Remember Genua?

Heute gab es in Hamburg eine Demonstration gegen das Asem-Treffen in der Hansestadt. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. “Spiegel Online” berichtet [über den Anfang der Krawalle] wie folgt:

Zur Eskalation kam es gegen 16.30 Uhr nahe der U-Bahn-Station Rödingsmarkt, wo eigentlich nur eine Zwischenkundgebung geplant war. Die Veranstalter erklärten den Protestzug an dieser Stelle unerwartet für beendet: Man wolle nicht “in einem Wanderkessel der Polizei durch eine menschenleere Innenstadt” laufen, begründete Sprecher Andreas Blechschmidt die Entscheidung.

Wenn man sich zum Beispiel dieses Foto anschaut muss man sich tatsächlich fragen, ob da das Ziel einer Demonstration, nämlich die Öffentlichkeit über die eigene Position zu informieren, durch den Polizeieinsatz überhaupt noch ermöglicht wird:

Aber das ist ja bei Demonstrationen, bei denen Gewalttätigkeiten vermutet werden, längst usus. Obwohl interessanterweise die 1. Mai-Demonstrationen in Berlin seit einigen Jahren ohne solche Polizeibegleitung stattfinden - und seitdem aus der Demo heraus keine Krawalle mehr entstehen, sondern Stunden später an ganz anderen Orten (und wohl auch aus ganz anderen Gründen von ganz anderen Leuten).

Aber zurück zu Hamburg. Es gibt eine Menge Fotos von den Auseinandersetzungen. Eines davon, das im Netz kursiert, ist dabei - nun ja, doch etwas beunruhigend:

Es zeigt einen Polizisten, der seine Pistole gezogen hat.

Wohl nicht nur bei mir kommen da [Erinnerungen an den G8-Gipfel 2001 in Genua hoch, bei dem Carlo Giuiliani erschossen wurde. Vor allem, wenn “Spiegel Online” über die Hamburger Demonstration schreibt:

Die Hamburger Polizei hatte die Demonstration als eine Art Generalprobe für die bevorstehenden Proteste beim G-8-Gipfel in Heiligendamm betrachtet. (…) Die Sicherheitsbehörden hatten deswegen eine “Null-Toleranz-Strategie” gegen militante Demonstranten ausgerufen und rund 3000 Einsatzkräfte aus dem ganzen Bundesgebiet zusammengezogen.

Vielleicht sollten alle Beteiligten mal noch schnell in der letzten Woche vor dem G8-Gipfel einen Gang runterschalten, die Terror-Hysterie um eine Stufe senken und nochmal darüber nachdenken was passiert, wenn die Stimmung ständig aufgeputscht wird.

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