen besteht. Die Bilder stammen aus der Notaufnahme der zwei größten Krankenhäuser in Jerusalem.

Die Macherin, Diane Covert, schreibt dazu:

The idea for Inside Terrorism began to coalesce in my mind in 2002 as a personal response to terrorism and to my discomfort with the way terrorism has been justified in some circles. This is a documentary of survivors of terrorism. Much like photographer Mathew Brady documented the Civil War, people in emergency rooms today are documenting the effects of terrorism.

Unbedingt anschauen.

Via: Dave Bender, Israel at Level Ground

[tags]Israel, Terror, Opfer, Kunst, Röntenbilder[/tags]

Mehr als ein Billigflieger

Mein Kollege Jochen Hung hat in der MAZ versucht, das „Web 2.0“ zu erklären. Ein bisschen „Second Life“, ein wenig Wikipedia, MySpace natürlich und auch eine Prise StudiVZ. Wie gehabt. Zwischendrin aber seine These:

Verwunderlich ist der Erfolg der Netzwerkseiten im Internet nicht. Denn das war schließlich die originäre Idee der ganzen Erfindung: Das US-Militär vernetzte 1969 Universitätscomputer miteinander, um den Austausch von Forschungsergebnissen zu erleichtern und legte damit den Grundstock des Internets. In den Anfängen der privaten Nutzung in den Achtziger Jahren dominierten so genannte „Virtual Communities“, Kommunikationsnetze von Computernutzern, die sich über Vorlieben und Hobbys austauschten.

Das Internet der zweiten Generation ist im Grunde nur eine Weiterentwicklung dieser Anfänge: Statt virtueller „Schwarzer Bretter“ nutzt man nun eben die bunten Avatare von „Second Life“, um miteinander zu kommunizieren. Das Web 2.0 ist also keineswegs etwas revolutionär Neues. Denn die Virtualisierung der menschlichen Kommunikation begann schon viel früher mit der Erfindung der Schrift und setzte sich dann mit dem Telegraphen und dem Telefon weiter fort. Das Internet ist lediglich ein weiterer Schub dieser Virtualisierung: Die menschliche Kommunikation wird dadurch nicht entscheidend verändert, nur die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme werden ungemein erweitert.

Am besten lässt sich die Bedeutung des Internets mit einem weiteren viel diskutierten Phänomen unserer Zeit vergleichen: dem Aufkommen von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet. Der potentielle Radius unserer sozialen Kontakte erweitert sich durch Fernreisen zum Preis einer Taxifahrt ungemein und auf eine Art, die man sich vor 10 Jahren nicht hätte träumen lassen. Das Fliegen wurde so allerdings nicht neu erfunden.

Ich denke, dieser Ansatz greift zu kurz. Auch der Buchdruck hat die menschliche Kommunikation entscheidend verändert, obwohl es bereits früher Schrift gab. Und der technische Fortschritt, der den Druck dann billig und schnell machte, hat diese Kommunikation durchaus ebenfalls weiter verändert. Das Internet ist inzwischen soweit – wobei man über den Marketingbegriff Web 2.0 ja gerne streiten kann -, dass tatsächlich die Grenzen zwischen Nachrichtenproduzenten und Nachrichtenkonsumenten verschwunden sind.

Um im Beispiel des Fliegens zu bleiben: Es erscheint mir weniger die Entwicklung vom Linienflug in den 1980ern zum Billigflieger heute als die vom ersten Heißluftballon zur Mars-Mission. Anders gesagt: Aus einem bestimmten Blickwinkel war die Atombombe auch nur eine weitere Bombe, wie viele zuvor. Aber sie hat die Kriegsführung und die Militärstrategie doch gravierend verändert.

Es scheint mir, dass Journalisten diese Entwicklung immer noch gerne unterschätzen. Wobei, gut möglich, der Blick auf „Second Life“ für diese Erkenntnis auch denkbar ungeeignet ist.

[tags]Web 2.0, Second Life, Buchdruck, Billigflieger[/tags]

Im Zweifel – was dann?


Im Internet kursierende Grafik, von dataloo.

Wolfgang Schäuble hat ein Interview mit dem „Stern“ geführt. Darin findet sich diese Passage:

Was bedeutet Ihnen im Kampf gegen den Terror die Unschuldsvermutung?

Oh, die gilt im Strafrecht.

Und nicht für die Politik des Ministers?

Ach herrje, in der politischen Auseinandersetzung gibt es auch keine Unschuldsvermutung. Aber Spaß beiseite. Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige nicht bestrafen als einen Unschuldigen zu bestrafen. Der Grundsatz kann nicht für die Gefahrenabwehr gelten. Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche? Nach meiner Auffassung wäre das falsch.

Die Aufregung über diese Äußerung ist groß, etwa im Law Blog:

Schäuble lässt also demnächst Menschen wegsperren oder sogar per finalem Rettungsschuss behandeln, obwohl sie keinen Anschlag begehen wollen? Nur, weil jemand ohne ausreichenden Verdacht (und damit irrigerweise) mutmaßt, der Betreffende sei irgendwie gefährlich? Damit rechtfertigt der amtierende Innenminister Justizwillkür. Er redet dem Totalitarismus das Wort.

Das Problem an der Schäuble-Äußerung ist jedoch: Er sagt gar nicht, wie er denjenigen „daran versuchen will zu hindern“, dass er möglicherweise einen Anschlag begeht. Und das ist die Crux. Wenn dieses „Hindern“ darin besteht, dass man mal klingelt und freundlich fragt, ob denn möglicherweise da was im Busche ist und dann wieder geht, nun, dann ließe sich dagegen wenig einwenden. Weiterlesen

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