Die Mär vom Ostblock

Also mal vorweg: Den “Eurovision Song Contest” guck ich mir eigentlich nie an. Viel schlechte Musik ertragen um vielleicht auch ein paar ganz nette Liedchen zu hören? Klingt für mich irgendwie nicht gerade einladend.

Aber vielleicht hät’ ich dieses Jahr ja mal zuschauen sollen, bei dem ganzen Geplärre im Nachgang. Tenor: Die ganzen Ostblockstaaten schieben sich die Punkte zu und der arme Westen geht leer aus und verkatert nach Hause. So schreibt die Netzeitung

Die einhellige Meinung vieler westlicher Grand-Prix-Beobachter: Die befreundeten Staaten des ehemaligen Ostblocks schieben sich gegenseitig die Punkte zu - die Westler gucken in die Röhre.

“Spiegel Online” sekundiert mit

Die Punktevergabe war das Thema am Tag danach: “Da muss sich etwas ändern, ich weiß nur noch nicht was”, kommentierte der deutsche Moderator des Grand Prix, Peter Urban. 19 der 21 abstimmenden Länder Osteuropas gaben einem ehemaligen sozialistischen Bruder die Höchstwertung.

und in der “Märkischen Allgemeinen” heißt es

Die Dominanz der ehemaligen jugoslawischen und sowjetischen Teilrepubliken zog sich dann folgerichtig durch bis in die Stimmabgabe. Die Punkte aus den jeweiligen Ländern gingen fröhlich hin und her, die Serben stimmten für Bosnien, die Mazedonier für Serbien, die Russen für die Weißrussen, die Ukrainer für die Russen.

Aber stimmt das überhaupt? Weil auch die “Bild”-Zeitung in dieses Horn gestoßen hatte

Statt unseren Swing-König mit Punkten zu belohnen, schacherten sich die osteuropäischen Staaten wieder gegenseitig die Punkte zu. 15 der 24 Finalteilnehmer stammen aus Osteuropa. Von 21 osteuropäischen Ländern, die stimmberechtigt waren, gaben 19 die vollen 12 Punkte an einen ehemaligen Bruderstaat.

hat das Bildblog mal nachgerechnet und kommt zu dem überraschenden Ergebnis: Wenn man die Punktvergabe der Ost-Staaten rausrechnet, ändert sich am Ergebnis eigentlich gar nix. Und dann gibt es diese hübsche Tabelle:

Tabelle

Wir könnten den neu aufflammenden Kalten Krieg also eigentlich gleich wieder beenden.

Update:

Auch bevor so viele Osteuropäer mitmachen konnten gab es übrigens schon die Debatte über Punktvergabe zwischen “befreundeten Nationen”. Eine Studie hat das bereits damals widerlegt.

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